Das goldene Schiff auf der Kloake

No-Go Life-Profit! Viele hundert Stunden, doch was sind schon diese Stunden, nur schade, dass Gedanken die nicht nach Kaptialisierung, sondern nach Nutzen streben, nutzlos zu sein scheinen.
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London im Winter 1944, klare Sicht, Stille, im Südosten ein steil hochragender Kondensstreifen, Myriaden von glitzernden winzigen Kristallen leuchten gen Nordwesten, einige Minuten später ein zerberstender Schädel, ein unglaublicher Zufall wollte es so, der reichste Brite wurde beim Frühstück überrascht, danach durchzieht das Brodeln der Feuer ein schriller Ton, die Melodie des nahenden Infernos war überholt worden, sie hat nun ihren Ursprung eingeholt.

Wenn die Spitze des Projektils einschlägt, vernichtet sie alles im Umkreis von 50 Metern, das ist Geschichte, schon Monate später sollten es einige tausend Meter sein, heute dürften es hunderttausende sein.

Doch um wie vieles schlimmer sind die Krümel auf der Küchenplatte, um wie vieles enervierender ist das unangepasste Verhalten des vor mir schleichenden Verkehrsteilnehmers, wie sehr raubt mir das nervige Gehabe meiner Vorgesetzen jede Lust am Arbeiten, wir alle tragen unser täglich Leid mit uns, damit wir unser täglich Brot erhalten.

Wir tragen es geduldig, wir, die wir in Deutschland mit einer warmen Wohnung versorgt, mit 380 Euro Taschengeld und der Teilnahme an Gruppenbespielungen wie Geister- Regaleinundausräumen, Bewerbungsbögen ausmalen, Stilberatungstreffen, Motivationswalking, Betriebsunterhilfseingliederungsschütze Arsch im Quadrat für den Euro die Stunde millionenfach ins Vorratsbecken der nutzlosen Arbeitsmenschen gespült, jedoch nicht schlicht in einen Fleischwolf zu Tierfutterproduktion geworfen werden. Es geht uns doch gut!

Was bedeutet schon Würde, was bedeutet schon Lebenssinn, was bedeutet schon die absolute Leere in den Gesichtern unserer hoffnungsvollen Kinder, die so völlig ohne Hoffnung auf die nächste Niederlage in ihren kurzen Anläufen warten, die fast immer im Dreck der Kloake enden, weggeschoben ins bewusstlose Dasein, dorthin wo nur die Tagträume oder das virtuelle Bild einer Imagination in digitaler Elektronenverschiebung den Lebensinhalt generiert.

Aber jeder kann es schaffen, diese Botschaft ist das Motto des Jahrtausends, der goldene Lichtpunkt am Ende der Dunkelheit, dorthin streben unsere Gedanken, unsere Erwartungen, hin zum Licht, hinein in die goldene Welt der Karriere, erst das elegante, beschwingte Abspeichern von Wissen, mit 17 hat man sein Abitur, ist möglichst noch ein Virtuose auf der Geige, dem Klavier oder zumindest ein guter Gitarrist, beherrscht die Sportarten, die für das Gruppenerlebnis neben dem Büroalltag wichtig sind, Führerschein und zumindest eine Übungsleiterlizenz, Schützenvereinsmitgliedschaft und am besten noch ein Parteibuch in blau/gelb oder blau/schwarz – ja grün ist die Farbe der Hoffnung – geht auch – dann der 18. Geburtstag – der Studienplatz in BWL/Jura ist schon zugeteilt – jetzt kommt es darauf an, jetzt müssen die Wege wohlüberlegt, muss das Timing gut gewählt sein!

Was – Ihre Kinder praktizieren das nicht? (So sie Kinder haben…. – oder gedenken welche in die Welt zu setzen…) Verloren, verloren, ätsch – keine Chance in die goldene Gondel in die Skybox zu kommen!

Der Mensch des Jahres 2020 ist keine gewöhnliche sozial denkende Haut-Fleisch-Knochenkomposition mehr, nicht mit Innereien alleine ist sie gefüllt diese Erscheinung, nein, sie muss effizient dem Notwendigem dienen, das Notwendige ist der globale Wettbewerb, Milliarden von Wesen die da geboren werden, gut viele man könnte wohl sagen ein Viertel dienen nur als Organbank, Sexspielzeug, Elendsornamente zur Motivation der oben beschriebenen Wenigwertmenschen im reichen Armutssegment, doch sie erfüllen somit auch ihren Zweck – noch werden sie gebraucht, noch greift die Selektion der Oligarchen hier nicht zum Schredder, noch gleitet das goldene Schiff über ihre Körper, die noch atmen, noch hoffen, noch nach Wasser dürsten, nach Nahrung und nach – ja nach was noch?

Was wünschen sich die Menschen? Was wollen diese komischen Tierchen, jene die nicht den Weg auf die Plattform des Erfolgs geschafft haben, jene die nicht täglich im mörderischen Konkurrenzkampf damit beschäftigt sind ihren Rücken abzudecken, damit kein Messer zwischen den Rippen hindurch in die Lungenflügel sich bohrt, und dem leuchtendem Ballon des Aufstiegs plötzlich die Luft entweicht, man niedersinkt – neben den Planken, an der Reling vorbei – hinab ins stinkende, trübe Nass der Masse.

Jeder Million will erschlichen, erkämpft, geraubt, mit nötiger Ignoranz und Gewissenlosigkeit erobert sein, sie kommen nicht von selbst dahergeflogen, nein, wir müssen sie uns hart erarbeiten, daher haben wir sie auch verdient, wir die Leistungsträger, wir die wir die fatalen Entscheidungen treffen, die wir wissen, dass jedem guten Profit eine Schandtat gegenübersteht, dass man mit Vernunft und Weitsicht, mit Güte und Menschlichkeit keine Renditen erzielt, die wir unseren Machiavelli studiert und unseren Habitus auf geschmiert haben, auf unsere Axonen, sie sind verkleidet mit der abgrundtiefen Dummheit der Gier!

Doch ohne all diese vorzüglichen Eigenschaften stünden wir nicht hier, hier oben auf den edlen Planken des Totenschiffs, das über das Leid von Milliarden treibt, das so prunkgeschwängert im Ozean liegt, dass es in kürze ohnehin von selber versinkt, doch wir, wir werden weiter aus dem Elend der Massen die Renditen saugen, da wir ja so sehr endlich ein Teil aller Menschen sein möchten, wir kennen nur den einen Weg, alles rauben, alles vernichten, alles in unseren Bauch verfrachten bis endlich der Auftrieb ausbleibt, das goldene Boot versinkt und nur noch das Elend alleine – für alle, endlich für alle die Welt bestimmt.

Kleiner Rat: Würden die reichsten 0.001 % der Menschen ihre Vermögen dazu nutzen, ökologisch kluge, ökonomisch soziale – Lebensqualitätsrendite schaffende Prozesse auf unserem Planeten zu implementieren, hätte die Welt binnen etwa drei Dekaden keine Hungertoten, keine – wohl absolut desaströsen – ökologischen menschbedingten Katastrophen, keine Arbeitshöllen, Monokulturen, Atomkraftwerke, Waffenarsenale, Politintrigen, Ideologieenwettbewerbe, mehr – kurz, die Erde bekäme ein völlig anderes Gesicht.

Natürlich – diese kleine Schar findet das nicht attraktiv – Ihr Plan sieht anders aus – doch auch der Oberstudienrad in XY Stadt, also ein Mensch der Kinder ausbildet – tickt ganz, ganz ähnlich wie diese 0,001% - ja, wir scheinen leider alle so zu ticken – nur ein paar geisteskranke (ich scheine so ein nutzloses Subjekt zu sein….) – sind völlig verwirrt.

So möge mir der gebildete Leser, das hier lesende Leistungsmenschlein verzeihen, sollte es sich ungerecht skizziert vorfinden. (Wobei dies ja kaum so ein Menschlein liest – dieser Blog wir nur von einigen anderen – ähnlich „kranken“ Subjekten frequentiert…. – hallo meine lieben Leser – wink mal lieb….)

Wer hier mag schon einen Euro in ein Projekt investieren, dass nur den Menschen nutzt, nicht jedoch Geldrenditen generiert? (Keiner – ich habe es versucht – zumindest keiner den ich ansprach und ich sprach viele Menschen an – sie haben wohl alle geglaubt ich möchte sie ausplündern – stimmt – ich wollte für mich 1000 Euro im Monat – für die Projektplanung, die Projektleitung und das ganze Finanzmanagement – bei einem 100 Mio. Euro Energieprojekt, das einen Wirkungsgrad von 72% inklusive der grauen Energie gebracht hätte – Knackpunkt, die Energie wäre eben nicht verkauft worden, sondern hätte dazu gedient in Afrika das Vordringen der Wüsten zu verhindern und Kleinbauern zu ermöglichen nachhaltige diversifizierte Landwirtschaft zu betreiben, der Witz – Libyen wäre als Standort jener gewesen, wo man zumindest von Seiten der Politik ohne exorbitante Forderungen in der Sondierungsphase zumindest zugestimmt hätte Flächen praktisch kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Mich persönlich hat diese Erfahrung genügt – ich habe es versucht und bin gescheitert…. – ich könnte jedem ehrbarem Bürger Beteiligungen für Mordprojekte verkaufen – doch keinem kann ich wirklich soziale, effiziente, nachhaltige Ideen verkaufen – die sind schlicht nicht marktfähig!)

Mit diesen Renditen kann ich mir ja ein zweites, drittes, Auto kaufen, eine Luxusyacht, Ferienhäuser, Luxusreisen, Luxusspeisen, Luxusklamotten Luxus, Luxus, Luxus – und wozu lebt der Mensch, wenn nicht dafür????

Lieber eine Horrorwelt, eine Welt in der mir lautlos eines Tages ein ballistischer Flugkörper den Schädel adhoc spaltet, ich höre in nicht einmal kommen, lieber die Gefahr der absoluten Vernichtung – auch für mich, den überragenden Großgeist und Großperformer, den Mulitmilliardendollarmenschen, lieber im Angesicht des totalen Elends eine Luxuswabe behausen, als ein talentierter, befriedigter Geist in einer gütigen, liebevollen Welt zu sein – das ´wäre ja so demotivierend, so öde, wir würden uns ja in kürzester Zeit zurückentwickeln zu einer Horde streunender Affen.

Es lebe das Leistungsmenschlein, es lebe so lang es irgend kann!

Als ich vor sechs Jahren mein letztes großes Projekt zu realisieren versuchte, hatte ich einen Traum, ja ich habe sogar an eine mögliche Realisierung geglaubt, doch letztlich blieben außer jeder Menge Projektarbeit und warmer Worte aus den Mündern meiner Ansprechpartner nur die Summe der ausgesprochenen Lügen und ich musste konstatieren, ich hatte mich selbst betrogen - wer auf Vernunft hoff, ist schlicht naiv und dumm - ergo - bin ich endgültig in den Wald gegangen.

Heute bin ich geneigt als Monster zurückzukehren, es würde mich reizen möglichst irrsinnige Projekte zu realisieren - Projekte die maximales Leid für die möglichst viele Menschen und maximale Rendite für möglichst wenige versprechen - da das Leben ein Spiel zu sein scheint, könnte es sein, dass ich es wirklich noch mache (vielleicht kauf ich dann mal den Freitag auf...).

10:19 29.03.2013
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Geschrieben von

Oberham

Bedeutungslosigkeit ist immanent - trotzdem ist Nachdenken erlaubt
Oberham

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