Das Rauschen im Palast

Elendsrenditen Nie vorher in der Geschichte der Menschheit verstand es der Mensch besser, das Elend am Leben zu halten. Elendsmaximum bedeute Renditemaximum - bis der Krug zerbricht.
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Auf krummen Rücken, die Schultern von Schwielen übersäht, tragen junge Menschen, die aussehen wie Greise, Zentnerlasten aus Höhlen, aus Gruben, aus Schluchten noch Oben, von Bergen hinunter ins Tal.

Da macht ich für eine Stunde die Plage, stellte mir nicht lange die Frage, wozu? Für eine Stunde Wärme, trage ich gerne die Stunde im Sommer das gesammelte Holz zu meiner Bleibe, der Lohn ist klar, und nicht zu frieren, ist fürwahr ein lohnender Grund.

Doch schleppen Millionen von geschundenen Kreaturen, Millionen Tonnen Jahr für Jahr, nur damit ein irrsinniger Teil der Lebewesen auf unserem Planeten, seine vermeintlich wichtigen Bedürfnisse befriedigt.

Dort wo noch nicht gigantische Apparaturen, mit gigantischen Feuern in ihren stählernen Herzen, die Pariaarbeit verrichten, wird mehr als je zuvor geschleppt und unter der Last langsamer verreckt, als jemals zuvor in unserer abartigen menschlichen Historie.

Es wird auch Holz geschleppt, doch das ist meist ein Überlebenstragen, damit man Feuer für die wenige Nahrung hat, oder ein bisschen Wärme – wo die Winter kalt. Meist ist es dann ein Kreislauf in den Tod hinein, da nur mehr wenig jenen Armen bleibt und sie sich so die letzten Felder schänden, da keine Wurzeln und kein Baum mehr, sich gegen Wind und Wetter wenden.

Einst schlugen die Waldbesitzer auf die alten Frauen ein, mit Pferdepeitschen von den Satteln aus, da sie sich holten aus dem Holz die dürren Zweige dreist heraus.

Heut treiben Angst und Terror ganzer Horden von bewaffneten Treibern, die Menschen in die Gruben, wachen darüber dass sie graben, wühlen, schleppen, sich in Gift und Dampf der realen Höllen suhlen.

Einst ging es gegen Tod und Hunger an, waren die meisten jeden Tag auf ihren Beinen um zu vermeiden abends die Kinder hörn zu weinen, da sie nichts stellten auf den Boden, oder Tisch, das hätte einen Magen füllen können.

Einst war die Angst so groß, das Leid war da, das Leben war grausam und hart – die Nischen des Glücks sie schimmerten zart aus dem Licht das sich in den Blättern der Baumkronen bricht, ein Blinzeln hinauf in den Himmel, ein zartes Wort, eine Berührung – und fort waren die Leiden, vergessen war die Angst, doch die Rückkehr der Nacht und die kalte Macht, drückten den Menschen noch immer nieder ins Grab der verlorenen Kraft.

Doch im Heute ist das Panoptikum dieser stinkenden Gruft, grässlich triefender Eiterkaskaden, hämisch grinsender Plutokratenvisagen und jämmerlich wimmernder Milliarden, monströser, monströser denn jemals zuvor!

Einige hundert Millionen tragen das Leid von Milliarden, an ihren Körpern, wohlwissend, was sie da tragen, luftig leicht und bequem zugleich. In ihren Taschen strahlen die seltenen Erden und das Mikrogramm Gold leitet über Kupfer und Silber, Quecksilber, ein Spektrum der Elemente versammelt, versammelt um ihre Gedanken in Signale zu wandeln, so tauscht man sich aus – rund um die Welt, man bestellt seinen Wünsche ein, desto mehr einer hat, desto größer und perverser dürfen diese sein.

Auch dies Getippe hier erfolgt auf dem gnadenlosen Leiden jener, die die Grundstoffe trugen, bewusst bin ich mir was für ein Schuft und Scharlatan ich bin, zu tippen und auszurufen – möge das Leben ein ewiges Wiederkommen sein, und mir der Sack schon auf den Schultern lasten, auf dass ich zu tragen, geboren ward, zu tragen die Last der Dummheit, die Professoren und das Bildungspack jeden Tag haben aufs Neue geboren.

Nirgends ist mehr Verrücktheit und Arroganz daheim, als in den wohlgepolsterten Sesseln der Alumni-Messen, nirgends kotzt der Geist des Menschen mehr Dreck und Wahnsinn aus, als in den Seminarsälen, nirgends wird die vollkommene Nutzlosigkeit allen Tuns und allen Schaffens deutlicher als in den Palästen, den rauschenden Palästen, in deren klimatisierten Sälen die Elemente, die Metalle, die Erden rauschen, rauschen und mit Impulsen den Untergang unserer verfluchten Spezies im Millisekundentakt orchestrieren –

Milliarden tragen ihre Leben in Leid und Elend durch diese letzten Zeiten, einige tausend dürfen auf goldenen Schwingen über deren Leichen gleiten.

Verflucht ist diese Spezies, ein verfluchtes Monstrum an Zellkomposition, ein genetisches Chaos, eine Ausgeburt dessen, was wir als Hölle so fürchten – dabei sind wir die Hölle und die meisten – ja die meisten lebenden Menschen, sie wissen es genau!

Die Wahrheit liegt vor unseren Füßen, steckt in unseren Taschen, unter den Plastiktasten, in unseren Gedanken – das Rauschen des Windes, es wird sich bald nicht mehr in menschlichen Ohren verlieren, dann werden hoffentlich noch lebendige Wesen, vielleicht gütige und die Spirale von Angst und Leid überwindende Wesen, dies überwindende ohne alles zu vernichtende Wesen, sein.

Der Mensch ist ein furchtbares Kapitel gewesen!

Wenn die Entwicklung anhält, werden in einer Dekade 0,01 % der Menschen etwa 95 % der Erde als ihren Besitz beanspruchen - von Geld müssen wir nicht sprechen - das wird dann ohnehin wieder neu verteilt, falls man es noch für nötig erachtet die Massen damit zu gängeln.

Was die Irren, denen wir alle willig folgen verdrängen - sie vernichten unsere Lebensgrundlagen - und sie sind schlicht viel zu dumm und viel zu eingebildet, borniert, engstirnig, verblendet und die noch möglichen zig tausend negativen Attribute die man uns zuschreiben könnte spar ich mir - ich sollte einfach MENSCHLICH tippen - doch dann missverstehen es die meisten wohl wieder - , um sich und Ihre Brut - trotz all der Macht und all dem vermeintlich Möglichem, über diese Zwangsläufigkeit hinaus, zu behaupten.

Mir bleibt eben der Part des Mühlhiasl - hier im Freitagsschöngeistgeplauder.

Aber mir tut es gut mir den Frust aus dem Leib zu tippen - ergo - bin ja nur ich der das tippt - ihr macht Euch selber Eure Gedanken - leider schreibt kaum einer darüber - lieber verliert man sich in Marginalien und projeziert über all das Schlimme, das man ja erkennt - eine gütige Glocke des immanenten Hummanismus und der positiven Menschlichkeit - aus der man seine Hoffnung schöpft.

Was aber wenn menschlich zu sein, tatsächlich bedeutet die maximal mögliche Bestie zu sein?!

11:46 24.08.2013
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Geschrieben von

Oberham

Bedeutungslosigkeit ist immanent - trotzdem ist Nachdenken erlaubt
Oberham

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