.die besondere verantwortung

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Vor über anderthalb Jahren hatte ich mal einen Artikel zur besondern Verantwortung von Menschen in der Öffentlichkeit geschrieben. Interessanter Weise war das vor der Wirtschaftskrise. Ich habe den Artikel jetzt auch nicht mehr aktualisiert, sondern wollte ihn dieser Community zur Verfügung und Diskussion stellen.

Die besondere Verantwortung

„Warum ich diese politisch inkorrekte Meinung vertrete?“ fragt sich Resistent, als sie entgegen der weitläufigen Meinung, dass Manager eine besondere Verantwortung haben, schreibt. Nein inkorrekt ist es nicht und es umso politischer, wenn man versucht eine andere Seite zu beleuchten, weil nur damit ein demokratisches System leben kann. Also politisch inkorrekt ist es nicht, wenn man meint, dass Manager keine besonderer Verantwortung als jeder von uns haben, aber es ist leider auch nicht so ganz kausal richtig.

Die Diskussion zu einer besonderen Verantwortung kam in der letzten Zeit durch ein Agenda Setting in Wahlkämpfe auf, die sich darauf begründeten, dass es wohl nicht sein kann, dass man einfach so in Bochum ein Werk schließt oder ein Postdirektor (a.D.) Steuern hinterzieht. der Tenor in der Politik und den Medien bestand darin, dass die Manager eine besondere Verantwortung haben soll, also so etwas nicht machen können. Falsch meinen die anderen, weil ein Manager nicht gegenüber der Gesellschaft, sondern gegenüber der Firma und den Aktionären eine Verantwortung haben. Weiter geht das Argument, dass es keine besondere Verantwortung gibt, weil jeder Mensch verantwortlich handeln soll bzw. moralisch. Das ist richtig und auch rechtens, aber die Frage liegt doch in dem Wort „besonderen“, was soll das bedeuten.

Das Problem liegt an der Definition von „besonders“, weil das immer einen Anspruch von außerhalb gewisser Normen ob positiv oder negativ, beinhaltet. Diese Konnotation lässt natürlich den Populismus regen, der dann eine Schicht von „oben oder unten“ aufmacht , aber eigentlich ist dieser Schritt zu einfach, weil die Suggestion nur zu einem schwarz-weiß-Denken führt.

Ich will das Pferd mal anders besteigen und zwar daher, dass man den Manager als ein gewisses System in einer politischen und öffentlichen Rolle verstehen sollte.

Schwarzfahrer

Als Argument wird gebracht, dass wenn jemand seinen Fahrschein im Zug nicht bezahlt bzw. nicht entwertet, er eigentlich nicht die Moral besitzt, dass er „gerecht“ ist. Das ist richtig, weil auch hier würde die ein bisschen zu kurz gefasste Maxime von Kant greifen, dass man immer so handeln sollte, wie man es selbst erwartet. Somit ist die Stufe die Gleiche zwischen der Moral eines Managers und eines Schwarzfahrers. Ja rein rechtlich und Moralisch stimmt das, aber nun kommt der Öffentliche Raum, in dem sich beide bewegen: Wenn ich eine Fahrkarte nicht entwerte, dann bekommt jenes der Schaffner und vielleicht noch mein Sitznachbar mit und auch der Sitznachbar wird meinen: „tztztz, wegen solchen Schwarzfahrern bezahle ich immer mehr“, aber nun hinterzieht ein Manager, Postdirektor (a.D.) eine Million an Steuern. Woher ich das weiß? Na aus den Medien. „BILD“, SZ, Spiegel, alle berichteten und keiner berichtete über mein Schwarzfahren. Bin ich traurig, weil ich auch gerne die Aufmerksamkeit hätte? Nein, irgendwie nicht.

Was ist aber der Punkt dabei? Dass ein Manager sich nicht nur in der Führungsrolle eines Unternehmen bewegt, sondern auch im Öffentlichen Raum unterwegs ist und somit halt auch außerhalb seiner Funktion (Leiten einer Firma) beobachtet wird. Die kann mit einem Hierarchie-Denken zu tun haben, dass durch gewisse Macht und Einfluss ein größerer Nachrichtenwert besteht oder auch daran, dass man über einen bekannten Faktor diskutieren will. Auf einer Party kann man kaum über jemanden reden, den keiner anderer aus einem selbst kennt, aber jeder kann über Michael Schumacher was sagen. So ticken auch Medien, wenn sie nicht über mein Schwarzfahren, sondern über die Steuerhinterziehung berichten, obwohl weiterhin beides falsch ist.

Die Ampel

Der nächste Schritt der daraus folgt ist eine Erziehung: warum soll ich mich anders verhalten, als der andere. Im Mikrokosmos gesehen: wenn eine Mutti dem kleinen Kind zum hundertsten Mal sagt, dass es an einer roten Ampel stehen bleiben soll und dann aber ein Mann über die rote Ampel geht, fragt das Kind: „aber warum geht der Mann herüber und wir nicht?“. Auf der Ebene des Makrokosmos kommt mir eine Szene aus dem Film „Lord of War“ ins Gedächtnis: in einer Szene, wo ein diktatorischer afrikanischer Präsident einem Amerikaner die Zeitung vor die Nase hält, mit der amerikanischen Präsidentenwahl damals 2000 in Florida und so und der sinngemäß meinte: „haha und ihr wollt mir was von Demokratie erzählen“. Eine westliche Demokratie bescheisst bei Wahlen, aber will mir erzählen, dass die falsch ist und ich ein Diktator bin.

Die Vorbildfunktion im Mikrokosmos, wie im Makrokosmos ist ein wichtiger Bestandteil der Verantwortung. Natürlich auch hier weiterhin für jeden, aber nun kommt das „Besondere“: für jeden in seinem Rahmen und dessen muss man sich bewusst werden. Das „besondere“ der Verantwortung liegt also nicht darin, dass man ein „oben und unten“ definieren will und nun natürlich der Neid ausbricht, sondern das „Besondere“ liegt darin, dass sich eine Person seinen Status gegenüber der Gesellschaft reflektieren muss und auch somit seine Vorbildfunktion wahrnehmen muss.

Mittelpunkt der Welt

Ein Manager muss sich halt bewusst sein, dass er auch eine Verantwortung gegenüber dem Staat oder der Gesellschaft hat und diesem nicht betrügen kann, noch weniger als ein Schwarzfahrer, weil er viel stärker im Mittelpunkt des Öffentlichen Interesse steht und somit nicht nur ein Mann ist, der bei Rot über die Ampel läuft und das nur ein kleines Kind mitbekommt, sondern ein ganzes Land, um in den Bild zu bleiben. Zwei Punkte sprechen dafür, dass sich Manager diesem Punkt auch immer gerne als Argumention nehmen und sich somit dessen bewusst sind: a) werden gerne hohe Managergehälter so argumentiert, dass man auch mehr Verantwortung trägt und auch der Gesellschaft gegenüber ein höherer Beobachtungsdruck besteht und b) dass man auch gerne sich selbst dahinter versteckt, dass man leider Menschen entlassen muss um auf dem „Weltmarkt“ konkurrenzfähig zu bleiben. Also man sieht selbst eine Hierarchie über sich an, nach deren Vorbildern man handelt: „wenn wir das nicht machen, machen es andere“ und somit könnte man doch auch behaupten, dass man nach „unten“ schauen kann: „was ich mache, machen dann auch andere.“ Gut, okay könnte man sagen, was interessiert es einen Manager wenn andere Steuern hinterziehen. Eigentlich kann es ihn egal sein, wenn das nicht auch das Geld wäre, was dann in Subventionen fließt, wovon auch halbstaatliche Unternehmen, wie die Post profitieren.

Somit kann es doch nicht so egal sein, wie man sich als Manager verhält und auch die „besondere“ Verantwortung eigentlich nur eine Form der Rhetorik ist, um einigermaßen darauf hinzuweisen, dass Manager genau, wie alle anderen Personen die im Öffentlichen Interesse stehen, sich jenem auch bewusst sein sollten und dann halt einfach mit guten Beispiel vorangehen sollten.

Ach wie leicht gesagt….Ich gehe nun bei rot über die Ampel, hab es eilig.

9. März 2008, andi weiland

12:21 16.12.2009
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