oi2503
10.01.2013 | 22:28 58

BER abreissen, jetzt

Mafiöse Strukturen Die Entscheidung für den Standort Schönefeld war falsch und bleibt es. Jetzt sollte neu geplant werden. Für ein internationales Drehkreuz mit 24h Betrieb. In Sperenberg

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied oi2503

BER abreissen, jetzt

Foto: byteschieber / Flickr (CC)

Mit der erneuten Verschiebung der Eröffnung des Flughafens BER Willy Brandt sollte eine Debatte über den richtigen Standort für einen langfristig tragbaren und wahrscheinlich sogar finanziell erfolgreichen Standort beginnen. Der zudem – wieder wahrscheinlich – zumindest größtenteils privat finanziert werden könnte. Dieser Standort ist Sperenberg, ca. 70 km von Berlin entfernt. Dünn besiedelt. Nachtflugverkehr ist möglich und auch eine ICE-Anbindung. Der Flughafen wäre der einzige rund um die Uhr-Flughafen in D., er könnte tatsächlich Drehkreuzfunktion übernehmen. Und genau das ist das Problem. Das war durch den Bund nicht gewollt, der eine zu starke Konkurrenz für die Flughäfen München und Frankfurt – an denen er Anteile hat – befürchtet. Besonders die Fraport soll stark gegen den Standort gearbeitet haben.

Die Handelnden. Matthias Wissmann (CDU), Eberhard Diepgen (Westberliner), Manfred Stolpe (Konsistorialpräsident forever). Für Diepgen als gelerntes Inselkind lag Sperenberg wahrscheinlich irgendwo in der Nähe von Wladiwostock. Viel zu weit weg jedenfalls. Vom QDamm. Wissmann vertritt eigene Interessen, arbeitet mit dem Argument, der Bund würde die Schienenanbindung Sperenbergs nicht bezahlen und erreicht so, dass Stolpe sich geschlagen gibt und sich sagt, dass Schönefeld ja immerhin auch in Brandenburg liegt.

Die entscheidende Sitzung schildert Stolpe so: „Der Bund hatte sich entschieden, sich auf zwei Luftdrehkreuze zu konzentrieren: Frankfurt am Main und München. Mit einem 24-Stunden-Flugverkehr in Sperenberg wäre zumindest für München eine ernste Konkurrenz erwachsen. Nach jener mittlerweile sagenumwobenen Sitzung mit Diepgen und dem früheren Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) im Berliner Senatsgästehaus wurde aber erklärt, Sperenberg sei an den nicht finanzierbaren Mehrkosten für 60 Schienen-Kilometer gescheitert. Das Problem hatten wir den beiden anderen Partnern längst abgenommen. Der damalige Brandenburger Finanzminister und ich hatten ja feierlich ein Papier auf den Tisch gelegt und gesagt: Die 1,3 Milliarden Mark Mehrkosten übernehmen wir armen Schlucker in Brandenburg. Um Sperenberg zu erreichen.“

Vorher war die Abstimmung zur Länderfusion geplatzt, die vielleicht noch einmal Schwung für Sperenberg hätte bringen können.

Mit der Bekanntgabe des Standortes Schönefeld zogen die privaten Investoren Deutsche Bank. Holzmann und Lufthansa ihr Angebot zu Finanzierung und Betrieb des Flughafens Berlin (in Sperenberg) zurück. Begründung: Ein Flughafen in Schönefeld sei nicht wirtschaftlich zu betreiben.

„Die Entscheidung gegen Sperenberg hatte auch zur Folge, dass sich private Investoren für einen neuen Großflughafen Berlin sofort zurückzogen. Ohne Nachtflugerlaubnis ist der kaum rentabel zu betreiben. Aber wie Platzeck sinngemäß gesagt hatte: Die Finanzierung ist nicht unser Problem. Jetzt sind dafür die Steuerzahler und die hoch verschuldeten Bundesländer Berlin und Brandenburg zuständig. Der Flughafen, der jetzt in Schönefeld gebaut wird, steht nämlich auf wirtschaftlich wackeligen Füßen. Für einen internationalen Knoten ist Schönefeld nicht ausgelegt, dafür ist er nicht geplant und deshalb erfahrungsgemäß bald wieder zu klein.“ (aus: http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/gastkommentar-der-bbi-ist-unsinnig-und-unrentabel/1972126.html).

Vorab waren acht Standorte geprüft worden: „Acht mögliche Standorte werden auf ihre Tauglichkeit getestet: Jüterbog Ost, Schönefeld Süd, Sperenberg, Borgheide, Tietzow Jüterbog West und Michelsdorf. Die Würfel fallen im Juni 1993, als Brandenburgs Wirtschaftsminister Walter Hirche das Ergebnis verkündet: Für Jüterbog Ost, Schönefeld Süd und Sperenberg wird das Raumordnungsverfahren beantragt. "Damit ist eine wichtige Vorentscheidung im Hinblick auf den Bau des neuen Flughafens im Süden Berlins gefallen" sagt Hirche. (...)Ende 1994 kommt ein Standortvergleich aus der Feder des damaligen brandenburgischen Umweltministers, Matthias Platzeck, zu dem Ergebnis, "dass der Standtort Jüterbog Ost und der Standort Sperenberg gleichrangig zu bewerten sind, während der Standort Schönefeld Süd hier in der Bewertung deutlich abfällt.“ (aus: http://www.rbb-online.de/themen/flughafen-ber/flughafen_ber/countdown/rueckblick__planung.html).

Der Standort Schönefeld war also eigentlich aus dem Rennen. Aber:

Hans Olaf Henkel zieht im Hintergrund die Strippen, heißt es, damit der Flughafen in Schönefeld gebaut wird: „Wer nun tatsächlich glaubt, der Flughafenstandort Schönefeld-Süd habe mit seiner landesplanerischen Bewertung eine glatte Bruchlandung hingelegt, sieht sich wenig später getäuscht. Der damalige Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, Hans-Olaf Henkel, lässt Schönefeld Süd gegen alle Lärmschutzempfehlungen munter wieder auferstehen. Die Wirtschaftlichkeit der Standorte für die Gesellschaft sei nicht Teil des Bewertungsverfahrens gewesen, lieber aber natürlich in ihrer Verantwortung. "Ebenfalls wichtig ist die Finanzierbarkeit eines Großflughafens an allen Standorten", argumentiert Henkel.“ (aus: http://www.rbb-online.de/themen/flughafen-ber/flughafen_ber/countdown/rueckblick__planung.html).

Also. Jetzt anfangen Sperenberg zu planen. Und dann hat der derzeitige BER in 10-15 Jahren ausgesorgt, das Finanzloch schwindet, ein tatsächlich internationales Drehkreuz mit 24h-Betrieb kann entstehen, privat finanziert und ohne dauerhafte Alimentierung durch den Steuerzahler (so ist zu hoffen).

P.S. Die Belastungen für Mensch und Umwelt wären auch geringer.

P.P.S. Gegen diesen (Wirtschafts/Politik)-Krimi sind alle falsch gepflanzten Bäume, alle Schwierigkeiten mit Brandschutzanlagen und auch die Intervention der EU-Kommision wg. Flora/Fauna-Habitat ein Fliegenschiss.

P.P.P.S. Wer mehr wissen will, einfach bei Suchmaschine & Co. "Entscheidung gegen Sperenberg" eingeben. Spannung garantiert.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (58)

qwpoeriu 11.01.2013 | 14:01

Naja ...

Nicht, dass man die interessant dargelegten Mauscheleien schönreden müsste, aber:

- Es gibt selbstverständlich Flughäfen in Deutschland, die 24h-Betrieb haben. Frankfurt-Hahn zum Beispiel. Und der ist wirklich nur unwesentlich weiter vom Rhein-Main-Gebiet entfernt, als Sperenberg von Berlin. Und dünn besiedelt heißt gar nichts, schließlich wollen auch ein paar wenige Leute geschützt werden und sonst gibt es sicher Vögel, Molche oder was auch immer, die leiden könnten (Ironie).

- "ICE-Anbindung ist möglich": Möglich ist vieles. Aber wer soll das Ding bezahlen, wer damit fahren? Der Münchner Flughafen mit deutlich mehr Fluggästen ist inzwischen 20 Jahre alt und es weiß immer noch niemand, wie man ihn anbinden sollte. Auch dort wäre eine ICE-Anbindung möglich, sie kommt aber nicht, weil sie sich einfach nicht rechnet. Man hat sich sogar dazu entschieden, die ca. 20km entfernte Strecke München-Ingolstadt auszubauen, anstatt via Flughafen neu zu bauen. Noch viel näher liegt die Strecke München-Regensburg-Prag. ICEs fahren dort gar nicht und vielleicht erlebe ich es noch, dass irgendwann doch noch mal ein Regionalzug die Ausfahrt nimmt. So kritigwürdig Schönefeld ist, wenigstens die Verkehrsanbindung passt ...

- Und schließlich die Mär vom Drehkreuz. Wer sollte dieses eigentlich aufbauen? Lufthansa und ihre Töchter betreiben Drehkreuze in Frankfurt, München, Wien, Zürich und Brüssel. Zudem wird immer wieder über einen Einstieg bei LOT (Warschau) verhandelt. Air Berlin ist pleite und entwickelt sich zunehmend zu einem Feeder für Qatar in Verbindung mit ein paar Verbindungsstrecken nach Nordamerika und Asien. Wer sollte also kommen?

All das gilt selbstredend auch für Schönefeld, nur ist das 24h-Betrieb-Argument sicher nicht der ausschlaggebende Punkt für die Nichtentwicklung dorthin. Wer soll genau sollte bitte nachts um 3 Uhr ein- und wohin weiterfliegen? Für die einzigen Relationen dieser Art gibt es mindestens fünf Alternativen (alle im weitren Sinne Golf-Airlines und Turkish Airlines).

Berlin ist einfach zu spät dran - und so lange sich die Sozialstruktur der Stadt nicht deutlich verändert (was nicht heißt, dass ich mir das wünsche), wird auch das örtliche Aufkommen kein Flugangebot wie in Frankfurt, München oder sogar Düsseldorf rechtfertigen ... in Sperenberg, in Schönefeld oder wo auch immer.

Heinz Klaus Dieter 11.01.2013 | 14:48

Sperenberg planen und in 5 bis 7 Jahren eröffnen. Schönefeld Alt weiter betreiben und wenn auch mit Containern. Das ist allemal billiger als weitere 2 Jahre auf BER zu warten. Alle was in BER eingebaut ist, kann ja in Sperenberg weiter verwendet werden. Um dass alles zu devastieren genügen einige Ostdeutsche Montagefirmen, die ja eh genügend Erfahrung mit Abriss in der ehem. DDR zu tun hatten. Also Los ihr Schlafmützen wie Platzek, Wowi und andere Möchtegern Entscheider. Ähh, ich glaube, wenn die RAF noch aktiv wäre, hätte es auch nicht solch einen Müll mit dem BER gegeben. Entscheider, die nicht im Sinne und im Auftrag des Volkes arbeiten, gehören sowieso auf die Abstellgleise. Meine Meinung ist ein bisschen radikal, aber Pappnasen sind nur so kalt zu stellen.

Oberham 11.01.2013 | 14:58

Es geht lediglich um den der erfolgreicher spielt - da der Mensch ein sozialer Netzwerker ist - wer das mächtigere Netz gespannt hat.....

http://oberham.wordpress.com/2013/01/11/das-volkspaar-merkel-steinbruck-2-0/

Das sind meine grundsätzlichen Gedanken - Sie haben hier sehr gut ein Steinchen dieses fatalen, letztlich globalen Mosaiks skizziert.

Wie sieht das Bild wohl aus, wenn alle Steinchen plaziert sind?

Oberham 11.01.2013 | 15:21

2 Jahre und nochmal 2 Jahre - dazu in München - nachdem die Frist des Volklsbegherens abgelaufen ist - eine dritte Startbahn und wenn dann all der Wahnsinn steht, sieht die Welt noch ein gutes Stück gräßlicher aus, sprich - dann dürften die Air-Ports dieser Welt groß genug sein, für die Privat-Jets die dann noch fliegen.

Air-Port´s gibts im Grunde schon viel zu viele mit viel zu viel Kapazitäten - wer Wachstum im Passagierflugverkehr oder gar Warenverhkehr propagiert, der ist doch völlig ignorant gegenüber einer möglichen Zukunft eingestellt.

Hochwertiges Essen für das Kanzlerbuffet wird per Luftfracht transportiert - ja gibts noch was perverseres?

Klar - nur - ist das ein Grund es zu tun?

Wer kinder hat und nicht hoffnungslos technikgläubig ist, der muss fast auf ein Kollabieren unserer derzeitigen Wirtschaftsordnung setzen, da wir so etwas wie Vernunft wohl meist etwas abartig interpretieren.

Im Sinne des eingebremsten Luftverkehrs ist BER geradezu ein Glücksfall! (Tegel wird doch die nächsten Jahre nicht großartig mehr durchschleusen können - oder?)

Sollen sie doch künftig die ganz Luftfracht über den Schönefelder (alt) abwickeln, so gibts Kapazitäten für Tegel auf der Landebahn - das Terminal noch zu erneuern wenn, das ganze geschlossen werden soll - tja - da sieht man wie der Business Typ tickt - ein Provisorium für zwei - drei Jahre - undenkbar (die Lagerhallen - sprich das ganze Logistikimmobilliar könnte man ja dann in Passengerzonen umwidmen - stehen die Leute eben wie früher für ne Zeit im Hangar und nicht in einer VIP Lounge herum.)

Klar - unvorstellbar, der moderne Weltbürger braucht schon das angemessene Ambiente - in sämtlichen Lebenslagen!

Wie war das noch gleich mit dem ökologischen Fußabdruck - ach ja, der gilt ja nur für "Untermenschen" in der dritten Welt, ein Leistungsmensch, sprich Wohlstandsbürger, der hat für seine Kinder ja die Erden zwei, drei und vier in der Reisetasche, zum aufblasen mit dem Akkubetriebenen - Pressluftkompressor - ich fürchte er hat sich das Ventil mal versehentlich ans Hirn gehalten - oder die Ohren - und eingeschaltet, die ganze Masse unter dem Schädelknochen ist dabei wohl in die Atmosphäre entfleucht.

Aber sorry, debattieren wir weiter über die technischen Details.

Die Details, der Gewinnausschüttung, die Details des sich bescheissens und von Volksvertretern Verarschen Lassens, den schlechten Stil des einen und den geschliffenen des anderen Autors, die wunderbare Welt der Schöngeister, ja, wir können wahrlich über wichtigeres nachdenken - was geht uns schon die Welt in 100 Jahren an, da sind wir ja längst verrottet.

oi2503 11.01.2013 | 20:25

„Es gibt selbstverständlich Flughäfen in Deutschland, die 24h-Betrieb haben. Frankfurt-Hahn zum Beispiel.“

Schöner Hinweis. Gibt es noch mehr? Wie groß ist das Potential in Hahn? Kann der FFM nicht nur als Billig-Flugplatz Konkurrenz machen? Könnte er das, wenn da nicht vielleicht auch andere an den Strippen ziehen und einen Ausbau verhindern?

"ICE-Anbindung ist möglich": Möglich ist vieles. Aber wer soll das Ding bezahlen, wer damit fahren?“

Bezahlen wollte die Anbindung das Land Brandenburg, steht im Beitrag. Hat Stolpe so erzählt. Wer damit fahren will? Bei 20 bis 40 Millionen Fluggästen wahrscheinlich bei den Fahrzeiten (24 Minuten ab Berlin) mindestens jede/r zweite. Das Cargoaufkommen bei Nachtbetrieb und Flügen nach überall nicht vergessen dabei. Ob sich das rechnet? Bin ich der Falsche dafür, kann ich nicht sagen, ich finde, es klingt gut (deshalb habe ich das auch so geschrieben).

„Und schließlich die Mär vom Drehkreuz. Wer sollte dieses eigentlich aufbauen? Lufthansa und ihre Töchter betreiben Drehkreuze in Frankfurt, München, Wien, Zürich und Brüssel.“

Na ja, Lufthansa war immerhin in dem Konsortium beteiligt, das den Flughafen in Sperenberg privat betreiben wollte. Ich nehme an, die haben schon Vorteile gesehen, so für sich als Company. Ob das heute auch noch gilt, wäre zu prüfen. Die Flexibilität gegenüber FFM und München hätte sicher einiges für sich. Wieder bei Cargo aber eben auch für die long-distance-flights. Da wahrscheinlich vor allem bei der Landung.

„All das gilt selbstredend auch für Schönefeld, nur ist das 24h-Betrieb-Argument sicher nicht der ausschlaggebende Punkt für die Nichtentwicklung dorthin. Wer soll genau sollte bitte nachts um 3 Uhr ein- und wohin weiterfliegen?“

Das gleiche wie bei „Drehkreuz“: Cargo und jwd. Und: irre gibt es überall reichlich.

„Berlin ist einfach zu spät dran - und so lange sich die Sozialstruktur der Stadt nicht deutlich verändert (...)“.

Zu spät dran, ja. Weil der Frankfurter Flughafen geschont werden sollte und jetzt nach einer weiteren Startbahn schreit ... Der Flughafen in Berlin wäre keiner allein für die Billigflieger aus Wedding und Moabit. Ich hoffe, das konnte ich deutlich machen.

oi2503 11.01.2013 | 22:06

„Air-Port´s gibts im Grunde schon viel zu viele mit viel zu viel Kapazitäten - wer Wachstum im Passagierflugverkehr oder gar Warenverhkehr propagiert, der ist doch völlig ignorant gegenüber einer möglichen Zukunft eingestellt.“

Ich fühle mich missverstanden. Ja, ich fliege gerne. Besonders in den Urlaub, beruflich muss ich zum Glück nur noch selten fliegen. Und lerne da andere Menschen und Gebräuche und Sitten kennen. Was ich – für mich – wichtig und richtig und gut finde. Ich mag auch italienischen Wein, griechisches Öl, kolumbianischen Kaffee. Ich fahre sogar gerne Auto, ich Schwein. Propagierte ich Wachstum? Nein, aber das ist ja nebensächlich. Bin ich in der Rolle des Lufthafen-Verteidigers? Ja, aber da will ich gar nicht hin. Was ich sagen wollte steht zum einen oben (da ist heftigst geschoben worden zugunsten anderer Flughäfen) und: wenn schon Fliechhafen, dann richtig. Mit allem drum und dran und so, dass möglichst wenig Menschen gestört werden und das Dings auch funktioniert.

„Hochwertiges Essen für das Kanzlerbuffet wird per Luftfracht transportiert - ja gibts noch was perverseres?“

Geht auch über Tegel. Also was soll das hier?

„Wer kinder hat und nicht hoffnungslos technikgläubig ist, der muss fast auf ein Kollabieren unserer derzeitigen Wirtschaftsordnung setzen, da wir so etwas wie Vernunft wohl meist etwas abartig interpretieren.“

Ich habe Kinder und hoffe, dass sie nicht nur Freigeister werden und bleiben sondern auch, dass es ihnen gut geht. Dazu gehört auch, dass sie die Freiheit haben werden, ihr Leben zu genießen. Warum Vernunft in kollabierten Wirtschaftssystemen häufiger oder größer und besser sein sollte, erschließt sich mir nicht. Ehrlich? Ich befürchte das Gegenteil, ein Erstarken der braunen Pest.

„Im Sinne des eingebremsten Luftverkehrs ist BER geradezu ein Glücksfall! (Tegel wird doch die nächsten Jahre nicht großartig mehr durchschleusen können - oder?)“

Du glaubst, dass über einen nicht funktionierenden Fliechhafen weniger Luftverkehr entsteht? Was bestimmt entsteht ist zusätzlicher Bringeverkehr, wenn der Airport nicht in der Nähe ist oder nicht per Bahn zu erreichen. Glaubst du wirklich, dass weniger Waren und Menschen fliegen, wenn ein Flughafen „ausfällt“?

„Wie war das noch gleich mit dem ökologischen Fußabdruck - ach ja, der gilt ja nur für "Untermenschen" in der dritten Welt, ein Leistungsmensch, sprich Wohlstandsbürger, der hat für seine Kinder ja die Erden zwei, drei und vier in der Reisetasche, zum aufblasen mit dem Akkubetriebenen - Pressluftkompressor - ich fürchte er hat sich das Ventil mal versehentlich ans Hirn gehalten - oder die Ohren - und eingeschaltet, die ganze Masse unter dem Schädelknochen ist dabei wohl in die Atmosphäre entfleucht.“

Siehe eins drüber.

„Aber sorry, debattieren wir weiter über die technischen Details.

Die Details, der Gewinnausschüttung, die Details des sich bescheissens und von Volksvertretern Verarschen Lassens, den schlechten Stil des einen und den geschliffenen des anderen Autors, die wunderbare Welt der Schöngeister, ja, wir können wahrlich über wichtigeres nachdenken - was geht uns schon die Welt in 100 Jahren an, da sind wir ja längst verrottet.“

Details sind wichtig. „Auf dem Tisch gehen sie kaputt“ sagen wir beim Kartenspielen. Wenn du / ich deine / meine Weltsicht (Ideologie) nicht immer wieder an den Details überprüfen, werden wir zu alten Grantlern ohne Realitätsbezug.

Zusammenfassung: Wenn schon, dann richtig. Und das hat – m.E. auch ökologisch positive Auswirkungen.

oi2503 12.01.2013 | 08:35

„Wieso "mafiöse Strukturen"? Ich meine, was ich hier erfahre ist: Der eine sagt so, der andere sagt so. Der eine Geldgeber will dies, der andere das.“

Na ja und der eine hat halt die Macht seine Interessen, seine Patenschaft für andere Flughäfen, gegen besseres Wissen (Standortuntersuchung) durchzusetzen.

" ‚Die Belastungen für Mensch und Umwelt wären auch geringer.’

Ein 24h-Drehkreuz und "geringere" Umweltbelastungen?? Ähh, wenn Sie das erklären könnten!“

Ähh, tja also. Ich kann nur versuchen, meine Überlegung darzulegen. Belegen kann ich das nicht und so gesehen war die Behauptung – bezogen auf Umwelt – wohl auch zumindest gewagt. Die Belastungen für die Menschen wären auf alle Fälle geringer. Der Standort Sperenberg wurde auch wegen seiner geringeren Lärmbelastung nach oben gevotet. Die anhaltenden Proteste gegen Fluglärm durch BER und die „geänderten“ Flugrouten sind dir ja wahrscheinlich bekannt.

Tatsächlich hatte Sperenberg ein Umweltmanko bei der Untersuchung der Standorte. Dies vor allem wegen der wesentlich höheren Zahl von Bäumen, die zu fällen gewesen wären (in solchen Fällen werden im Normalfall Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen, sprich die gleiche Zahl an Bäumen werden neu gepflanzt). Sperenberg hatte auch ein Manko bei Altlastenbelastung (ehemaliger sowjetischer Flieghafen). Das hätte beseitigtwerden müssen. Ein dickes Umweltplus für Boden und Wasser.

Im Betrieb sehe ich tatsächlich die Möglichkeit für ökologische Vorteile. Und zwar genau dann, wenn die Bahnanbindung gebaut, eine Autobahn-Anbindung aber unterbleibt. Dann kann der ganze Frachtverkehr einfach besser über die Bahn abgewickelt werden. Und dass ein 24h-Betrieb für Frachtverkehr attraktiv ist, brauche ich hoffentlich nicht weiter begründen. Im Passagierbetrieb sehe ich durch 24-Betrieb ökologische Vorteile durch Vermeidung. Vermeidung von Umwegflügen, damit weniger Starts und Landungen und weniger Flugkilometer. Das allerdings ist nicht (von mir) belegbar. Das sind meine Gedanken dazu. Wenn du mehr weißt, gerne.

Oberham 12.01.2013 | 11:05

Sie weichen mir elegat aus. Ihren Beitrag finde ich absolut lesenswert und auf das Thema foccusiet stimmig, ihrem Fazit hier auch folgend.

Nur - einige Einwände - den übergeordneten Kontext betreffend bügeln sie schlicht mit dem Recht auf ein schönes Leben glatt.

Würden die Regierungsbuffes nicht mit Lufttransportlebenmitteln bestückt würde natürlich weniger Luftfracht generiert, ein Tropfen zwar, nur eben ein Tropfen ist mehr als Nichts.

Wo kann ich "siehe oben" die Argumente bezügich des Fußabdrucks herauslesen?

Fazit: Wir nähern uns von zwei Seiten, natürlich könnten wir die gerade vorhandenen Lebensqualitätsstandards bezüglich der objektiv darstellbaren Möglichkeiten mit mehr Lösungspragmatik, die vor individueller Wunscherfüllung der Entscheider stünde, ganz wesentlich besser - ach ökologisch vertretbarer lösen - ein ganz entscheidender Aspekt!

Nur, wir als Individuen müssen erkennen, dass wir prinzipiell unsere Lebensgestaltung ebenso zu hinterfragen hätten.

oi2503 12.01.2013 | 11:55

Ich danke für das „elegant“. Ausweichen. Weiche ich aus oder habe ich einen anderen Blickwinkel? Ich gebe dir Recht. In vielem. Dein „übergeordneter“ Standpunkt ist richtig. Nur glaube ich nicht, dass wir beide den zu Lebzeiten in den Griff bekommen oder auch nur so richtig heftig auf den Weg gebracht. Und dann will ich trotzdem bis dahin sagen können was m.E. Sauereien sind. Du sagst es ja auch selbst in deinem Fazit: zwei Seiten einer Medaille. Bekommen wir die rund? Die Frage, was jeder von uns jetzt schon in ökologischem Sinn machen kann, wie er sein eigenes Leben verändern kann, wäre einen eigenen Blog wert. Da ich nicht einmal fehlerfrei ökologischer Fußabdruck buchstabieren kann, bin ich dafür nicht der Richtige.

Oberham 12.01.2013 | 12:58

... und ich danke für die nochmalige Erwiderung.

Dies noch, sie scheinen mir ein absolut reflektierender Zeitgenosse zu sein, infwiefern legen Sie ihre Meinung aus, wir könnten die globalen Problem zu unseren Lebzeiten nicht in den Griff bekommen.

Sollten wir es nicht wenigstens ernsthaft versuchen, wagen, es uns antun, sie wenigstens im Rahmen des uns Möglichen, anzugehen?

(... und ich wage zu behaupten, es ist trotzdem ein hedonistisches, lebensbejaendes, alltägliches Dasein akzeptabel.)

miauxx 12.01.2013 | 14:19

"Wenn du mehr weißt, gerne."

Mehr wissen tue ich nicht. Grundsätzlich sehe ich das aber so wie Oberham ( 11.01.2013 | 15:21). Und was ich mir aber nicht vorstellen kann, dass es in der Summe eine geringere Umweltbelastung gibt. Wenn ich Deinen Ausführungen, bzw. deiner Dokumentation der Ereignisse, folge, ist die Rechnung doch zunächst die: Sperenberg (24h) = viel mehr Flugzeuge als BER-Schönefeld (Nachtflugverbot). Und glauben Sie wirklich, es würde ein solcher Flughafen wie es Sperenberg sein sollte, keinen Autobahnanschluss kriegen? Alles auf die Schiene zu verlagern, das wäre eine verkehrs- und umweltpolitische Novelle ohne Beispiel! Von diesem Wagnis sind wir, leider (!), noch gefühlte Lichtjahre entfernt! Würde es zu dem wie von Dir beschriebenen Szenario Sperenberg kommen, würde am Ende doch der Bund mit einem entsprechenden Straßenbau in die Pflicht genommen. Da bin ich mir sicher!

Aber auch wenn es so käme, dass allein eine leistungsfähige ICE-Trasse das Gros abzuwickeln hätte: Zweifeln würde ich trotzdem, dass das gewaltige Mehr an Flugzeugen und Schienenverkehr die Emissionen des geringeren Flugzeugaufkommens + Autoverkehr, wie viell. mit BER-Schönefeld zu erwarten, kompensieren würde oder sogar geringer wäre. Da kann man sicher viel hin- und herrechnen und Modelle entwerfen - am Ende stecken wir ohnehin nicht drin, welche Lobbyisten sich die Studien wieder zurechtrechnen lassen.

Freilich zählt zu "Umweltbelastungen" auch die Lärmeinwirkung auf Anwohner. Diese ganzen 'Bürgeraufstände' am Rande Berlins bzw. in seinen Südbezirken habe ich die ganze Zeit mit gemischten Gefühlen betrachtet. Zum großen Teil halte ich sie für bigott: Im "Grünen" und so ruhig wie möglich wohnen wollen aber trotzdem mit Großstadtanschluss. Fliegen wollen auch alle. Aber den Flughafen bitte woanders. Diese Bürgerreflexe (leider verwechselt mit bürgerlichem Engagement) erkennt man ja allerorten - auch die Stromtrasse möge bitte woanders lang laufen; ebenso das Asylantenheim. Dass die Ausfranzung der Großstädte mit Eigenheimsiedlungen (man sehe nur Teltow und Stahnsdorf) unökologisch und auch energetisch ein Wahnsinn ist, darüber schweigen wir lieber. Schlimm wird es plötzlich erst, wenn Flugzeuge übers eigene Dach fliegen ...

Ach ja, eines fällt mir noch ein: Würde die Region überhaupt einen solchen Monsterflughafen wie Sperenberg brauchen? Was sind das für Perspektiven, die hinter den Erwägungen stecken? Das ist mir nicht klar. Das nächste Wirtschafts-Drehkreuz ist Leipzig-Halle. Erwarten Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg den großen Boom? Ist mir das was entgangen? Scheint mir ganz so, als soll gerade Berlin wieder krampfhaft größer gerechnet werden, als es ist und wohl auch je sein wird. Von allem, was schief läuft mal abgesehen: Vielleicht hat die Lobby des BER in Schönefeld gar nicht so unrecht? Von allem, was sonst schief läuft freilich mal abgesehen.

Joachim Petrick 13.01.2013 | 00:56

Ich fürchte das ganze Flugahfen Desaster ist erst richtig auf dem Hintergrund der Mischfinanzierung und den damit einhergehenden Interessenskollusionen zu verstehen, Bund, Berlin, Brandenburg.

Ist es für Berlin womöglich auf prekäre Weis auf Jahre fiskalisch vorteilhafter, den Flughafenbetrieb in Tegel aufrecht zu erhalten?

Breaking News!

"InBerlin Tegel soll eine Projektgruppe zusammengestellt werden, die eine Erweiterung und Modernisierung des Flughafens Tegel plant.

Das passt doch wie die Faus aufs Auge des geneigten Betrachters?

oi2503 13.01.2013 | 05:49

Ein Großteil des Protestes kommt - wenn ich das richtig verfolgt habe - aus Friedrichshagen. Das ist ein gewachsener Stadtteil und keine ausfransende Eigenheimsiedlung. Ob ein Protest gegen Fluglärm aus einer Eigenheimsiedlung abzuwerten ist, weil die Menschen in Wohnsiedlungen am Rande der Stadt gezogen sind und dort - unter anderem - Ruhe suchten? Ich glaube nicht.

Zu den ökologischen Vorteilen hatte ich dir ja - mit anderen Worten - schon geschrieben, das ich da die Klappe wohl zu weit aufgemacht hatte. Dazu noch eins. Du vergleichst Sperenberg alleine mit Schönefeld, ich denke an andere europäische Flughäfen mit. Motto: wer einen Nachtflug braucht, findet den auch und wenn er auch noch so viel weiter weg ist. Aber wie gesagt: belegen kann ich es nicht. Insofern ziehe ich das Argument mit dem ökologischen Vorteil zurück. Die Idee eines Flughafens,der für Cargo große Vorteile bei der Bahn hätte, ist charmant. Und eine Flughafen Sprenberg-Lobby würde ganz bestimmt nach Autobahn schreien. Und sie wohl leider bekommen, da gebe ich dir auch recht.

oi2503 13.01.2013 | 06:03

"Erwarten Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg den großen Boom? Ist mir das was entgangen?"

Ob dir etwas entgangen ist, weiß ich nicht. Was ich habe lesen dürfen ist, dass jetzt überlegt wird, den ganzen Flieghafen quasi zu entkernen und innen neu zu bauen. Zum einen wegen der nicht funktionierenden Brandschutzanlage. Zum zweiten aber eben auch, weil er schon jetzt zu klein ist und nicht genug Abfertigungsplätze hat/hätte.

Ach. Ich habe gehört, dass die EU-Kommision überlegt Deutschland wegen Vertragsverletzungen im Zusammenhang mit BER zu verklagen. Es soll um die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie gehen, die bei der Festlegung der Flugrouten nicht ausreichend gewürdigt bzw. gar nicht beachtet wurde.

mymind 13.01.2013 | 13:29

Was ich habe lesen dürfen ist, dass jetzt überlegt wird, den ganzen Flieghafen quasi zu entkernen und innen neu zu bauen. Zum einen wegen der nicht funktionierenden Brandschutzanlage. Zum zweiten aber eben auch, weil er schon jetzt zu klein ist und nicht genug Abfertigungsplätze hat/hätte.

Zu letzterem: Vielleicht ist das alles sehr tricky inszeniert: Nach der Eröffnung von BER erfolgt die Feststellung, dass die Kapazitäten nicht reichen & schwupp eine Rechtfertigung TXL zu reanimieren… ;-)

Dass nun Brüssel auch reingrätscht, passt zu dem Verein, sollte aber nicht überbewertet werden…

Diander 13.01.2013 | 14:02

Allen, die den Beitrag gut fanden (@antares, @vaustein, @gebe, @fahrwax ... hab ich jemanden vergessen: bestimmt, mache ich immer – herzlichen Dank und Das tut gut!

Nimm mich bitte auf in die Reihe derer, die den Beitrag gut, nein, sogar sehr gut fanden. Denken hat man es sich eigentlich können, welche Art von Strippenziehern da im Hintergrunde tätig waren. Mit Spannung bleibt abzuwarten, ob Sperenberg tatsächlich wieder ins Fadenkreuz/Drehkreuz gerät.

Danke Dir, dass Du das aufgearbeitet hast!

oi2503 13.01.2013 | 17:19

"Was ist, wenn der neue Flughafen Berlin gar längst startklar ist, aber aus anderweitigen Interessen sein Start abgebrochen wird und um da auf jahre Nachforschungen zu sabotieren, ganze Planungsstäbe von Wowereit im Konsens mit Platzek gefeuert wurden?"

Dann sind alle zusammen noch blöder als vorstellbar. Wowi ganz vorne, gefolgt von Platzeck und Ramsauer. Nee, das Konstrukt kaufe ich nicht.

Protester 15.01.2013 | 12:01

Wer am 14.01.2013 die Abstimmung über die Vertrauensfrage im Brandenburgischen Landtag verfolgt hat, kann nur den Kopf schütteln.

Ohne Grund und entgegen der Verfassung, die nur derartige Abstimmungen bei anzunehmenden Mißtrauen zuläßt, hat sich

Herr Platzeck mit Hilfe Der Linken eine Rückendeckung für sein zukünftiges Handen in allen, den Flugplatz betreffenden Fragen eingeholt.

Die Linken, die sonst immer angeben für die Interessen der

Bevölkerung einzutreten, haben Ihre Maske fallen gelassen und folgen Platzeck ohne Bedingungen.

Angesichts der Mehrheit der Regierungskoalition war diese Abstimmung unangebracht und nicht verfassungskonforrn.

Herr Platzeck, der als damaliger Umweltminister für Sperenberg eingetreten ist, hat seine Maske fallen lassen.

Diander 17.01.2013 | 23:06

Mein Junior hat gerade einen Kalauer aus Twitter erzählt: Chuck Norris wurde jetzt mit der Verantwortung für BER beauftragt. Dieser schrieb: Achtung, Eröffnung morgen früh, 7 Uhr.

Ernst zurück, ja ich vermute, Du hast Recht. Aus bayrischer Sicht (zumindest oppsitioneller, die es ja Gerüchten zufolge geben soll) ist es mehr als gerecht, dass auch Zar Peter nicht ganz unbeschadet aus der Nummer rauszukommen scheint.