Bis neulich

Kabarett Ein Abend mit Volker Pispers. Großes Tennis auf großer Bühne
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Das Tempodrom war voll bis auf den letzten Platz ganz oben und hinten (wo ich saß). Der Abend ging nach einem zweistündigen Feuerwerk – Pause abgezogen – zu Ende als das Publikum Volker Pispers zu einer Zugabe auf die Bühne wünschte.

Natürlich kam er noch einmal. Natürlich. Das tun "sie" immer. Die Zugabe allerdings war eine der ganz anderen Art. Er erzählte von Auftritten vor wenigen Menschen, anders als an diesem Tag, unter anderem im Mehringhof, Kreuzberg, vor Jahren, als er noch unbekannt gewesen sei. Sein Programm habe sich nicht wesentlich unterschieden, ja manche der Texte, die er heute vorgetragen hatte, seien auch damals schon an Bord gewesen. Leises Kichern. Und dann bat Herr Pispers auch den heute nicht aus dem TV bekannten Kabarettisten – nur die könnten große Säle füllen - eine Chance zu geben. Und jedes Kabarett sei besser als vor dem TV zu sitzen. Augenzwinkern dazu.

In der Tat. Das Programm, das ich am Freitag letzter Woche in Berlin genießen durfte – die Karte hatte ich mir ein Jahr voraus gesichert, sonst gibt es auch kaum Chancen – hatte es in sich. All die bekannten Pispers-Themen im Pispers-Stil. Die ich hier jetzt nicht widergeben will, weil ich es nicht wirklich kann. Denn schließlich hat sich der Mann Mühe gegeben jeden Satz, jedes Wort zu drechseln und ganz fein zu schleifen. Und dabei dann eben doch so zu wirken, als sei alles gerade erst entstanden. Als sei es spontan. Und dabei nach minutenlanger scheinbarer Irrfahrt doch wieder zum Thema, dem roten Faden zurück zu kehren.

Erstaunlich die Präsenz, die ein Mann alleine auf der Bühne erzeugen kann. Erstaunlich auch, wie ruhig ein so großes Auditorium werden kann. Dies immer dann, wenn er seine nur ernsten Passagen vortrug. In der ersten rechnete er vor, dass D nicht drei sondern 13 Mio. Arbeitslose hat, dass wer weniger als 2000 € brutto hat auf die Grundsicherung angewiesen sein wird, wies auf den Irrsinn der Riester-Rente hin, die eben angerechnet wird sollte die Rente die Grusi nicht übersteigen. Und der zweite große Block, der diese Stille erzeugte, drehte sich darum, dass Wachstum verzichtbar ist, wenn es keine Zinsen mehr gibt und Banken aufgelöst werden. Darin auch die Sequenz, dass D sich mit einer 5%-Steuer für die 10% Reichsten des Landes auf 10 Jahre fast entschulden könnte (und diese damit nur die Zinsen der letzten Jahre zurückgezahlt haben werden, ohne wirklich auf den nächsten Jaguar oder Lamborghini verzichten zu müssen). Dies ist jetzt hier verkürzt und sicher teilweise zu verkürzt. Aber beschreibe mal ein Feuerwerk. In dem natürlich auch die Kanzlerin ihr Fett abbekam. Vor allem indem die Spaltung der Gesellschaft mit ihren Zitaten konfrontiert wurden. "Dland geht es gut" "Erfolgreichste Regierung ..". SPDGRÜNEFDPCDUCSU sind nur die Blockparteien, die alle einen, identischen Wirtschaftskurs verfolgen. Wachstum. Der mit einem Zug zu vergleichen ist, der auf die Klippe zusteuert. Keiner bremst, keiner ändert die Route der Schienen.

Wir dürfen nur alle paar Jahre den Lokführer auswechseln. Die Tour des Volker Pispers geht weiter. Zumindest bis der Zug über die Klippen gerutscht ist.

Karte besorgen, wenn möglich. Lohnt sich.

11:03 12.11.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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