oklischat

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RE: Die Bequemlichkeit des Erbes | 17.09.2010 | 03:11

Nur weil Gene unmittelbar Proteine kodieren, heißt das nicht, dass sie nicht in ihrer Gesamtheit auch Eigenschaften und kognitive Fähigkeiten kodieren können. Sarrazins volksgruppen-spezifische Intelligenzgene sind sicher Nonsens, aber um festzustellen, dass Gene in Individuen vererbbar Intelligenz kodieren, muss man nix über Proteinsynthese wissen und auch nicht molekularbiologische Einzelheiten im Detail verstanden haben, sondern es reicht in der Tat ein Blackbox-Test, etwa eine systematische Analyse von IQ-Korrelationen beispielsweise bei getrennt aufgewachsenen Zwillingen oder Geschwistern. Um festzustellen, dass Aspirin in der Regel den Kopfschmerz lindert, muss man auch nicht die biochemische Wirkungsweise der Tablette verstanden haben. Eine Serie einfacher Doppelblindtests reicht (Medikamentenzulassungen laufen auch nicht anders). Ein so aufgezeigter Zusammenhang lässt sich nicht ohne weiteres als "Artefakt, statistische Verzerrung, kulturell bedingt oder vollkommen anders" wegdiskutieren. Eine "kulturell bedingt" höhere Intelligenz würde nur ein generelles Ansteigen des Durchschnitts-IQs bewirken, aber die Korrelation der IQs von nichtverwandten Individuen wäre hinterher immer noch Null. Wenn Intelligenz nicht vererbbar wäre, gäbe es gar keine Menschen auf der Erde, weil wir keinen evolutionären Vorteil gegenüber unseren affenartigen Vorfahren gehabt hätten -- die höhere Intelligenz war das hervorstechende Merkmal der Gattung Homo, und die Vererbung von Merkmalen ist Teil des Mechanismus, auf dem die Evolution basiert.