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RE: Zweitschlüssel für den Staat | 12.06.2013 | 13:49

Schön und prägnant auf den Punkt gebracht. Was fehlt, ist der Weg dieses Problem als Problem beim Menschen erkenntlich zu machen. Leider interessiert sich nicht jeder für einen komplexen und abstrakten Angriff auf seine Menschenrechte. Sehr wohl aber für das kommende Fußballspiel und die Frage, welches Outfit bei DSDS am besten gewirkt hat.

Die meisten Menschen haben erkannt, dass da etwas fundamental schief läuft, aber wenn sie sich das eingestehen würden, müssten Sie sich selbst gegenüber konsequent bleiben. Das wäre aber mit Arbeit verbunden, mit Engagement und Zeit. Also lieber die Augen schließen und wegschauen. Mir wird ganz anders, wenn ich darüber nachdenke, welche Konsequenzen dieses Verhalten in der Geschichte schon dokumentiert hat.

Die riesige Güterindustrie wiederum hat nicht das geringste Interesse, das aus einem konsumierenden Menschen ein kritischer Mensch wird. Und um das zu verhindern wird heutzutage schon in den Kindergärten – ja sogar schon auf der Säuglingsstation – angefangen. (Als Beispiel bei Schulen siehe http://www.lobbycontrol.de) Entscheidend ist es, den zukünftigen Konsumenten durch gesellschaftliche Prägungen von Akzeptanz und Angepasst-sein frühzeitig zu formen.

Ein möglicher Ansatz zur Problemlösung wäre es, die Schulbildung wieder unabhängiger und vollständiger zu machen. Ein weiterer führt über kritische - erklärende statt berichtende – Medien, die Ihre Multiplikatoren Rolle in der Gesellschaft leider manchmal vergessen und sich stattdessen zu oft an den Anforderungen des Markes ausrichten.

Vor allem aber sind es die Politiker, die Ihre Rolle vergessen haben. Als Vertreter des Volkes sollten Sie Lobbyisten des Volkes sein!

RE: Liquid Feedback und der Zank bei den Piraten | 19.10.2012 | 13:00

Genau um diesen zweiten Aspekt geht es. Eine weitere "Partei" brauchen wir nicht.

Ich stimme also zu - mische nur noch Sachlichkeit, Lösungsorientiertheit und Respekt hinein, wie ich es vom alltäglichen Politkergewäsch nicht mehr gewohnt sind.

Und wenn wir dann noch die Diskussionskultur aufleben lassen, bei der beide Dialogpartner einander zuhören, nicht unterbrechen, auf die Argumente eingehen und zwischendurch auch mal Luft holen - also potentielle Fehler im eigenen Ansatz zugeben können - dann wären wir einen großen Schritt weiter.

RE: Liquid Feedback und der Zank bei den Piraten | 18.10.2012 | 18:53

Vielleicht liegen die Positionen tatsächlich nicht weit auseinander. Allerdings würde ich nicht eine Position als Partei und die andere als Projekt bezeichnen. Oder, vielleicht doch?

Ich bin unter anderem Pirat geworden, weil Torge Schmidt in SH in einem Spiegel Beitrag sinngemäß sagte: Die PIRATEN sind eine Bewegung. Wir wollen die Art und Weise wie Politik gemacht wird verändern.

Der Begriff "Partei" ist für mich sehr negativ belegt und wäre ich nicht überzeugt, dass die Piraten alles andere als eine Partei sind, wäre ich nicht eingetreten.

Für mich selbst lege ich großen Wert darauf Sozialkompetenz als Grundlage für ein respektvolles Miteinander zu verstehen. Und die diesem Konzept zur Sachlichkeit inneliegende Ausage wird von den PIRATEN in Ihrem Kodex unterstrichen.

Ironie und Sarkasmus sind tolle Mittel und ich liebe das Kabarett (nicht Comedy), aber sie sind denkbar ungeeignet im schriftlichen Kommunikationsstil des Internet und in der respektvollen Diskussion überhaupt.Noch ungeeigneter sind persönliche Angriffe. Sie disqualifizieren den Angreifer.

Zu unserem Politikstil hat SH auf dem LPTSH123 mit P0203 eine gute Aussage getroffen:

"Wir erheben keinen absoluten Anspruch auf unsere Meinung. Wir agieren aktiv und lernen kontinuierlich von allen Bürgern. Unser Politikstil ist nicht personenbezogen, diffamierend, nachtragend oder aggressiv, sondern bestrebt, die beste Lösung für alle Beteiligten zu finden."

Genau in der Betonung dieser Sichtweise liegt eventuell ein kleiner Unterschied zwischen unseren Positionen, denn ich würde mich durchaus als sozialliberal bezeichnen, doch die Verfechter dieser Richtung sind eher marktliberal oder neo-liberal. Hierbei scheinen Menschlichkeit, Respekt -ebenso wie zb. Akzeptanz und Wertschätzung - einem Bild vom "Homo Ökonomikus" zu weichen, welches die Marktthesen in kaltblütiger und erbarmungsloser Logik und Rethorik vorantreibt.

PS:

Die Begrifflichkeiten von neo-,markt- und sonstwie liberal sind schwer faßbar und weisen in Ihren Definitionen für mich keine Klarheit auf. Das gleiche gilt - nach marktliberaler Logik - übrigens auch für den Begriff "sozial". Deshalb ist es möglich, dass andere die Begriffe anders verstehen als ich es tue.

RE: Liquid Feedback und der Zank bei den Piraten | 18.10.2012 | 11:46

Guter Artikel, dem ich aber eine etwas andere Sichtweise entgegen stellen möchte. Es ist richtig, dass persönliche Kämpfe für einen Richtungsstreit vorgeschoben werden. Allerdings ist dieser Richtungsstreit anders, als der Autor ihn sieht:

"Die Partei müsse vor allem die Kompetenz in ihren Kernthemen Internet, Urheberrecht und Bürgerrechte stärken, sagen die einen. Emanzipatorisch orientierten Piraten dagegen liegt eine Reform der Demokratie, auch mit Online-Werkzeugen, tendenziell stärker am Herzen."

Ich unterstütze beide "Richtungen" die hier genannt werden. Für mich liegt der Streit woanders begraben. Er liegt meines Erachtens in der Frage, ob die PIRATEN eine neue FDP oder eine solidarisch-freiheitliche Partei sein wollen.

Die von einer Seite vertretene Weltanschauung versteht sich leider als extrem-liberal, denn sie reduziert den Menschen auf einen "Homo ökonomikus", der als Einheit in das Konstrukt der Marktwirtschaft eingefügt ist.

Diese Sichtweise hat mit Offenheit und Toleranz nicht viel am Hut, denn sie stellt ein paar Schlagworte ("Jeder ist seinen Glückes Schmied", "Wer arbeiten will, findet auch Arbeit", "Jeder bekommt was er verdient", "Soll er mal arbeiten gehen..." usw.) über Grundgedanken der Solidarität. Das Leistungsprinzip ist übermächtig und nur der Stärkere wird gewinnen.

Das hat mit Gesellschaft und Gemeinwohl wie ich finde wenig zu tun, denn es grenzt alle Menschen aus, die nicht in das Schema passen. Sie werden diffarmiert und müßen vielfach um Ihre Menschenwürde kämpfen. Aus diesem Grund haben sprechen die PIRATEN im Parteiprogramm von einem "Recht auf sichere Existenz und gesellschaftlicher Teilhabe".

In diesem neo-liberalen Weltbild (meine Definition) haben Werte wie Menschlichkeit, Respekt, Solidarität, Akzeptanz oder Toleranz kaum Raum und auch die nicht-ökonomisch ausgerichteten Errungenschaften der Gesellschaft, Theater, Kultur, Bildung etc. werden nur unter ökonomischen Aspekten betrachtet.

Die Richtungsfrage für mich ist: Wieviel Raum gebe ich solchen Sichtweisen?