Die Enden der Parabel. Brigadier Pudding-Wir gelangen in die.(126-374)

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.... >>Weißen Visitation<<. Teil 2 von 3.

Regieanweisung: Wir nähern uns einem Gebäude. Es ist Nacht. Das riesige Gebäude ist unheimlich. Es liegt abgelegen. Es gleicht einem „architektonischen Amoklauf“ was seine Düsternis, sein überwältigende sinnliche Überforderungswirkung verstärkt. Die >>Weiße Visitation<< ist steingewordene psychologische Kriegsführung!

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Aus der Entfernung sehen keine zwei Beobachter, wie dicht beisammen sie auch stehen mögen, genau das gleich Gebäude in einer Orgie der Selbstdarstellung, der jeder neue Besitzer Neues hinzugefügt hat, bis zur Requirierung im gegenwärtigen Krieg.“ S. 135/136

Aus „CROSSROADS“ von Max P. Haering, Pointsmann 4/WV 3. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

"Formbäume säumen die Auffahrt eine Strecke weit, dann übernehmen Lärchen und Ulmen: Enten, Flachen, Schnecken, Engel und Steeplechase-Reiter schwinden die Schotterstraße hinab in braches Schweigen, Schatten unter einem Dach raschelnder Zweige. Der Wachposten, eine düstere, weiße-gegürtete Gestalt, erscheint vor deinen verdunkelten Scheinwerfern, Gewehr im Arm, und du mußt anhalten. Die dressieren tödlich scharfen Hunde beobachten dich aus dem Gehölz.“ S.136

Wir nähern uns dem Gebäude bis wir genauer in einige Fenster schauen können (wir schauen als imaginäre Betrachter durch die abgeklebten Fenster, wir können so was). Wir sehen: Tierkäfige, sehr viele Tierkäfige. Versuchslabore und Büros.

Nun sind wir im Gebäude! Wir hören: Allerlei tierische Laute, Hundegebell hebt sich besonders aus dieser Kakophonie heraus. Doch nicht genug damit: Diesen beunruhigenden Lauten fügen sich die menschliche Lautmalerei psychisch Kranker hinzu, ein Seitenflügel des ehemaligen „Spitals zur Hl-Veronika vom Wahren Bildnis Jesu“ dient zur Tarnung der >>Weißen Visitation<< weiterhin als Nervenheilanstalt.

Wir sehen: „Hund Wanja, der sich augenblicklich in einem halbwegs normalen zustand seines Geistes (…) befindet, gnießt einen kurzen Urlaub vom Versuchsgestell und schnüffelt gegen den galvanisierten Draht, und so verharren die beiden, Schnauze an Schnauze, Leben an Leben (...)Die weißne Lichtstangen brummen von der Decke. Graubekittelte Hilfskräfte schwatzen, rauchen, trödelnde Routinearbeiten herum. Vorsicht, Lefty, sa kommen for die diesam. Paß nur auf, kichert Maus Alexei, wan mir packt, scheiß ich ihm genau in das Hand.“

Die Tiere....Ja richtig gehört, wir können hören wie sie reden! Wer hört diese kleinen Tiere in den Käfigen, wenn sie sich paaren, ihre Jungen säugen, sich durch die grauen Vierecke hindurch unterhalten oder, wie jetzt, zu singen beginnen...Sie haben ihre Käfige verlassen,(...) Sie haben ihren Augenblick der Freiheit gehabt. (…) Jetzt geht es zurück in die Käfige und zu den rationalisierten Formen des Todes – des Todes im Dienst jener einzigen Gattung, die mit dem Bewusstsein ihrer Sterblichkeit geschlagen ist...<< Ich würde euch befreien, wenn ich nur wüßte, wie. Aber hier draußen gibt es auch keine Freiheit. All die Tiere, Pflanzen, Steine, ja sogar andere Gattungen Mensch, sie alle werden jeden Tag zerbrochen und wieder neu zusammengesetzt, nur um die Elite der Wenigen zu erhalten, die am lautesten über Freiheit theoretisieren und selbst am wenigsten frei sind. Ich kann euch nicht mal Hoffnung machen, daß sich das ändern wird -daß SIE eines Tages aus ihren verstecken kommen, den Tod und die durchdachten Schrecken ihrer Technologie vergessen und damit aufhören, jede andere Form des Lebens gnadenlos zu benutzen, um das, was die Menschen quält, auf ein erträgliches Maß zu bringen -daß SIE so sein können wie ihr, einfach da einfach lebendig...>> Der Gaststar geht durch die Korridore ab. S. 362-365

Wir stellen nichts in Frage. Weiter! Unser Blick schweift nach oben:

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Aus „CROSSROADS“ von Max P. Haering, „White Visitation“. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Oben wimmelt die Stukkatur der Decke von methodistischen Versionen des Königreich Gottes: Löwen schmiegen sich an Lämmer. Früchte plumpsen üpig und unaufhörlich in die Arme und vor die Füße von Damen und Kavalieren, Schäfern und Milchmägden. Kein einziger Gesichtsausdruck ist klar getroffen: die sanften Kreaturen blicken scheel, die wilderen Bestien scheinen unter Drogen und Schlafmittel zu stehen, und die menschlichen Wesen vermeiden jeden Augenkontakt untereinander.“ S.134

Wir nähern uns -durch Gänge schreitend- dem Ziel der zentralen Passage und all unsere Sinne sind (hoffentlich) in seherischer Aufnahmebereitschaft:

In kürze folg Teil 3: Brigadier Pudding und die Herrin der Nacht.

Wir lesen gemeinsam Thomas Pynchons „Die Enden der Parabel“

22:29 03.10.2010
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Geschrieben von

Onkel Wanja

Onkel Wanja Literatur-Euphoriker
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hibou | Community
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