"Die Enden der Parabel" Nachholendes Lesen + aufgegangenes Licht: 0-65

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Liebe Lesegemeinde,

ich habe zwar „Die Enden der Parabel“ schon gelesen, doch ist das schon zwei Jahre her und ich habe viele Einzelheiten in meinem Gedächtnis "nach hinten" verlagert. Ich habe jetzt alle bisherigen Blogbeiträge gelesen und habe mich daran erinnert, wie ich mich damals im Jahr 2008 verflucht habe, weil ich mir kein "Personenregister" angelegt hatte ( meine Frau macht in solchen Fällen so was immer) und werde das jetzt beim Lesen gleich mal anlegen. Ich habe inzwischen angefangen und seit gestern 65 Seiten geschafft. Den Bleistift habe ich dabei immer hinter dem Ohr klemmen und notiere die wichtigsten Personen des Buches fleisig auf!

Es ist schon lange her, dass ich einen Roman vollständig zum zweiten Mal lese und ich kann nur sagen: Hier lohnt es sich doch wirklich, angesichts 1194 Seiten und der Sprachgewalt des Werkes. Wo ich beim ersten Lesen wie fast alle den „Faden“ suchte, den Sinn, und mich in Namen und der Geschichte verlor, konnte ich "gleiten" und mich an der Geschichte und Pynchon`s Sprache erfreuen.

Auch ist mir glaube ich ein Licht hinsichtlich eines genialen erzählerischen Kunstgriffes von Pynchon aufgegangen. Ich bin schon gespannt ob ich recht behalte und was ihr später dazu vielleicht zu sagen habt, wenn wir weit, weit hinten im Buch angelangt sind.

Ich war und bin erstaunt und echt erschüttert über die A-4 Angriffe auf London und andere Städte. Ich bin in einer Industriestadt am Rhein aufgewachsen die im WK2 wie viele deutsche Städte dem Erboden gleich gemacht wurde. Meine Großmutter verlor ihre Schwester und ihre zwei Nichten durch eine Brandbombenvolltreffer. Wenn es um den sogenannten Bombenterror geht ( Jedes Jahr windet sich die „deutsche Seele“ zum Jahrestag der Bombardierung von Dresden in ihrer Opferrolle), dann sind immer nur die Alliierte-Bombenangriffe auf das Deutsche Reich gemeint, ist die Öffentlichkeit doch sehr selbstbezogen.

Obwohl ich vor dem Lesen des Buches wusste, dass die LUFTWAFFE mit dem Bombenkrieg gegen Städte wie Guernicaund später Coventry mit dieser Art der Kriegsführung -vor allem gegen die Zivilbevölkerung- begonnen hatte, war ich mir über das Ausmaß der „V1“ und „V2“(A-4) Angriffe und ihre Wirkung nicht im klaren.

Immerhin 1358 „V2“ und 2419 „V1“ trafen London! Pynchon führt uns im den ersten Seiten des Romans an die Einschlagstellen und vermittelt uns den Schrecken den die Angriffe bei Bevölkerung und Militär auslöste:

„Doch dann im Sommer kamen die Raketen. Diese verfluchten Scheißraketen. An diese Bastarde konnte man (Slothrop) sich nicht gewöhnen. Ausgeschlossen. Zum ersten mal, zu seiner eigenen Überraschung, spürte er wirklich Angst.“

Oder: „|>>Man hört sie nicht kommen.<< Tintivy weiß was >>sie<< bedeutet. Sein Blick weicht aus. Für einen Augenblick herrscht stille.

>>Natürlich nicht, sie fliegen schneller als der Schall.<<

<<Ja, aber-das ist es nicht>>, die Worte brechen stoßweise hervor, <<die andere, diese V1, die kann man hören, nicht Da hat man vielleicht eine Chance und kann ausweichen. Aber diese neuen Dinger explodieren erst, u-und dann hörst du sie runter-kommen. Außer , wenn du tot bist, dann hörst du sie nie.>>

Quellen: de.wikipedia.org/wiki/V1

de.wikipedia.org/wiki/A4_(Rakete)

Der Text ist Teil eines Projekts:

Wir lesen gemeinsam Thomas Pynchons „Die Enden der Parabel“

13:37 27.08.2010
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Geschrieben von

Onkel Wanja

Onkel Wanja Literatur-Euphoriker
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hibou | Community
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