Eine Frage der Gerechtigkeit

Erbschaftssteuer In Christ & Welt schreibt Laura Diaz, die Erbschaftssteuer gehöre abgeschaft, weil sie in die Familiensphäre eingreife. Wie Erbe entsteht, blendet sie dabei aus.
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Link zum kritisierten Artikel "Mein Erbe gehört mir".

Nur ein Beispiel: Das Vermögen von Susanne Klatten wird auf 16,8 Mrd. US-Dollar geschätzt. In Ziffern: 168 000 000 000 Dollar! Gegründet ist dieses Vermögen durch das Erbe ihres Vaters Herbert Quandt. Wikipedia hierzu u.a.:

„Zwangsarbeiter wurden in vielen der Quandt Fabriken während des Zweiten Weltkrieges verwendet und die Bedingungen waren brutal. Herbert war der Direktor der Pertrix GmbH, einer in Berlin ansässigen Tochtergesellschaft der AFA. Das Unternehmen verwendet weibliche Zwangsarbeiter, darunter polnische Frauen, die aus Auschwitz überstellt worden waren.“

Das ist ein Beispiel. Dazu wird die Autorin sentimental:

„Erben ist ein Geschenk an die nahen Angehörigen, ein Akt der Liebe vor dem letzten Atemzug. Und hier, im engsten Familienkreis, in diesem Heiligtum, hat der Staat nichts zu suchen.“

Die politische Theorie, oder besser Ideologie, auf welcher der Artikel beruht, kann man nur als wirr, demagogisch und geradezu unverschämt bezeichnen.

Wirr:

„Wer oder was ermächtigt denn den Staat, sich nach dem Tod der Eltern aus der Familienkasse zu bedienen und so die Autonomie der Familie einzuschränken?“


Der Staat ist ein Abstraktum, keine handelnde Person. Ermächtigt wird er durch den Gesetzgeber, der seinerseits vom Souverän, dem Wahlvolk ermächtigt ist, Steuern zu erheben. Doppelbesteuerung? Welche Steuern hatte Quandt schon bezahlt für die Erträge der polnischen Zwangsarbeiterinnen, totgeschunden und ausgepresst aus Liebe für das „Heiligtum“ Familie?



Demagogisch:

„Wie lässt es sich moralisch begründen, das Vermögen derjenigen, die für ihre Kinder jahrzehntelang sparsam lebten, posthum finanziell zu belasten?“


Der arme Quandt und seinesgleichen, denn um die ganz großen Vermögen geht es hier eigentlich, haben sich die Milliarden durch harte Arbeit erworben und vom Munde abgespart. Für wie beschränkt halten Sie eigentlich Ihr Publikum, Frau DÍAZ?


„Zudem geht von der Erbschaftssteuer eine fatale Botschaft aus. Sie lautet: "Verpulvert euer Vermögen lieber zu Lebzeiten, denn der Verzicht bringt nur Scherereien und der Konsum nützt euch und der Volkswirtschaft mehr."

Wie verpulvert man denn Milliarden?

unverschämt:

den Befürwortern der Erbschaftssteuer Neid und Missgunst zu unterstellen. Vielleicht schauen Sie besser in Zweifelsfällen erst einmal ins Wörterbuch, wenn Sie der deutschen Sprache nicht richtig mächtig sind. Dort finden Sie unter „Neid“:


„Gefühl, das jmdn. befällt, wenn ein anderer einen Besitz oder Vorzug hat, den man selbst gern haben möchte, Missgunst“



Jemand, die derart fixiert ist auf persönliche Habe und staatlich zum Zwecke des Vermögensausgleichs und zur Bestreitung öffentlicher Ausgaben erhobene Steuern unumwunden mit Diebstahl gleichsetzt, ist wahrscheinlich schwer zu vermitteln, dass es Leute gibt, die sich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen und gerade nicht selber zu den Superreichen gehören möchten.

23:49 18.07.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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