RE: „Die Lebenslüge: Nichts muss sich verändern“ | 03.11.2021 | 11:08

Gab es jemals in der Menschheitsgeschichte große gesellschaftliche Umbrüche allein auf Basis vernunftgeleiteter Überlegungen? Ich behaupte nein, bin aber leider wenig gebildet und lasse mich da gerne belehren.Folglich bleiben zu erwartende Sachzwänge wie enorme Fluchtbewegungen aus unbewohnbar gewordenen Erdregionen in die weniger werdenden aushaltbaren, die progressive Mehrheiten hervorrufen könnten, wenn überhaupt. Denn zumindest hierzulande hat man dem gemeinen Lohnsklaven ja nachhaltig jegliche Solidarität mit seinesgleichen, besonders jenseits der Grenze, ausgetrieben, während mindestens unterschwellig weiterhin täglich die als rational zurecht gelogene Leistungsgesellschaft mit den angeblich größten Leistungsträgern an der Spitze beschworen wird. Börse vor Acht in der ARD gilt mir da als Beispiel. Teil der permanenten Gehirnwäsche sind so Begriffe wie Arbeitgeber und Arbeitnehmer, während meines bescheindenen Wissens zumindest marxistisch eher unser arbeiten lassender Leistungsträger der Nehmende ist. Alles in allem bleibt mir als Unterschichtler in mittleren Jahren der Trost früheren Ablebens bei gleichzeitiger ungleich geringerer Schuld durch Armutsnachhaltigkeit. Hilft letztlich auch nicht weiter, tut aber mal ganz gut das ins Internet zu kotzen.

RE: Hart aber herzlich | 04.08.2021 | 13:07

Metal, die Musik der angepassten Muttersöhnchen.^^Ich bevorzuge da Oi!Punk, einzige Musik wo positiv von der Arbeiterklasse gesprochen wird und man auch gesellschaftlicher Verlierer sein darf, sogar noch stolz darauf. Alles andere ist angepasster Dreck, der auch noch schön teuer ist....

RE: Im Teufelskreis der Pappkameraden | 17.04.2021 | 14:25

Viel abgehobenes Blabla zu einem angeblich breiten Konsens als Einwanderungsgesellschaft und ähnlicher Schwachsinn. Ich verrate dem mit der gesellschaftlichen Realität, besonders der unteren Schichten nicht sehr vertrauten Autor ein Geheimnis: Die Ressourcen auch in dieser Gesellschaft sind begrenzt, ganz besonders in der Unterschicht, in die dann meistens so weltoffen eingewandert wird. Eine angeblich linke Position von weiterer ungebremster Einwanderung beisst sich direkt mit den Interessen der alteingesessen unteren Schichten, zu denen auch die Nachkommen ehemaliger Einwanderer gehören, die eigentlich Adressat linker Politik sein sollten. Und so bestätigt sich auch hier wieder wie eine rote Linie die von Wagenknecht vorgeworfene verlorene Bodenhaftung solcher Gestalten wie dem Autor, der länger bestehende Ressentiments ausmachen will wo schlicht antisoziale Politik wie Agenda 2010 den Schlechtergestellten gezeigt hat, auf Linke sich nicht mehr verlassen zu können.

RE: Alle Klarheiten beseitigt | 16.04.2021 | 07:00

Der Artikel spricht mir als linker Unterschichtler vielfach aus dem Herzen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann twischen "Black Lifes Matter" und "Unteilbar" zuletzt explizit die Verbesserung der Lage der Unterschicht mit ihren existenziellen Problemen Thema auf Demonstrationen etwa war. Vielfach begegnet mam bei angeblich Linken der sozialdarwinistischen, neoliberalen Individualschuld-Propaganda, weil die noch nie für alle existente Aufstiegslüge bei angeblich entsprechender Leistung reproduziert wird. Die strukturelle Benachteiligung auch bei der Bildung dient dann gern als zusätzliche Disqualifikationsmöglichkeit und Auschlussgrund aus dem Diskurs. Damit einher geht meist eine politische Engstirnigkeit, die statt dem Verständnis anderer Sichtweisen oder der argumentativen Auseinandersetzung damit nur die moralische Diskreditierung kennt.

RE: Drogentote oder Quo vadis, Drogenpolitik? | 26.03.2021 | 23:27

Vielen Dank :)

Ja, die Hexenjagd gegen CBD:Produkte geht munter weiter. Das neueste Urteil von BGH ist leider auch nicht eindeutig und stuft THC-armen Nutzhanf weiter als Betäubungsmittel ein. Ich hoffe es kommt nun bald endlich mal zu Rechtssicherheit für Händler und Hersteller. Und von Rationalität oder Verhältnismäßigkeit in der derzeitigen Drogenpolitik kann ja eben leider keine Rede sein. Auch die Hoffnung in Frau Ludwig hat sich ja leider erwartbar schnell zerschlagen.

RE: Wenn in der Bahn der Staat zerbröselt | 17.08.2020 | 19:02

Wie kommt der Autor darauf, die Maskenpflicht wäre in der BVG auch nur ansatzweise präsent oder durchgesetzt?

Nun gut, wer mit dem ICE von Berlin nach München fährt, ist sicher selten in den Plattenbau-Ghettos am Stadtrand unterwegs, immerhin ist er damit beschäftigt das auseinander bröseln des Staates anhand von ICE-Reisenden zu konstatieren. Ich kann dem Autor aber versichern, oft ist die einzige Verbundenheit, die sich nach meiner Erfahrung noch mit dem Staatsapaarat in den Gegenden von Berlin wie meiner herstellen lässt, die territoriale ist. Die Maskenpflicht wird hier höchstens als Option gesehen, es traut sich eh kaum jemand, besonders am Abend, das zu kontrollieren. Vielleicht mal demnächst im Luxusrestaurant drüber nachdenken.

RE: Verrückt sind die, die noch können | 11.10.2019 | 19:19

Ich habe einfach in meiner Punk-Zeit viel gelernt. Ich bin absichtlich angerissen rum gelaufen, weil ich schon als Kind lernte das teure Klamotten, der jeweiligen Mode entsprechend, die ich nie hatte, noch keine tollen Menschen machen. Ich habe immer wieder gemerkt wie ich aufgrund meines Aussehens verurteilt wurde, also lernte ich das Lookismus, also vom Aussehen eines Menschen auf seinen Wert zu schliessen falsch ist. Und so weiter und so fort. Ich lernte sehr viel in meiner Punk-Zeit, was mir noch heute sehr zu gute kommt. Aus grundsätzlichen Erfahrungen und Überlegungen wurde im Laufe der Zeit dann eine, mehr oder minder fundierte, politische Überzeugung. Davon zehre ich noch heute. Leider ist die Zeit des Punks heute vorbei, ich habe damals viele Leute getroffen den es sehr ähnlich ging wie mir, die mit Hilfe der Punk-Kultur vor allem psychisch aus den krankmachenden Zwängen der Eltern und/oder der Gesellschaft ausgebrochen sind. Viva Punk ;)

RE: Verrückt sind die, die noch können | 11.10.2019 | 19:00

2. Natürlich helfen solche Texte wie dieser hier sehr. Man muss schon auch noch geistiger Nahrung suchen um dem alltäglichen Wahnsinn stand halten zu können.

RE: Verrückt sind die, die noch können | 11.10.2019 | 18:56

Indem man versucht ein unabhängiges Selbstbewusstsein zu entwickeln. Humanistische Grundüberegungen, etwa ich bin etwas Wert weil ich als erstes Mensch und nicht weil ich so oder so bin helfen dabei sehr. Im Grunde ganz naive Überlegungen wie das ich natürlich das Recht habe am Reichtum der Gesellschaft zu partizipieren weil ich in sie hineingeboren wurde, ich muss mir meine angeborenen (logischen) Menschenrechte nicht erst durch Konformität oder Arbeit verdienen. Solche, im Grunde naive Gedanken und Überlegungen helfen zumindest mir mich zu emanzipieren.Natürlich muss man eine enorme psychische Energie aufwenden das bei zu behalten, denn gerade heutzutage lugt an jeder Ecke die kapitalistische Verwertungslogik hervor, die besagt nur wer sich brav ausbeuten lässt und nicht weiter auffällt ist es wert als volles (unteres natürlich) gesellschaftliches Mitglied zu sein. Manchmal bedarf es auch eines Alkohol-Voll-Rausches begleitet von altem Punkrock bei Youtube um wieder Kraft zu schöpfen. Bisher funktioniert es aber, zumindest bei mir.

RE: Verrückt sind die, die noch können | 10.10.2019 | 19:49

Toller Text!

Ich bin auch schon lange aus der kapitalistischen Tretmühle aufgrund psychischer Schieflagen raus und jeden Tag kommt mir der auch im Text beschriebene Wahnsinn (Arbeitskollegen öfter sehen als seine Kinder) immer abstruser vor. Natürlich beschädigt das tagliche Sich-Zum-Konformismus-Zwingen auf Dauer alle Menschen, die zwar brav in der Matrix (arbeite sonst bist Du nichts wert) funktionieren aber trotzdem objektiv durch ewige Lohnabhängigkeit zu den Verlieren zählen die Leute. Man kann es täglich erleben wie der Ton im öffentlichen Raum aggressiver wurde und wird.

Es braucht allerdings enorme psychische Kraft wenn man unhinterfragt in der Matrix aufgewachsen ist, sich täglich von ihr zu emanzipieren (von dem ewigen Gerede von den Arbeitsscheuen im Internet und Fernsehen etwa). Ich hatte das große Glück zu Hochzeiten des politischen Punkrock aufgewachsen zu sein und habe daher eh eine sehr kritische Sicht auf die ganzen Funktionierer mit ihrer ständigen Aufforderung wie sie zu sein oder angeblich wertlos zu sein. Ich kann (wemseidank) nur erahnen wie sich jemand junges wie im Text heute fühlen muss ohne die Kraft und/oder die Anleitung zu haben sich von dieser kranken unmenschlichen Gesellschaft grundlegend zu emanzipieren.