Gekaufte Universität

Lehrstuhl für Ackermann Die Frankfurter Hochschule hat den Chef der Deutschen Bank zum Professor der Ehre gemacht

Jedermann in diesem Land weiß, wer Josef Ackermann ist. Aber die Universität Frankfurt glaubt, er sei ein der Ehrung werter Mann.

Der Senat dieser Hochschule - wir sollten, um einen der größten Deutschen nicht zu verunglimpfen, den Namen, den sie immer noch führt, verschweigen -; dieser Senat hat den Banker vergangene Woche mit - wie es glaubwürdig heißt - "überwältigender" Mehrheit zum Honorarprofessor gemacht. Und das meint: seiner Ehre halber. Selbst die Frankfurter Allgemeine, wo man die Universität zu kennen meint, war verwundert. "Das Ergebnis fiel dann doch klarer aus als gedacht: Eine Dreiviertelmehrheit des Senats der Frankfurter Universität hat sich damit einverstanden erklärt." Das Blatt stellt unumwunden fest: "Allzu vehement kann zumindest die professorale Abneigung gegen den Deutsche-Bank-Chef nicht gewesen sein."

Damit haben die Frankfurter Professoren bewiesen, dass sie sich von moralischen Erwägungen auf die Dauer nicht kirre machen lassen. Vor drei Jahren noch, als Ackermann im Mannesmann-Prozess sein Victory-Zeichen gegen das Gericht setzte, da verhinderte ein Protestgrummeln in den zuständigen Gremien, dass der Manager schon 2005 zum Ehrenprofessor ernannt wurde.

"Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden", klagte Ackermann damals seine Richter an. Und wenn er auch einer Verurteilung wegen Untreue nur gegen die Zahlung einer Millionenbuße entging - an der Universität Frankfurt änderte man den Sinn. Denn im Fall Ackermann kann es ja nicht um die Freiheit einer Lehre gehen, die auf jene Hand schlägt, die sie nährt. Es geht vielmehr um die für den Standort Deutschland so wichtige Ellenbogenfreiheit der Deutschen Bank auch im normalen Universitätsbetrieb.

Da allerdings gibt es weiterhin Probleme, weil sich immer noch einige Studenten der Einsicht in die Notwendigkeit entziehen. Wie man damit fertig wird, muss geprüft werden.

Dass der Chef der Deutschen Bank jedenfalls "alle Qualifikationen eines hervorragenden akademischen Lehrers" besitze, betonte unmittelbar nach der überwältigenden Wahl der Dekan des Wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichs, Professor Heinz Mathes - seine Fakultät hatte die Ehrenwürde im Akademischen Senat beantragt. Und Universitätspräsident Rudolf Steinberg, ein Professor für Öffentliches Recht, erblickt in Ackermanns Wahl "eine hervorragende Basis für die weitere Verknüpfung von Theorie und Praxis im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften".

Was können die Studenten von Ackermann lernen? Wie man den Shareholder Value erhöht, indem man seine Angestellten auf die Straße setzt? Wie man das Geld der Sparkunden verspekuliert, indem man Subprime-Papiere ankauft? Gewiss ist nur Eines: Das Ansehen, das Josef Ackermann in diesem Land genießt, wird sich ungebremst auf diese Universität übertragen.

Gleich nach der Wahl des Schweizer Arztsohnes interviewte das Hessische Fernsehen Wolfgang Gerke, den "wissenschaftlichen" Leiter der Frankfurt School of Finance Management. Es gehe, sagte der, einfach nur darum, "inwieweit ist die Wirtschaft bereit, sich in der Wissenschaft auch finanziell insbesondere zu engagieren - die Wirtschaftswissenschaft, das muss man ganz einfach einmal sagen, ist keine Mathematik oder Philosophie, sondern Verhandlungswissenschaft".

Gerke ist sachverständig, er ist ein "charismatischer" Wissenschaftler und Private-Equity-Propagandist, den man sich gegen entsprechendes Honorar mieten kann bei der Econ-Referenten-Agentur: "Ob Sie mit einer Veranstaltung Ihre Kunden begeistern oder Ihre Mitarbeiter motivieren wollen, einen Highlight-Vortrag für Ihren Kongress oder einen Impulsgeber für Ihr Top-Management suchen - bei uns finden Sie zu jedem Anlass die passende Rednerpersönlichkeit."

Wie viele Professoren es auch immer in diesem Land gibt - sie alle haben nach der Entscheidung der Frankfurter Universität mit einem rapiden Wertverfall ihres Titels zu rechnen. Und die Hochschule in der gleichnamigen Stadt im Osten, die Viadrina, muss im Interesse ihre Ansehens alles tun, um der Welt klar zu machen, dass Main und Oder sehr verschiedene Flüsse sind.

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