otto8

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RE: Was heißt hier „Sonnensteuer“? | 14.07.2014 | 17:43

Meine Güte, der Autor redet von Dezentralität, will aber Planwirtschaft. Dezentralität begrenzt sich aber nicht aufs Technische, sondern beinhaltet gerade die Entscheidungsmacht darüber, was jeweils vor Ort zu passieren hat. Der Widerspruch ist offensichtlich, wenn man bedenkt, dass wir den aktuellen schlechten Energiemix eben jenen Managern zu verdanken haben, die wie Herr Witt besser wissen, was genau jetzt und was genau in zehn Jahren mit dem Strom zu passieren hat. Wie weit will der Autor es treiben, wird mir demnächst vorgeschrieben, welche Verbraucher ich wann erwerben und nutzen darf?

Noch dazu denkt er sich ein System aus, das komplizierter nicht sein könnte. Um die Braunkohleverstromung einzudämmen, muss der Markt mit Sonnenstrom geflutet werden und deshalb der Eigenverbrauch bestraft werden. Geht's noch mehr um die Ecke? Warum nicht einfach umweltschädigende Erzeugungs- und Verbrauchsarten (z.B. Stromheizungen) besteuern (oder gar verbieten)? Das versteht jeder und nicht nur das energiepolitische Zentralkomitee.

Zu guter Letzt halten die Argumente (empirische Daten fehlen ja leider, die etwas belegen würden), den simpelsten Überlegungen nicht stand: Vergleichbare Umverteilungen (Anm.: wie bei Solarstrom ) gibt es beim Schrebergarten-Beispiel nicht. Natürlich gibt es die: Jemand der seine Marmelade selbst herstellt, entrichtet keine Mehrwertsteuer und beteiligt sich z.B. nicht an den Kosten der Lieferung anderer Marmelade. Er "flüchtet" sich also genauso vor einer Beteiligung an dem Erhalt der Straßen oder dem Unterhalt von Kindergärten, selbst wenn er über die Autobahn in den Urlaub fährt und sein Kind in die Kita schickt.

RE: Dieses cremige Gefühl | 09.07.2014 | 10:49

Für mich war Kitsch immer zuallererst ein Rezeptionsmodus und keine dem Werk innewohnende Eigenschaft. Mag ja sein, dass sich manche Kunstwerke eher dafür eignen und andere dagegen sträuben. Aber wenn ich nach dem Lesen dieses Textes ganz ergriffen von meiner und der anderen Freitagleser ungeheuerlicher Schlauheit wohlig in meinen Sessel zurücksinke, wird sich auch Klaus Birnstein nicht dagegen wehren können, dass ich seinen Artikel zu Kitsch verarbeite.

RE: Die schreiende Mehrheit | 02.07.2014 | 09:45

Is schon schlimm, dass die Proleten nicht nur kein Geld & keine Macht, sondern auch noch schlechten Geschmack besitzen. Die sollen gefälligst Wagner hören, damit einem das gediegene Essen nicht mehr von der Gabel fällt. Und Zweifel an Muttis von kreuzbraven Journalistensöhnen bewunderter marktkonformer Demokratie hegen? Böse, böse Buben.

Bin wirklich kein Freund dieser Band, aber der Artikel sagt doch mehr über die Projektionen eines Autors aus als über das, was das Wesen dieses Bürgerschrecks ausmachen könnte.

RE: Sonnensteuer? Ja bitte! | 27.06.2014 | 21:47

Damit Politik transparent bleibt, sollte man Gesetze auch in ihrem Wortsinne anwenden: Das war schon bei der Ökosteuer ein Problem, die man auch zahlte, wenn man Ökostrom bezog. Also wie Branntweinsteuer auf Apfelsaft. Auch scheint's mir unlogisch, Netznutzungsentgelte zu zahlen, für den Anteil des Stroms, der das Netz nicht nutzt, weil man ihn selbst verbraucht. An dem Artikel verstehe ich folgenden Satz immer noch nicht:

Die Eigenverbraucher profitieren also doppelt – was Anlagenbetreiber, die für den Fremdverbrauch produzieren, nie könnten.

Wo wird hier doppelt profitiert? Eine Eigenverbrauchsvergütung gibt's meines Wissens nicht mehr. Man wird nur für den Teil gefördert, den man einspeist. (Und zahlt darauf auch Abgaben.) Noch mal: Nach der Logik sollte ein Unternehmen, das durch technische Maßnahmen Strom spart, auf jede gesparte Kilowattstunde EEG-Abgabe zahlen müssen, schließlich ist es im Vorteil gegenüber Unternehmen, die solche Maßnahmen nicht ergreifen können. (Ähnliches Argument wie mit dem Hausdach für die Solarzellen.)

Wenn die Lenkungswirkung jetzt so sein sollte, dass der Eigenverbrauch attraktiver wird, kann ich mir nichts Besseres vorstellen: Strom sollte dort produziert werden, wo er verbraucht wird. Und wenn dabei schmutzige Kraftwerke entstehen, ist für so was eine CO2-Steuer zuständig.

RE: Sonnensteuer? Ja bitte! | 27.06.2014 | 09:07

Es gibt eine Abgabe, um erneuerbare Energien zu fördern. Außerdem muss wegen der Eneuerbaren angeblich der Ausbau des Stromnetzes finanziert werden. Jemand entschließt sich, Erneuerbare einzusetzen, sie selbst zu verbrauchen und also das öffentliche Stromnetz nicht zu nutzen. Warum soll er dann zahlen? Klingt so, als müsste ich demnächst Kfz-Steuer und Autobahnmaut entrichten, gerade weil ich kein Auto besitze. Sehr krude Logik.

Steuern können Verhalten steuern, egal wofür man die Einnahmen später verwendet. So kann man bspw. Alkohol besteuern, um von dem Geld Kindergärten zu bauen. Aber Saft zu besteuern, damit die Leute mehr Saft trinken, klingt doch sehr unsinnig. Der Autor vergisst auch, dass es gerade sehr sinnvoll ist, den Eigenverbrauch zu fördern. So werden Leitungsverluste vermieden, und es entsteht ein dezentrales Energiesystem. Das jedoch scheint den Energieoligopolisten, die gern weiterhin den Markt kontrollieren würden, ein Dorn im Auge zu sein. Und genau für die haben die Parteien, die den großen Industrien die Füße lecken, dieses Gesetz gemacht.

RE: Gut gemeint, trotzdem Mist | 16.06.2014 | 20:43

Verstehe das Zitieren des Grundgesetzartikels nicht. Soll das heißen, dass der Autor eine Impfpflicht für grundgesetzwidrig hält? Impfpflicht gegen Pocken hat es meines Wissens aber in der BRD gegeben. Außerdem könnte man, wenn man den zitierten Artikel derart streng auslegt, gleich noch die Schulpflicht als verfassungswidrig betrachten. Und das ist sie nun mal ganz und gar nicht.

RE: Ein Mann von gestern | 16.06.2014 | 14:24

Die Tatsache, dass Ihr Kommentar hier einfach so unredigiert erscheint und nicht von der Leserbriefabteilung ignoriert oder zurechtredigiert wird, dass Sie, wenn Sie mehr zu sagen haben, ein Blog aufmachen könnten, ohne Liz Mohn oder Friede Springer dafür um Geld & Erlaubnis bitten zu müssen, dass Kinder nichtbürgerlicher Eltern dank Wikipedia ein dem 24-bändigen Brockhaus mehr als ebenbürtiges Lexikon zur Verfügung haben, dass mit Youtube jedem so etwas wie ein Offener Kanal zur Verfügung steht, was Fernseh- und Landesmedienanstalten vorher jahrzehntelang zu verhindern wussten ... das alles sind doch emanzipatorische Aspekte. Da muss man gar nicht lange suchen.

RE: Ein Mann von gestern | 16.06.2014 | 12:20

Anhand des Ausducks des "digitalen Maoismus" lässt sich doch sehr schön zeigen, wie falsch Larnier liegt und wie gefährlich wiederum sein Denken ist. Das Internet hat, wie bspw. die Industrialisierung, neue starke, kollektive und teils chaotische Produktivkräfte hervorgebracht. Gefährlich sind aber nich jene, die mit diesem teils anarchischen Zustand leben können, sondern jene, die meinen, Ordnung ins gesellschaftliche Chaos bringen und diese Kräfte kanalisieren und kontrollieren zu müssen. Dann erst landet man bei eben jenen "Individuen" (Hitler, Stalin, Mao), die die Masse anführen und aus den neuen Kräften schlimmste Kriegs- und Vernichtungsmaschinerien formen.

PS: Und dass Eigentumsrechte (also im Fall der Wissensgesellschaft: Copyrights) das Individuum per se stärken, ist ein Gedanke, den so naiv wohl nur Amerikaner denken können. Er passt jedoch sehr gut zu den behaupteten wirtschaftlichen Interessen des jetzigen Buchhandels. Diese Art der Instrumentaliserung macht die Preisvergabe zum unerhörten Vorgang.

RE: Sehr gut, Kulturgut | 06.06.2014 | 22:29

Der Artikel geht davon aus, dass es sich bei dem Zusammenhang "Buchpreisbindung bedeutet mehr Vielfalt" um ein Naturgesetz handelt, das nicht weiter zu belegen wäre. Wir wissen jedoch, dass schon mit, evtl. sogar wegen der Buchpreisbindung ein Konzentrationsprozess bei Verlagen und Buchhändlern stattgefunden hatte. Insofern fehlen mir ein paar Argumente.

Des Weiteren kann man Amazon als das Böse schlechthin verteufeln, sollte aber nicht von den Leistungen des Unternehmens und dem gleichzeitigen Versagen der angestammten Buchbranche schweigen. Wer hat die teilweise unverschämten Preise für fremdsprachige Literatur gesenkt, wer hat die E-Book-Technik entscheidend vorangebracht, wer fördert den Gebrauchthandel von Büchern? Für Menschen, die nicht in einer Metropole mit ausdifferenziertem Buchhandel leben, ist das ein Segen. Das Bremsen bei E-Books, Onleihe etc., das sich das deutsche Verlagswesen leistet und nun auch noch mit der Preisvergabe an einen Westentaschenintellektuellen wie Jaron Lanier ideologisch zu unterfüttern versucht, wird Amazons Geschäftsmodell eher Auftrieb verleihen. Wie man die Kunden nachhaltig verärgert, hat man sich anscheinend bei der Musikindustrie abgeschaut.

Zuguterletzt finde ich es ein wenig fragwürdig, wenn selbst im Feuilleton TTIP immer nur auf Kulturgüter beschränkt behandelt wird. Es sind andere Branchen in einem viel krasseren Ausmaß davon betroffen. Das sollte zumindest Erwähnung finden. Oder ist es etwa so, dass der feingeistige Leser sich allein an einem Konzentrations- & Monopoliserungsprozess im Buchbereich stört, während er mit Freude bei Ikea, H&M, Apple, Starbucks etc. einkaufen geht?

RE: Im Supermarkt ist die Hülle los | 28.05.2014 | 10:36

Der Verpackungswahsinn ist doch hauptsächlich ne Rationalisierungsmaßnahme, da man auf die Art Angestellte an der Käse-, Wurst-, Obsttheke etc. spart.

Zwei Informationen aus dem Artikel würden mich aber schon interessieren: Ist Milch in Flaschen wirklich besser? Schließlich müssen die Flaschen sehr aufwändig gereinigt werden. Und der Vergleich zwischen Jutebeutel und Plastiktüten scheint mir zu ignorieren, dass Letztere ein großes Entsorgungsproblem darstellen.