otto8

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RE: Reich werden die Anderen | 12.05.2014 | 16:06

... verbrämte Google die Sache als Bildungsaktion im Dienst der Menschheit.

In meinen Augen ist das Einscannen & die weltweite Zugänglichkeitmachung (& Durchsuchbarkeit!) von Büchern eine Bildungsaktion - ganz unabhängig von den wirtschaftlichen Interessen Googles. Das mag der Rezensent anders sehen, sollte sich dann aber mit seiner tendenziösen Sprache zurückhalten.

Des Weiteren wird hier immer auf den Urheber abgehoben, der leer ausgeht. Der Autor möge doch mal nachweisen, zu welchem Anteil er überhaupt Urheber einer Rezension ist, die Gedanken eines Buches zusammenfasst, das wiederum die Gedanken anderer verarbeitet und - wenn ich's recht sehe - von den Steuergeldern der Allgemeinheit finanziert wurde. Dass Verlage sich an den Texten von Autoren hemmungslos bereichern, ist sicher ein Skandal. Dass dem Autor aber naturgemäß alle Rechte & Einnahmen gebühren, ist doch ebenso fraglich.

Wenn's um den Lebensunterhalt geht, sollte man das besser anders regeln als über Tantiemen. Das bedingungslose Grundeinkommen wird ja immer wieder genannt. Daher die Frage an den Autor: Hätte er auch eine Regelung unterzeichnet, die seine alten Texte unter den Bedingungen der Creative Commons allen frei zur Verfügung stellt?

RE: Soso, die neue Bescheidenheit ist zurück | 27.04.2014 | 14:29

Dass die Nachfage stagniert, mag in Geld gerechnet stimmen, beim materiellen Konsum und Energieverbrauch wäre ich mir nicht so sicher. Evtl. hängt beides sogar zusammen: Die energieverschwenderisch hergestellten Massen von Billigwaren aus Fernost dienen als Kompensation für Lohnstagnation und Präkarisierung. Das spricht jedoch die wirtschaftlich schlechter Gestellten nicht davon frei, dass auch sie durch ihr Konsumverhalten massiven Schaden anrichten. An der Natur - und an sich selbst, wenn sie sich von Marken- und Marketingästhetiken einlullen lassen, statt sich für eine gerechte Gesellschaft politisch zu engagieren.

RE: Die Sinnhaftigkeit öffentlicher Bibliotheken | 01.04.2014 | 18:10

Das Problem wird sein, dass man in digital-vernetzten Zeiten nicht mehr wegen der Bücher in die Bibliothek gehen muss. Sie bleibt aber wichtig als Ort der Konzentration & des sozialen Miteinanders. Meine Vorstellung einer zukünftigen Bibliothek ist angesiedelt zwischen medienarchäologischem Fundus und Maker-Space. Eine dezentrale Werkstatt, die all die Lese-, Hör- und Sehgerätschaften bereithält & repariert, die der sogenannte Fortschritt bald wieder aus den Wohnhäusern geräumt haben wird. In jeder Hardware ist eben auch Wissen gespeichert, und alte Speichermedien brauchen funktionsfähige Apparaturen. Doch dagegen sprechen die geringe Technikaffinität der Bibliothekare und die Sparwut der Politiker, die, sobald es die Amazonflatrate geben wird, die günstige Gelegenheit nutzen werden, um alle Bücherhallen dichtzumachen.

RE: In aller Freundschaft | 30.01.2014 | 14:28

Diese haben keineswegs einen 24-Stunden-Bildungsauftrag, wie Kritiker gern behaupten.

Der Autor übertreibt hier zwar rhethorisch ein wenig. Aber es ist keineswegs so, dass die ÖR die ganze existierende Vielfalt der Geschmäcker (wie auch immer sich diese eruieren lässt) abzubilden hätten. Sie sollen gerade für das sorgen, was der Medienmarkt nicht hervorbringt, und dabei bitte schön politisch einigermaßen ausgeglichen sein. Tendenziöse Schrott-Talks wie die von Herrn Lanz zählen nicht dazu. Außerdem sollen die ÖR daran mitwirken, einen kritischen Zuschauer hervorzubringen, damit er gegen den Kulturschrott immun ist, statt die Privaten nicht schlecht zu kopieren. Da man dafür das grenzdebile Personal vor und hinter der Kamera auszuwechseln hätte, zeigt die Petition also in die vollkommen richtige Richtung.

RE: Warum ist nicht nichts? | 26.01.2014 | 14:34

Die Antwort von Uxa zur Zeitreise ist doch einfach und verständlich: Nicht alles, was physikalisch-technisch möglich ist, muss von den Menschen auch realisiert werden.

Möglichkeit 1: Sie schaffen es nie (aus mangelndem Wissen, ober weil die Menschheit vorher - höchstwahrscheinlich durch eigenes Zutun - ausstirbt).

Möglichkeit 2: Sie erlangen die Fertigkeit, aber machen z.B. aus moralischen Gründen keinen Gebrauch davon.

Sie hängen einer naiven Fortschrittsgläubigkeit an, wonach die Menschheit ewig fortexistiert und alle Möglichkeiten ausschöpfen wird, wobei Sie dann aber für zukünftige Generationen schon mal festlegen, welches wünschenswerte und welches nicht wünschenswerte Technologien sind. Da sind Sie es nun, der von sich auf andere schließt. Wenn man aber historische Quellen liest, stellt man doch teilweise fest, wie wenig man die Vorstellungen und das Treiben von Leuten, die vor nur 200 Jahren gelebt haben, nachvollziehen kann. Den Leuten der Zukunft wird es ähnlich gehen, wenn sie auf unsere Gegenwart blicken.

RE: Notstandshysterie | 08.01.2014 | 15:03

"Die Medien", die sie so verurteilen, haben erst mal ganz unkritisch & naiv (evtl. aus Zeit- und Personalnot) die polizeilichen Pressemitteilungen abgedruckt. Davon erweist sich nun vieles als unbewiesene Behauptung bis offenkundige Lüge. Diese Propaganda ist die Grundlage, auf der Leute wie Sie eine parlamentarisch nicht kontrollierte Aushebelung der Grundrechte befürworten. Unsere Gesellschaft braucht vielmehr ein Konzept gegen polizeiliche Willkür und Gewalt. Und da sind solche Freifahrtscheine bestimmt kein geeignetes Mittel.

RE: We Want The Airwaves | 12.12.2013 | 21:41

Interessanter Link: Wenn man nun noch Klangkörper, DRadio und den Anteil an den Gemeinschaftsausgaben draufrechnet, kommt man auf ca. 3,50 Euro. Wobei ich dann gern wissen würde, warum ich als Nichtfernsehender jahrelang das Doppelte zahlen musste, obwohl die Gebühr nur für mich allein und keinen ganzen Haushalt galt.

Die andere Frage ist, ob Sie einen Zwang befürworten würden, jedem Deutschen - ob Vegetarier oder nicht - jeden Monat eine Bratwurst auf dessen Kosten ins Haus zu liefern, nur weil es die Fleischbranche so will. Wenn dann viele diese Wurst verspeisten, weil sie nun mal da und bezahlt ist, würden Sie schließlich argumentieren können, alle hätten es so gewollt. Gratuliere, wie Postdemokratie funktioniert, haben Sie bestens begriffen.

RE: Ein junger Mann und ein uraltes Spiel | 22.11.2013 | 13:09

Selbst im 21. Jahrhundert benötigt eine populäre Sportart nationale Helden, so unglobalisiert das klingen mag.

Aha, und wie sind dann Fußball und Rock'n'Roll nach Deutschland gekommen? Die Undurchlässigkeit kultureller Grenzen zu postulieren ist auch ein schönes Klischee, mit dem man sich in einer unüberschaubaren Welt gut einrichten kann. Einfach mal nachschlagen, wie der Schach im Laufe der Geschichte von Indien nach Europa gelangt ist.

Und was die Popularität angeht, sehen wir doch gerade, dass man nicht mehr auf zentralisierte Medienhegemone angewiesen ist, die entscheiden, was populär sein soll oder nicht. Dank Internet können ZDF und RTL eben keine Becker-Graf-Phänomene mehr in den Markt drücken. Man sollte es positiv sehen, wenn nicht mehr so viele nationale Helden fabriziert werden. Ein Kid heute braucht das nicht. Das hat kein Problem damit, dass Carlsen Norweger und Snowden Amerikaner ist.

RE: Richtige Richtung | 20.11.2013 | 23:33

@magda

Selbstverständlich sollte die Genderperspektive immer mitgedacht werden. Nur muss man auch bereit sein, in der Matrix Race/Class/Gender die Gewichte zu verschieben, sobald diese sich ändern. Wir leben nicht mehr in den 70ern, auch wenn träge Statistiken immer noch viel Vergangenheit mitschleppen. Ich würde eben schon gern wissen, wer mehr ausbeutet. Der arme Dönerverkäufer seine Frau, die er putzen und die Kinder erziehen lässt. Oder das bürgerliche deutsche & voll emanzipiert sich gebende Mittelstandspärchen, das sich über billige Imbisse und günstige Reinigungskräfte freut?

Sie haben natürlich Recht, dass man Diskrimierungen besser nicht gegeneinander ausspielt. Aber evtl. besteht da ein Zusammenhang. Falls es so sein sollte: Warum wählen dann sozial Benachteiligte klassische Rollenverteilungen? Warum kann es sich eine gut situierte Frau leisten, durch schlecht bezahlte Teilzeit die Löhne anderer Arbeitnehmer zu drücken?

Des Weiteren wäre auch zu fragen, ob Einkommen alleiniger Maßstab sein kann. Wer ist denn besser dran: Ein solide verdienender Handwerker, der vom Gerüst fällt, oder die Kassiererin, die evtl. von ähnlichen Risiken verschont bleibt? Und wollen wir wirklich im Namen der Emanzipation Frauen, die gern Erzieherin wären, auffordern, Rüstungsingenieurinnen, Investmentbankerinnen und Soldatinnen zu werden, damit die Lohnstatistik stimmt? Ich würde mich eher freuen, wenn man Männer davon befreien könnte, so etwas zu tun.

RE: Richtige Richtung | 19.11.2013 | 18:36

Von gleichem Lohn für vergleichbare Arbeit sind Frauen aber auch heute noch weit entfernt. Mit 22 Prozent beziffert das Statistische Bundesamt die Einkommensdifferenz zwischen Männern und Frauen.

Damit hat sich der Artikel in meinen Augen schon disqualifiziert. Es wird bisschen schwammig von "vergleichbarer Arbeit" gesprochen, was gleiche Arbeit & Qualifikation suggeriert, und dann der unbereinigte Gender Gap herangezogen. Danach folgen Geschlechterklischees wie der "IT-Nerd" und die ach so empathische Erzieherin.

Auch könnte man/frau sich mal fragen, warum Generationen von Bildungsministerinnen und eine nun auch nicht so kurze Zeit unter einer Bundeskanzlerin und Arbeitsministerin es nicht vermocht haben, die Löhne der typischen Frauenberufe zu erhöhen. Eventuell ist gar nicht mehr das Geschlecht der herausragende Faktor für den Lohn, sondern die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation, sozialen Schicht/Klasse sowie der ethnische Hintergrund. Aber um solche Fragen klären zu können, müsste man sich schon um eine differenzierte Schilderung der Lage bemühen.