Palais des Tuileries
11.01.2014 | 12:38 3

Nebenbei bemerkt

US-Außenpolitik Wenn ein Staatsfunktionär in einer Nebenbemerkung eine Verschwörungstheorie zur Verschwörungspraxis erklärt.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Palais des Tuileries

Die Aussagen amtierender und ehemaliger staatlicher Funktionsträger in spätabendlichen Polit-Talkshows transportieren meistens wenig Interessantes zu tage.Aber es gibt immer mal wieder Ausnahmen, wo im Windschatten von Belanglosigkeiten, Phrasen und Plattitüden interessante Bemerkungen fallen. Wie die von Polizeigewerkschafter Bernhard Witthaut in einer "Phoenix-Runde", als dieser Facebook als "nachrichtendienstliches Instrument" der CIA outete.

Vor einigen Wochen erregte bei "Beckmann"* - Thema der Sendung war das Treiben der US-Geheimdienste in Deutschland - eine Einlassung von Werner Weidenfeld, dem ehemaligen Amerikakoordinator der Regierungen Kohl und Schröder, quasi nebenbei bemerkt, meine Aufmerksamkeit:

"In den 12 jahren als Amerikakoordinator habe ich 3 Verhaltensweisen amerikanischer Regierungen kennengelernt: In dem Moment, wo man mit ihnen einer Meinung ist, sind wir die besten Freunde, wir umarmen uns ... man hat Angst um seine Rippen, weil die Umarmungen so intensiv sind. Wenn wir in zweitrangigen Fragen nicht einer Meinung sind, dann sagt die amerikanische Regierung regelmäßig, das passiert mit uns, wo bleibt die Dankbarkeit in der Geschichte, wir haben die Freiheit und die Sicherheit der Deutschen erobert und erhalten und was passiert ... wenn wir in einer ernsten Frage anderer Auffassung sind, dann kommt Geheimdienstmaterial auf den Tisch, das Deutschland belastet und entweder ihr macht mit oder ihr seid dran. Insofern gibts verschiedene Arten und die Amerikaner haben eine ganz klare Interessenlage."

Weidenfeld stellte klar, dass die US-Regierungen bei Widerspruch "befreundeter" Nationen also auch vor Erpressung nicht zurückschrecken.

Natürlich ist das keine sensationelle Neuigkeit. Zumindest nicht für Menschen mit Geschichtskenntnissen und ein wenig Phantasie.Warum sollte eine Supermacht, die global Todesschwadrone und Drohnen einsetzt, um mutmaßliche Staatsfeinde zu ermorden, die ungenehme, vorwiegend zu "linke" Regierungen durch Putsche beseitigen ließ und im Umgang mit menschenverachtenden Diktaturen sehr "pragmatisch" agiert, auch vor soetwas banalen wie Erpressung zurückschrecken, wenn es ihr nützt?

Nein, die "Neuigkeit" an der Geschichte ist, dass diese Macht-Praxis von einem Insider bestätigt wird, einem ehemaligen Teil des politischen Establishments, staatstragend und bürgerlich, also einer "seriösen" Quelle. Kein "Linksextremist", kein "Verschwörungstheoretiker" oder andere "Unseriöse", die wissen oder ahnen, was eigentlich alle ahnen oder wissen könnten, wenn sie wollten.

Unter diesen Aspekt gewinnt die umfassende Spionagetätigkeit der NSA nochmal an Brisanz. Dass dabei der Pornokonsum besonders "werteorientierter" Spitzenfunktionäre zwecks Kompromittierung aufgezeichnet wird, ist dabei wahrscheinlich nur einer der harmloseren von vielen Ansatzpunkten, wie mittels - oder von - Geheimdiensten Politik gestaltet wird.

* ab Minute 51:20

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (3)

Magda 11.01.2014 | 14:31

wenn wir in einer ernsten Frage anderer Auffassung sind, dann kommt Geheimdienstmaterial auf den Tisch, das Deutschland belastet und entweder ihr macht mit oder ihr seid dran. Insofern gibts verschiedene Arten und die Amerikaner haben eine ganz klare Interessenlage."

Ja, ist denn nun schon mal Geheimdienstmaterial auf den Tisch gekommen?

Palais des Tuileries 11.01.2014 | 16:27

Ja, ist denn nun schon mal Geheimdienstmaterial auf den Tisch gekommen?


Gab es denn schon mal eine ersthafte Meinungsverschiedenheit zwischen D und den USA, die die Interessen letzter bedroht hätte?

Eher nicht, oder?

Jetzt stellt sich die Frage, woran das lag: Daran, dass es keinen Grund gab, dass dt. Staatsfunktionäre sich gegen die US-Interessen stellten, oder, dass die dt. Staatsfunktionäre, die den US-Interessen im Weg standen, kalt gestellt wurden.

Einziger Fall der letzten Jahre, wo es einen deutlichen, öffentlichen Dissenz zwischen US- und deutscher Regierung gab, war der Irakkrieg.

Nur, war die Konsequenz daraus eben nicht, diesen Angriffskrieg - der immerhin auf dt. Boden organisiert, vorbereitet, und logistisch versorgt wurde - zu verhindern oder zu behindern (was verfassungs- und strafrechtlich sogar geboten war), aber keinesfalls zu unterstützen, sondern, dass Schröder lediglich darauf verzichtet hat, dt. Soldaten direkt in den Irak zu schicken, dafür aber ein weiteres Bundeswehr-Kontingent an den Hindukusch befahl, um dort US-Truppen abzulösen, die wiederum für den Einmarsch in den Irak eingeplant waren.

"Ernthafter" Widerspruch seitens der Bundesregierung wäre für mich gewesen, den USA die Überflugrechte zu entziehen, womit der Irakkrieg zumindest zeitlich hätte verschoben werden müssen.

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2014 | 18:53

Kurze Zeit, nachdem sich Deutschland der Responsibility 2 Attack des Libyenkrieges verweigert hatte, gab es eine auf Norddeutschland konzentrierte Epidemie, die durch einen hoch pathogenen und virulenten E.coli - Stamm verursacht wurde, irrtümlich zunächst als "EHEC" identifiziert.

Tatsächlich handelte es sich um eine "Schimäre" deren Hauptbestandteil ein EAggEC - Erreger war, der via horizontalem Gentransfer

a) Verotoxin produzierende Stx-Gene erworben hatte (Ein Transfer, der zwei bekannte Vorläufer hatte, 2001 und 2009, die voneinander unabhängig waren, siehe Literatur)

b) zwei Virulenzfaktoren in Gestalt von Bakteriophagen erhalten hatte

c) Antibiotikum - Resistenzen erworben hatte

d) Unempfindlich gegen Tellur war (ter-gen), eine Eigenschaft, die im Labor erworben wird (und in freier Natur relativ schnell verloren geht).

e) In Summe der Veränderungen gegenüber den Ausgangspathogenen war das Wirtsspektrum gegenüber anderen e.coli VTEC Erkrankungen drastisch verändert.

EAggEC hat keine tierischen Wirte (außer anderen Primaten), wird also ausschließlich über Faeces verbreitet.

Es gab 3500 - 5000 Erkrankungen, davon ca. 900 schwer (HUS), davon eine unbekannte Anzahl mit bleibenden Organschäden, einschließlich Hirnschäden, die Letalität betrug jedoch nur 3,7 % der schweren Verläufe.

Der Schaden an "humanen Ressourcen" wurde lt. Wikipedia mit 3 Mrd.$ beziffert, ohne daß Details angegeben waren. Ich nehme an, die Langzeitschäden sind darin nicht enthalten.

Der Epidemieverlauf, einschließlich Vorgeschichte und Folgegeschichte (es gab keine, der Erreger verschwand spurlos und ohne Nachfolger) sollte jemandem, der sich ein wenig in Wirt-Pathogen Koevolution auskennt (ich wiederhole: KEINE tierischen Wirte!), alle Zweifel ausräumen, daß es sich um einen Biowaffenangriff handelte.

Biowaffenangriffe mit e.coli - Vectoren über Aerosole wurden seit den 50ger-Jahren an britischen, norddeutschen und norwegischen Küsten erprobt. (Ausschnitt: The Dorset Biological Warfare Experiments 1963-75) Ersonnen und ausgewertet wurden sie am Defence Science and Technology Laboratory (DSTL) in Porton Down. Es wäre nicht ganz uninteressant, ob es da eine Verbindung zum Tod des hochrangigen Waffenforschers und Microbiologen Dr. Richard Holmes gibt, der im Mai 2012 eine seltsamen und von Familienmitgliedern zunächst vehement bestrittenen Selbstmord erlitt (den der Coroner gleich nach der initialen Leichenbeschau verkündete). Nach knapp eineinhalbjähriger Untersuchungen wurde jedoch eine Rationale einschließlich Gift präsentiert, nach dem der Microbiologe nach initialen Auskünften der Staatspolizei zuvor "gegoogled" haben soll -

Literatur:

http://www.veterinaryresearch.org/content/pdf/1297-9716-43-13.pdf

http://jvi.asm.org/content/86/19/10444.full

Abschließende Darstellung des RKI

EAEC - nicht EHEC