RE: Galaktischer Größenwahn | 22.07.2021 | 11:52

„Ja, das ist tatsächlich ein Problem. Das nicht zu verstehen, ist gleich das nächste.“

Eben drum.

„Aber da ist doch auch ein Auftrag. Warum sollen die anderen nun jeden Fehler von uns wiederholen, zumal, wenn sie noch mehr unter ihm leiden.“

Ja, das ist mal ein Auftrag! Derzeit scheint mir aber alles darauf hinzudeuten, dass das wohl nix wird. Zumal auch der große Bruder überm Teich nervös wird. Ich fürchte, Klima ist bald erst mal Nebensache.

„So meinte mark das auch. Aber wie Du schon sagst. Wenn man bei dem Rest, der überhaupt überprüfbar ist, dann auch noch mit Gewalt am Unsinn festhält, macht es das nicht besser. Allerdings folgt aus der Entscheidung für Unsinn weiterer Unsinn, das man es nicht besser.“

Und doch wird genau das gesellschaftlich goutiert, während der Rest dann eben Spinner sind. Und vielleicht wandelt sich das ein wenig, aber der Wandel ist leider sehr langsam und bislang auch noch nicht bei den relevanten Kreisen angekommen.

„Meint der kenntnisreiche Kollege auch.“

Und wie kommt er dann auf seinen Anarchokapitalismus? Oder wo ist der Markt zu viel reguliert? Weil der Staat unfähige Unternehmen rettet und generell nach dem Prinzip „Risiken vergesellschaften, Gewinne privatisieren“ reguliert? Das alles ist aber gerade das Ergebnis der mangelnden Regulation von wirtschaftlicher Macht.

„Wie bei allem, jeder auf seine Art. Jedes Weltbild, ein eigenes Welterleben, andere Schwerpunkte, andere Konsequenzen.“

Wie gesagt: Durch Preisregulierung zwingt man die, die sich das nicht leisten können, es mit der Brechstange zu lernen, während sie zugucken dürfen, wie die, die es sich noch leisten können, gar nichts lernen müssen – außer das Predigen von Wasser. Preisregulierung ist nichts anderes als ein Verbot für den Pöbel. Oder anders herum: Es ist nichts anderes als die Ausnahme der Vermögenden von diesem Verbot. Das ist pure Heuchelei und dabei fraglich, ob es denn überhaupt ausreicht.

Das größte Problem aber sehe ich darin, dass dieser Frust, der ja auch heute schon da ist, sozial das reinste Dynamit sein wird.

„Wir müssen einfach die Story überwinden, dass Geld, Besitz und Status alles sind, dafür stehen die Chancen gerade gut.“

Ich sehe das überhaupt nicht so, dass die Chancen dafür gut stehen, ganz im Gegenteil, ich sehe Warenfetischismus (das heißt eben dieses Denken in Marktwerten) als sehr stark ausgeprägt und verbreitet. Sozialstatus ist nach wie vor stark an Geld/Besitz oder an Konsum gebunden – das kann auch das eigene Reisen sein, das man auf Insta abfeiert oder eben die besonders progressive Ernährung, die bei genauem Betracht auch gar nicht so wirklich progressiv ist.

Es verschiebt sich ein wenig, aber eben nicht wirklich weit genug, während diese Verschiebung aber schon als Fortschritt gefeiert wird, der einlullt, da man hat, was man will: Den eigenen Standard halten.

„Dass Teile der Welt durchaus mehr Geld und Besitz brauchen, finde ich jetzt auch nicht so anspruchsvoll. Dem älteren Bruder kann die Hose viel zu eng sein, in die der jüngere noch nicht hinein passt. Viel mehr steckt nicht dahinter.“

Naja, das Problem bei dem Vergleich ist aber, das die oberen 1 Prozent ihren Reichtum eher weniger als zu eng betrachten und dass sie als großer Bruder dem kleinen notfalls auf die Schnauze hauen können, wenn der zu viel will. Davon aber abgesehen ist der Profitzwang ein systemischer und eben keine Frage der individuellen Wahl.

„Von dieser Idee können oder wollen die Linken nicht lassen und das ist ein riesiges Problem.“

Hm? Die Linken können oder wollen davon nicht lassen? Mir scheint eher das komplette Gegenteil der Fall. Post-Wachstum und Gemeinwohlökonomie sind originär linke Themen, das ist doch gerade Kapitalismuskritik bzw. eigentlich Antikapitalismus. Die Grünen hingegen etwa sind doch das Paradebeispiel für diese neue Lebenslüge. Die Konservativen hingegen schaffen es ja oft noch nicht mal zu dieser neuen Lebenslüge, sondern begnügen sich mit der alten. Und klar, auch viele Lifestyle-Linke machen da fröhlich mit. Aber primär besteht die Weiter-So-Fraktion doch nicht aus Linken?!

„Ich glaube, dass sich das dreht. Lobbyismus dieser Art wird zunehmend als Problem erkannt. Armin der Ahnungslose, wird ab jetzt Probleme haben zu verrkünden, dass das mit dem Klima eine wirre Idee naiver Kinder ist. In der Eifel wird er dafür keine absolute Mehrheit bekommen. Und das Spiel fängt ja erst an. Es ist ja nicht so, dass nun 2000 Jahre nichts mehr kommt. Vielleicht wird 2022 nur das Gras braun und 2023 sterben ein paar Rentner an Hitze, aber was will Sabbelarmin dann mit Braunkohlebaggern. Ich glaube nicht, dass der die Wahl schon in der Tasche hat.“

Das dreht sich aber viel, viel zu langsam. Und doch, ich fürchte, die Wahl hat er in der Tasche. Dabei ist fast schon egal, was der noch tut, denn es gibt einfach zu viele, vor allem zu viele Rentner und Fast-Rentner, die keine Alternative zur CDU sehen, egal welcher Karnevalskasper die anführt. Das ist ein bisschen wie in den USA mit den Republikanern, die bekanntlich ja auch Mickey Maus aufstellen könnten und gewählt werden würden. Einfach deswegen, weil das andere keine Alternative ist. So dürfte es hierzulande auch vielen Konservativen gehen, schätze ich.

„Die Progressiven wissen es längst. Aber auch die anderen werden es merken. Wir stehen ja am Beginn des Anziehens der Daumenschrauben, dass wird jetzt erst mal Jahrzehnte nicht mehr besser.“

Wenn man aber versucht, dieses Anziehen der Daumenschrauben an die Zahlungsfähigkeit zu koppeln, dann kann das eigentlich nur zu massiven sozialen Spaltung führen.

„Ich glaube, wir schätzen die Konsequenzen schon ähnlich ein, der Unterschied scheint zu sein, dass Du die Menschen für weniger (schnell) lernfähig hältst, als ich.“

Ja, vor allem, weil ich nach wie vor meine, dass du sowohl die kapitalistischen Strukturen, darunter auch die Rolle der Ideologie, als auch Machtdynamiken hoffnungslos unterschätzt. Recht hast du allerdings damit, dass der Mensch sehr anpassungsfähig ist, also sprich: tatsächlich schnell eine 180-Grad Kehrtwende hinlegen kann.

Allerdings sehe ich nicht, dass dies reichen wird. Wir sind in dem Netz unserer eigenen Strukturen und in eben dieser Gewohnheit, die die Anpassungsfähigkeit ausmacht, gefangen, während die Uhr tickt bzw. eigentlich schon ausgetickt hat.

Der Schnellnhuber meinte mal, wir hätten noch etwa eine 20 prozentige Chance, das 2 Grad Ziel zu erreichen (von 1,5 redet der schon gar nicht mehr). Das ist für ihn Grund zum Optimismus, weil es eben nicht von vorn herein verloren ist. Weil 20 Prozent eine Chance sind.

Mag ja sein. Aber das ist mir dann doch zu viel Positive Thinking.

RE: Galaktischer Größenwahn | 20.07.2021 | 13:09

„Aber ernsthaft glaube ich, dass der Druck der Verhältnisse zur Einsicht zwingen wird. Bei ihm hier finde ich mich zum größeren Teil auch wieder und die Stimmen werden immer mehr, überall auf der Welt.“

Ja, ich weiß, dass du das glaubst. Ich teile diesen Glauben bezüglich dem Verhindern der totalen Klimakatastrophe, bei der Schluss mit Säugetieren ist. So viel Optimismus habe ich noch, wobei man sagen muss, dass es leider schon auch Gründe gibt, anzunehmen, dass nicht einmal das mehr drin ist.

Aber an viel mehr kann ich nicht glauben, zumal besagter Druck dann auftritt, wenn das Kind schon im Brunnen ist.

„Europa hat was beizutragen, aber es bestimmt nicht den Kurs.“

Tut es doch eh schon lange nicht mehr, sondern diese komische Ex-Kolonie der Engländer da drüben. Naja und das Reich der Mitte natürlich zunehmend. Wie wird eigentlich der klimaneutrale Krieg kompensiert? Putscht man dann den Bolsanaro weg, damit der Regenwald mal wieder CO2 bindet anstatt auszustoßen? Naja, mal sehen, ob China, Indien und Pakistan ihre Konflikte zivilisierter lösen, als die Europäer in der Vergangenheit. Unfairerweise dürfen sie die übliche unzivilisierte Weise ja nicht mehr, also kein Wasserkrieg, sondern echte Diplomatie auf Augenhöhe. Ganz sicher.

„Um ehrlich zu sein, mir fehlt da das Wissen. Um noch ehrlicher zu sein, ich glaube den Wirtschaftsleuten auch. Weißt Du denn auch noch, was mark über Wirtschaftswissenschaften sagte, wenn wir schon bei den guten alten Zeiten sind? Da kommt Gabriel noch gut weg. (Zu dem komme ich gleich auch noch mal, über Bande, aber dazu schreibe ich Dir was im Selbstfindkreis.)“

Jo, Wirtschaftswissenschaft ist Pseudowissenschaft. Salopp gesagt, aber da gibt es gute Gründe für, wie etwa das Festhalten an falsifizierten Theorien (Tricke Down, Homo Oeconomicus), aber auch die ganze auf Naturwissenschaft machende Fachgestaltung mit dem pseudomathematischen Touch und in kompliziert klingende Fachtermini gegossene Banalitäten – und das alles nur, um ein bisschen zu verschleiern, dass man Gesellschaftswissenschaft ist und dass die eigenen Prognosen selten mehr als der Blick in die Glaskugeln sind.

Also zumindest tendenziell … :D

(Zum Gabriel und Co. im Selbstfindkreis später)

„Aber dennoch, der Kollege kann sich auf der Ebene ziemlich virtuos bewegen und versteht Zusammenhänge, hat mir erklärt, was der Bitcoin ist und wie der funktioniert, ein saumäßig kompliziertes Thema, aber mir fehlt das Wissen, um die richtigen Fragen zu stellen.“

Ein Problem ist m.E. tatsächlich auch das Ignorieren von Marx aus ideologischen Gründen. Obwohl ein H.W. Sinn die Krisentheorie noch lobt, scheint an Handlungen da nicht viel zu kommen. Entscheidend ist aber die praktisch von allen „seriösen Ökonomen“ überhaupt nicht mehr diskutable Mehrwerttheorie, die freilich auch heikel genug ist, um sie als guter Opportunist ins Klo zu spülen. Dabei ist es aber so, dass sie m.E. im Kern sehr wohl zutreffend ist, wobei selbst, wenn man die Milchmädchenreichung macht und meint, Kapital, das vom Himmel fällt oder auf den Bäumen wächst, sei ja auch ein entscheidende Faktor für die Wertbildung, selbst, wenn man meint, Kapital sei zehnmal so relevant dafür wie menschliche Arbeit – selbst dann müsste man aber immer noch feststellen, dass Kapital tausendmal höher gewichtet ist.

So oder so ist das der Knackpunkt der Ungleichheit, die eben auch nicht mehr nur aus Gerechtigkeitsgründen problematisch ist, sondern zunehmend auch aus gesellschaftsfunktionaler Sicht.

„Ich glaube, wir lernen gerade mit der Brechstange, dass Wohlstand ganz andere Formen annehmen muss, als materiellen Besitz. Wir brauchen uns (als Gesellschaft) im Grunde nicht darüber streiten, ob die Welt anders werden sollte, oder nicht, sie ist es bereits. Das Karma spielt doch mit.“

Naja, die Frage ist halt, wer das wie lernt. Wenn man das, wie es derzeit wohl passiert, so lange wie möglich nur dem sozioökonomischen unteren Teil der Bevölkerung lernen lässt, dann fürchte ich, führt das zu einer Spaltung und sozialen Konflikten, die alles weitere zunichte machen. Denn ich fürchte, es werden nicht die linken/emanzipatorischen, progressiven Kräfte sein, die dieses Frustrationspotential einfangen. Die sind leider eher damit beschäftigt, sich gegenseitig zu zerfleischen und den Pöbel wegzustoßen, während die anderen durchmarschieren. Wie immer halt. Nix gelernt.

„Der nächste Schritt bei uns könnte sein, dass man die Frage nach sozialen Verbesserungen und Klima nicht gegen einander ausspielt und das ist keine politreligiöse Glaubensfrage, sondern eine des entwicklungspsychologischen Fortkommens und echter, philosophischer Einsicht.“

Meinem Eindruck nach geschieht aber gerade das Gegenteil. Konsumreduktion durch Preisregulierung jedenfalls IST das Gegenteil. Und die Grünen sind da ja nun einmal voll auf Linie.

Also klar, natürlich muss genau das geschehen, aber viel sehen kann ich davon leider nicht. Okay, hören ab und an schon – aber es ist auch Wahlkampf, es erzählt jeder alles, was man hören will.

„Das heißt, dass man die Argumente der Prolls in die Tonnen treten kann, ihre Betroffenheit jedoch zugleich ernst nehmen muss. Ihre Argumente muss man bergen, stark machen und in eine anspruchsvolle Form bringen und das kann nur die Aufgabe derer sein, die etwas mehr verstanden haben. Das ist einerseits elitär (und sollte es auch sein), andererseits sozial und mit Verantwortung für alle fühlenden Wesen (und sollte es sein), aber es ist immernoch ein Wettstreit der Ideen, bzw. es nimmt in der Ausformung die jeweiligen Gegebenheiten: kulturell, intellektuell, klimatisch, geographisch, ökonomisch … an. So wird das auch keine top down Geschichte, gleichzeitig nimmt man alle in die Verantwortung und im besten Falle nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen.“

Tja, damit beschreibst du quasi den typischen linken Klassenkampf – oft genug von eher gebildeten nicht ganz so schlecht Situierten stellvertretend geführt. Aber ich fürchte, da gibt es heute zu wenig von. Denn hier wird wirklich relevant, dass verschiedene gesellschaftliche Gruppen auch verschiedene, konkurrierende Interessen haben, die aber so in der Regel nicht auf dem Tisch liegen. Und den eigenen Konsumstandard beibehalten wollen sie fast alle, auch unter den Progressiven. Da lässt man sich auch gerne mit etwas Aktionismus wie dem neuen Lieferkettengesetz ein bisschen einlullen. Und vor allem auch mit der Idee, dass wir nur anders konsumieren müssen, aber prinzipiell so weiter machen können.

„Aber ich würde die Prolls nicht überzeugen wollen, sondern die reale Aufteilung von Gesellschaften nehmen und da ist es nun mal so, dass die meisten liebend gerne folgen und auch wenig Probleme damit haben, das exakte Gegenteil von dem zu tun und zu glauben, was sie gestern noch, mit ebenso 'echter' Überzeugung vertreten haben. Und das betrifft eben nicht nur ein paar seltsame Vögel, sondern sehr große Teile der Gesellschaft. Kümmern muss man sich aber um andere und immer im Hinterkopf behalten, dass man sich vermutlich selbst in vielen Punkten irrt. Aber ab einer bestimmten Stufe sollte das nicht nur kein Problem mehr sein, es ist dann auch keines mehr. Aber auch hier zwischen einem beliebigen Pluralismus und einem ultraorthodoxen Ideologen, deren Theorien kann man alle durchs Klo spülen.“

Ja, aber da sind wir wieder an dem Punkt, wo ich frage, wie man hierbei gegen die permanente (auch vor allem mediale) Einflussnahme von „Oben“ denn ankommen will.

Du siehst ja schon, wie die liebe Anna Lena mit Dreck beworfen wird – okay, vielleicht war sie auch nicht immer ganz so lieb, aber verglichen mit Masken-Armin und seiner korrupten Truppe ist das ja wirklich null komma gar nichts. Dass diese ganzen offen korrupten Gestalten überhaupt noch da sind und dass das alles als „Lobbyismus“ mehr oder weniger als Kavaliersdelikt gilt, zeigt doch schon, wie verdreht die öffentliche Wahrnehmung eigentlich ist. Also die von den Medien und Publizisten – der meinungsbildenden Elite. Ach und die Bild gibt es ja auch imemr noch …

Wie gegen so viel Dreck, der den Fluss hinabfließt, ankommen? Nur weil es ein paar progressive Blasen gibt, in die man abtauchen kann?

Naja, wie immer: Wir werden sehen. Klammern wir uns an ein bisschen Hoffnung auf Restvernunft und daran, dass ich ein hoffnungsloser Pessimist bin, der notorisch alles schlecht reden muss und du recht behalten wirst. ;-)

RE: Galaktischer Größenwahn | 19.07.2021 | 14:03

@Calvin

„Ich fand die Petition gar nicht schlecht.“

Ist schon ein richtiger Ansatz von der Idee her (wenn auch schon bezeichnend, dass man das überhaupt fordern muss ), aber ich fürchte, Petitionen taugen im Kanzleramt bzw. in den Ministerien nur als Testobjekte für die Schredder. Und Online-Petitionen noch nicht einmal als das …

Aber okay, irgendwo muss man ja anfangen, das stimmt wohl und ich will auch nicht alles gleich schlecht reden. ;-)

@w.endemann

Zum ersten Defizit kann ich nichts sagen, weil ich mich auf das Gespräch bei Jung&Naiv beziehe, das ich nur angefangen habe bisher und nicht auf den Link von moorleiche. Vielleicht kommt das ja noch, dann komme ich drauf zurück.

Den Punkt aber hat sie in dem Gespräch auch schon gemacht:

„Sie stellt fest, daß die Gesellschaften mit großer Diversität vergleichsweise geringe Probleme mit dieser Diversität haben, weil man sich als kooperierendes Wesen an die Diversität gewöhnt, das Diverse seine Anstößigkeit verliert.“

Dabei geht sie aber implizit von einer eher akademischen Blase aus. Oder anders: „Diversität“ erschöpft sich im Grunde im recht engen Kulturbegriff von Kulinarischem, Sprache, Theater, Kunst usw. – (oder gar nur von phänotypischen Merkmalen) aber ich bezweifle, dass sie Diversität in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter, Rolle der Gewalt als Problemlösung und auch dem geforderten Grad an Impulskontrolle oder an vor-aufklärerischer Religiosität sonderlich erbaulich finden würde. Das sind aber alles Dinge, mit denen man konfrontiert wird, wenn man diese kulturelle Diversität nicht. an der Uni kennenlernt. Aber das ist freilich kein spezifischer blinder Punkt bei Urner, sondern eher der allgemeinen akademischen/etwas besser situierten Blase geschuldet. Das findet man ja fast schon als Regel.

„Das gilt dann auch für immer größere Einkommensunterschiede, Unterschiede der Lebenschancen. Ja, je mehr Bettler und je mehr SUVs ich sehe, umso toleranter werde ich diesen Tatsachen gegenüber, das verlangt schon die Gefühlsökonomie. Ist das wünschenswert?“

Das ist dann in der Tat noch mal der andere Punkt. Das fällt dann quasi auch unter „ Diversität“, der dazu passende Diskriminierungsfall ist dann Klassismus – wobei das Problem eben nicht etwa die Zustände selbst sind, die Klassenunterschiede, sondern nur der Umgang mit ihnen. So wird ein etwaiger Klassenkampf identitätspolitisch all seiner subversiven Elemente beraubt. Sowieso ist der ganze Klassenbegriff, der oftmals verwendet wird, eh völlig für die Katze.

Aber ok, das geht jetzt ein bisschen weg, das geht nicht wirklich an Urner. ;-)

@moorleiche

„Aber da ist man schon wieder im teuflischen Detail. Man muss ja dann irgendwann auch mal klären, wie es denn, möglichst so in einem Monat, nicht 2050, denn nun laufen soll.“

Ja, eben. Umso schlimmer!

„Ja nach dem wen Du fragst, gibt s da wirklich extrem unterschiedliche Antworten. Ich hatte gestern erst ein Gespräch mit jemandem, der hochintelligent ist, die Probleme, die wir haben genau sieht und tatsächlich meint, dass der Markt überall und viel zu sehr reguliert wird.“

Ja, die Freimarktsideologie ist halt stark verankert, auch Intelligenz schützt davor nur bedingt. Bislang lief aber noch jedes Ausbuchstabieren dieser Sichtweise, die mir begegnet ist, auf Sozialdarwinismus hinaus. Was nicht heißen soll, dass Überbürokratisierung kein Problem wäre oder dass es nicht zu viele sinnlose Regulierungen gäbe.

Aber als Volkswirtschaftstheorie läuft das eben auf den ganzen längst falsifizierten Unsinn von Trickle Down und Co. hinaus. Wenn das nicht blanker Opportunismus oder eben bewusst sozialdarwinistisch ist, dann kommen die anarchistischen Varianten davon mit einer immensen Naivität einher. Wobei, wie gesagt, auch hier diejenigen, die sich im freien Spiel der Kräfte nicht behaupten können, dann eben hinten runter fallen.

Das ist ja gerade das schlimme, dass die ideologische Verblendung immens ist. Wobei der total freie Markt ja nur die Spitze des Eisberges ist. Der Trickle Down Quatsch wird ja auch nach wie vor immer noch von manchen nachgebetet, von der heiligsten Kuh von allen, dem Wachstum, nicht anzufangen. Aber hey, das gibt es dann eben in Grün. Kann ja nur gut gehen.

„Man kann dann natürlich statistisch argumentieren, dass die meisten aber doch … und so weiter, aber auch das muss man zu Ende denken und die Entidividualisierung findet man genau so lange witzig, bis sie einen ereilt.“

Naja, wenn die gesellschaftliche Ebene betrachtet, dann ist das aber doch nun einmal der Fall. Der Punkt ist ja, dass man die sozioökonomische Ebene mehr oder minder ausblendet bei der Gestaltung (reden tut man freilich viel).

„Man will den Utilitarismus ist aber schon vom Tragen einer Maske im Supermarkt emotional schwer überfordert. Beknackter geht es eigentlich nicht, aber Nichtwissen ist oft ein guter Schutz.“

Tja … tja. Wo nehmt ihr alle noch euren Optimismus her? Leute gehen nicht mehr zum 2. Impftermin, weil is ja grad alles gut, ab in den Urlaub! Gegen diese dekadente Verblödung ist kein Kraut mehr gewachsen.

Aber gut, genug gemeckert!

RE: Gleitmittelpolitiker mit Präser | 16.07.2021 | 14:23

„Wie bescheuert sind die Leute eigentlich…“

Spoiler: Sehr, sehr, sehr bescheuert! Deswegen: €DU!

Aber Cum Ex-Olaf und auch der Masken-Armin mit seiner bunten Nüßlein-Truppe, die haben nun einmal wenigstens Erfahrung im Durchsetzen von Lobbbyint– ich meine im Regieren! Wer ist denn bitte diese Anna Lena? Bei Profite Partner find’ ich die jedenfalls nicht! :D

RE: Braucht der Selbstfindkreis Teil 2 | 15.07.2021 | 11:09

„So ähnlich hatte ich es mir vorgestellt. Ist aber auch nicht marks Grundrichtung.“

Zudem hat er ja selten was Gutes an irgendwas gelassen, ja.

Trotzdem gehört er zu den Gestalten, weshalb es schade ist, dass das Forum tot ist. Aber ich schätze, hierher verirrt der sich in zehn Leben nicht. Es gibt noch ein Philo-Forum, in dem sich inzwischen einige bekannte Gestalten tummeln – leider aber nicht immer die, die man man gerne hätte.

„Zu Redlichkeit gehört auch, zu erkennen, dass einige wirklich einen an der Waffel haben. (Ich glaube, so hat es Rhetorix genannt.)“

Absolut. Friede-Freude-Eierkuchen-Gesülze aus dem Glücksbärchieland ist intellektuell wirklich unwürdig.

//Klappt bei mir nur, wenn ich nicht emotional verwickelt bin. Wenn ich es nicht bin, kriege ich mich aber auch nicht so richtig motiviert. Und ich schreib halt einfach gern. Zeit, ja …//

Ach, hör’ auf mit der Zeit – so viel, wie du hier schreibst, da ist das doch die reinste Koketterie, zu meinen, du habest keine Zeit! :D

Aber ok, ich bin da eben einfach nicht so rasch am Abzug. Andernfalls gäbe es aber auch immer viel zu viel zu kommentieren. Das wäre ja ein richtiger Vollleitjob hier. Und leider habe ich noch nicht wirklich gelernt, kurze Antworten zu verfassen. Bin halt eher ein Prosakind und keines der Lyric. :D

RE: Braucht der Selbstfindkreis Teil 2 | 14.07.2021 | 14:09

"Was mark gschrieben hat, weiß ich zwar nicht, aber da ich ihn ja nun ausführlich auf der Ebene kenne, kann ich mir das lebendig vorstellen."

Ja, dagegen halte ich noch viel vom jüngsten Philosophieprofessor des Landes. :D

"Ich fand das auch immer super. Es ist ja auch eine kommunikative Qualität zu merken, wann man die Zügel anziehen muss. Manche waren halt immer albern und neben dem Thema oder fokussiert auf ihre Mission und manche davon mit heiligem Ernst. Und die richtigen Vollpfosten zu ignorieren, kann man nebenbei auch noch lernen, das ist hier unbestritten ein Vorteil."

Das ist überall – wirklich überall – ein Vorteil :-)

„Ich habe mir damals immer eingeredet, dass es irgendwie eine Auszeichnung ist, wenn man mit jedem klar kommt. Ich bin davon längst kuriert und habe keine Probleme damit die Fütterung einzustellen.“

Das kenne ich, ja. Da gab’s Leute … uff. Ich habe es auch für ein besonderes Zeichen von Diskussionskultur gehalten, zumal auch mit einem Skeptizismus als Grundlage und dem Hineinswitchen-Können in verschiedene Denkweisen und Weltanschauungen. Da lernt man viel Blödsinn kennen, der mir dann auch für dieses Leben reicht.

"In dem Moment, wo ich die Überzeugung gewonnen habe, dass jemand gar nicht diskutieren will, ist die Sache für mich uninteressant und das dann auch nachhaltig."

Geht mir inzwischen auch ähnlich. Dazu kommt aber auch noch, dass ich das Interesse verliere, wenn ich merke, da sind die ideologischen Scheuklappen hochgefahren oder aber da ist jemand gewaltig in seiner eigenen Welt verfangen und Diskussion ist quasi nicht mehr möglich bzw. wird nicht sehr ergiebig sein, selbst wenn jemand diskutieren will.

Naja und ansonsten gilt das mit der wenigen Zeit, von der man viel hat. Wobei ich eben auch niemand bin, der seinen Senf überall dazu tun muss. Still mitlesen, darin bin ich gut! Aber irgendwann bekommst du eine Antwort auf noch Ausstehendes. :-)

RE: Grüne Lügen | 13.07.2021 | 11:53

"Wer glaubt, diese Mammutaufgabe den Marktkräften überlassen zu können, glaubt auch an den Trickle-Down-Effekt."

Das hätte ich nicht besser sagen können. Das merke ich mir.

So ist es leider. Leider aber scheint Klimaschutz per Preisregulierung ideologisch tatsächlich der neue Trickle-Down-Effekt zu sein. Und leider dürfte das ähnlich gut klappen.

RE: Braucht der Selbstfindkreis Teil 2 | 13.07.2021 | 11:48

"Eigentlich gehöre ich ja auch ins Lager seiner Kritiker, ich habe sogar ein Philo-Forum verlassen, weil es da irgendwie Pflicht war Gabriel geil zu finden und da haben sich immer auch einige durch seine Unwuchten gegraben, ich war einr davon."

Ja, ein Fanboy bist du nicht, das weiß ich doch. Aber eine Pflicht Gabriel geil zu finden? Weißt du noch, was mark so zu dem geschrieben hat? :D

"Wobei er gegenüber Eilenberger sein pochen auf die Realität von Einhörnern doch ziemlich defensiv vertreten hat. Früher war Gabriel ein strikter Feind aller Weltbilder, das hatte mich damals irritiert, weil ich mich in vielen wiederfand, jetzt vertritt er diese Sichtweisen selbst. Meinst Du, der hat mich gelesen? :-)"

Auf jeden Fall! Ich glaube, der liest auch hier mit. Ich bin auf der Ignorliste, dir folgt er mit drei Accounts!

"Dafür ist man frei zu schreiben, was man will, ohne Rücksicht auf Kontext und Mitmenschen, bruchlos vom Intimpiercing zur Rückhand beim Tennis und Kartoffel-Gratin. Also alles wie überall und immer, hier nur ganz offiziel."

Ich wollts gerade anmerken, da schreibst du es schon selbst im letzten Satz. :D

Das fand ich im Forum auch immer toll, da gab es de facto quasi gar kein On-Topic. Eigentlich war das eine sehr gute Schule zum Fokussieren auf relevante Inhalte beim Ignorieren von idiotischem Schwachsinn. Leider können das ja nicht viele und reproduzieren den Schwachsinn, anstatt ihn zu ignorieren … naja.

Ich verstehe immer noch nicht, warum das Konzept vom Nichtfüttern der Trolle so wenige kapieren. Andererseits ist der Zug wohl auch lange abgefahren mit der ganzen Social Media Verblödung, die im Grunde eine einzige Trollerei ist. Wobei ich eigentlich gar nicht so viel schimpfen wollte.

RE: Braucht der Selbstfindkreis Teil 2 | 12.07.2021 | 14:28

„Ich wusste gar nicht dass die Würde in einen Koffer mit 100.000 DM reinpasst, gab es da einen doppelten Boden?“

Ach, böse Biene! :D

Aber ja: Mag die Würde auch unantastbar sein – was immer das auch heißt – verscherbelt werden kann sie aber dennoch für ein Appel und ein Ei.

Tauschwert und Warenfetischismus ahoi!

RE: Braucht der Selbstfindkreis Teil 2 | 12.07.2021 | 14:15

"Die Überlegungen Gabriels zu Werten sind falsch, ansonsten ist ihm zuzustimmen. Nur sollte er aus Eigennutz seinen philosophischen Narzismus zügeln."

Der Zug ist schon lange und sehr, sehr rasch abgefahren.

Ich finde Gabriel nur sehr schwer zu ertragen und halte ihn für ein sehr schlechtes Beispiel der Zunft, er ist ein Dampfplauderer sondergleichen. Wenn es denn nur alter Wein in neuen Schläuchen wäre, den er auf der philosophischen Kaffeefahrt verscherbelt – aber dazu verbrennt der so viel Stroh, dass der komplette Himmel sich verdunkelt und nennt das dann Klarheit. Bah!

Nach wie vor verstehe ich nicht, was moorleiche an dem findet. Nur, weil er ein paar Punkte anspricht? Neee. ;-)

Ansonsten komme ich hier aber kaum mehr nach – jetzt gibt es schon den zweiten Selbstfindkreis! Teil 1 schon verpasst! Von anderen Diskussionen in anderen Threads nicht anzufangen. Bin zu langsam für die Welt!