PädagogInnen gegen Abschiebung von Roma in den Kosovo

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PädagogInnen gegen Abschiebung ?

Ich traute meinen Augen nicht, als ich sah was da ein paar Leute mal schnell auf die Beine stellten und sich schnell ein paar mehr Leute daran beteiligten.

Worum geht´s?

Um die alltägliche Abschiebepraxis, das menschliche Schicksale vollkommen ignoriert und teilweise tödliche, bei Kindern zumeist aber immer traumatische Begleiterscheinungen hat.

Es geht konkret darum, was PädagogInnen und LehrerInnen tun können wenn ein Kind in ihrem Umfeld: sprich, aus ihrer Klasse, aus ihrem Jugendzetrum , Berufsschule, Kindergarten usw. von Abschiebung bedroht ist.

Was bringt´s ?

Vor allem Öffentlichkeit.

Und die ist ja bekanntlich eh schon nicht zu unterschätzen. In einem Abschiebefall kann sie aber Leben retten. So einfach das klingen mag so dramatisch kann es doch so sein : in einem Abschiebefall kann Öffentlichkeit bewirken, das erst jemand tot sein muss um Ansätze von Menschlichkeit bei Behörden erkennen zu lassen; in folgendem Video, auf das auf der homepage

aufruf-gegen-abschiebung.de

in einem Zeitungsartikel verwiesen wird, wird das Schicksal der Familie Avdil geschildert. Ich finde es sehr traurig und es macht wütend, wenn erst ein Mensch sterben muss, bis Menschen auf ein Mindestmaß an Menschlichkeit der Behördenmitarbeiter hoffen können:"Das tragische Schiksal einer Familie aus Deutschland".

swrmediathek.de/suche.htm?econt=avdil

Ein "Positivbeispiel" von Öffentlichkeit zeigt ein anderer Film, nähmlich der aus dem beschaulichen Gomaringen in Baden-Württemberg. Bürger des Dorfes engagierten sich sehr stark für eine von Abschiebung betroffene Roma-Familie, erreichen zuerst einige Erfolge. Dann passiert aber doch das scheinbar Unausweichliche, die Familie wird abgeschoben Schlussendlich kommt es doch noch zu einem "happy end": Ein paar der Kinder können nach Jahren auf einen Studeinplatz in Deutschland hoffen. Der Film zeigt, was möglich ist und was nicht, wenn sich BürgerInnen engagieren.

Warum gerade jetzt der Aufruf ?

Aktuell, wie auch schon in den ganzen letzten Jahren sind wieder tausende Roma von Abschiebung betroffen.

Den MacherInnen des Aufrufs gegen die Abschiebung ist es gelungen, die traumatischen Folgen von Abschiebung von Kindern und Jugendlichen , die durch Abschiebungen (und deren ganzer behördlichen vorgeschichte) entstehen zu verdeutlichen und in ein öffentliches Licht zu rücken. Auch die menschenrechtswiedrige und kindeswohlgefährdende Praxis der Abschiemaschinerie wird ins Auge gefasst und an die Öffentlichkeit gezerrt.

Der Link zu den PädagogInnen ist ganz einfach: Es reicht, denen zuzurufen: hey, das sind Kinder die in Eurer Obhut stehen, das ist dramatisch was da passiert, dann zum eigentlichen Aufruf noch eine sehr gute pädagogische Begründung gepackt, einige Materialien und Hintergrundinfos auf die homepage gepackt, ein Zähler der Stimmen...: und schwups:

Stand heute:

900 Leute (Erzieher, Rektorinnen, Lehrer, Sozialarbeiter usw. und viele ganz andere) haben schon unterschrieben, dazu kommen noch die 183 ErstunterzeichnerInnen und 28 Organisatione/Vereine.... . Beachtlich. Und es werden stündlich mehr.

Was sagen die ErstunterzeichnerInnen

"Ich setzte gern meine Unterschrift unter diese Initiative, weil sie ganz vorbildlich vom Standpunkt der Kinder her argumentiert, deren Lebenschancen sonst selten in den Blick kommen." Prof. Dr. Frigga Haug

"Die Abschiebung der Roma in den Kosovo oder auch nach Serbien muss verhindert werden. Bei den Roma handelt es sich um eine Bevölkerung, die sich die Europäische Union als völlig europäisch vorstellt. Sie sind formell als eine europäische Bevölkerung anerkannt. Und vermutlich sind sie in ihrer geografischen Verteilung auch die „europäischste“ Bevölkerung. Trotzdem werden sie in jedem Nationalstaat, in dem sie leben, gehasst, attackiert und ausgeschlossen – oder eben abgeschoben. Auch im Kosovo. Wir müssen darin etwas Grundlegendes über die Widersprüche in Europa erkennen, gerade um den sozialen Raum in Europa weiter auszubauen." Dr. Manuela Bojadzijev, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Europäische Ethnologie

"Bei einer Studienfahrt durch Rumänien, Ungarn und Slowenien konnte ich mich vor einigen Jahren über die desaströse Lage der Roma in diesen Ländern informieren. Ich war schockiert, dass solche Zustände in Europa ohne einen Sturm internationaler Entrüstung möglich sind! Deshalb freue ich mich sehr über die Initiative und bin der festen Überzeugung, dass kein Kind oder junger Mensch in eine Situation der Diskriminierung und Verfolgung hinein ausgewiesen werden darf." Michael Fähndrich, Geschäftsführer, Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V. (BAG EJSA)

"Meine pädagogische Verantwortung und meine christliche Überzeugung nötigen mich, diesen Aufruf zu unterschreiben. Es kann nicht wahr sein, dass Kinder und Jugendliche, die hier über Jahre ihre Sozialisation erfahren haben oder sogar hier geboren worden sind in eine für sie bedrohliche Fremde abgeschoben werden sollen. Danke für diese Initiative!" Prof. Dr. Karl Foitzik

"Von Kopf und Herzen unterschreibe ich diesen Aufruf mit Freude (über die Initiative, nicht über den Anlass). Ich finde mich in meiner professionellen Identität als LehrerInnenbildnerin und supervisorische Begleiterin von PädagogInnen und SozialarbeiterInnendarin wieder. Der Text drückt darüber hinaus meine eigene Betroffenheit – aus ureigensten ethischen, politischen, und persönlichen Gründen – aus. Da gehöre ich gerne dazu!"

Jutta Heppekausen

Was fehlt ?

Bsher wurde der Aufruf "nur" in Lokalzeitungen wahrgenommen, was eiegntlich sogar besser ist, ist doch lokale Empörung gegen Abschiebung das eigentlich Notwendige.

Andererseits wäre es auch mal gut, wenn ein guter Artikel in einer sehr guten überregionalen Zeitung steht.

Das hole ich hiermit nach..Mit kollegialen Grüßen Pantherin

21:10 05.02.2012
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Geschrieben von

Pantherin

Queer, Links, gegen Rechts, Schwul, Verbraucherschutz
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helena-neumann | Community
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