paranoid

Ich wollte nur mein Geschlecht angeben und muss nun dieses Feld ausfüllen.
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RE: Alles klar zur Wende? | 03.10.2011 | 15:48

Ich kann es nicht mehr hören.

Eine Partei ist per Gesetz eine "Vereinigung von Bürgern", nicht mehr und nicht weniger, und das darf sie bitteschön auch bleiben! Wer kommt denn hier ernsthaft auf die Idee, eine demokratische Partei nachregulieren zu wollen? Da müssen jetzt unbedingt mehr Frauen sein, sonst wär's ja ungerecht? Hackts? Vielleicht noch ein paar über 60jährige, da hätten wir gleich noch den Teil der Nicht-Netzaffinen (bisschen pauschal, aber im Allgemeinen triffts ja zu) abgedeckt? Und wenn wir überall herumgerührt haben und vom nächsten kaputten Haufen regiert werden, könnt ihr euch auf die Schulter klopfen und sagen, na immerhin sind Frauen mit dabei - klasse!

Meine Fresse. Ich möchte in der Politik Frauen sehen, weil sie es drauf haben, und nicht weil sie am Eingang durchgewunken wurden, damit hyperfeministische Blogger und der Teil der Welt, die sie repräsentieren, sich nicht echauffieren können.

RE: Der Dichter auf dem Balkon | 29.09.2011 | 00:08

Sehr schön. Danke für den Zwang zum Schmunzeln.

RE: Dichtes Erfassungsnetz | 28.09.2011 | 23:32

Ich muss mich verbessern: das Zitat hatte ich wohl falsch aufgenommen, in dem Sinne, dass solche Regelungen wie hier diskutiert zu so vielen vorhandenen Spenderorganen führen würde, dass die Empfänger sich deswegen bewusst schlechter verhalten würden, weil es ja immer Nachschub gibt - darauf war ich jetzt größtenteils eingegangen, ich bitte das zu entschuldigen.

RE: Dichtes Erfassungsnetz | 28.09.2011 | 23:21

Das Problem, das die meisten mit dieser Art der Entscheidungserfassung haben, ist ja, dass sie nicht entsprechend aufgeklärt und "beraten" werden, sondern einfach die Frage beantworten sollen. Beraten klingt vielleicht blöde, und mich müsste man auch nicht erst fragen; mir persönlich ist es herzlich gleich was nach meinem Tod mit den Teilen passiert, die sonst unter der Erde verschimmeln würden, aber einem Großteil der Leute ist das Thema einfach zu fremd und suspekt. Davon kann man halten was man will, aber diesen Nötigungsvorwurf hab ich schon von vielen Ecken gehört. Und das darf man schonmal ernst nehmen, auch wenn man's persönlich nicht nachvollziehen kann.
Ich muss gestehen, dass ich keinen Spendeausweis besitze, trotz meiner Einstellung. Ob das in Faulheit begründet ist kann ich nicht sagen, ich habe mich grundsätzlich noch nicht ausgiebig mit meinem Ableben befasst und möchte das in meinem Alter auch nicht, ist womöglich verbohrt, aber nu, so bin ich. Würde hier einfach angenommen, dass ich zur Spende bereit wäre, hätte ich auch absolut kein Problem damit – und die simple Nachfrage tät ich auch sofort mit JA beantworten - aber es gibt viele Menschen, denen der Gedanke an einen halbwegs unversehrten, hauptsache vollständigen Körper in Mutters Erde einfach Trost bietet, und die es natürlich nicht für legitim halten, aktiv nach dem Pistole-auf-Brust-Prinzip ein nicht vorhandenes Einverständnis zu bekunden, damit das am Ende auch so kommt. Ist wie mit den Änderungen der AGB, wiedersprechen oder fressen, da fühlen sich einige auch genötigt. Dass dieses Recht auf Selbstbestimmung im Verhältnis zur Notwendigkeit von Organspenden jeder irgendwie anderes bewertet, ist klar. Aber hier jeweils die eigene Meinung als die einzig richtige hinzustellen bringt uns weder in der Debatte voran noch werden damit die Probleme gelöst, die andere damit haben. Und gerade bei einem Thema, das sich um das "alle für alle"-Prinzip dreht, sollte man hier nicht die Arme verschränken; Vorwürfe und Beleidigungen führen nicht zu einer erhöhten Spendebereitschaft, bringen also wie so oft: nüscht.

Die gegensätzlichen Reaktionen auf das Thema sollten letztendlich jedem deutlich machen, dass die ja | nein | vielleicht -Frage (jemand hatte das mit den Grundschulbriefchen gleichgesetzt – also sorry, ich pauschalisiere ja auch mal gern, aber das ist mir n bisschen zuviel des Guten) nicht bei jedem auf Begeisterung stößt, und sowas kann man auch nicht wegdiskutieren. Wenn man weiß, dass gewisse Teile eine Bereitschaft aufgrund der Angst vor Missbrauch verweigern, dann muss man ihnen eine entsprechende Aufklärung zukommen lassen und ihnen zeigen, dass kriminelle Handlungen in diesem Bereich entsprechend gewürdigt, heißt strafrechtlich belangt werden.

Grundsätzlich wäre eine erhöhte Präsenz des Themas, nicht nur in Debatten gegossen (für deren Verfolgung die meisten eh zu faul sind) wünschenswert, da würden sich dann mehr Leute wie ich dazu genötigt fühlen (hier aber im entspannten Kontext), doch endlich mal so einen Schrieb auszufüllen.

Die Sache mit den Angehörigen, die nach dem Tod dazu befragt werden, find ich recht traurig. Jeder, der schonmal einen Menschen verliert, geht damit anders um, aber ich war und wäre nicht dazu in der Lage, eine solche Entscheidung zu treffen, auch wenn ich die eigene Bereitschaft vielleicht bei dem Verstorbenen auch vorrausetzen könnte, dazu ist das alles zu unmittelbar und die eigens gesetzte Erlaubnis, dem Verwandten irgendetwas wegzunehmen, hätte etwas Beschämendes, irgendwie Ekelhaftes.

"Die Frage ist aber, ob eine per se unendliche Nachfrage nach Organen – denn die Bürger werden älter und die Bereitschaft, sich nach einer Transplantation entsprechend zu verhalten, sinkt erfahrungsgemäß in dem Maße wie mehr Organe zur Verfügung stehen – mit der Nötigung der „Angebotsseite“ verbunden werden darf."

Diese Spekulation hat einen recht widerlichen Nachgeschmack für mich, suggeriert sie doch die Frage, ob man Organe nicht lieber künstlich stark begrenzt halten (oder, was für mich fast aufs Selbe hinauskommt, die dringende Nachfrage entsprechend weniger explizit durch genannte Maßnahmen stillen) solle, damit die Empfänger durch das dieses Bewusstsein pfleglicher und respektvoller mit ihrem Organ umgehen. Ich weiß, dass es vereinzelt Fälle gibt, bei denen die Empfänger sich die erste, zweite, dritte Spenderleber analog zur eigenen kaputtgesoffen haben und da stellt sich freilich die Verdienstfrage - aber mal abgesehen davon empfinde ich den Vorwurf als ziemlich frech. Ein Mensch, der halbwegs normal im Kopf ist (und die Transplantation von Hirnen ist meines Wissens nach noch recht unmöglich) weiß ein solches "Geschenk" mehr als nur zu schätzen, hier geht es um Leben und Lebensqualität, und es wird nach meiner Ansicht nie zu einem Überangebot an Organen kommen, ob die Spendebereitschaft nun erzwungen wird oder nicht - erstens sind nicht alle Organe nach dem Tod, verzeiht den Ausdruck, wiederverwendbar, zweitens werden die Leute, wie im Text bereits erwähnt, immer älter und damit steigt natürlich die, nochmal sorry, Nachfrage - was wiederrum das maximal zu erreichende Alter pushen wird, bei dem Thema frag ich mich auch so langsam...naja, lassen wir das - und drittens muss man schon herzlich blöd sein, die akuten und folgenden Strapazen, die eine Transplantation mit sich bringt und immer mit sich bringen wird auf die leichte Schulter zu nehmen. Ich gehe davon aus, dass dieser Vorwurf so nicht gedacht war, sondern rein der Suche nach Argumenten gegen die gefühlte Nötigung diente, aber hier sollte man echt n bisschen drauf achten, wie es ankommt.

Im Übrigen find ich es bedenklich, wie hier teilweise auf vereinzelte unkorrekte Groß- und Kleinschreibung und Wortaltlasten herumgehüpft wird, als gäb es nix Schöneres. Wir sind hier nicht beim webbasierten Dudenwettstreit, und solange ein Text nicht direkt unlesbar geschrieben ist, kann man ihn doch so hinnehmen und sein Ego damit streicheln, dass man's besser drauf hat - also bitte.

RE: Die Piraten und die Protestwähler | 20.09.2011 | 00:52

"Das mag ja auch so sein, aber auch das wäre ja kein Ausdruck von Protest, sondern eher eine Zustimmung gegenüber dem, was die Piratenpartei anzubieten hat; nämlich in diesem Falle - Glaubwürdigkeit."

Da kann ich nicht ganz zustimmen. Von den anderen Parteien *wissen* die Wähler (oder glauben es zu wissen), dass sie nicht glaubwürdig sind, weil sie entsprechend enttäuscht wurden - von den Piraten *können* sie es nicht wissen. Es ist die Hoffnung in die Glaubwürdigkeit der Piraten, die einige zu diesem Schritt bewegt haben dürfte; einfach weil sich ein leeres Papier besser beschriften lässt als eines, auf dem schon die Hälfte durchgestrichen wurde.

Ich gehe mit der Behauptung, die Piraten wären keine reine Protestpartei. Jeder, gerade von den etablierten Parteien, der das jetzt noch freimütig herausposaunt, unterschätzt sie in meinen Augen (weiterhin). Aber ich glaube kaum, dass sich rund 9 Prozent intensiv mit dem Programm der Piraten auseinandergesetzt hat und sich darin komplett wiedererkannte.

Ich bin auch so ne Hoffnungswählerin. Die Piraten sind sehr weit von der Regierungsfähigkeit entfernt (und das schreibt man im engeren Sinne ja bei der Vergabe der Zweitstimme zu), aber ich fühle mich deutlich besser, sie u.a. mit meiner Stimme an die Basis zu bringen und zu sehen, ob sie die Chance nutzen um sich wirklich zu etablieren, als mir von den anderen Parteien jedesmal aufs Neue das aktuell kleinere Übel herauszupicken und zu hoffen, dass ich mich dafür später nicht in den Arsch treten muss.

An sich ist die Klärung dieser Frage aber vollkommen wumpe. Unter welchen Umständen auch immer geschafft haben, sie sind "drin" und jetzt liegt es an ihnen, diese Frage bis zur nächsten Wahl zu beantworten, dann wird eine Spekulation nicht mehr möglich sein.

RE: Die Jugend heutzutage | 18.09.2011 | 23:50

Über das Thema [und das Zitat] musste ich mal nen Aufsatz schreiben...

"Ist es schlimmer geworden?" Ich glaube nicht. Irgendwann erreicht jeder den Punkt, an dem er sich selbst halbwegs gefunden hat und unter den anderen Vertretern seiner Generation nur noch wenige Identifikationspunkte findet. Da wacht man morgens auf und denkt sich "Verdammt, sind die denn alle bescheuert geworden?"

Oberflächlichkeit an sich ist ein elendes Thema, weil auch irgendwie jeder was anderes darunter versteht. Ich sehe es aber nicht als gefährlich an, solange es neben der dumpfen Masse noch ein paar Individuen auszumachen geht. Oder glaubst du, dass die "vergangene" Gesellschaft im Kern tiefgründiger war als die jetzige und folgende?