Pascal Meiser

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RE: Es geht auch anders | 01.03.2011 | 22:56

Es mag in diesem Zusammenhang ungewöhnlich klingen, aber wenn einem etwas ans Herz gewachsen ist wie mir über die vielen Jahre der Freitag, dann ist es vielleicht ein klein wenig verständlich, dass man, wenn das Fass einmal zum Überlaufen gebracht ist, nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage legt, wie sich das eigentlich gehört. So ist es, wie Steffen Kraft schon richtig festgestellt hat, natürlich Unsinn von mir, Tom Strohschneider vorzuwerfen, seine Berichterstattung über DIE LINKE im Freitag und mehr noch auf lafontaines-linke.de sei "uninformiert" und dafür bitte ich ihn um Verzeihung und alle Mitlesenden um Nachsicht. Dass die diesbezügliche Berichterstattung in der Tat dennoch in der Regel leider häufig tendenziös und auch sehr einseitig informiert scheint, trifft die Sache dann wohl doch deutlich besser. Nun ist eine solche Sicht der Dinge für einen einzelnen Autor sicherlich völlig legitim. Als langjähriger Leser des Freitag wünsche mir von meiner Zeitung da dann aber schon ein wenig mehr: zum Beispiel, dass der Freitag ernsthaft darüber nachdenkt, ob er in der Sache nicht in gleichem Maße auch anderen Autoren Raum bietet, die DIE LINKE in den letzten Jahren ebenfalls kritisch begleitet haben, die aber in ihren Analysen und Kommentaren regelmäßig zu anderenen Schlüssen kommen. Ich denke da zum Beispiel an Hans Peter Schütz, ehemals Ressortleiter Politik des Stern, oder an Albrecht Müller, Publizist und vormals Planungschef im Kanzleramt unter Willy Brandt, die hier sicherlich allseits bekannt sind. Nicht dass ich alles teilen würde, was die beiden über DIE LINKE schreiben, aber sie wären doch ein gesunder Ausgleich zu dem sonst in diesem Rahmen so Üblichen. Dem Freitag, einst angetreten ist, die Pluralität der Linken wider zu spiegeln, würde das bisschen Pluralität aus meiner Sicht an dieser Stelle jedenfalls sehr gut tun. Aber vielleicht sollten wir es dazu damit hier auch belassen.

Nun aber dann doch noch kurz zum eigentlichen Anlass der Aufregung oder besser dem sprichwörtlichen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat: der Freitag-Kampagne für das Bedingungslose Grundeinkommen. Ich habe hier weiterhin kein Verständnis dafür, dass sich der Freitag zum Vorreiter einer in der gesamten Linken höchst strittigen und in meinen Augen anti-emanzipatorischen Forderung wie dem Bedingungslosen Grundeinkommen macht. Diskussionen darüber im Freitag gerne, aber dann zumindest ausgewogen. Wenn der Freitag sich aber bewusst, wie Steffen Kraft explizit ausführt, für die Provokation und gegen eine ausgewogene Debatte in dieser Sache entschlossen hat, kann ich das als an Argumenten interessierter Leser beim besten Willen nicht nachvollziehen. Das "Verhör" des Kollegen Jirku und die zum Teil absurden Unterstellungen, warum die Gewerkschaften angeblich gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen seien, wird ja niemand ernsthaft als gleichgewichtige Contra-Position zu verkaufen versuchen. Sollte es hingegen tatsächlich nur darum gehen, mit gezielten Provokationen Diskussionen anzustoßen, könnte der Freitag ja - zum Ausgleich und gerne mit ein wenig Abstand - in der selben Sache in einer seiner kommenden Ausgaben auch nochmal ganz provokativ nachlegen und auf der Titelseite mit der Schlagzeile aufmachen "Diesseitsfantasien: Die immer wieder kehrende Illusion von einer Gesellschaft, in der niemand mehr arbeiten muss" (das geht sprachlich natürlich noch deutlich besser :-) und dieses Mal Kritiker/innen des Bedingungslosen Grundeinkommens ebenso ausführlich und ebenso einseitig zu Wort kommen lassen...

RE: Es geht auch anders | 28.02.2011 | 20:18

Seit über 15 Jahren bin ich jetzt Abonnent des Freitag, aber noch nie habe ich mich so sehr über einen Aufmacher ("Es geht auch anders" so geärgert wie über den der aktuellen Ausgabe. Der Kollege Jirku hat dazu in der Sache in seinem treffend "Verhör" betitelten Interview bereits alles gesagt (was man an Kritik am so genannten Bedingunslosen Grundeinkommen im Freitag noch zuzulassen bereits ist).

Nachdem sich auch Herausgeber Jakob Augstein in einem seiner letzten Leitartikel das Bedingungslose Grundeinkommen auf die Fahne geschrieben hat, scheint mir diese Neuausrichtung des Freitag kein Zufall mehr. Mindestens genauso unverständlich ist für mich die höchst tendenziöse und wenig informierte Darstellung der Entwicklung der LINKEN im Freitag (und der sie leider hier und da auch immer mal wieder begleitenden Konflikte) durch ihren Autor Tom Strohschneider. All das scheint mir von einer durch und durch antigewerkschaftlichen Grundhaltung motiviert, die meinen eigenen Überzeugungen aufs Äußerste zuwiderläuft. Für mich ist mit der aktuellen Ausgabe des Freitag jedenfalls endgültig die Schmerzgrenze überschritten und ich werde mein Abonnement des Freitag nunmehr schweren Herzens kündigen.