Die Schlimmen sind immer die Nachbarn

Vorurteile Je näher man einander steht, desto trennender werden individuelle Unterschiede wahrgenommen. Das gilt im Privaten ebenso wie in der Politik.
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„Hör mir auf mit denen!“

Ja, man kennt sie gut, die da. Das sind die, die ganz in der Nähe wohnen und doch so ganz anders sind.

Ein Phänomen, das man – ich lasse mich gerne korrigieren, wenn’s nicht stimmt – überall in der Welt findet. Grade die Nachbarn, die ganz besonders nahe wohnen, sind diejenigen, mit denen man möglichst nichts zu tun haben will. Also nicht die unmittelbaren Nachbarn, das geht ja zumeist mehr oder minder gut. Nein, aber die im Nachbardorf, die in der Nachbarstadt! Wahre Ungetüme!

Schaut mal rüber in Euer Nachbardorf, in Eure Nachbarstadt, ist es nicht bei Euch auch so?

Ich komme aus Wuppertal!

Sogleich schließt sich an: Elberfeld oder Barmen? Denn, im Ernst, was ist schon Wuppertal? Jeder Ortsteil für sich hält sich für den Nabel der Welt, auch wenn man die Übergänge vom einen zum anderen in dieser Stadt gar nicht mehr sehen kann.

Es ließe sich fortsetzen mit Köln und Düsseldorf. Denn wir wissen ja, das Beste an Düsseldorf ist die Autobahn nach Köln.

Wenn man sich von Außen die Sache ansehen würde, könnte man wahrscheinlich unvoreingenommen gar keinen Unterschied zwischen den Menschen in den jeweils benachbarten Orten finden, denn sie sind sich natürlich sehr verwandt und bei uns auf dem Land sogar oftmals blutsverwandt. Doch wenn einer eben ins andere Dorf zieht, dann hat er auch die Konsequenzen zu tragen. Denn dann gehört er nicht mehr so recht zu uns, zu denen aber auch nicht, denn er kommt ja von uns.

Welch ein Glück haben da Düsseldorf und Köln, da kann man wenigstens an der Farbe des Biers erkennen, wo man ist. Und wenn dann ein Kölner schwarz sieht, kann es ganz schön alt aussehen.

Wie kommt das bloß?

Vielleicht aus den Urzeiten, wo wir Menschen noch im Klan lebten? Bei Tieren würde man das Herde oder besser noch Rudel bezeichnen und da wird dann schon einiges klarer. Rudelverhalten. Das Nachbarrudel ist der Nahrungs- und Revierkonkurrent. Gegen den müssen wir uns schützen. Nur im eigenen Rudel gibt es Sicherheit, Großzügigkeit, Miteinander. Nach außen wird gebissen, nach außen ist alles erlaubt, denn es liegt ja im Blut, dass Außen immer falsch ist. Und so i9st es dann tatsächlich, trotz der größten Verwandtschaft ist grade der Nachbar immer immer der Feind! Und da es eigentlich nie rationale Gründe dafür gibt, hat man schon in alten Zeiten dafür gesorgt, dass man sich nichts zu verzeihen hat. Zwischen den Dörfern waren es Schlägereien, zwischen den Städten Rechtshändel, zwischen den Staaten Kriege. Und immer ist derjenige schlecht, der mir am Nächsten ist. Früher, als Deutschland noch eine eigene Größe darstellte, war Frankreich der (merke) „Erbfeind“, heute, wo wir mit vielen alten Feinden, Gott sei Dank, ausgesöhnt in der EU leben, muss es aber immer noch einen Bösewicht geben. Und wer böte sich da mehr an als den nächste Verwandte: Russland!

So viel denn auch zu rationaler Politik! Schöne Grüße an die Alphatiere in der Politik: Versucht es mal nicht tierisch, sondern im besseren Sinne rational.

14:25 06.05.2014
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Geschrieben von

Pastor Ralph

Pastor in der evangelischen Kirche, Freizeitblogger.
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