Pastor Ralph
04.05.2014 | 17:26 23

Ich schäme mich

Ukraine-Krise Angesichts der deutschen Vergangenheit und dem, was lange Jahre in Deutschland selbstverständlich war, kann das politische Vorgehen in der Ukraine nur Scham erzeugen.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Pastor Ralph

Unsere Großeltern bzw. Urgroßeltern haben sich geschämt.
Wir haben ihnen vorgehalten, dass sie die Verbrechen des Nazi-Regimes gewusst haben müßten.
In Zeitaltern ohne Internet mit einer gleichgeschalteten Presse, ohne Massenkommunikationsmittel, allein mit den ebenfalls gesponsert gleichgeschalteten Volksempfängern und einem Spitzelsystem, das das Hören von "Feindsendern" unter schwerste Strafen stellte. Hatten sie Grund, sich zu schämen?Bedingt. Und wenn sie etwas hörten, regierte der Spruch: "Wenn das der Führer wußte!", denn der Führer stand für das Gute und alles andere für Gegenpropaganda oder Missbrauch von Macht gegen den vergötterten Führer. Schwarz und weiß war diese Welt, klar geteilt in gut und böse.
Wir wissen, dass Schuld viel komplexer ist. Wir haben gelernt von den Verbrechen, die in der Vergangenheit unseres Volkes stattfanden und man hat uns lange Zeit beigebracht, dass im Rahmen der historischen Schuld unseres Volkes auch für uns Grund besteht, sich kollektiv zu schämen.
Ich als Nachgeborener habe diese Form der "Erbsünde" immer abgelehnt, vielmehr empfand ich es als Aufgabe Deutschlands, andere Völker vor einer solchen Schuld zu warnen.
Dafür war mir die Freiheit der Presse wichtig, einer Presse, die es verstehen sollte, die Finger auf die Wunden der Ungerechtigkeit und Korruption zu legen. Die Presse sollte das Wächteramt haben, ein Wächteramt, das die gleichgeschaltete Presse unter Hugenberg im "Dritten Reich" nicht hatte.
Nein, ich habe mich wohl gefühlt in einem Land mit diesem Auftrag zu leben und bin dankbar, dass wir neu beginnen konnten.
Wir haben gelernt, kritisch zu sein, frei zu denken. In der Folge der 68er vielleicht manchmal schnöselig übertrieben, jedoch in der Sache richtig.
Was ist davon geblieben?
Zugegeben, die Wende zu etwas anderem hat sich eingeschlichen. Ungerechtigkeit, die ich wahrnahm fand ich nicht gut, glaubte aber, es seien Einzelfälle. Und in der Komplexität unserer Welt ist es ohnehin schwer, sich zurecht zu finden. Ich hatte gehofft, dass mir eine ausgewogene Presselandschaft, wie ich sie aus meiner eigenen Vergangenheit kannte, helfen würde.
Ich gebe zu: Heute schäme ich mich!
Ich schäme mich über den Kurs, den der von mir bislang so verehrte "Westen" eingeschlagen hat gemeinsam mit den USA, denen wir historisch so viel verdanken; und das nicht einmal mehr unter George W. Bush, nein, unter dem sympathischen Barak Obama.
Mag sein, dass ich mich unter Wladimir Putin auch schämen würde, aber als Deutscher kann ich nicht stolz sein über das, was passiert. Und nur als solcher kann ich stolz sein oder mich schämen. Ich schäme mich.
Ich schäme mich nicht für etwas, was ich selbst täte und wäre froh, wenn ich diese Zeilen nicht schreiben müßte. Ich schäme mich über die unverfrorene Doppelmoral der deutschen, der westeuropäischen, der Politik der USA im Ukrainekonflikt.
Was war, was ist?
Ein gewählter, zweiffellos korrupter Präsident. In einem Jahr sind Wahlen. Er wagt nicht, sein Land auf einen Kurs zu bringen, der langfristige Konflikte mit dem größten Nachbarland zur Folge hat. Das mag man gut finden oder auch nicht. Die Legitimation hatte er dazu.
Eine Opposition, die 3 Jahre zuvor mit einem blamablen Ergebnis abgewählt wurde, angeführt von einer ebenso korrupten Politikerin.
Warum nicht ein Jahr warten, wie es die Demokratie, die immer wieder beschworen wurde, verlangt hätte? So wäre ein friedlicher Wechsel möglich gewesen. Oder war die Aussicht auf einen Wechsel zu unsicher?
Die Opposition demonstriert, wird immer radikaler, besetzt Regierungsgebäude.
Die Regierung verhält sich abwartend, die Polizei, entgegen der Berichterstattung in unserer Presse, ganz offensichtlich eher defensiv. Es wird geschossen. Von wem ist bis heute nicht klar. Die Gewalt eskaliert. Der Westen bezieht einseitig Stellung. Der gewählte Präsident schließt mit Unterstützung auch und vor allem westlicher Außenpolitiker mit Vertretern der Opposition ein Abkommen, das von der Opposition sofort gebrochen wird. Der Präsident wird gestürzt und verlässt fluchtartig das Land. Eine Übergangsregierung tritt an. Wohlgemerkt ohne demokratische Legitimation, denn niemand hat sie gewählt. Erster Beschluss, man schafft die russische Sprache als Amtssprache ab. Gut,man nimmt das hinterher wieder zurück, aber das Signal war gegeben. Die russischstämmigen Bevölkerungsteile fühlten sich bedroht. Zweiter politischen Schritt: Neben der Polizei und der Armee bewaffnet man "Volksmilizen". In welchem demokratischen Staat wäre das möglich? Keine Kritik von unserer Seite.
Die Krim spaltet sich in einem sicherlich von Russland forcierten Verfahren ab. Das ist so nicht zu rechtfertigen, aber in Folge dessen, was man nun im Osten und Süden der Ukraine erleben darf, durchaus für die Bevölkerung der Krim der beste Schritt.
Der Westen schreit. Sanktionen!
Interessant, dass es Seitens Russlands zuvor, angesichts der Rolle, die westliche Politiker beim Umsturz in Kiew gespielt haben, noch keine Sanktionen gegen dem Westen gab.
Es nützt nichts.
Die Sache eskaliert. Menschen im Osten der Ukraine besetzen Rathäuser. Aus Angst? Provokateure? Mag sein. Es gibt keine Beweise und die, die es zu geben schien, waren ganz offensichtlich gefälscht. Propagendalügen gibt es wohl auf beiden Seiten.
Bei unserer Geschichte dürfte es sie bei uns nicht geben!
Die Übergangsregierung in Kiew schickt die Armee, sie kesselt eine ganze Stadt ein, in der administrative Gebäude besetzt sind. Zugleich schickt man eine OSZE -Militärbeobachtergruppe in diese Stadt. Natürlich ohne Vorankündigung. Hier ein Kalkül zu unterstellen, liegt zumindest nahe. Denn die Besetzer der Gebäude sind keine Soldaten oder Menschen, die mit internationalem Recht vertraut wären. Und so geschieht, was geschehen mußte oder gar sollte. Die Gruppe wird festgesetzt.
Wegen der "Besetzer" wird zuvor eine ganze Stadt, alle Menschen dieser Stadt, in Geiselhaft genommen. Davon spricht hier niemand.
Es spricht auch niemand von sachgemäßen, angemessenen Reaktionen auf die sicherlich ungesetzliche Besetzung der administrativen Gebäude. Und wenn in Odessa Menschen, die ein Gebäude besetzt hatten, einfach so verbrennen, dann spricht die EU-Außenbeauftragte Ashton von der Ausübung des Gewaltmonopols des Staates. Warum hat sie nicht so gesprochen, als die Maidanprotestler administrative Gebäude besetzten. "Quod licet Iovi non licet bovi"?
Und welches Gewaltmonopol dürfte eine Regierung für sich beanspruchen, die es bislang nicht geschafft hat, irgendeine Form der demokratischen Legitimation zu erwerben, es allerdings zuwege bringt, Panzer rollen zu lassen?
Und alles unter Billigung und Mithilfe des Westens. Wir machen uns hier aktiv schuldig. Und das Gerede von immer weiteren Sanktionen gegen Russland lenkt doch nur von den eigenen Verwicklungen in diesen Konflikt ab. In einen Konflikt, in dem es längst nicht mehr um die Menschen in der Ukraine geht. Sie sind zum Spielball internationaler Machtspiele geworden und werden darin untergehen. Und das nicht zuletzt durch unsere Schuld.
ICH SCHÄME MICH

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (23)

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Ehemaliger Nutzer 04.05.2014 | 17:32

in berlin findet heute um 18 uhr am kottbusser tor eine protestdemo wegen der vorgänge in der ukraine und die haltung unserer regierung dazu statt ...

über viele stimmen der kirche würde ich mich auch freuen

danke für ihren beitrag!

http://cdn.ruvr.ru/2014/05/04/1503670010/14c8988bc74713e3e5adfc074751d3837.jpeg

In Odessa haben sich rund eintausend Menschen, vor dem Gebäude der Milizverwaltung eingefunden, in dem die nach den Zusammenstößen am Freitag Festgenommenen gehalten werden, und eine Kundgebung veranstaltet.

Sie fordern, die Anhänger der Föderalisierung, die von den dortigen Ordnungshütern nach den tragischen Ereignissen am Haus der Gewerkschaften verhaftet worden sind, auf freien Fuß zu setzen. Dutzende Menschen sind während des Brandes im Gebäude beim lebendigen Leibe verbrannt, das die Extremisten des radikalen „Rechten Sektors“ in Brand gesteckt haben.
Weiterlesen: http://german.ruvr.ru/news/2014_05_04/Rund-eintausend-Kundgebungsteilnehmer-vor-dem-Milizgebaude-in-Odessa-9406/

ebertus 04.05.2014 | 18:23

Würde mir untreu werden, soweit nicht jede Neuanmeldung und ohne bisherige kommentatorische Einbringung hier kritisch zu hinterfragen wäre. Und Pastor Ralph mag Gründe haben, (vorerst?) anonym zu agieren.

"Frieden mit dem Kapital"

und via dem aussagefähigen Untertitel

"Wider die Anpassung der evangelischen Kirche an die Macht der Wirtschaft"

brachte mich vor einiger Zeit mal wieder etwas näher an die Institution Kirche, wenngleich die Autoren wohl eher nicht den dort in dieser Institution maßgebenden, ebenfalls systemkonformen Mainstream bestimmen; sich eher als einsame Rufer in der neoliberalen Wüste ergehen.

MO 04.05.2014 | 18:34

Jedenfalls sehe ich diesen Beitrag viel näher am Titel eines anderen Blogbeitrags, der da lautet "Europa als christliche Vision".

Das Massaker in Odessa hat den instinktiven Europäer in mir geweckt. Während die deutschen Medien sich vor allem um die armierten Landsleute sorgten, kann ich beim Gedanken an die über 40 ermordeten Europäer in Odessa ein gewisses Gefühl, das ich nicht unbedingt Scham nennen würde, aber irgendwie in der Nähe davon zu sein scheint, nachvollziehen.

Frodo 04.05.2014 | 18:50

Also ich weiß jetzt nicht worüber man sich mehr schämen soll - der hier offen zur Schau gestellten Ignoranz gegenüber den Realitäten in der Ukraine, oder der Bagatellisierung des russischen Aggression. Und zur Information an den lieben Pastor: anders als es die russischen Propagandamedien gerne darstellen, ist die ukrainische Regierung sehr wohl vom Volk legitimiert - nämlich durch Beschluss des legitimen Parlaments! Das ist auch ein wesentlicher Unterschied zu den selbsternannten Vertretern auf der Krim und einigen anderen Regionen.

ebertus 04.05.2014 | 18:50

Wollte da ad hominem hier nicht so deutlich werden, habe daher das verlinkte und so meine ich lesenswerte Buch vorgeschickt. Es gibt sie noch, die welche jenseits der Herde laufen...

Zum Massaker in Odessa vielleicht noch ein Link, der hier bei so mancher informeller Seilschaft mit Sicherheit außerst kritisch gesehen werden dürfte; das zumindest virtuelle Köpfen des Überbringers der Botschaft immer schon mal eingeschlossen.

Scham, eher noch Wut empfindet auch Jürgen Elsässer und dem Inhaltlichen ist aus meiner Sicht wenig hinzuzufügen, wenngleich es nach hinten heraus mir dann doch etwas zu pathetisch wird.

Rufus T. Firefly 04.05.2014 | 20:45

Zugleich schickt man eine OSZE -Militärbeobachtergruppe in diese Stadt. Natürlich ohne Vorankündigung. Hier ein Kalkül zu unterstellen, liegt zumindest nahe. Denn die Besetzer der Gebäude sind keine Soldaten oder Menschen, die mit internationalem Recht vertraut wären. Und so geschieht, was geschehen mußte oder gar sollte. Die Gruppe wird festgesetzt.

Dass es sich bei der Gruppe um OSZE-Beobachter handelt, ist in den deutschen Medien immer noch der vorherrschende Narrativ. Claus Neukirch von der OSZE hat aber am noch am Tage der Festsetzung die Aussage getätigt, das es sich bei den Festgesetzten eben nicht um OSZE-Beobachter handelt. Die ursprüngliche Quelle des Interviews vom ORF wurde mittlerweile entfernt (Interview bei Youtube siehe unten). Dafür hat man aber bei den "OSZE-Beobachtern" anscheinend Munition gefunden.

berlino1010 05.05.2014 | 01:37

Fallt mir doch bitte nicht auf den Demagogen Elsässer rein:

"Schande über Obama, Merkel, die ganze Medienmeute: Für den schlimmsten Massenmord an Russen seit dem 2. Weltkrieg seid Ihr verantwortlich!"

Das liest sich für jemand wie mich, der eine große Wut über das Massaker von Odessa hat - wie wahrscheinlich viele von Euch erst einmal ganz gut.

ABER ABER ABER ABER ABER ABER ABER ABER ABER

Mir kommt da die Wut hoch ... und ich spüre ganz genau, dass da jemand spricht, der sich auch RUS - etwa als Anti-Mainstream - bedienen will, so wie diejenigen, die er kritisiert.

1. Bei aller Anteilnahme und tiefen Trauer, die gerade hier in RUS über die Opfer von Odessa herrscht: die Russen sehen Odessa nicht als Teil Russlands und die dort lebenden Menschen bei weitem nicht (alle) als Russen. Es herrscht grosse Empathie, es fließen viele Tränen, ein Brudervolk, viele gemischte Familien, aber das sind für die Russen zunächst mal Ukrainer, viele russisch-stämmig, russisch-sprachig ... aber für die Russen und auch für viele Ost-Ukrainer sind und bleiben es selbst erst einmal Ukrainer, die da Opfer wurden.

2. Die Russen mussten seit dem WK2 einige terroristische "Massenmorde" hinnehmen, die über 300 Geiseltoten von Beslan schockten sicher noch stärker ... die knapp 40 Toten von Volgograd Ende 2013, die beiden Flugzeuge mit fast 100 Toten, Domodedova-Flughafen mit 40 Toten ... das Moskauer Wohnhaus 1999 mit über 100 Opfern ..

3. Wer sich selbst zum Adminstrator einer FB-Gruppe mit über 100 Mitglieder macht "PUTINISTEN-DEutsche Freunde Wladimir Putins" ... der ist mir extrem suspekt ... und das hat auch nichts mit Empathie für RUS zu tun ... ich kenne Dutzende, die Putin wählen, und sie haben ihre Gründe, aber Freunde? ... nie ... Und Putinist? das sind vor allem die etatistischen sog. Silowiki (силовики), besonders der alte FSB Klüngel um General a.D., Ex-Verteidigungsminister Sergej Iwanow, der eigentlich 2008 Putins Nachfolger hätte werden sollen, aber wohl daran gescheitert ist, dass sein Sohn freigesprochen wurde, obwohl dieser 2005 mit hoher Geschwindigkeit eine Rote Ampel überfuhr und eine Rentnerin tötete. Im Russischen Facebook vk.com gibt es übrigens 2 solcher Putinfreunde / Putinisten-Gruppen ... die eine mit 300, die andere mit 80 Mitgliedern.

Elsässer kommt mir wie einer vor, den die Russen eher nicht zum Freund haben wollen würden ... weil er kein wirkliches Interesse an RUS und seinen Menschen hat ...

ebertus 05.05.2014 | 07:06

Gibt es "die Russen"?

Oder doch lediglich einmal mehr die gern rhetorische Frage, ob es relevanter ist wer etwas sagt, oder was er/sie sagt? Für die gängigen Jagdszenen aus Oberbayern mit Sicherheit das "wer".

Kinder oder auch junge Menschen brauchen dieses "wer", brauchen Bezugspersonen und glauben denen gern, werden schon mal instrumentalisiert in der Gruppe, der Herde, wollen und müssen dabei sein. Später funktioniert das nur noch in autoritären Umfeldern; oder in sog. goldenen Käfigen, wenn man embedded wird.

Als Wessi und bereits etwas älter, so kann ich mich noch gut erinnern an eine Zeit, als die SPD die 5. Kolonne Moskaus darstellen durfte, deren Repräsentanten mehr als Russenversteher waren, als diese Vertriebenenverbände hierzulande das Wort führten und gleich morgen wieder auf den Bock gen Osten wollten.

Nun, nach 1945 und (bildlich) im Enddarm der USA ist diese Chance wieder da, könnte Geschichte korregiert werden. Mit den Erfahrungen der Deutschen wären sie wohl dann erste Wahl, die Leitung der Protektorate im Osten zu übernehmen.

Wohl bekomms...!

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 08:55

Fakt ist: Faschisten haben in der Ukraine die Macht übernommen, werden von sogenannten "demokratischen" Regierungen des Westens unterstützt und bekämpfen mit allen Mitteln, auch mit verbrecherischen (!) ihre politischen Gegner.

Ich werde ab sofort alle Medien, die diese verbrecherische Regierung durch unwahre, banalisierende oder vertuschende Berichterstattung direkt oder indirekt unterstützen boykottieren, das heißt Abo kündigen, nicht mehr kaufen!

berlino1010 05.05.2014 | 09:35

was er/sie sagt ist schon entscheidend ...

Ihr wurdet ermordet nur aus einem einzigen Grund – weil Ihr Eure Väter und Vorväter, Euer Vaterland und Eure Muttersprache, Eure Erde und Eure Kultur nicht verraten wolltet.

Das hätte auch der Vertreter des Pravyi Sektor schreiben können.

Ihr seid die ersten Gefallenen in einem Großen Krieg, den der Große Satan NATO gegen Eure Heimat anstrengt. Man hat Euch ruchlos gemeuchelt – aber Ihr seid nicht ruhmlos gestorben.

Satan? Auch das ist doch wieder tief in die nationalistische WÜRG-Tonne gegriffen, dieses Slava .., Slava .... Ruhm den Helden .... Ruhm der Ukraine ...

Was er schreibt, hört sich für mich alles nach seinem persönlichen Krieg an, den er führen will und in den er die Ukrainer/Russen mitnehmen will ...

"Wir knien an Euren Gräbern. Und morgen stehen wir auf und kämpfen weiter!"

Vielleicht wollen die Menschen in der Ukraine und in RUS aber gar nicht seinen Kampf führen?Keine Russischen Worte der Trauer und des Mitgefühls für die Opfer des Massakers von Odessa klangen wie die von Elsässer.

ebertus 05.05.2014 | 10:45

Richtig!

Immer mal pusten, pusten, pusten; ist doch eigentlich der Elsässer der Schurke, der Drahtzieher, will Russen und Ukrainer mitnehmen, ist mit Sicherheit Schuld an dem Schlamassel, ein ganz Böser eben.

Nun wollte ich Ihnen nicht unterstellen, dass Sie so naiv sind, die Relationen, die Größenordnungen und den medialen Impact nicht erkennen könnten. Schließlich sind Sie ja vorort, das stellt Sie schon mal außerhalb jeden Zweifels.

Dass er mir bei Elsässer nach hinten heraus etwas zu pathetisch wurde, das hatte ich ja bereits geschrieben; davon ist nichts zurück zu nehmen, stirbt es sich auch mit Pathos auf den Lippen wohl genauso schwer wie ohne. Und genau diesen Pathos der Guten hören wir ja täglich aus fast allen medialen Kanälen.

Und sorry, Ihr ebenfalls pathetisches Ranking bzw. Rating der Medien hierzulande -und dann dem Spiegel Absolution zu erteilen- das muss ich doch nicht mitgehen, oder?

berlino1010 05.05.2014 | 11:13

Sie haben richtig erkannt, dass ich Elsässer nicht für einen Gegner in dem Konflikt halte, aber als Meinungsführer des Widerstands möchte und kann ich ihn auch nicht sehen.

Und sorry, Ihr ebenfalls pathetisches Ranking bzw. Rating der Medien hierzulande -und dann dem Spiegel Absolution zu erteilen- das muss ich doch nicht mitgehen, oder?

Mag sein, dass das pathetisch war ... irgendwohin muss auch ich mit meiner Erschütterung über das Massaker von Odessa und meiner Abscheu über die propagandistischen Machenschaften unserer Leitmedien, das für mich noch nie so persönlich schmerzvoll war. Ich möchte den SPIEGEL gar nicht grundsätzlich ausnehmen, aber am 3.5 um 10.00 Uhr morgens Russischer Zeit hat mich der Bericht von Benjamin Bidder hoffen lassen. Er hat schon sehr sehr harte, mMn auch überzogene Kritik Kreml oder RUS geschrieben. Aber dieser ist ihm hoch anzurechnen, war er doch der einzige der Leitmedien, genauso übrigens wie er auch der erste war, der in Sochi ein STOP westlicher Häme einforderte. Er ist eben jemand, der in RUS nicht nur im Expad-Ghetto lebt, sondern auch mit den Menschen verbunden ist.

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 17:37

Das ist alles sehr sympathisch. Die Frage ist, auf welcher Ebene man unterwegs ist.

Die Montagsleute versuchen, jene politischen Traditionen in D zu unterspülen, die dazu führen, eine Bundesregierung nach der anderen ins Amt rutschen zu lassen, die bis an die Selbstverleugnung und das offene Blutgericht mitten in Europa treudoof amerikanisch ist.

Das ist die Wirkungsebene eines Elsässer.

Dass Putin bei Elsässer Phantasien weckt, die er bei Ihnen nicht weckt, das dürfte stimmen.

Man könnte Elsässer in extremo sogar dafür kritisieren, dass er "die Russen" für antiamerikanische Ziele einsetzen will, so ähnlich wie der politische Mainstream in Deutschland "die Deutschen" und "die Ukrainer" (die Phantasie mit dem größten Sprengsatz darunter) für einen Proamerikanismus zu kollektivieren sucht. Was ja die Mahnwachen ausgelöst hat.

Das ändert aber nichts daran, dass Elsässer eindeutig auf der richtigen Seite steht, wenn es darum geht, die geistigen Fundamente, auf denen die Kriegstreibertruppe steht, in den Köpfen Stück für Stück zu unterspülen. Und das muss man nicht in Russland tun. Sondern in Deutschland. Man kann dieses Vorhaben übrigens mit Fug und Recht etwas "Linkes" nennen.

Wenn Sie verstehen, warum die Montagsdemoverächter einen schwerer Fehler begehen, wenn sie "Reinheit" auf der eigenen Seite wollen, und darüber sofort zu Hause bleiben, wenn ein NPD-Mitglied bei Facebook richtige Demos begrüßt, was der Abdankung gleichkommt, so würde ich an Ihrer Stelle der spiegelbildlichen Versuchung widerstehen, von den Nichttransatlantikern in Deutschland ein Bekenntnis gegen die russische Regierung zu fordern.

Wenn Sie das machen (Sie tun es nicht, aber fehlt auch nicht viel) ist es das Spiegelbild zum westliche Werte verbreiten wollen und dafür Swoboda unterstützen.

Und es geht auf dieser "Wirkungsebene" auch nicht darum, dass das eine tatsächlich eine stinkende Nazipartei ist und das andere eine härter konservative Gangart. Sondern schlicht und einfach darum, dass der Feind meines Feindes mein Freund ist.

Entsprechend: Dass Einiges Russland bei Elsässer Phantasien weckt, das stimmt. Aber ist es vor dem Hintergrund des bisher gesagten so schlau, ihm das vorzuwerfen?

Das Deutsche Rapallo ist übrigens flexibel. Es konnte sogar mit den Bolschewiki. Es ist Deutschland und Russland auf einer weltpolitisch-diplomatischen Ebene egal, was für eine Regierung da jeweils im Amt ist. Hauptsache man arbeitet zusammen und nicht gegeneinander, was immer furchtbar endet. Das geht bis zu Stalins nachsinnendem "Gemeinsam wären wir unbesiegbar gewesen..." auf dem Gipfel des ideologischen Wahnsinns.

Und Elsässer baut Brücken, wo andere sie sprengen. Man sollte ihn machen lassen, wenn man diese Brücken haben will, auch wenn man sie selbst gerne ein paar Grade liberaler hätte, wogegen ja nichts spricht.

Magda 05.05.2014 | 17:56

Und Elsässer baut Brücken, wo andere sie sprengen. Man sollte ihn machen lassen, wenn man diese Brücken haben will, auch wenn man sie selbst gerne ein paar Grade liberaler hätte, wogegen ja nichts spricht.

Wo baut der Brücken. Schickt der schon wieder die Reichswehr nach Lipezk zum Üben.

Ja und dann kann man auch gleich ein Motto schmieden: Gemeinsam sind wir unbesiegbar. Das sind Traditionen wo andere blass werden.

Das Zitat von Stalin ist aber nur von Stalins Tochter mündlich überliefert. Stimmig ist dieses Bedauern, dass der "Hitler-Stalin-Pakt" nicht gehalten hat, aber kaum. Es bedient eher eine bestimmte Geschichtsschreibung.

berlino1010 05.05.2014 | 18:54

Montagsdemo

Ich zähle mich nicht zu den Montagsdemoverächtern, ich konnte bisher noch nicht einmal dabei sein. Und mir auch kein Bild machen. Wenn linke Gruppen weiter so gelähmt bleiben, kann es vielleicht sogar die einzige Alternative sein, die Montagsdemos mit weniger radikalen Kräften zu füllen, soweit die Veranstalter dafür auch bei den Rednern offen genug sind.

Feind meines Feindes

Ganz sicher bin ich nicht dabei, wenn es darum geht, dass der "Feind meines Feindes mein Freund" sein soll.

Denn was unterscheidet das dann noch von dem widerlichen Bündnis von UDAR und Vaterland mit den Svoboda-Faschisten bzw gar deren Unterstützung durch den Westen?

Wie soll ich mich glaubhaft darüber aufregen, und selbst mit zwielichtigen Gestalten zusammen marschieren?

Kompromißloser Standpunkt

Ich möchte in Deutschland kein Bekenntnis gegen die Russische Regierung. Die allermeiste Kritik in DEU an Putins RUS ist falsch und verlogen und geht DEU meist auch nichts an. Ich werde mich aber auch nicht aus taktischen Gründen hinter Putin stellen, und ihn etwa auf der Krim oder bei inneren Russischen Fragen sauber waschen, nur um in DEU eine Anti-NATO- Front zu stärken, an deren Wachsen mir gelegen ist.

Bidder von SPON ist heftiger Kreml-Kritiker und Maidan-Sympathisant. Trotzdem hat er als einziger Mainstream-Journalist taktisch völlig unklug die Wahrheit über das Massaker von Odessa publiziert - und somit die eigene Seite mindestens kurzfristig "geschwächt". Ich behaupte aber, dass genau das der Weg ist, nicht taktisch und propagandistisch, sondern mit Wahrheiten und Aufrichtigkeiten zu operieren, wenn man überzeugen will. Und das will ich, Mehrheiten gewinnen, für eine andere als die gegenwärtige Politik - und nicht einiger radikale Strömungen von 2 auf 4% Unterstützung hieven.

Elsässer kann von mir aus machen, was er will, auch montags ... aber er ist kein mehrheitsfähiger Wortführer - für eine 2.000er Demo vielleicht, wir brauchen aber mind. eine mit 200.000

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 20:48

Wo baut der Brücken. Schickt der schon wieder die Reichswehr nach Lipezk zum Üben.

Ich bin ja in der Variante 2.0 eher für die eurasische Cyberallianz.

IT-ler nach Russland schicken. Die Truppe ist ja in der Nato bis auf Weiteres embedded und auf den heimischen Truppenübungsplätzen blüht die Flora. Aber die Auseinandersetzungen der Zukunft, die finden zwischen Programmierern und hundsgemeinen Drohnen und Kampfrobotern statt.

Ironie aus.

Oder auch nicht.

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Ehemaliger Nutzer 06.05.2014 | 12:46

Sollte denn das erste Anliegen eines Pastors nicht vielmehr sein, daß die Seelen von Gläubigen gerettet werden, statt sich in das komplizierte Gewirr von Politik und kriegerischen Auseinandersetzungen hineinziehen zu lassen und Partei zu ergreifen für weltliche Belange?

Hat denn Jesus in Mt. 24:6 nicht klar gesprochen über Krieg und Kriegsgeschrei... ?

Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; sehet zu, erschrecket nicht; denn es muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende.

Das ist also Prophetie im NT, die sich erfüllen muß. Für die nachfragenden Jünger war vielmehr entscheidend, wann Er denn wiederkäme und Sein Reich aufrichten würde.

Für die seit Jahrhunderten denominationelle & organisierte Form des Christentums sind allerdings die irdischen Belange zunehmend wichtiger geworden.

Warum eigentlich? Einer der Gründe dürfte sein, daß sie die Botschaft des NT mißverstanden und umgedeutet haben in eine Anleitung zur Verbesserung der Welt. Das ist ein kapitaler Irrtum, in dem die Großkirchen jedoch von den Heiden bestärkt werden "...sollte am Sonntag von den Kanzeln gepredigt werden".

So ist es aber nicht, denn Jesus Christus kam nicht, um die Welt zu verbessern, sondern um sie zu retten.

Das eine hat mir dem anderen nichts zu tun.

Wenn Er aber kam, um sie zu retten, dann ist sie folglich auch gar nicht zu verbessern.

Ich jedenfalls kann in der Geschichte nicht entdecken, daß es einmal die echte Chance gegeben hätte, sie zu verbessern. Denn jedesmal hat sich doch herausgestellt, daß es wieder genauso schlimm und ungerecht zuging wie zuvor - oder noch schlimmer.

Darum wird kein Systemwechsel daran etwas ändern.

Warum nicht? Weil der Ausführende, der Mensch, einen ganz anderen Wechsel braucht, den persönlichen Blickwechsel nach Golgatha.

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