Weltfrauentag

Inklusion Meine Rede zum Weltfrauentag am 8. März auf dem Marienplatz München
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet. Das ist ein völkerrechtlich bindender Vertrag, auf dessen Umsetzung wir bisher vergeblich warten.

Wir fordern, dass wir Frauen und Mädchen mit Behinderungen vor Gewalt geschützt werden. Wir brauchen leicht zugängliche, gute Hilfsangebote.

Spätestens seit der Bielefelder Studie wissen wir: Wir sind in besonders hohem Maße Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch!


Wir fordern, dass Menschen mit Behinderungen wirklich gleichberechtigt und SELBSTBESTIMMT leben können, dass wir Wohnort, Wohnform und unsere Alltagshelfer frei wählen können.

Niemand darf in ein Heim gezwungen werden und soll Menschen, denen man nicht vertraut, in die intimsten Bereiche Zugriff gewähren müssen.


Wir fordern, dass wir Frauen mit Behinderungen selbst über die Form der Verhütung unserer Wahl, über Partnerschaft und Familienplanung entscheiden können. Dafür brauchen wir gute Aufklärung, Unterstützungsangebote sowie passende Hilfen im Alltag!

Wir fordern, daß die Behörden sich an deutsche Gesetze halten, ihrer Informations- und Beratungspflicht nachkommen und Datenschutzbestimmungen achten.

Sachbearbeiterwechsel müssen endlich ermöglicht werden, da es vor allem für Traumatisierte und psychisch Kranke wichtig ist, sich gegen übergriffiges Verhalten abgrenzen zu können.

Wir brauchen juristische Hilfe bei dem unübersichtlichen Paragraphendschungel, damit wir unsere Rechte erfahren und auch erhalten.

Wir fordern deshalb, dass endlich deutschlandweit einheitliche Regeln geschaffen werden und nicht weiter jedes Bundesland und jede Behörde macht, was sie gerade lustig ist.

Wir brauchen dringend ein funktionierendes, unabhängiges Beschwerdesystem für Schwerbehinderte und psychisch Kranke.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch nochmals daran erinnern, wie wichtig es ist, sämtliche Entwicklungen in die entgegengesetzte Richtung zu stoppen. Den Protest-Tsunami aus der Bevölkerung zu dem unfassbaren PsychischKrankenHilfeGesetz gab es mit Recht, denn wir wissen, daß man uns vor nicht allzu langer Zeit - während der dunkelsten Geschichte Deutschlands - aussortiert und ermordet hat.

Niemand darf aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden!

Und wir fordern mehr Unterstützung für pflegende Angehörige, bessere Bezahlung für Pflegekräfte und bessere Arbeitsbedingungen, damit sie professionell helfen können und sich nicht durch eine Flucht aus dem Beruf vor einem Zusammenbruch retten müssen.


Wir wollen eine soziale und INKLUSIVE Gesellschaft!

23:53 08.03.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Patricia Koller

Aktivistin, Leiterin der Selbsthilfegruppe “Persönliches Budget für Schwerbehinderte – Behindertenrecht”.
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