Die Totalüberwachung durch die Familie

Apple iOS 8 | OS X Mit iOS 8 und OS X 10.10 wachsen Mac und Mobilgeräte zusammen. Apples iCloud ist das Herzstück dessen. Nun gibt es die Möglichkeit das Familienleben digital zu führen.
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Die Totalüberwachung durch die Familie

Foto: Justin Sullivan / Getty Images

http://teleschirm.info/img/455-260-0-familienfreigabe.pngIch habe meine gute Freundin im Sommer überzeugt ein iPhone zu kaufen. Sie hat sich das iPhone 6 nach meiner Beratung und Empfehlung ausgesucht. Ich habe mich gefreut, dass ein weiterer Mensch in meiner Umgebung Apple nutzt, denn so kann ich viele Plattformübergreifende Apps, wie What’s App. und Threema langsam begrabegn und ausrangieren. Außerdem ist ein weiterer meiner Kontakte weg von der Google-Nadel – das ist prinzipiell immer gut. Außerdem freue ich mich immer, wenn jemand aus den Fängen Googles entrissen wird. Da das eine sehr enge Freundin ist und wir viel gemeinsam tun ist es angenehm, dass man beispielsweise Bilder nicht über das Internet verteilen muss, sondern bequem AirDrop nutzen kann.

Als mein iPhone zur zwielichtigen Reparatur war. War ich mit jener bereits erwähnten Freundin verabredet und wir hatten uns eine iTunes Wiedergabeliste erstellt, die auf meiner iTunes Mediathek beruhte. Nun war nur die Frage wie bekommen wir die Musik aus der Liste auf ihr iPhone um damit die Wiedergabeliste abzuspielen, die wir uns erstellten. Da kam mir die neu eingeführte Familienfreigabe in iOS 8 und OS X Yosemite ein. Die Idee hat funktioniert. Sie war nun in meiner „Familie“ und sie konnte sogar alle Musikstücke die ich jemals über iTunes kaufte und alle meine Apps laden. Das ist doch ein fabelhafte Sache dachten wir uns und hatten schnell gefallen an unserer Kleinfamilie.

Eine der tollsten iOS Funktionen ist die Standortfreigabe für bestimmte Personen, die aber nach einer Stunde automatisch abläuft und der Standort dann nicht mehr mitgeteilt wird. Das ist praktisch, wenn man sich an unübersichtlichen Orten trifft, wie der Warschauer Straße in Berlin. Das kann dort alles heißen. Auf der Brücke, an der U-Bahn, auf dem U-Bahnhof, An der Straßenbahnhaltestelle auf der anderen Brückenseite, an der Straßenbahnhaltestelle auf der anderen Straßenseite, beim Kaisers, etc. Sie merken also, verehrter Leser, dass das manchmal recht unübersichtlich sein kann. Auch ist ein denkbares Szenario der Einsatz auf Festivals o. Ä. um sich gegenseitig schnell zu finden. Das kann ja auch beruhigen, wenn man weiß wo der andere ist und man sich keine Sorgen machen muss.

http://teleschirm.info/img/453-320-0-ortung-einer-person-auf-der-karte.jpgDa wir uns ziemlich oft treffen benutze ich die Standortfreigabe ganz gern um zu schauen wo sie gerade ist und ob sie schon da ist oder noch auf dem Weg ist, wenn ich mich dank der wundervollen Berliner S-Bahn mal wieder ein bisschen verspäte. Keine Frage: Das ist eine wirklich feine Sache. Ein feine Sache, die begrenzte Gültigkeit hat und nach einer gewissen Zeit verfällt.

Nun fanden wir aber heraus, dass die Standortfreigabe in den Familieneinstellungen dauerhaft läuft. Was nicht nur ärgerlich ist für die Akkulaufzeit, sondern auch für das Datenschutzniveau von Apples iOS Geräten. Am iPhone kann man allen Apps vorbildlich genau Rechte verweigern oder zuweisen. Etwa der Taschenlampen App den Zugriff auf den Kalender und das Adressbuch verweigern. Nicht so bei der Standortfreigabe für Familienmitglieder. Weder in der Freunde App noch in den Einstellungen zur Familienfreigabe bzw. iCloud auch nicht im Kontakt selbst kann man diese Rechte verwalten bzw. beschneiden. Nach einigem Gesuche und wildem Getippe auf dem Display fand ich dann endlich in den Einstellungen > Datenschutz > Ortungsdienste > Standortfreigabe eine Möglichkeit die Standortfreigabe für Freunde und Familie dauerhaft zu beenden. Allerdings habe ich sie dann Anlassbezogen wieder für sie bewusst eingeschaltet.

Familienortung

So viel zu den Einleitenden Worten. Nun habe ich vor einigen Tagen mit meiner lieben Freundin darüber geredet wie schlimm eine ständige Überwachung ist. Sie sah zwar ein, dass es Situationen gibt an denen es sie stört wenn beispielsweise der Arbeitgeber über das Browserprotokoll sieht, dass sie nicht nur nach Medikamenten oder anderen jobspezifischen Informationen sucht, sondern auch man fleißig auf Facebook chattet oder dieses oder jenes Blog liest. Aber so richtig einsehen konnte sie das nicht, warum nun die Kameras auf dem U-Bahnhof etwas Schlechtes sind.

Ich erklärte ihr, dass wenn eine Technologie flächendeckend zur Verfügung steht, diese auch Begehrlichkeiten weckt. Etwa steigt die Anzahl der durch Strafverfolgungsbehörden gestellten Anfragen bei der BVG, bezüglich ihren Kameraüberwachungsdaten; und gleichzeitig steigt auch die Ablehnungsrate der BVG in absoluten Zahlen, wie dieser Artikel mit Grafik vom Frühjahr zeigt.

Heute dann sagte sie mir, dass sie nun bemerke, dass ich Recht hatte mit dieser Aussage. Die Familiefreigabe ist eine Technologie die zur Verfügung steht und sie weckt Begehrlichkeiten. Meine gute Freundin und ich schreiben uns viel über die Ende-zu-Ende verschlüsselte iMessage App Nachrichten. Nun, so gestand sie, drücke sie jedes Mal zunächst auf die „Details“ Schaltfläche im Nachrichtenverlauf und schaue erstmal wo ich mich befinde. Als ich sie fragte warum sie das täte meinte sie, dass sie neugierig sei und manchmal schaute ob ich schon zu hause sei, wenn ich wieder mal die Nacht in einem der Berliner Underground-Clubs durchzecht habe. Das sei dann ein gutes Gefühl für sie, da sie wisse mir gehe es gut.

http://teleschirm.info/img/454-280-0-ortungskarte-im-kontakt.jpgIn diesem Fall ist es „nur“ die beste und liebste Freundin, die sich sorgt und neugierig ist, aber auch weil ich weiß, dass sie mich mittels der Familienfreigabe orten kann, verhalte ich mich anders.

So mache ich zum Teil keine Umwege zu bestimmten Zielen, sondern lasse gar keinen Raum für Fragen und falsche Interpretationen und den Zwang mich rechtfertigen zu müssen. Das mache ich nicht wirklich bewusst, ich mache es einfach. Von daher ist es quasi ein Liveexperiment für mich und ich plädiere dafür die Überwachung mittels sozial-medialen Ortungsdiensten gar nicht erst zu verharmlosen oder schön zu reden, sondern stetig auf die Gesellschaftliche Gefahr hin zu weisen! Was schon meine engsten Freunde nicht dürfen, bzw. sollen, das hat der Staat schon gar nicht zu tun! Jeder Mensch hat das Recht auf Geheimnisse.

Dieser Artikel erschien zu erst in meinem Blog Teleschirm.info, welches sich mit Datenschutz und technischen Aspekten auseinandersetzt.

17:27 10.11.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Patrick Pehl

"Gern dien' ich den Freunden, doch tu' ich es leider mit Neigung / Und so wurmt es mir oft, dass ich nicht tugendhaft bin." [F. Schiller, 3.Periode]
Patrick Pehl

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