RE: Man hat Recht | 04.02.2015 | 11:38

Das Internet hebelt nicht nur bei diesem Vorgang das bürgerliche, das Eigentumsrecht aus. Der Fotograf stößt nicht sofort auf einen "Verlust". Er, der an der Veröffentlichung seiner Bilder interessiert ist, muss erst prüfen. Umso häufiger die Veröffentlichung im Internet geschieht, umso schwieriger wird die Prüfung. Paradox. Der Moderator müsste diese Seite der Medaille kennen. Auch er lebt von Veröffentlichung. Spätestens seit Böll´s "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" wissen wir, was Veröffentlichung auf Kosten anderer anrichten kann. Der Moderator "gesteht" -bisher vermutlich ohne jede persönliche Konsequenz- dass er den Namen des Fotografen nicht hätte öffentlich nennen dürfen. Da er das jetzt -das Unschuldslamm?- nicht mehr rückgängig machen kann, da er sehr wohl weiss bzw. wissen kann, dass es Urheberrecht gibt, sehe ich keine Rechtslücke, die ihn vor der Zahlungsforderung schützt. Wäre die Existenz des Fotografen von Vermarktung unabhängig -das Internet ist Markt und sprengt zugleich den Marktrahmen- dann ginge es nur noch um die Abgrenzung von Gebrauch und Missbrauch. Aber seine Existenz ist vom Verkauf z.B. von Fotos abhängig. Ist das Gier...? Oder ist es Gier, sich auf Kosten anderer zu bereichern? In der Summe wird es allerdings nicht gelingen,"Eigentumsrechtslücken" zu schliessen: Dafür ist das Internet zu groß und zu schnell. Es bleibt für mich nur noch die grössere Frage, wie die Existenz arbeitender -nicht abzockender- Menschen von der Vermarktung zu befreien wäre. Wäre das möglich? Ist genug herstellbar, um die Grundbedürfnisse zu befriedigen? Wenn ja, dann sprengt das das Eigentumsvermehrungsrecht.

RE: Jung, dynamisch, vorläufig erfolgreich | 02.02.2015 | 15:14

In meiner Zeit als Betriebsrat kamen nicht selten Kollegen zu mir, um einen Lohnvorschuss zu bekommen. Beim gemeinsamen Gang zum Lohnbüro war zu erfahren, dass wegen Lohnpfändungen absehbar zu wenig in der Tüte war und sein würde. Der Kollege wurde zur Schuldnerberatung gedrängt. Dort wollte er nicht hin, weil er dann keinen neuen Kredit mehr bekäme...! Die Schuldnerberatung sorgte allenfalls durch Umschuldung zu günstigeren Bedingungen für einen "neuen" Kredit an Stelle des alten. Und erklärte den Banken, nachdem die Lohnpfändung auf das zulässige verringert war, was sie an Rückzahlung erwarten könne. Ich enthülle hier kein Geheimnis: Der Bank muss erklärt werden, dass sie zuviel Kredit gewährt hat, und deshalb auf einen Teil verzichten muss, um überhaupt etwas zu bekommen. Das tut Banken weh. Man muss unseren Regierungen sehr zur Seite treten, damit sie sich trauen, den Banken weh zu tun. Wenn wir das verstanden haben, dann steht Tsipras eher mit als gegen uns. Und Podemos in Spanien verschärft die Zwickmühle deutscher Politik, dass nach der Finanzkrise die Reichen reicher geworden sind (Oxfam/Davos). Jetzt wäre es toll, wenn im DGB die Erkenntnis zunähme, dass die Interessen der Banken nicht die Interessen seiner Mitglieder sind. Man stelle sich vor, nach guter Vorbereitung würde in Deutschland auf der Strasse Anschluss an Podemos hergestellt. Dann hätte der "gesunde Menschenverstand", an den Tsipras im Handelsblatt zurecht appelliert, wirklich eine Chance.