Paul Duroy

Der Weg in die neu aufgeklaerte und entspannte Gesellschaft ist moeglich und noetig
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Paul Duroy
RE: Die Systemfinsternis | 31.03.2020 | 06:56

Lieber Herr Zietz,

vielen Dank für Ihre aufmerksame Lektüre und den ausführlichen und konstruktiven Kommentar.

Und ich bin im Grunde komplett bei Ihnen: persönlich bin ich, was Systemveränderung betrifft, optimistisch in der Hinsicht, dass ich denke, dass der Bruch zugleich einen UMbruch im System bedeuten KANN...nur klar: wenn die Linke sich ausruht im selbstgefälligen und letztlich passiven Katastrophenregistrieren wird das nix mit der Veränderung. Dann kann es tatsächlich eher so kommen, wie Sie das auch schildern und auch ich in meinem Text oben andeute, dass der Kapitalismus noch ungezügelter, noch vulgärer und invasiver weitermacht. Das meinte ich ja mit dem Satz oben, wie vulgär es doch wäre, wenn danach die Hebel einfach wieder voll durchgedrückt würden und wir neoliberaler aus der Krise hinauskämen als wir hineingegangen sind. Ein Selbstläufer einer Revolution ist das ganz sicher nicht!

Deswegen sollte man sich auch nicht von einer vagen Revolutionsromantik oder Phantasien einer politischen Landschaft den Blick vernebeln lassen, aus der auf einmal der postkatastrophale Sozialismus erwächst wie nach dem Oktoberregen die Pilze aus dem Waldboden sprießen. Ganz so einfach ist es nicht.

Sondern es besteht die dringende Notwendigkeit systematischen Bewusstwerdens, der klare Mut, die Misstände nicht nur zu benennen, sondern ändern zu wollen. Radikal dranzubleiben und klar zu formulieren, wie die Alternativen aussehen sollen. Den Diskurs dazu offen, hart und klare Alternativen weisend aufbauen und führen. Und eben DAS ist ja das wirklich Herrliche an diesen Umbruchzeiten: das sich der Freiraum ergeben hat und immer noch ergibt, die Veränderungen im nun geeigneteren Milieu zu justieren. Die Zeit ist reif und die Gelegenheit gut.

Man sollte hinzufügen (weil man dies oft in linksradikalen Foren oder Kreisen so liest), dass die Corona-Krise ganz sicher kein von Wirtschaft und Staat in Verabredung herbeigewünschter Ausnahmezustand zur Optimierung des noch härter durchgezogenen Neoliberalismus ist. Vertrauen wir hier ruhig auch zur eigenen Stärkung und Tröstung des Geistes einmal darauf, dass dieser Black Swan das bestehende System einfach selbst mal komplett auf dem falschen Fuß erwischt hat und keine verabredete souveräne Verschwörung vorliegt. Das die konzertierte Bewegung aus neoliberalem Staat und der Ökonomie natürlich versuchen würde, IRGENDWIE aus der Krise Kapital zu schlagen, nach dem Motto Philip Mirowski's: ''Never let a serious crisis go to waste'', war einfach zu erwarten und ist eben ordnungsgemäßes und zu erwartendes Reagieren der Eliten, so wie Ameisen wirklich in fast Nullzeit-Verzögerung auf eine Zerstörung ihres Staates unverdrossen mit direktem Neuaufbau beginnen. Bloß eben im Falle des Neoliberalismus noch grandioser, noch wahnwitziger und invasiver...wenn wir ihn denn lassen.

Und exakt da heißt es ansetzen. An diesem Schwachpunkt ihrer Souveränität und ihres Selbstverständnisses, in dem sich Systeme im Stadium der postkataklysmischen Metamorphose eine Zeitlang befinden, müssen die systemveränderndungswilligen ''Agenten'' den forcierten Stillstand nutzen und ihren politischen Willen in scharfen und zielführenden Diskursen klar formulieren und die formulierten Ziele dann mit Verfolg erkämpfen.

Aber dazu verweise ich auch auf weitere meiner eigenen Texte in den nächsten Wochen. Diese sind additiv zu lesen und nicht nach dem Motto: ''Neuer Text, ganz andere Idee.'' Das hängt schon alles miteinander zusammen.

In diesem Sinne möchte ich abschließend die Brücke zu Ihren Schlussworten über die Fitness schlagen: exakt dieser bedarf es tatsächlich für den, und jetzt versteige ich mich doch mal mit einem ''smirky smile'' zu dem Pathos: revolutionärem Kampf.

RE: Trostpflaster für den Shutdown | 24.03.2020 | 20:18

Lieber Richard,

ich revanchiere mich mal mit einem Kommentar, Antwort auf Ihren wiederum bei mir folgt noch.

Aber zu Ihrer fundierten Auswahl möchte ich vielleicht noch diesen Song hinzufügen:

https://www.youtube.com/watch?v=8OyBtMPqpNY

Denn bei dem Thema waren wir ja vorhin.

RE: Die Systemfinsternis | 24.03.2020 | 11:55

Hallo Nil!

Danke für die Lektüre, die eingetragene Leserschaft und das gemeinsame Hoffen auf eine nachhaltige Alternative zum Raubtierkapitalismus!

RE: Die Systemfinsternis | 24.03.2020 | 11:37

Hallo Pleifel!

Vielen Dank für die aufmerksame Lektüre, die Ergänzungen und wenn es Kritik gibt: egal, immer her damit. Es kommt ja bloß darauf an, wie sie verpackt ist. Nicht jeder beherrscht die Kunst.

Zu den Ergänzungen/Einwänden: richtig, zu meiner Metapher: die Sonnenfinsternis kommt periodisch immer mal wieder. Meine Metapher ist ja auch nur teilbelastbar, denn irgwann schiebt sich der Mond wieder davon und wir sehen die Sonne wieder (die Corona über-) strahlen. Aber hier ging es mir wirklich nur um das reine Momentum der sichtbaren Corona.

Muss Ihnen auch recht geben, dass bei dem, was folgt, wenn es denn eine andere Gesellschaft wäre, ja nun wahrlich nicht alles direkt aus den Sternen gegriffen in Perfektion glänzen würde. Auf jeden Fall ein dynamischer Prozess mit ordentlich Try and Error. Da wird es viele kreative spontane Ideen brauchen, Mut, Fehlertoleranz, Geduld, Idealismus...darüber müsste man einen ganz neuen Text schreiben. Oder besser viele Leute viele Texte mit ihren Vorschlägen!

Eine international deutlich besser konzertierte Bekämpfung solcher Pandemien wäre tatsächlich wünschenswert, dass sich da nicht jeder direkt isolationistisch um seinen eigenen Bauchnabel dreht. Wie es derzeit läuft zeigt ja auch, wie wenig belastbar eine Globalisierung auf rein ökonomischen Prämissen also ist. Da muss man wieder ''idealer'' werden und die Weltstaaten als einen ''republikanischen Völkerbund'' im Sinne der Kantischen Friedenschrift von 1795 verstehen, dann klappt das vielleicht, aber womöglich sit das nur geträumt.

RE: Die Systemfinsternis | 24.03.2020 | 11:22

Säuseln sie privat weiter, liebe Denkzone, damit es hier nicht peinlicherweise coram publico ad hominem geht (Sie wollten doch ohnehin ''anderes aufsuchen'', scheinen aber gern zurückzukehren) und machen Sie sich mal inzwischen ein wenig Gedanken darüber, wie sich bestimmte Kommentare zum eigentlichen Ausgangstext verhalten, auch so in der qualitativen Region. Strapazieren Sie Ihre Pointen nicht. Wer Ihren Stil mag, kann ja gern Ihre Texte lesen und ist schneller fertig.

RE: Die Systemfinsternis | 24.03.2020 | 08:43

Lieber iDog, danke für die eingehende Lektüre und die eingehenden und zielführenden Kommentare! Ich beantworte unter diesem Thread mal den obigen Kommentar und unten zu meinem Einwurf bei dem anderen Artikel neulich.

Danke für den Mutzuspruch. Ja, mir ist das natürlich komplett egal, ob sich die Strukturkonservativen über meine Thesen und Forderungen aufregen bzw: sollen sie doch bitte gern. Insofern liebe ich es eigentlich. Das System ist vor dem Kollaps nicht mehr zu retten. Corona als Black Swan knackst gut an, der Klimawandel ätzt täglich weiter daran herum. Der moderne Marx würde zufrieden seinen Bart kraulen, zumindest, was DAS betrifft. Dass natürlich seine und unser alle Lebenswelt darüber kaputtgeht, lädt dann wiederum nicht zur selbstgefälligen Rechthabepose ein, sondern verlangt weitere Aktion.

Danke sehr für den Einblick aus Frankreich direkt. Nein, so meinte ich das auch nicht (oh weh!!), dass Macron jetzt selbst voller Inbrunst auf den Wohlfahrtsstaat setzt. Den propagiert er natürlich nur für den Moment, um le peuple etwas ruhigzustellen und wird sich der neoliberalen Agenda wieder voll widmen, sobald er Morgenluft riecht und Corona ausgefiebert hat. Schön, dass die Franzosen skeptisch und obstruktiv bleiben. ''Sockenpuppenmonarch'' gefällt mir sehr!

Ansonsten bin ich noch so naiv, an eine bessere Welt zu glauben, sonst wäre man wohl kein brennender Idealist mehr, sondern ausgebrannter Zyniker.

RE: Die Systemfinsternis | 24.03.2020 | 08:16

Liebe Denkzone, Ihr Kommentar ist am schnellsten beantwortet für den Moment, daher fange ich hier mal an. Mir scheint: in der Denkzone 8 wird nicht viel gedacht. Weder wird in meinem Text geraunt noch schere ich mich darum, was für sie die Zustimmung Ein-Schlägiger ist und mit Verlaub, ihr Kommentar ist auch nicht gerade un-vor-ein-genommen, nicht wahr? Suchen Sie bitte unbedingt anderes auf, dieses Aufsuchen wird nahezu erstrebt, wo nicht: befohlen. Und bitte: keinen Neid;)!

RE: Corona - Wer klärt mich auf? | 22.03.2020 | 14:06

Ich wäre da kritisch, iDog...es darf erstmals vermutet werden, dass es der Finanzindustrie zumindest mittlerweile wesentlich lieber wäre, es hätte diese Krise NICHT gegeben. Wie ich es auch in meinem neuen Text schreibe: die Bazookas und Staatsgarantien werden immer wertloser und das wissen auch die Big Players nur gut genug. Diese Pause kann ihnen gar nicht entgegen kommen bzw wäre es eine sehr krasse Systemwette. Klar profitiert die ein oder andere ephemere Gewinnkonstruktionsmaschinerie davon vielleicht noch über zB Leerverkäufe an den crashenden Börsen, aber in summa kommt denen das maximal ungelegen.

RE: Corona - Wer klärt mich auf? | 22.03.2020 | 12:16

Selbstermahnung an mich: get your statistics right, Boy...ca. 610.000 Tote sind in Nigeria seit dem 1. Januar 2020 (alle ohne Corona) vorzuweisen. In Nigeria heute allein bereits 3.814 Tote (Stand: soeben und wie gesagt, ohne Corona). Eine halbe Minute später neu in die Statistik geklickt: 3.819 Tote...ad infinitum. Hilft auch nicht weiter.

RE: Corona - Wer klärt mich auf? | 22.03.2020 | 12:12

Hallo Nashira! Nun, eine erste Antwort kann ich dir auf deine Punkte a) bis e) zwar nicht en detail geben, aber doch etwas pauschaler mal in die Runde werden: es sterben deutlich mehr Menschen an alledem, als derzeit an der Corona, das ist offenischtlich klar. Ich habe in meinem neuen Text vorhin u.a. geschrieben, dass Statistiken aber nicht viel bringen. Ist man in der Stimmung, kann man zB folgende Rechnung aufmachen: gestern war der vorerst schlimmste Corona-Tag weltweit mit 1626 Toten. Rechnest du diese auf die 365 Tage eines Jahres um (wobei die tägliche Todesrate in den nächsten Tagen noch steigen könnte), kommst du bei 593.490 Toten an. Da die Todesrate an einzelnen Toten zumindest in den nächsten Tagen wahrscheinlich noch etwas wachsen wird, ist das nur momentan gerechnet. Zum Vergleich für Zyniker: in Nigeria allein werden pro Tag ca. (jetzt bitte festhalten!) 22.500 Kinder geboren, also jedes Jahr 8.212.500 neugeborene Menschen allein in Nigeria. Dort, um mal im Beispiel zu bleiben, sterben jährlich übrigens ca. 610.000 Menschen, also ungefähr soviele, wie wir vorhin bei gestriger Todesrate an Corona aufs Jahr umgerechnet haben.

Aber dann wieder halte ich von solchen Zahlenspielereien nicht viel, denn solange man Tote verhindern kann und ihr je individuelles Leid, das ja bei den Optimismus-heischenden Statistikspielchen a la Steven Pinker immer vergessen wird, soll und muss man sie verhindern.