Paul Duroy

Der Weg in die neu aufgeklaerte und entspannte Gesellschaft ist moeglich und noetig
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Paul Duroy
RE: Die Zwangsjacke auf der Wäscheleine | 12.12.2019 | 18:15

Liebe Moorleiche,

vielen lieben Dank für Ihren Kommentar und dass Sie sich die Zeit nehmen für einen solchen (dann wird Ihnen mein Text ja etwas bedeutet haben).

Eine Beobachtung vorab: für eine Moorleiche sind Sie aber erstaunlich vital im Widerspruchsgeiste, dafür zolle ich Ihnen zunächst mal meinen Respekt.

Fangen wir mit den Kleinigkeiten an, also Ihrer Kleinlichkeit in Bezug auf den von mir (richtig!) erwähnten!! Buddhismus. Mein Traktat hier handelt nicht VOM Buddhismus, also muss ich es da nicht so genau nehmen. Aber klären Sie mich einmal auf, was ich da falsch verstanden habe, Sie scheinen ja mehr über den Buddhismus zu wissen. Nur muss ich ja übrigens nicht alles, was ich aus stilistischen Gründen ganz lapidar streife, auch verstanden haben. Da sollten sie nicht päpstlicher als der Papst, oder, um gar im Bilde zu bleiben, buddhistischer als der Gautama sein.

Wenn Sie, was nun unser beider Unbehagen an der Moderne betrifft, die Weltflucht vorziehen (ersehe ich aus Ihrem kleinen Text zu Ihrem Profil, dass Sie den Fortschritt aus der Ferne an sich vorbeiziehen lassen wollen), dann erliegen Sie wahrscheinlich einem Irrtum bzw wird der invasive Kapitalismus seinen Weg auch zu Ihnen schon notwendig finden. Dem entgehen auch zunehmend Reklusions-willige Gnome nicht mehr und ich erzähle Ihnen da ja sicher nichts Neues. Ich war dort. Deswegen interessiert Sie mein Text ja wahrscheinlich auch, unterstelle ich mal.

Apropos Unterstellung: ich glaube, ich habe meine Argumentation schon ganz gut beisammenbekommen, im Verlauf meines laut reflektierenden (aber zugegeben sehr subjektiven) Textes, der danach durchaus Appell-Charakter annimmt. Allerdings sind Sie hübsch in die Provokationsfalle getappt, als Sie das Beelzebub-Wort ''Verbot'' (wie von mir im Text antizipiert) lasen und sollte es das Sprichwort noch nicht geben, so sei es hiermit in Bezug auf Ihren doch etwas erregten Kommentar dazu frei erfunden:

''Sein ungeduldiger Ärger rannte seiner Erkenntnis voraus.''

Denn noch habe ich ja gar nicht zu Verboten appelliert, noch eigene Stellung dazu eingenommen und das bitte ich zu bedenken. Ich schrieb:

''Unterhalten(!) wir uns beim nächsten Mal über Verbote.'' Daraus können Sie zumindest noch nicht suggestiv schließen (und wie Rumpelstilzchen im Kommentarbereichen tanzen), dass ich ja wohl doch selbst nicht an meinn evermeintlichen Appell auf Verbote glaube. Noch habe ich überhaupt keine Position dazu eingenommen, sondern verweise auf einen nachfolgenden Text und appelliere an auch Ihre Geduld.

Hui, schon ist ein Cliffhanger aufgebaut: ist der Autor Paul Duroy Ideologe?! Nun, wer weiß denn übrigens?!

Soviel voraus: Die freie Reflexion kann im übrigen sehr wohl gewissen Verboten vorangehen, das nimmt ihr nicht die Freiheit. Einsicht in die Notwendigkeit einiger Arten von Verboten vorausgesetzt, lassen sich Verbote mehr oder minder konsensuell implementieren. Gut, Sie werden sich jetzt hoffentlich über das ''minder'' erregen. Aber wir müssen uns darüber unterhalten dürfen, ohne dass gleich erregt in die Debatte gefunkt wird, dass über Verbote zu reden verboten sein soll.

Lassen Sie mich mit der Bemerkung schließen, dass ich es aus Gründen schade finde, dass Sie hier in Sachen eigener Texte so wenig in die Wagschale werfen und sich eher rezensentenhaft durch die Texte kommentieren. Wagen Sie etwas, liebe Moorleiche!

RE: Das Leben ist kein Uterus | 21.03.2019 | 15:40

Lieber Aussie,

vielen Dank für Ihre schon etwas fatalen Ausführungen. Im Wesentlichen ertappe ich mich selbst oft bei solchen fatalen Antizipationen und ''Apres moi le deluge''-Denken..dann wieder bin ich noch zu hoffnungsfroh und vielleicht auch naiv-niedlich hier und da, als dass ich einfach nur vom Strom mitgerissen werden möchte und schreibe eben doch noch dagegen an, in der Hoffnung, dass...s.o.!

Dennoch glaube ich fest daran, dass der Diskurs sich noch anpasst und wandelt und diese Zusammenhänge explizit macht und daraus konträres Handeln resultiert, statt einfach alles implizit fatal hinzunehmen. Aber die Verzweiflung um so manchen Wählerwillen und ihre Aussagen in Bezug auf die Vermögenden unterschreibe ich unbesehen.

RE: Das Leben ist kein Uterus | 21.03.2019 | 15:27

Lieber MoinMoin,

zu ihrem Nicht-Verständnis meines Satzes vom Kampf des Menschen des Mittelalters gg die Natur, dass diese ihn nicht völlig überwältigt, habe ich den Satz eines französischen Historikers (müsste nochmal recherchieren, ob das LeGoff, Braudel oder irgendjemand in der Liga war) zum Mittelalter vor Augen: ''Die mittelalterliche Welt war im Wesentlichen der Kampf von Mensch und Tier gegen die Pflanzenwelt''. So fängt das Werk an!

Mit den primitiven Rodungsmitteln der damaligen Zeit konnte es richtig schnell richtig eng werden in Sachen Verfügung über die Gewalten der Natur. Viele Dörfer, die nicht genug Manpower zur Verfügung hatten, drohten wieder zu ''veröden'', sprich schlicht von der Natur zurückerobert und zB überwaldet zu werden. Selbst der Mensch des europäischen frühen Mittelalters konnte zumindest theoretisch im Wald noch Opfer eines Wolfes oder Bären werden. Gefahrvolle Natur überall diente noch nicht der Rekreation, sondern war eher implizit zu bewältigende und im Zaum zu haltende Last, um als Mensch nicht selbst unter die Räder zu kommen auf die ein oder andere Art.

Zum Problem des Bösen als negative Entität, dass also moralische Verfehlungen im Grunde nur als eine Art von Faulheit der Tugend und des moralisch guten Willens angesehen wurden: ein bisschen müssen sie da schon Goodwill beim Verständnis aufbringen (damit ich nicht wiederum Ihr Unverständnis für Zeitmangel oder Faulheit des Denkens halte), wenn ich noch erkläre, dass man im Mittelalter durch diesen philosophischen Kniff das Böse als positiv gesetzte und eigenständige Kategorie gar nicht erst zulassen wollte. Wenn also Böses nur daraus entspringt, dass es im Ursprung resultiert aus ausgebliebenem GUTEN Handeln, stellt das Böse ja gar keine eigene Entität dar. Vielleicht verstehen Sie es deswegen auch nicht, weil das ganze Konzept dahinter ohnehin höchst fragwürdig und scholastisch ist.

Was noch Ihren Optimismus betrifft in Sachen ''Die Natur regelt das ohnehin irgwann in ihrem Sinne'': ich sehe es ganz ähnlich, allerdings ohne den ostentativ entspannten Optimismus dahinter. Denn dieses Durchgreifen (vielleicht eher: inhärentes ''Walten'') der Natur bedeutet ein so unglaublich unnötiges und monumentales Artensterben zuvor, und das nur um den Preis, das Karzinom Mensch loszuwerden?! Das wäre ein heftiger Kollateralpreis. Ich weiß nicht...entspannt optimistisch bin ich dabei nicht.

RE: Das Leben ist kein Uterus | 19.03.2019 | 19:55

Hallo lieber MoinMoin,

vielen Dank für Ihre Lektüre und die Anmerkungen. Ich möchte mit Ihrem Leonardo-Zitat beginnen: da ist die vermeintliche Ähnlichkeit des Problemes nur homologisch, aber in Leonardos Beobachtung über die viehisch-vegetative Verhalten seiner Mitmenschen steckt ja Kritik eher in dem Maße, als dass er den Zeitgenossen fehlendes Bewusstsein für das Denken selbst und für die Tugend unterstellt. Leonardo geht es bei seiner Kritik daran in keiner Hinsicht um die Erde als Lebens-Raum des Menschen oder gar um ökologische Aspekte (und warum auch, zu seiner Zeit MUSSTE der Mensch gg die Natur kämpfen und bestehen, um überhaupt als Gattung zu überleben), sondern generell um Verfehlungen in Bezug auf ethische Gebote (vergleiche die mittelalterlich-frühneuzeitliche Vorstellung von der Bösheit als negativer Entität: die Faulheit der Tugend). Sicher damals ein gravierendes Problem und sicherlich schimpften selbst schon in der vorchristlichen Antike Menschen auf den Pöbel, den intellektuell unberiebenen Mob, den vulgus und abstoßende Massenphänomene.

Aber das Problem der Neuzeit ist kein elitär-snobistisches ''Ich Denkender gegen die Masse der Dummen''-Ding mehr. Sondern der Mensch rückt sich selbst im Gegenüber immer und viel zu sehr näher. Die Menschen werden zuviele. Das Problem reicht von der Umweltzerstörung durch den invasiven Kapitalismus mit seinem Ressourcenverschleiß ungeahnten Ausmaßes hin zum Wohnproblem in den immer mehr wuchernden Städten, der Verlust des Naturraumes als Rekreationsoption, den materialistischen Überfluss der maßlos überhöhten und Wachstumsgesellschaft bis hin zum Massentourismus.

In der Extrapolation solchen Wachstums der Weltbevölkerung und der daraus folgenden Konsequenzen in den nächsten Dekaden des 21. Jahrhunderts, zeigt sich, dass das Bewusstsein des Menschen an sich selbst wahnsinnig werden wird. Hier manifestiert sich der Überdruß des herrschenden Verhältnisses an sich selbst. Der Mensch des 21. Jahrhunderts wird, wahrscheinlich in der Kinder- und Enkelkindergeneration (Fridays for Future blinkt das Phänomen schon etwas an) sich noch sehr bewusst der Natur als Lebensraum bewusst werden, viel mehr, als wir uns das jetzt noch vorstellen können. Derzeit haben sicher eine Mehrzahl der Menschen in Bezug auf Ökologie und Erhalt der LEBENSwelt, for crying out loud, einen komplett blinden Fleck. Darüber können auch marginale Gruppen urban-elitär zu verortender selektiv-bewusster Nahrungskonsumenten wie zB Veganer nicht hinwegtäuschen.

Das Ganze erfordert meinerseits noch einen weiteren Betrag, der aussteht, zugleich lesen Sie vieles davon auch in anderen meiner Beiträge bereits angedeutet.

RE: Das Leben ist kein Uterus | 19.03.2019 | 13:06

Lieber Gelse,

ich muss Ihnen meinen herzlichen Dank für die Ergänzungen, die empirische Unterfütterung und sachliche Konkretisierung und Modifikation einiger hier von mir aufgeführter Punkte sehr danken, die ich alles andere als ''oberflächlich'' fand, vorgetragen in einer Nüchternheit, die mir, wenn ich im Zeichen des Mars schreibe und den ''polemos'' in mir trage, nicht immer zur Verfügung steht.

RE: Das Leben ist kein Uterus | 19.03.2019 | 12:59

Ja, liebe/r Beautiful Day, da sei Ihnen herzlich gratuliert zu diesem besonnenen Reproduktionserfolg! Wer wollte Ihnen den streitig machen?

RE: Das Leben ist kein Uterus | 19.03.2019 | 12:53

Lieber Gebe,

hold your horses! Dass ein solcher Beitrag provozieren würde, durfte antizipiert werden. Wo Sie fragen: Mein Nachbar und ich sind in gewisser Hinsicht wohl auch schon zuviel, natürlich.

Bevor wir hier die großen Töpfe über den Faschismus-Vorwurf aufmachen und ich geradeweg dahinein geworfen werde (wobei ich Sie wirklich fragen möchte, was Sie da reitet), möchte ich erst einmal Sie fragen: sind Sie ökologisch veranlagt oder interessieren Sie ökologische Probleme weniger?

So, nun also zum Faschismus-Topf: ich bitte Sie! Last time I checked, schwärmten Faschisten von der Heiligkeit des Lebens und sahen Frauen als Gebärmaschinen ihrer Armeen der Zukunft an. Ergehen hier in diesem Text irgendwelche völkischen Reproduktionsappelle?

Dieser Text hier richtet sich an das globale Publikum, den Menschen des Westens wohl zuerst. Also, bitte schleunigst auf den stinkenden Topf, was das betrifft, über den Rest dürfen Sie sich gerne erregen. Natürlich macht der Text kein Hehl daraus, dass er den Menschen der Gegenwart aus ökologischer Perspektive für ein Karzinom hält.

RE: Die Lumpenhaftigkeit des Journalismus | 23.12.2017 | 20:16

Nun finden Sie aber auch mal wieder zur Mäßigung, lieber Herr Duvall, man könnte meinen, Sie sprengen Ihr eigenes Prinzip der lakonischen Klarheit und Deutlichkeit doch ein gutes Stück weit mit Ihren Kommentarkilometern (ich darf das schreiben, bei MIR gehört das zum guten Ton)!

Wenn ich Ihren Text zB als Folie gegen meinen lese...nun, wie sage ich das jetzt nett?! Da ist es vielleicht schon in der Ordnung, dass es bei numerisch einem Text Ihrerseits blieb. Auch sollten Sie nicht Ihre Lesefaulheit und die holzschnittartigen Rezeptanweisungen für gelungene Texte auf alle Leser projizieren. Klingt immer noch nach irgendwas zwischen Journalismusschreibschule und einer Abziehbildvorstellung vom Schreiben. Aber Ihre Meinung dürfen Sie natürlich gern behalten. Nur bitte ertappen Sie sich selbst nicht dabei, wie Sie demnächst dann doch hier wieder auf einen Text von mir klicken aus Neugier.

Im politischen Diskurs geht es übrigens nicht immer um Neues, sondern darum, bestimmte Formen der Kritik einprägsam (auch beim Schreiben sich selbst) auf den Punkt und ins Gespräch zu bringen. Ich behaupte bei alledem sehr frech, dass es auf diesem Blog als ''Gesamtwerk'' einiges Neues/Originelles zu entdecken gibt und lade Sie einmal mehr herzlich zum Entdecken ein. Es ist auch wirklich keine Einladung zur Abreise.

Und bitte hören Sie auf diese Allgemeinplätzchen zu backen, das ist ein fürchterliches ''Schreibschule für Dummies'', was darin zum Ausdruck kommt.

Anders: lassen Sie mich doch einfach gelassen in RUHE weiterschwurbeln. Wenn Sie gar nicht anders können, verwenden Sie doch bitte Ihre Schreib-Energie darauf, wieder eigene Texte, die keine Kommentare sind, zu verfassen im Sinne der Fairness.

Andererseits meinen Sie es ja gut mit meinen geneigten Lesern, da will ich Sie weiter nicht ausschimpfen. Wenn mich nur 5 Leute verstehen, ist mir das auch schon was wert. Die Text- und Kostverächter lernt man ertragen, am Ende liebt man sie fast, sie halten den Text und den Diskurs lebendig.

RE: Die Lumpenhaftigkeit des Journalismus | 21.12.2017 | 16:42

''Beim Lesen verliert man grundsätzlich ZEIT, um Erkenntnis! zu gewinnen, im besten Fall...'' war gemeint.

RE: Die Lumpenhaftigkeit des Journalismus | 21.12.2017 | 16:41

Lieber Herr Duvall,

ähnlich wie iDog unten, glaube ich, dass Sie etwas lese- und rezeptionsfaul sind. Sie lieben es anscheinend prägnant bis parolenhaft (ich habe Ihren einzigen eigenen Text hier gelesen, der kommt ja auch schneller auf den Punkt als jede Hypotaxe nur gucken kann), das hat dann natürlich was von Parole und Slogan. Ist auch ein Stil, aber nicht meiner.

Das ist dann natürlich weniger mein Problem als Ihr individuelles (bzw auch Magdas), dass man sich nicht gern durch längere Texte schlägt. Ist Geschmackssache. Ich adressiere naturgemäß intellektuelle Connaisseure mit, ja, einer gewissen Leselust. Dass Sie darum nicht alles lesen müssen, was man Ihnen entgegenwirft, bleibt Ihnen ja unbenommen, eben wie mir das epischere Format. Falls Sie mögen, spreche ich Ihnen dennoch die Einladung aus, meine anderen archivierten Texte hier zu versuchen. Man kann sich da rein arbeiten und liest es vielleicht doch mit Gewinn (beim Lesen verliert man grundsätzlich, um Erkenntnis zu gewinnen, im besten Fall). Wir sind ja hier nicht beim Jugend-Effizienzwettwerb ''Prägnantester Text''.

Und jetzt bitte ''ad res et ad fontes''..sprechen wir über Inhalte statt über Formate.