Stößt der Verbraucherschutz an Grenzen?

Nachhaltigkeit Angesichts des menschengemachten Klimawandels und der Belastung des Ökosystems durch Rohstoffgewinnung und -verarbeitung, scheint Verbraucherschutz nicht zu genügen.
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Verbrauch, das ist das dauerhafte Entziehen einer Ressource aus dem Raum ihrer unmittelbaren Anwendung. Das Entziehen aus einem Kreislauf von Sinnzusammenhängen, in denen weiter Bedarfe gedeckt und Wünsche erfüllt werden können. Es erscheint absurd, sich vor dem Hintergrund gewaltiger Herausforderungen mit Wortklauberei zu beschäftigen, nichtsdestotrotz ist uns der Effekt auf unser Denken allzu bewusst: Geschlechtergerechte Sprache beeinflusst die Wahrnehmung von Rollenbildern, das Bild – der politische Frame – einer herannahenden Flut hat sich seit 2015 in die Köpfe vieler gebrannt.

Klar, eine Vebraucherzentrale, die auf die neueste Mogelpackung hinweist, sorgt schon jetzt indirekt für Kritik an verschwenderischen Umgang mit Ressourcen. – Kerngedanke ist es aber nicht. Sicher, auch das zuständige Bundesministerium spricht mittlerweile von „nachhaltigem Konsum“, und dennoch verweist das Informationsportal bei Produktschäden lediglich auf Gewährleistung und Garantieanspruch. Und selbst wenn Stiftung Warentest Anbieter zur CO2-Kompensation testet, ist das noch immer eine Ausrichtung einzelne Adressaten.

Es empfiehlt sich vielmehr Gebrauchsschutz. Der Begriff könnte dazu dienen, das bestehende Interesse einer Bedürfnisbefriedigung in einen zeitlichen Kontext einzubetten, der weitere Elemente des Zugangs zu Produkten wie Transparenz und Openess-by-Design oder das Right-to-Repair adäquat berücksichtigt: Die Umweltbelastungen, soziale Effekte und Liefer- und Entsorgungskreisläufe könnten so offengelegt und bereits zu Beginn des Produktentwicklungsprozesses in ausreichender Form berücksichtigt werden. Nachnutzung, An- und Weiterverwendung immateriellen Eigentums würden zum Treiber von Kultur und Technik. Reparierbarkeit und Rückgewinnung als zentrale Hardwareproblematiken in der Vereinbarkeit von Digitalisierung und Nachhaltigkeit müssten im Vorfeld berücksichtigt werden; ihre Sicherung würde zum Regierungsauftrag.

Paul Jerchel ist Teil einer studentischen Nachhaltigkeitsinitiative und hat sich an verschiedenen Stellen mit der ökologischen Dimension von Mikroelektronik und Produktentwicklung beschäftigt.

21:03 16.09.2019
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Geschrieben von

Paul Jerchel

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