Vorratsdatenspeicherung? Warum? Darum!

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Unser Innenminister Ende November 2011:

Friedrich sagte, sowohl beim Aufspüren islamistischer Zellen als "eben auch hier bei der Zwickauer Zelle" zeige sich die Notwendigkeit der Vorratsdatenspeicherung. Die Telekommunikationsdaten der Gruppe könnten sehr aufschlussreich sein: "Mit wem haben beispielsweise die beiden Terrorverdächtigen (Uwe) Böhnhardt und (Uwe) Mundlos von ihrem Wohnmobil aus telefoniert? Die Antwort auf diese Frage ist doch hier von großer Bedeutung."

Zugegeben, ein etwas betagtes Zitat. Aber es sagt im Grunde genommen folgendes aus: Mit „Vorratsdatenspeicherung“, „Mindestdatenspeicherung“; „Mindestspeicherfristen“ oder wie auch immer das Kind heißen mag, hätten wir zwar nicht gewußt, worüber, aber mit wem …

Das klingt in Bezug auf Aufklärung der Mordserie erstmal plausibel…

Doch mein Ansatz zu diesem „Fahndungsinstrument“ soll ein andere sein.

In meiner Stadt kursiert weit verbreitet die „GüstrowCard“. Für meinen Einkauf in beteiligten Geschäften bekomme ich Bonuspunkte gutgeschrieben, die ich irgendwann in ein „Leckerli“ umtauschen kann. Als Verbraucher freut mich das, denn offenbar kriege ich was geschenkt…

Dass der Betreiber der „Card“ ganz andere Ziele verfolgt, wozu daran einen Gedanken verschwenden. Der weiss zwar nicht, was ich gekauft habe, aber wann und wo. Und welche Geschäfte ich so nacheinander bei meiner Einkaufstour frequentiere… Und welche Werbung man mir zustellen könnte…

Dies ist die harmlose Variante der Vorratsdatenspeicherung. Mein Kaufverhalten wird ausgespäht und analysiert, denn die „Cards“ sind personalisiert.

Was interessiert den Staat mein Kaufverhalten. Herzlich wenig. Hauptsache ich sorge für Umsatzsteuer.

Personalisiert sind auch legal erworbene Handys (incl. Prepaid), Festnetzanschlüsse und Internetverbindungen.

Und jetzt wird es für den Staat Bundesrepublik Deutschland respektive die EU interessant…

Zuersteinmal wird gebetsmühlenartig wiederholt, man wolle doch keinen „gläsernen Bürger“, da man sich ja nicht für Gesprächsinhalte interessiere, nur für harmlose Verbindungsdaten, liebe Datenschützer, nun habt euch mal nicht so… Und dem Mundlos und den Böhnhard…

Ich stelle mir mal wieder vor, ich sei eine Sicherheitbehörde:

Was würde ich mit den „Verbindungsdaten“, gespeichert über einen Zeitraum von 6 Monaten anfangen?

Meine Zielperson bin ich selbst. Ich verfüge über Internet und Handy neuerer Generation. Ich telefoniere und surfe. Und verlasse gelegentlich meine Wohnung. Hin und wieder telefoniere ich auch aßerhalb meiner Wohnung. Mit Hinz oder Kunz.

1.Ich kann von mir ein Bewegungsprofil erstellen. Dank GPS und demnächst „Galileo“ selbst innerhalb der Wohnung, vorausgesetzt, ich nehme das „I-Phone“ mit auf’s Klo…

Mit wem ich so telefoniere – kein Problem. Da hätten wir schon den Bekanntenkreis.

2.Anhand der Internetverbindungsdaten, weiß ich um mein Surfverhalten. Ich weiß zum Beispiel, dass ich häufig den „Freitag“, das „ND“ und die „Junge Welt“ virtuell besuche. Und ich weiß sogar, wann und welchen Artikel ich dort gelesen und vielleicht sogar kommentiert habe. Und wem ich eine Mail geschickt habe. Wen ich über Skype kontaktiert habe. Und, hoppla, da erwische ich mich doch sogar beim Besuch einer Pornoseite im www.

3.Schlußfolgerung: Da ich nicht die „Junge Freiheit“ lese, bin ich offensichtlich kein „Rechter“. Aber auch kein potentieller Schwarzgelbwähler. Und menschliche Schwächen habe ich auch. Ich weiß, wie ich denke. Und ich denke nicht unbedingst im Sinne der „Extemismusklausel“

4.Diese, meine Haltung passt nicht in mein Konzept vom idealen Staatsbürger, der „Bild“ liest, sich für „Brot und Spiele“ interessiert und mir nicht Zweitfrau, Zweitwagen e.t.c. neidet.

5.Konsequenz: a) Trojaner unterjubeln, zur Not ein paar Kinderpornos platzieren b) anregen, ob man mich nicht auch einfach mal so wegsperren könnte, wie es im Mutterland der Menschenrechte möglich ist.

Dieses Beispiel hätte ich noch weiter „ausschmücken“ können. Viel Fantasie braucht das nicht.

Wenn ich mir jedoch vorstelle, dass, um Abermilliarden Euro oder Dollar dank modernster Rechentechnik mehrmals ums Erdenrund kreisen zu lassen, nur noch Sekundenbruchteile nötig sind, dann kann ich mir auch vorstellen, was mit den Verbindungsdaten aller Bundesbürger innerhalb eines halben Jahres (oder innerhalb von 4 Monaten, Kompromißvorschlag Friedrich) geschehen kann. Und, die Daten werden „fortgeschrieben“, ist für Datensatz 1 das halbe Jahr abgelaufen, fängt für Datensatz X das Halbe grade an…

Es geht um nichts weniger, als um die totale Kontrolle der Bevölkerung. Die Kontrolle ALLER im Interesse WENIGER.

Darum!!!

07:59 18.12.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

pedrei56

Optimistischer Pessimist
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