Peinhard

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RE: Alle Macht von oben | 27.05.2014 | 12:55

"Dass dies keineswegs irgendwelchen Gesetzen des Marktes geschuldet war, sondern den Interessen einer kleinen Gruppe von Vermögenden diente..." - könnte es nicht eventuell auch so sein, dass die 'Gesetze des Marktes' selbst ganz einfach 'den Interessen einer kleinen Gruppe von Vermögenden dient', dass es dieses implizierte entweder/oder so gar nicht gibt? Es gab da ja schließlich mal so Theorien...

Denn er stößt zwar "immer auf dieselbe Gruppe von etwa 500 sehr potenten Besitzenden – diese bilden inzwischen eine Parallelgesellschaft, die ihre gegen die der Mehrheit gerichteten Ziele effizient umzusetzen weiß" - man darf sich aber doch auch fragen, ob das in der Geschichte des Kapitalismus denn je anders war? Finden wir denn nicht schon im England des 17. Jahrhunderts im Grunde die gleichen Einflußstrukturen, hat sie nicht auch schon Adam Smith thematisiert und vor ihnen - offensichtlich vergeblich - gewarnt?

Die 'sozialliberale' Fraktion macht im Grunde das gleiche Faß auf wie die 'marktradikale' Kapitalfraktion auch - den angeblichen Gegensatz von Politik und Wirtschaft, von Markt und Staat. Nur fordern sie eben Regulierung, wo die andere gerade - und in letzter Zeit ohne Zweifel besonders erfolgreich - Deregulierung forderte, also das möglichst ungehinderte Wirken der 'Marktgesetze' - denen aber diese Entwicklung dann doch nicht geschuldet sein soll?

Beide vergessen eins, oder wollen es vergessen machen - wir leben nicht in irgendeiner idyllischen 'Marktwirtschaft', in der freie Subjekte aus freien Stücken freien Austausch pflegen. Vielmehr gibt es eine entscheidende Bedingung - wenn dabei das Kapital nicht wächst, unterbleibt nicht nur der Tausch, sondern schon die Produktion.

Das wußte auch der Staat schon immer, selbst wenn es seinen Protagonisten vielleicht nicht immer klar war. Und er trug und trägt dem Rechnung, den ganzen langen Konzentrationsprozess hindurch. Der nicht nur die Vermögen betrifft, vielmehr läuft auch die weltweite Reproduktion heute unter der Herrschaft nur noch einiger weniger Konzerne ab, und natürlich ist genau da auch das Kapital, auf das es hauptsächlich ankommt.

Nun kenne ich zugegebenermaßen die 16 Punkte des Herrn Berger nicht, nehme aber doch mal an, dass die Abschaffung des Kapitalverhältnisses da nicht auf der Agenda steht...?

RE: Kritik an der FED ist kein Antisemitismus | 22.04.2014 | 12:49

Oder haben die Kritiker darauf hingewiesen, wie die Hintermänner der FED das Weltfinanzsystem fundamental mitstrukturiert haben, bzw. dies immer noch tun?

Ist Wasser nass? Natürlich tun sie das. Dass die Notenbank des immer noch mächtigsten kapitalistischen Staates 'dasWeltfinanzsystem fundamental mitstrukturiert' ist eine Binse ebenso wie die Tatsache, dass jeder, der da seinen Einfluss geltend machen kann es auch tut. Zu kritisieren ist vielmehr, dass sowas schon 'Kritik' sein soll. Vermutlich hindert Sie aber schon ein libertäres Weltbild, dieser 'methodologische Individualismus', für den Gesellschaft nur die Summe individueller Handlungen sein kann, daran zu erkennen, dass weder diese Institution noch die beteiligten Individuen auch wirklich die Subjekte des Geschehens sind. Selbst diese angeblich 'Mächtigsten der Mächtigen' stehen doch selbst unter Zugzwang - den ständig steigenden Anforderungen des Kapitals nach Wachstum zu genügen. Und genau diesen Anforderungen konnte das Geldsystem bereits vor gut 40 Jahren nicht mehr genügen, der Übergang zum ungedeckten 'fiat money' war nichts weniger als ein Systemimperativ. Den Gedanken, dass diesem Handeln und auch der weiter in's Absurde steigenden Verschuldung systemisch 'objektive' Zwänge zugrunde liegen könnten, gar nicht erst zu fassen, geschweige denn ihm nachzugehen und sich stattdessen auf bestimmte Personen und Personengruppen als 'Schuldige' zu kaprizieren - genau darin liegt auch die Anschlußfähigkeit Ihrer Kritik an faschistische Sündenbockideologien. Wobei es im übrigen auch unerheblich ist, ob sich unter diesen nun auch Semiten befinden oder nicht. Any goat will do.