Fünf Dinge, die anders besser wären

Wirtschaft Diesmal: „Höhere Mieten für alle“ und andere konstruktive Vorschläge

Liebe Leserinnen und Leser, Sie haben es vielleicht noch nicht mitbekommen, deshalb ist es an mir, Ihnen die frohe Botschaft kundzutun: Die Wohnungskrise – sie ist gelöst! Jedenfalls solange die Krise darin besteht, dass die einen hohe und die anderen niedrige Mieten zahlen. Das sei ungerecht, empört sich der „UBS Professor for Macroeconomics“ der Uni Zürich, Joachim Voth: „Wer schon lange in seiner Wohnung lebt, wird vor Mieterhöhungen künstlich geschützt. Das ist unsozial.“ Die Lösung – dafür haben wir Herrn Voth studieren lassen – liegt nahe: „Höhere Mieten für alle!“ Voth durfte dieses und mehr in der FAZ schreiben; es ist zu hoffen, dass man dort überprüft hat, ob es sich bei dem Beitrag um Satire handelt. Stellt sich heraus: war doch nur Neoliberalismus. Aber der echte Stoff, unverschnitten.

Von letzterem hat wohl auch Christoph Schmidt eine Nase zu viel genascht, der Häuptling der sogenannten Wirtschaftsweisen. Schmidt gab der dpa ein Interview, in dem er beklagte, Deutschland sei „im internationalen Steuerwettbewerb zurückgefallen“, nachdem Trump die Unternehmenssteuer brutalst gesenkt hat. Was rät nun der Weise vom Berge? Er bläst zur steuerlichen Aufholjagd, zum fiskalischen Sprint. Steuern runter, Soli raus, mehr fällt ihm nicht ein. Schön allerdings die Bilder, mit denen viele Zeitungen Schmidts Interview garniert haben: Er trägt ein hellblau geblümtes Seidentuch zum dunkelblau karierten Sakko. Was zur Frage führt: Wozu leisten wir uns einen Wirtschaftsweisen, der aussieht wie ein pensionierter Rennfahrer an der Côte d’Azur, aber klingt wie ein CSUler beim Frühschoppen des bayrischen Mittelstands?

Was natürlich despektierlich gemeint, am Ende aber doch nur der blöde Blick aus der Berliner Blase ist. In Wahrheit sind die Leistungs- und Lederhosenträger im sonnigen Süden uns Übrigen weit voraus. Die Erwerbstätigenquote unter Geflüchteten? Ist in Bayern am höchsten. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den wichtigsten Herkunftsländern? In einem Jahr um 32 Prozent gestiegen. „Integration in Arbeit“ nennt sich das. Wo es hinführt, kann man sich denken: In kürzester Zeit reden die Flüchtlinge bayrisch, dass man sie nördlich des Weißwurschtäquators nicht mehr versteht, sie fahren BMW wie Nelson Piquet, hinterziehen Steuern wie Uli Hoeneß und wählen am Ende naturgemäß jene Partei, der sie all diese paradiesisch-weiß-blauen Zustände verdanken.

Nur die dümmsten Kälber, denken Sie jetzt vielleicht. Ich aber frage: Und denkt wieder niemand an die Schweine? Oh doch, Paul Donovan, „Global Chief Economist“ bei UBS Wealth Management hat das getan. Und ist deswegen jetzt seinen Job los. Weil er in seinem Podcast über gestiegene Schweinefleischpreise sinnierte und sich fragte, ob die dafür verantwortliche Schweinegrippe wichtig sei? Klar, „wenn du ein chinesisches Schwein bist“ oder „gerne Schweinefleisch in China isst“. Ergebnis: Empörung in China, Shitstürme im Netz, Donovans Bemerkung sei rassistisch. Die UBS aber will in China weiter expandieren, also hat man Donovan in die Auszeit geschickt.

Endgültig geklärt ist jetzt auch die Frage des Nutzens und Nachteils der Dienste privater Beratungsfirmen für Ministerien der Bundesregierung: Ein Drittel der Aufträge zwischen 2008 und 2019 vergab das Bundesministerium des Inneren. Mit anderen Worten: Consulting? Voll für den Horst.

06:00 10.07.2019

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