Fünf Dinge, die anders besser wären

Rückblick Irland fürchtet Steuereinnahmen, Deutsche Anleger haben es nicht raus und der politische Streik bleibt verboten. Unser Autor blickt auf Dinge mit Verbesserungspotential

Kennen Sie eigentlich diese E-Mails, in denen sich eine Beamtin der nigerianischen Zentralbank vertrauensvoll an Sie wendet, um Ihnen freudig mitzuteilen, Sie seien ausgewählt worden? Dafür, ein paar Milliönchen zu empfangen, fast noch als gute Tat? Das Geld läge sonst ja doch nur sinnlos irgendwo herum. Nicht unähnlich muss sich Irland fühlen, da die EU-Kommission daraufbesteht, Irland solle endlich jene 13 Milliarden Euro annehmen, die Apple sich an Steuern erspart habe, dadurch, dass das US-Unternehmen seine europäischen Gewinne in Irland (nicht) versteuert. Stellt sich heraus: Irland will das Geld nicht, weiß nichts damit anzufangen. Oder anders: möchte das gar nicht erst einreißen lassen, das Steuernzahlen, aus Angst, es könnte Apple sonst Beine machen.

Viel Geld, 13 Milliarden, denken Sie jetzt vielleicht, tatsächlich sind das aber Erdnüsse, also Peanuts, im Vergleich zu den astronomischen Summen, die deutsche Anleger im Ausland in den Sand setzen. Eine Studie hat sich die Renditen jener Anlagen und Auslandsinvestitionen angeguckt, deren schiere Masse Deutschland den Titel des Kapitalexportweltmeisters eingebracht habe. Das Ergebnis ist gelinde gesagt ernüchternd: Deutsche Anleger sind unter den schlechtesten überhaupt, sind die Schlusslichter der Renditetabelle, die Absteiger der Anlage-Erträge. Und jetzt – Irland, bitte aufpassen – kommt das bittere Fazit: Verglichen mit Norwegen oder Kanada hat Deutschland in den letzten zehn Jahren zwei bis drei Billionen Euro Vermögen verschenkt. Davon könnte sich jeder nigerianische Spammer eine dicke Scheibe abschneiden.

Währenddessen sorgt Ursula von der Leyen, designierte EU-Kommissionspräsidentin, in Brüssel damit für Verwirrung, dass sie eines der von ihr zu vergebenden Ämter neu getauft hat: Es soll in Zukunft einen Kommissar für „protection of the European way of life“, den Schutz der europäischen Lebensart, geben. Stellt sich heraus: Niemand weiß so recht, was das ist. Geht es ums gute Essen? Um Rotwein und Savoir-vivre? Oder doch um Wohlfahrtsstaat und Arbeitnehmerrechte? Nicht doch. Der neue Name hängt bloß einem alten Gaul um den Hals, dem Kommissar für Migration. Was von der Leyen nicht beabsichtigt haben will, viele aber doch so lesen: Vor der Migration soll also der Lebensstil Europas geschützt werden? Das klingt ja fast nach Abendland und Pegida. Dann vielleicht doch lieber ein Kommissariat für Kulinarik?

Oder wir einigen uns darauf, dass die europäische Lebensart daraus besteht, dass man hierzulande Insulin von der Kasse bekommt und nicht am Schwarzmarkt kaufen muss. Letzteres wäre dann der „American way of life“. In den USA nämlich ist der Preis für Insulin in den letzten zehn Jahren auf das Dreifache gestiegen; unter den US-Bürgern ohne Krankenversicherung gebe es immer mehr Zuckerkranke, so berichtet der Guardian, die die Kosten für Insulin gegen die Miete oder Ausgaben für Essen abwägen. Und ja, die daran sterben, dass sie Insulin rationieren.

Der Klimastreik jüngst verleitete Zeitungen, in ihren Ratgeber-Rubriken Antworten auf die Frage „Darf ich meine Arbeitszeit schwänzen, um auf die Demo zu gehen?“ zu geben. „Schwänzen“, ernsthaft? Dafür sind Arbeiter und Angestellte wirklich zu alt. „Streik“ ist angesagt! Aber politischer Streik, das geht hierin Deutschland ja angeblich nicht. Dann lieber Blaumachen fürs Klima?

06:00 26.09.2019
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