Adam Tooze: „Wir befinden uns in einem Wirtschaftskrieg mit Russland, ganz klar“

Ukrainekrieg Der britische Historiker Adam Tooze beobachtet auf beiden Seiten eine Opferlogik: Es sei das Größte, sich für die Sache zu opfern. Deshalb wolle auch weder Russland noch die Ukraine derzeit verhandeln
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 37/2022
Adam Tooze beobachtet auf beiden Seiten eine Opferlogik
Adam Tooze beobachtet auf beiden Seiten eine Opferlogik

Foto: Brian Finke/Redux/Laif

Der Freitag: Herr Tooze, verliert Putin gerade den konventionellen Krieg gegen die Ukraine und gewinnt zugleich den Wirtschaftskrieg gegen Europa?

Adam Tooze: Ich denke, man sollte das eine mit dem andern nicht leichtfertig gleichsetzen. Im tatsächlichen Kriegsgeschehen geht es um Leben und Tod, es geht um die Einnahme von Territorium und die Zerstörung von Menschenleben. Sieg und Niederlage werden auf dem Schlachtfeld ganz anders definiert als bei dem, was jetzt auf Europa zukommt. Außerdem würde ich noch vorausschicken: Wir unterschätzen, wie sehr Putin gerade den Wirtschaftskrieg gegen die Ukraine gewinnt. Die ukrainische Regierung steuert auf eine sehr ernste Lage zu, weil sie die versprochenen Finanzhilfen nicht bekommt. Wenn es uns ernst ist mit der Unterst