Rheinländer

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RE: Direkte Demokratie als Hamburger Klassenkampf von oben | 22.07.2010 | 18:21

@nbo

Soweit mir bekannt, ist es in Deutschland nicht verboten zwischen den Schichten auf- und abzusteigen. Das ist letztlich die Entscheidung jedes Einzelnen. Von daher ist es in der Tat egal ob wir von Klassen oder Schichten sprechen. Die Einteilung scheint mir aber einer gewissen Willkür zu unterliegen. Der Begriff Demographie wird heute eigentlich mehr im Zusammenhang mit der Altersstruktur einer Gesellschaft genutzt, dies ist aber wohl nicht gemeint.

Irgendwelche Definitionen, wer wählen darf muss es halt geben. Die existierende erscheint mir sehr praktikabel. Daher dürfen auch Sie ohne Kinder über Schulsysteme abstimmen. Dagegen spricht gemäß meiner eigenen Aussage ja auch nichts. Ich meckere ja auch nicht wenn eine Andrea Ypsilante und eine Hannelore Kraft ihren Nachwuchs in Privatschulen unterbringen, die ich mir nicht leisten kann, obwohl ihre Partei für die Gesamtschule plädiert. Steht übrigens so im Programm.

Bei jeder anstehenden Wahl sollten aber nicht die Kriterien geändert werden, um so zu versuchen das Ergebnis zu manipulieren. Das ist es wogegen ich mich wende und weshalb ich meine, dass es zwar nicht so bleiben muss, aber die Alternativen auch nicht besser sind. Meine Art von Demokratieverständnis. So wie ich es gelesen habe, haben aber Sie ein Problem mit dem Wahlergebnis in Hamburg und versuchen schon die Weichen für spätere Wahlen zu stellen, damit das Ergebnis Ihren Vorstellungen entspricht, darauf basiert auch Ihr Wunsch die Kriterien für die Wahlberechtigten zu ändern. Oder nicht?

Deutschland ist mit Sicherheit kein klassisches Einwanderungsland, weil es eben keine Arbeit in Hülle und Fülle gibt sondern ein paar Millionen Arbeitslose. So wie Thilo Sarazin es wohl richtig dargestellt hat, handelt es sich eher um eine Zuwanderung in unsere Sozialsysteme. Solchen Zuwanderern auch noch ein Stimmrecht zu geben halte ich zumindest für riskant aber auf keinen Fall für überfällig. Die Folge könnte sein, dass die Minderheit der Steuerzahler dann scharenweise verschwindet und niemand überbleibt um den Spaß zu bezahlen.

Den Begriff Gutmenschen habe ich gewählt, weil es sich dabei um Leute handelt, die aus Prinzip Verbesserungen für Menschengruppen erkämpfen wollen, ohne von diesen dazu aufgefordert worden zu sein. Dies kommt einer Entmündigung gleich. Hamburg ist dafür aktuell ein gutes Beispiel. Oder haben sich die "Unterschichten" erhoben um für eine Veränderung des Schulsystems zu kämpfen? Offensichtlich sehen die keinen Bedarf. Aber dürfen die überhaupt andere Wertvorstellungen oder gar eine eigene Meinung haben? Genaugenommen erklären Sie diese Leute zu Idioten. Soweit geht nicht einmal Sarazin.

Wenn Leute wie Sie sich durchsetzen wandere ich halt aus und Sie können sehen, wie Sie Ihre Traumwelt finanzieren. So sieht mein Demokratieverständnis aus, wenn mir nicht passt, was die Mehrheit will, gehe ich halt. Oder wollen Sie dann eine Mauer bauen?

RE: Direkte Demokratie als Hamburger Klassenkampf von oben | 22.07.2010 | 17:32

Lieber Herr Theel,

Beschränken wir uns erst einmal auf das Thema Schule.

Gerade der Fall Hamburg zeigt doch, dass meine Ausführungen eben nicht aus einem Parteiprogramm stammen. Dort haben sich die Parteien von links nach rechts für die Schulreform ausgesprochen. Welche der dort vertretenen Parteien hat denn in ihrem Programm für den Beibehalt der vierjährigen Grundschule plädiert? Wurde der Widerstand etwa von einer Partei organisiert? Haben nicht gerade die Parteien erlebt, dass sie am Volke vorbeiregieren?
Was ist ideologisch daran, wenn ich mich um die Bildung meiner Kinder kümmere? Was die Qualität der Lehrer betrifft habe ich in einem vorherigen Beitrag schon auf eine Umfrage unter den Lehramtsanwärtern hingewiesen, was denn ihre Intention zur Wahl ihres Berufes war. Wenn dabei viel Freizeit raus kommt scheint mir dies kein Qualitätsmerkmal zu sein. Die Praxis bestätigt dies auch. Wenn man regelmäßig zu Elternabenden und Elternsprechtagen geht, sich in Fachausschüssen und der Elternpflegschaft engagiert bekommt man schon einen ziemlich detaillierten Einblick was da so wie abläuft und welche Lehrer sich engagieren und welche nicht. Es lässt sich auch problemlos nachlesen, dass Lehrer die Berufsgruppe sind, die am häufigsten und frühesten vorzeitig in Pension geht. Entziehen sich diese Fakten ihrer Sachkenntnis? Diese ganzen Probleme wären dann bei Einführung einer Primarschule verschwunden?
Mit der Bevormundung habe ich mich mißverständlich ausgedrückt. Gemeint ist hier wieder die Politik, die mit neuen Schulmodellen und sonstigen Scherzen die Eltern gängelt. In der Grundschule musste meine Tochter auch das tolle Modell von zusammengelegten 1. und 2. Klassen über sich ergehen lassen. Auch so ein Schuß in den Ofen und von dem gleichen Kaliber, der schnell wieder aufgegeben wurde.
Da Sie sich so engagiert für gelernte Pädagogen einsetzen vermute ich doch einmal, dass Sie selber einer sind. Das Problem besteht darin, dass in den meisten anderen Berufen eine Qualitätskontrolle durch den Markt erfolgt. Nur bei Lehrern nicht, die sind unkündbar. Entsprechend gibt es eine ganze Menge, die anscheinend ausgerechnet die Pädagogigseminäre verpasst haben. Im Auftrag der Elternschaft habe ich schon Unterrichten beigewohnt und darf Ihnen versichern, dass da oft von Didaktik nichts zu spüren war.
Herr Theel, vielleicht bin ich ja arrogant und ignorant, aber die von Ihnen als benachteiligt bezeichneten Personen hatten die Freiheit zu wählen. Niemand hat es ihnen verboten. Wollen Sie die Menschen wirklich zwingen nach Ihrer Facon glücklich zu werden? Totalitarismus der neuen Art?
Und zu guter letzt verraten Sie mir doch einmal, warum das vehemente Eintreten für die Primarschule, deren Erfolgsaussichten für das definierte Ziel mehr als fraglich ist, nicht hochideologisch ist?

RE: Ein kalter Putsch | 22.07.2010 | 11:48

Faktisch geht es erst einmal lediglich um eine Dienstpostenbezeichnung, da der Generalinspekteur in der Praxis nichts anderes ist als ein Generalstabschef. Im Prinzip ist die Diskussion auch nicht neu. In den 90ern lief schon eine Debatte, ob der Einsatzführungsstab nicht schon ein Generalstab wäre, was man aus historischen Gründen ablehnte. Auch diese Diskussion war schon eine Gespensterdebatte, weil sich ein Einsatz, in dem alle Teilstreitkräfte gefordert sind, gar nicht anders organisieren lässt. Da kann man nur sagen, willkommen im wirklichen Leben. Wenn der Bundestag sich für einen Einsatz entscheidet muss er auch die Konsequenzen ziehen. Es ist einfach lächerlich Strukturen aufzubauen die sich so in allen Streitkräften der Welt finden und ihnen aus historischen Gründen dann einen anderen Namen zu geben.
Auch über die Personalien in der Armeeführung entscheidet die Politik. Es liegt bei ihr, ob sie sich für einen Kandidaten entscheidet der Klartext redet oder nicht. Die Frage ist also eher ob unsere Politiker Kritik vertragen können und wollen.
Vernetzt sind BND und MAD heute schon, auch wenn sich die Aufgabengebiete unterscheiden. Daraus jetzt, nach 20 Jahren, eine Verschwörungstheorie zu entwickeln ist reichlich spät. Offensichtlich fehlt hier eine Menge Sachkenntnis.
Auch dies wieder ein Hinweis, dass Herr Wimmer ziemlich unqualifiziert versucht Panikstimmung zu erzeugen.

RE: Direkte Demokratie als Hamburger Klassenkampf von oben | 22.07.2010 | 11:27

Lieber Herr Theel,

ob ich nach heutiger Definition wirklich einer Klasse zuzuordnen bin wage ich zu bezweifeln. Klassen im marxistischen Sinn gibt es schon seit einiger Zeit nicht mehr. Leider wird dies konsequent ignoriert, da der Mensch nichts weniger hasst als tatsächliche Veränderungen.
Bei dieser Geschichte fällt doch auf, dass sich dieses Mal Politiker aller Fraktionen und die übliche Herde von Gutmeinenden und Besserwissern unaufgefordert für eine Personengruppe stark machen, die offensichtlich keinen Bedarf daran hat. Persönlich würde ich mir solche Bevormundung verbitten, denn nichts anderes ist dies.
Auch wenn sich hier aus Ihrer Sicht vielleicht ein böser Klassenkampf abspielt sind inhaltliche Fragen immer noch offen. Bringt das berühmte längere gemeinsame Lernen tatsächlich etwas für Schwächere und entsteht gesamtgesellschaftlich gesehen überhaupt ein Nutzen wenn man leistungsstärkere Schüler bremst. Ideologiefrei gesehen weiß jeder insgeheim, dass dem wohl nicht so sein wird.
Dem jetzigen System wird aus unerfindlichen Gründen unterstellt, dass es nicht fair sei. Als Vater von drei Kindern, die auf verschiedene Schulen gehen, kann ich Ihnen aber bestätigen, dass dies nicht der Fall ist. Entscheidend für den Erfolg der Kinder ist das Engagement der Eltern, worauf wir Einfluss haben und die Qualität der Lehrer, die sich unserem Einfluss entziehen. Ob nun Gymnasium, Gesamt- oder Realschule spielt dabei überhaupt keine Rolle für die künftigen beruflichen Optionen. Wenn ich mich so in den Klassen umsehe die Klassenzugehörigkeit übrigens auch nicht.
Klassenkampf ist mittlerweile Don Quichotterei und etwas für politische Dinosaurier.
Zu meiner eigenen "Klassenzugehörigkeit". Vom Einkommen her gehöre ich nach aktueller Definiton, wie so gut wie jeder Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung, schon zu den besser Verdienenden. In der Praxis bleibt davon bei drei Kindern aber nichts über, weil Familien immer noch massiv benachteiligt und von allen Parteien ausgebeutet werden. Dies ist ein bewusst selbst gewähltes Schicksal. Trotzdem stößt mir die schulische Bevormundung mit den ganzen albernen Experimenten auf.

RE: Direkte Demokratie als Hamburger Klassenkampf von oben | 21.07.2010 | 17:03

Bevor man überhaupt von Klassenkampf spricht sollte man überlegen, ob mit der geplanten Reform überhaupt das gewünschte Ziel erreicht worden wäre. Einen praktischen Beweis dafür gibt es nicht. In Holland (?) wurde dies System schon wieder wegen mangelnden Erfolgs abgeschafft. Der Grund für die Bildungsmisere liegt auch eher in der Auswahl der Pädagogen und dem Interesse der Eltern als am Schulsystem an sich. Diese beiden Faktoren bergen aber Konfliktstoff, weshalb man sich lieber der Systemfrage widmet.
Eine Umfrage unter Lehramtsanwärter zum Grund ihrer Berufswahl ergab zu über 70% die Länge der Ferien. Wie man denn sonst so gestrickt ist wurde gerade vor Gericht mit der Pädagogin und dem Häschensyndrom deutlich. Wie die Elternschaft zu beurteilen ist, zeigt ganz einfach die Wahlbeteiligung im aktuellen Fall. Wem die Bildung seines Nachwuchses egal ist geht eben nicht zur Wahl.

Damit sind wir dann auch schon bei der Frage ob es hier überhaupt um einen Klassenkampf geht. Die "Oberschicht" war mit dem seit über 100 Jahren bestehenden Zustand zufrieden und wurde mit den Reformvorschlägen nicht nur linker Gutmenschen angegriffen. Also befand sie sich erst einmal in der Defensive. Die Unterschicht interessierte sich offensichtlich überhaupt nicht für diese Reform und blieb zu Hause. Wo ist denn da bitte schön der Klassenkampf? Deutlich sichtbar war das doch wohl eher der Kampf der besserwisserischen Bürgerschaft mit allen Fraktionen gegen Eltern, die sich um die Bildung ihrer Kinder sorgen. Der Trick der Sache ist doch, dass alle die Freiheit hatten zu wählen und dies auch getan haben. Auch indem sie nicht zur Wahl gegangen sind. Jeder hat eben seine Schwerpunkte.

Völlig schwachsinnig ist auch die Diskussion wer denn mit abstimmen darf. Wahlberechtigt ist man in Deutschland per se ab 18 Jahren. Schüler mit 10 oder 11 Jahren über ein Schulsystem abstimmen zu lassen ist wirklichkeitsfremd. Auch darf man getrost die Wahlberechtigten auf die Bevölkerung mit deutschem Pass einschränken.

Sonst müssten wir nbo mal fragen, auf wie viele Kinder er denn kommt. Nur wer Kinder in der Schule hat darf hier eigentlich mitreden. Kinderlose dürften grundsätzlich in dieser Frage nicht mit abstimmen. Sich selber moralisch mit zweifelhaften Reformen auf Kosten anderer zu befriedigen macht nicht gerade beliebt.

RE: Ein kalter Putsch | 21.07.2010 | 16:21

Ist Willy Wimmer nicht einer dieser Berufspolitiker, mit deren Unterstützung der Schuldenberg Deutschlands ins Gigantische gewachsen ist? Spricht der Umstand, dass er Staatssekretär im BMVg geworden ist für militärische Kompetenz? Bei Dr. Franz J. Jung war dies auch kein Kriterium für das Amt als VM.
Dämliche Panikmache aus dem politischen Abseits.
Bloß weil es diesen Dienstposten früher schon einmal gegeben hat heißt dies noch lange nicht, dass er nicht seinen Zweck erfüllt.
Deutschland und Norwegen sind die letzten Staaten, bei denen das Parlament noch über den Einsatz der Streitkräfte entscheidet. Ein Anachronismus bei dem heutigen Zeitdruck auch bei der Krisenprävention. Bevor die Bw kommt ist der Konflikt schon durch die stärkere Partei entschieden. Von Vorteil des Überraschungsmomentes gar nicht zu reden. In den anderen NATO Staaten ist auch deutlich zu erkennen, dass andere Regelungen nicht zu deren Untergang oder in die Diktatur führen. Wer so etwas unterstellt sollte dringend an seinem eigenen Denken arbeiten.