RE: Politik der Hochmütigen | 03.12.2021 | 11:23

Der Kommentar wirft durchaus gute und berechtigte Fragen auf, die die politische Linken stellen muss (was sie aber leider bisher nicht oder zu wenig macht). Hier werden jedoch medizinsche Fragen mit Gerechtigkeitsfragen in einen Topf geworfen. Natürlich ist es hanebüchen, wenn jetzt Unionsparteien gesellschaftliche Solidarität einfordern. Tatsächlich ist eine Impfung gegen Covid19 jedoch auch ein solidarischer Akt. Dies lässt sich einfach nicht bestreiten. Demgegenüber ist der freiwillige Impfverzicht unsolidarisch. Dass man sich nun als Linke gegen eine Impfpflicht wenden müsste, nur weil auch völlig unsolidarische Parteien und Gruppierungen dazu aufforden, ist eine merkwürdige Verdrehung der Realität. Wundert man sich dann darüber, dass Positionen von Wagenknecht und AfD auf einmal deckungsgleich sind? Da kann man nun gerne abfällig und herablassend von "Linksliberalen" (aka sind ja eh keine Linken) sprechen, aber übersieht, dass man die eigenen Ideale längst verlassen hat.

Für mich bleibt es dabei: Diese zwanghafte Positionierung von Linken gegen eine Impfpflicht ist nur eine stumpfe Protesthaltung ohne inhaltlich überzeugende Argumente. Dagegen sind die aufgeworfenen Gerechtigkeitsfragen so wichtig! Aber die kann man auch stellen ohne Impfpflicht als ultima ratio kategorisch abzulehnen.

Offtopic: Dass hier in den Kommentaren fleißig Todeszahlen (Feinstaub vs Covid19 etc.) miteinander verglichen werden ist einfach nur ein unterirdisches Niveau. Natürlich ist Feinstaub ein riesiges Problem! Macht das die Covid19-Pandemie besser? Müssen wir jetzt nichts mehr gegen Covid19 tun, sondern nur noch über Feinstaub reden? Natürlich nicht! Diese wirklich dämliche Diskussion kann es doch nicht ernsthaft noch nach so vielen Monaten Pandemie gegeben. Traurig!

RE: Die Coronakrise ist keine Klimakrise im Kleinen | 23.11.2021 | 17:14

Hat der Autor überhaupt schon einmal einen Blick in einen IPCC-Bericht geworfen? Woher rührt denn dieses merkwürdige Bild einer Wissenschaft, die "neutral" sein müsse, um überhaupt als solche gelten zu dürfen? Natürlich werden Wissenschaftler*innen in ihren Publikationen kein Wahlprogramm einbauen. Abseits dieser Arbeiten steht es ihnen aber selbstverständlich frei auch in der Politikberatung tätig zu sein und klare Handlungsempfehlungen auszusprechen. Das soll dann schon aktivistisch sein? Ich halte es vielmehr für zwingend erforderlich, denn ein Wissenstransfer von Wissenschaft zu Politik muss ja stattfinden, damit neues Wissen oder Evidenzen überhaupt in der politischen Realität ankommen. Warum sollen Lobbygruppen aus der Privatwirtschaft ihre Interessen vertreten dürfen, aber die Wissenschaft nicht?

Fragen über Fragen, die dieser Artikel bei mir aufwirft. "Unite behind the science" verstehe ich überhaupt nicht so, dass jetzt die Wissenschaft die Politik macht. Sondern so, dass wissenschaftliche Erkenntnisse einen größere Beachtung in der Politik finden sollte. Aus nachvollziehen Gründen, Stichwort "Dringlichkeit".

Dass weiterhin Desinformationsstrategien (PLURV) als "primitives Schema" abgetan werden, finde ich befremdlich. Natürlich ist das eine sehr vereinfachte Erklärung der Funktionsweisen von Desinformation. Aber dass diese in der so beschriebenen Form Anwendungen und Verbreitung finden, sollte Journalist*innen im Jahr 2021 bewusst sein. Inwiefern ist es also ungerechtfertigt als Wissenschaftler darauf hinzuweisen?

Unter dem Strich bleibt für mich hier ein ziemlich strenger Geruch nach Edgelord.