RE: Grüner Klassenkampf? | 23.10.2018 | 10:47

Sowohl Elsa Koester als in der selben Ausgabe des Freitag auch Wolfgang Michal interpretieren die grünen als Partei einer neuen Klasse "der Prekären, der Kosmopoliten, der Frauen" (Koester). Nur sind das bekanntlich keine Klassen, Kosmopoliten gibt es in der Bourgeoisie und bei den Lohnabhängigen, Frauen auch und die Prekären sind Teil des Gesichts der Arbeiter*innenklasse, die sich nach Ende des Fordismus tatsächlich verändert hat, wie schon öfter in der Geschichte des Kapitalismus. Nur gibt es weiter die Arbeiter*innenklasse und die kapitalistische Ausbeutung. Neue Klassenkämpfe entstehen gerade beispielsweise im Care-Sektor, bei. den Streiks in den Krankenhäusern etc. Die Grüne haben damit rein gar nichts zu tun. Sie sind heute die Klassenpartei der neuen Bourgeosie und des modernen Kapitalismus. Sie irgendwie als Partei der neuen Arbeiter*innenklasse zu definieren, ist falsch und politisch fatal. Denn die Grünen dürften in naher Zukunft der größte Antipod einer neuen linken Kraft sein, die sich aus den Kämpfen der modernen Arbeiter*innenklasse herausbildet.

Die Grünen sind auch Teil der neuen Rechten, was Michal verkennt.

Mehr zu den Klässenkämpfen nach dem Ende der großen Fabriken:

https://www.edition-assemblage.de/ein-streik-steht-wenn-mensch-ihn-selber-macht/

RE: DDR: IM, FKK | 03.10.2018 | 13:55

Nun ist es vielleicht tatsächlich ein Ressentiment, den Westen als verlogen hinzustellen. Doch Fakt ist, die Wende 1989 war ein Sieg des BRD-Kapitalismus mit alle seinen Folgen, Verwertungszwang, Wohnen wie alles als Ware und auch die Faschist*innen. Das ist kein Ressentiment sondern erst mal eine realistische Beschreibung.

Peter Nowak

RE: Liebe Westdeutsche | 13.09.2018 | 01:18

Dieser Brief spricht einige wichtige Themen an:

Ich will nur auf diesen Satz näher eingeben

"Aus einem vielschichtigen Ressentimentmix hat sich eine grundsätzliche Ablehnung westlicher / westdeutscher sozialer Praxen und Kulturen entwickelt. Sie artikuliert sich autoritär und rassistisch."

Die Konsequenz müsste eine linke Ablehnung der westlichen/westdeutschen sozialen Praxen sie. Sie wäre dann antikapitalistisch und nichtrassistisch. Denn die westlichen sozialen Praxen waren ja nichts Anderes, als das der DDR übergestülpte BRD-System.

Den telegrah-Leser_innen ist ja bestens bekannt, den Freitag-Leser_innen vielleicht nicht, daher soll es noch mal erwähnt werden, dass die linke DDR-Opposition sich im Herbst 89 gegen das autoritäre SED-Regime wandte aber eine eigenständige DDR erhalten wollte. Das war die Position aller massgeblichen Gruppen der DDR-Opposition. Die Kohl-Regierung setzte nach der Maueröffnung auf die schnelle Einverleibung der DDR in die BRD. Dafür wurde auch massiv der Deutschnationalismus angeheizt. Tausende Deutschlandfahnen wanderten in die DDR, Tonnen von Propagandamaterial ebenso und das gegen ein Verbot des Runden Tisches. Sachsen war schon im November 1989 ein Hauptgebiet dieser rechten Infiltration aus der BRD und schon im November /Dezember 1989 ein Gefahrengebiet für DDR-Linke. Zum Bündnis der CDU gehörte bei den Wahlen 1990 auch die Rechtspartei DSU, einige ihrer Politiker*innen sind heute in der AFD. Dass Sachsen heute eine rechte Ordnungszelle ist, wie Bayern in der Weimarer Republik, liegt auch an dieser von der BRD angeheizten nationalistiscen Stimmung 1989/90.

Der Verweis auf Gundermann in dem Brief ist auch treffend. Der würde aktuell vielleicht beim Aufstehen -Bündnis auftreten. Das könnte bei aller reforerischen Beschränkung ein Gegenpol gegen die rechten Strömungen werden, gerade, weil sie nicht westliche Praxen und Kulturen transportiert sondern den Diskurs wieder auf die soziale Frage legt. Sie steht damit in der Tradition der Komitees für Gerechtigkeit und der Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV, die auch nicht genuin links waren, aber für linke Argumentationsmuster offen.

Peter Nowak

RE: Unbequeme NS-Opfer | 29.08.2018 | 16:25

Hallo, Frau Quadflieg,

danke für Ihre. Rückmeldung. Es ging mir nicht darum, die Auseinandersetzung auf Ihren Rücken auszutragen, aber schon darauf hinzuweisen, dass es eben noch nicht selbstverständlich scheint, dass NS-Opfer, egal wie sie klassifiziert wurden, nervig, seltsam etc. sein konnten und trotzdem NS-Opfer waren, die rehabilitiert werden sollten.

NIcht wegen ihres Verhaltens, sondern wegen ihrer Unterdrückung im NS. Daher kann ich auch nicht verstehen, warum sie dem Sohn von Dr. L.W. vorwefen, er wolle sich durch Aufmerksamkeit bereichern, wenn er die Rehabilitierung fordert. Schließlich war er als Sohn schon deshalb ganz direkt von der Verfolgung seines Vaters betroffen, weil er ihm dadurch entzogen wurde. Es gehört doch schon Mut dazu, sich zu einen Vater zu bekennen, der für verrückt erklärt wurde. Viele Angehörige haben sich ja nicht nur im Fall von Dr. W. schnell von ihm distanziert, weil man ja mit Verrückten noch weniger zu tun haben wollte, als mit Politischen. Noch Verfemter aber sind die als asozial oder als Berufsverbrecher Klassifizierten. Auch da würden sie von Angehörigen und Bekannten wahrscheinlich zu hören bekommen, es sei ja alles nicht schlimm gewesen. Sie sagen, Dr. L.W. habe überlebt. Ja, aber er hatte das Pech, nicht als Politischer sondern als Irrer klassifiziert noch bis 1959 eingesperrt gewesen und wenige Tage nach seiner Freilassung tödlich gestützt zu sein. Der Tod kann doch wohl sehr viel mit seiner langen Haft zu tun zu haben. Es ist sehr bekannt, das viele, die auch nur einige Jahre in Haft egal ob im Gefängnis oder der Psychatrie verbringen mussten, sich in Freiheit schwer zu recht finden. So kann man sagen, dass er letztlich nicht in der Haft sondern an der Haft gestorben ist. Daher hoffe ich, dass er noch rehabilitiert wird, wie alle, die unter der NS-Herrschaft in irgendeiner Weise verfolg wurden

Peter Nowak

RE: Ungern Opfer | 21.06.2018 | 16:21

Mich hat es nicht irritiert, dass Kohl an SS-Veteranen Geld spendete. Da hat der Publizist Bernd Engelmann schon vor mehr als 40 Jahren in dem Buch "Grosses Bundesverdienstkreuz recherchiert:

Zitat aus einer Rezension des Engelmann-Buches:

"Die durch ihre Nazi-Vergangenheit schwer belasteten Fritz Ries und Hanns-Martin Schleyer planten bereits Anfang der Siebziger den Aufstieg Helmut Kohls an der Seite von Kurt Biedenkopf. Auch F. J. Strauss taucht in diesem "Vierergespann" noch einmal auf, und diese untereinander gepflegten und von Engelmann gut ausgeleuchteten Verknüpfungen machen allzu deutlich, wie man sich gegenseitig bevorteilte.

Bernd Engelmann

Grosses Bundesverdienstkreuz

Das Buch ist noch erhältich:

https://steidl.de/Buecher/Grosses-Bundesverdienstkreuz-0122335161.html

In dem Buch wird klar, wie eng verbunden de Aufstieg von Kohl mit Arisieren und NS-Belasteten Eliten war.

Diese Politik trug Früchte. 1986 sorge Kohl dafür, dass US-Präsident Reagan auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg auch SS-Täter ehrte.

Das hat bei Linken und Liberalen in den USA Empörung ausgelöst. Hier ein Interview von Elie Wiesel (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13513931.html)

Die Linke in der BRD protestierte gegen Reagan und ignorierte die SS-Ehrung weitgehend.

Dagegen intervenierten Linke aus den USA in einen Offenen Brief an die deutsche Friedensbewegung, den maßgeblich der kürzlich verstorbene Soziologe Moishe Postone verfasste.

Der Bitburgbesuch fand auch Eingang in die Musikkultur. Die Punkband Ramones widmete ihm den Song Bonzo goes to Bitburg. Die von Bednarz imagienierte Trennung zwischen Konservatismus und NS war in der Realität sehr flexibel.

Peter Nowak

RE: Es geschah im vollbesetzten Zug | 04.04.2018 | 00:27

Ich habe das jetzt korrigiert, es war eine Metallstange, um welches Metall es sich handelte, konnte nicht ermittelt werden. Danke für die Korrektur.

Peter Nowak

RE: Eine neue linke Erzählung | 05.01.2018 | 02:06

Zunächst finde ich die Analyse von Sebastian Friedrich sehr gelungen, den Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung, sowie patriarchale und rassistische Unterdrückung zusammen zu denken. In den letzten Wochen wurden in diese Kämpfe oft bewusst getrennt und herauskommt eine regriessive Nationalsozialdemokraite a la Wagenknecht auf der einen und ein diverser vielfältiger Neoliberalismus wie ihn große Teile der Grünen vertreten, auf der anderen Seite. . Nur müsste jetzt als nächster Schritt die Frage kommen, wie wird das Zusmmenwirken der Kämpfe organisiert. Und da stellt sich eine Frage, die weder bei Friedrich noch bei den Diskutant_innen genannt wurde. Es bedarf einer kommunistischen Organisation auf der Höhe der Zeit, dire diese Kämpfe verbinden kann. Vor 100 Jahren ist es den Bolschewiki für kurze Zeit gelungen, diese Kämpfe zusammenzubinden. Nur so war der Oktoberaufstand möglich. In der Folge wurde auch der Kampf gegen Patriarchat (Alexandra Kollontai) und Rassismus/Kolonialismus auf die Agenda gesetzt. Es ist müssig darüber zu lamentieren, dass heute sowenige Lohnabhängige diese Kämpfe unterstützen, wenn die Organisationen dazu fehlen.

RE: Sozialismus oder Sieg | 30.12.2017 | 15:19

Was Krätke verschweigt, aber Corbyn wahrscheinlihc weiß, das EU-Regime würde gar nicht zulassen, dass er einen Großteil seines Programms vor allem auf wirtschaftlichen Gebiet umsetzen kann. Daher ist es wahrscheinlich, dass Corbyn spätestens dann zum EU-Anhänger wird, wenn er die Möglichkeit hat, an die Regierung zu kommen. Wie wir wissen, ist er damit nicht an der Macht. Aber dann hat er eine Ausrede warum er die sozialdemokratischen Reformen nicht durchsetzen kann, die er versprochen hat.

RE: In England ist Marx ein Hipster | 30.12.2017 | 15:13

Die Naivität von Mason ist erstaunlich. Mindest 100 Jahre steht die SPD als Arzt am Krankenbett des Kapitalismus, er tut so, als finge das erst in den letzten Jahren an. Zudem stellt er die Krise der SPD nicht den Kontext der allgemeinen Krise der europäischen Sozialdemokratie von Italien über Holland bis Frankreich. Wie das Experiment Corbyn ausgeht, ist noch gar nicht ausgemacht. Vor verfrühten Optimismus und der Ausrufung eines neuen Hoffnungsträgers ist zu warnen. Da gab es schon zu viele? Bernie Sanders, Tsipras .... Wurde nicht auch Schulz noch vor einem Jahr auch im Freitag als ein solcher Hoffnungsträger gehandelt?

100 Jahre nach der Oktoberrevolution sollten wir lieber mit kritischen Blick auf die politischen Kräfte schauen, die schon vor 100 Jahren recht gut, das Wirken der Sozialdemokratie erkannten, auch wenn sie später andere Fehler machtne.

RE: Einen rechten Schnaps zum Totensonntag | 23.12.2017 | 23:12

Ich bin immer beeindruckt über die Menge an Büchern der unterschiedlichen Themen, die Erhard Schütz so wegliest. Doch manchmal fehlt dann wohl die Zeit für die kritische Verarbeitung. Das zeigte sich bei seiner Kurzrezension des Buches "Fakenews machen Geschichte " veröffentlicht in Freitag 49, 7.12.2017. Da der Text nicht online ist, poste ich meine kritischen Anmerkungen dazu hier:

Dort schreibt Schütz "über die angebliche Isolationsfolterhaft der RAF.Häupter", die die Autoren des besprochenen Buches als Fakenews abtun. Das verwundert bei den staatsnahem Autoren Sven Felix Kellerhoff und Lars-Broder Keil nicht. Sie beten nur die staatsoffizielle Lesart nach, die trotzdem davon nicht Richtiger wird. Dass die RAF.Gefangenen unter Isolationshaftbedingungen gehalten wurden, kann niemand bestreiten und wurde sogar von verschiedenen Gerichten bestätigt. Dass Isolationshaft für die Betroffenen folterähnliche Folgen hat, wurde von verschiedenen Wissenschaftler_innen akribisch nachgewiesen. Die Bücher gibt es, wenn sie auch in den Medien meist ignoriert wurden. Ich würde mich freuen, wenn Herr Schütz eins dieser Bücher mal. im Freitag rezensiert und empfehle ihn mehr kritische Distanz zu Büchern staatsnaher Autor_innen, woher sie auch immer kommen.