Anmerkungen zum Artikel "Die gehäutete Dichterin" im Freitag

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Bei dem kritisiertisierten Beitrag handelt es sich um die Rezension mit den unsäglichen Titel "Die gehäutete Dichterin" ( www.freitag.de/kultur/0931-ines-geipel-ddr-autorinnen-helga-novak-literaturgeschichte)

Es ist schon frappierend, wie verständnisinnig Autorin und Rezensentin eine Susanne Kerckhoff beschreiben, die 19jährig 1937 in "die anrüchige Reichsschrifttumskammer" gewählt wurde, und 1949 nichts besseres zu tun hat, als die "problematische Rolle kommunistischer Häftlinge in den Konzentrationslagern der Nazis" zu thematisieren. Diese mußten die Kommunisten bekanntlich schon zu einer Zeit spielen, als Kerckhoff in der garientiert rein arischen und ns-treuen Reichsschrifttumkammer agierte. Kommt niemand der Gedanke, dass eine solche Frau nun denkbar ungeeignet als Richterin über NS-Gegner ist? Zumindest in der SBZ respektive DDR konnten NS-Belastete 1949 noch nicht auf NS-Gegner losgehen. Da hätte Kerchkoff schon in die westliche Freiheit flüchten müssen. Solche Gedanken sucht man in der Rezension vergeblich.

Was Ines Geipel und Sabine Pamperrien bei einer NS-Belasteten an Verständnis aufbringen, bekommen NS-Gegner, vor allem wenn es Kommunisten waren, niemals zu spüren. Eine Schriftstellerin wie Anna Maria Jokl, die als Jüdin und Linke 1950 aus der DDR ausgewiesen wurde, aber auch in Israel nie Antikommunistin wurde, kommt bei Geipel natürlich nicht vor.

Hier kommt eine Gesinnung schon Ausdruck, die ein schlauer Mann in dem Bonmot gefaßt hat: "Die Deutschen werden den KommunistInnen deren Widerstand gegen den NS nie verzeihen." Das ist der deutsche Konsens seit einigen Jahren. Geipel und Pamperrien sind da nur ein beredter Ausdruck.

Erstaunlich nur, dass diese Ideologie jetz auch im Freitag Verbreitung findet. Ein Vorvorgänger war schließlich die antifaschistische Wochenzeitung "Die Tat". und die hat sich gegen Verleumdungen des NS-Widerstandes a la Kerckhoff mit Recht gewehrt.


Übrigens hätte Kerckhoff in der DDR Karriere gemacht, würde sie jetzt als Beispiel einer NS-Belasteten angeführt, die weiter machen konnte.

14:07 02.08.2009
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