"Ausbeutung gibt es auch in Berlin"

Interview Heute beginnt im Berliner Kino Moviemento die Reihe "Cinéma Klassenkampf". Peter Nowak sprach mit der Organisatorin Bärbel Schönafinger
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"Ausbeutung gibt es auch in Berlin"
Arbeitskampf in Frankreich: Der Protest der Nuit Debout-Bewegung (2016)

Geoffroy Van der Hasselt/AFP/Getty Images

Was ist das Besondere des Cinéma Klassenkampf?

Bärbel Schönafinger: Labournet.tv sammelt seit sechs Jahren Filme über Arbeitsbedingungen und Arbeitskämpfe. Dadurch bekommen wir einerseits mit, wie stark Menschen ausgebeutet werden, nicht nur in Bangladesch, sondern auch in Berlin. Andererseits sehen wir, wir erfolgreich Leute sind, wenn sie sich am Arbeitsplatz organisieren. Wir wollen dieses Wissen der Öffentlichkeit jetzt auch in der Form einer Filmreihe zur Verfügung stellen und damit gleichzeitig Organisierungsprozesse und die konkrete Vernetzung unterstützen.

Kannst Du einige Themen nennen, um die es dort gehen soll?

Wir planen unter Anderem eine Veranstaltung zu den Kämpfen der Charité, in der Gastronomie, den Kurierdiensten in Berlin, zu den erfolgreichen Kämpfen in der Fleisch- und Logistikbranche in Italien und einen Rückblick auf Nuit Debout.

Der Begriff "Klassenkampf" wird heute auch in der außerparlamentarischen Linken selten verwendet. Warum verwendest Du ihn für die Veranstaltungsreihe?

Da wir uns fast ausschließlich mit Kämpfen am Arbeitsplatz beschäftigen, ist es für uns klar, dass sich in unserer Gesellschaft auch 2017 noch zwei Klassen unversöhnlich gegenüberstehen. Wir hätten die Reihe auch augenzwinkernd „Them Or Us“ nennen können. Andererseits ist es vielleicht an der Zeit, den Mut aufzubringen und umkämpfte Begriffe wieder zu verwenden, damit die Kids auch mal was anderes hören als den antikommunistischen Mainstream.

Welche Arten von Arbeitskämpfen werden in der Reihe thematisiert?

Wir interessieren uns für alle Sorten von Arbeitskämpfen. Streiks sind immer interessant und belebend, auch wenn sie schlecht ausgehen. Wichtig ist uns, dass wir die Möglichkeit haben, Menschen einzuladen, die aus erster Hand von den Kämpfen erzählen können und an der Organisierung beteiligt sind. Wir wollen bei den Veranstaltungen über Entwicklungen berichten, die in der Gegenwart spielen.

Gibt es Kooperation mit Gewerkschaften und wenn ja, mit welchen?

Ja, wir laden alle an den jeweiligen Mobilisierungen beteiligten Gewerkschaften ein - für die Veranstaltung zur Charité im April hoffen wir auf ver-di. Zu der Veranstaltung am Montag haben wir die GEW, die Hochschulgewerkschaft unter_bau und die FAU eingeladen. Wir sind gespannt, welche Gewerkschaften mit uns kooperieren wollen.

Was erhofft Du Dir von der Reihe?

Ich erhoffe mir, dass sich mehr Menschen tatkräftig mit existierenden Kämpfe solidarisieren oder sich durch die Filmreihe ermutigt fühlen, ihre eigene Offensiven am Arbeitsplatz zu starten. Außerdem hoffe ich, dass wir durch die Filmreihe auch eine neues Publikum für labournet.tv finden. labournet.tv ist in seiner Existenz bedroht und wir suchen dringend Fördermitglieder.

Kannst Du kurz das Projekt labournet.tv beschreiben, das die Veranstaltugunsreihe organisiert?

Wir sind ein kleines Kollektiv. Seit 2011 sammeln wir Filme aus der Arbeiter_innenbewegung und stellen sie auf der Seite labournet.tv kostenlos und mit Untertiteln zur Verfügung. Dadurch bauen wir eine „bewegte Bilder Suchmaschine“ für die Geschichte der Klassenkämpfe in den verschiedenen Ländern auf und machen laufende Streiks und Bewegungen am Arbeitsplatz sichtbarer. Außerdem drehen wir selber Filme über Streiks, die uns besonders wichtig erscheinen: Zuletzt „Die Angst wegschmeißen“ über die Bewegung der migrantischen Lagerarbeiter_innen in Italien.

Interview: Peter Nowak

Mehr zu Bärbel Schönafinger: http://labournet.tv

01:06 06.03.2017
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