Wo bleibt die Kritikfähigkeit im Freitag-Blog?

Deaktivierte Kommentarfunktion Immer öfter wird unter Freitag-Texten die Kommentarfunktion ausgeschaltet. Ich sehe mich in der Freitag-Community auf den Status eines unmündigen Kindes reduziert, dem man bestimmte Internetfunktionen verweigert

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Es gibt sicher viele gute Analysen über das kapitalistische Russland unter Putin, der Verschwörungsschmöcker von Catherine Betons mit dem bezeichnenden Titel "Putins Netz" gehört sicher nicht dazu. Da wird alles zusammengemixt, was in diesen Zeiten Quote schafft. Dass dann noch eine Begnung von Putin und RAF herbeiphanatisiert wird, hätte gereicht, um diesen Schmöcker unter die Rubrik "Der letzte Dreck" abzuheften. Marc Ottiker ist anderer Meinung und liefert im Freitag eine Eloge des Buches unter der bezeichnenden Überschrift Putins Netz: Kloake aus Gier und Verkommenheit.

Dieser moralisierende Titel in der Onlineausgabe, in der Printausgabe stand noch die neutrale Überschrift: "Wem gehört Russland", mag zum Niveau des Schinken passen. Es ist ja auch in Ordnung, wenn Ottiker, den ich wegen anderer Beiträge schon als Freitag-FDPler abgespeichert habe, ein solches Buch lobt. Schließlich gibt es ja sicher genügend Freitag-Leser*innen die kritische Fragen an das Buch und den Rezensenten stellen. Doch leider ist dies nicht möglich. Denn unter den Artikel kommt der Hinweis:

"Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert. Deshalb können Sie das Eingabefeld für Kommentare nicht sehen".

Das ist nun nicht das erste Mal. Mir ist in den letzten Wochen vielmehr öfter aufgefallen, dass sicher nicht zufällig unter besonders prägnanten Pro-Ukraine-Artikel, die Kommentarfunktion abgeschaltet wurde. Ich sehe darin, ein Zeichen von Kritikunfähigkeit in der Ukraine-Frage und weiß, ich bin da nicht allein in der Freitag-Community. Die Freitag-Redaktion hat mal herausgestellt, dass sie mit dem Freitag-Blog neue Wege der Diskussion und Kritik für die Nutzer*innen schafft, die eben nicht dazu verurteilt werden sollen, nur Konsument*innen der Texte zu sein und allerhöchstens mal einen Leser*innenbrief zu schreiben. Sie sollen mitdiskutieren können.

Daher ist es besonders unverständlich, wenn jetzt immer öfter die Kommentarfunktion besonders bei strittigen Beitragen wie der oben erwähnten Rezension von Marc Ottiker abgeschaltet wird. Die Nutzer*innen der Freitag-Community sind keine unmündigen Kindern, denen man bestimmte Funktionen im Internet verweigert.

Ich stelle hier einige Fragen, die auch andere Leser*innen des Freitag interessieren:

Wer entscheidet, bei welchen Beiträgen die Kommentarfunktion abgeschaltet wird und mit welcher Begründung?

Gibt es Druck von staatlichen Stellen für diese Maßnahme. Schließlich wurde von den ideologischen Staatsapparaten wiederholt deutlich gemacht, dass die Meinungsfreiheit gerade in Kriegszeiten Grenzen hat?

Müsste der Freitag und besonders die Freitag-Community nicht vielmehr den gegenteiligen Weg gehen: in den Zeiten der weitgehend eingebetteteten Kriegsjournalismus , den wir in den letzten Wochen in Deutschland erleben, bräuchte es mehr Foren, in denen kritische Diskussionen und Kontroversen auch über den Ukraine-Krieg ausgetragen werden.

Daher meine Forderung, mit der ich nicht alleine stehe.

Lasst Tausend Blumen blühen, gibt die Diskussion über der Freitag-Community frei. Schat

Peter Nowak

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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