Dem Internet der Dinge den Kampf ansagen

Smart Resistance Erfreulicherweise erkennen einige Linke, dass hinter einer technologischen Entwicklung im Kapitalismus ein neues Herrschaftsprojekt steht
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Smart Resistance statt Smar City lautete das Motto einer Demonstration, die am vergangenen Samstagnachmittag durch Berlin zog. Ca. 300 Menschen, vornehmlich aus der außerparlamentarischen Linken, beteiligten sich am Zug von Kreuzberg zum Potsdamer Platz. Mit den Demomotto „Smart Resistance“ wurde das Konzept Smart City kritisiert, mit dem auch in Berlin Ampeln und Kühlschränke mit Smartphones vernetzt werden sollen. Eine Rednerin wies auf die Fülle an persönlichen Daten hin, die dadurch entstehen. .
Biometrische Erfassung des afrikanischen Kontinents

Auf einer Zwischenkundgebung vor der Bundesdruckerei wurde dagegen protestiert, dass dort auch biometrische Personalauswese für die Bewohner_innen Afrikas gedruckt werden. In einer Rede wurde diese „ biometrische Erfassung eines ganzen Kontinents“ als Bestandteil der Abwehr von Flüchtlingen kritisiert. Auf Transparenten und Flugblättern wandten sich die Demonstrationsteilnehmer gegen ein Smart-Lab von Google, das Ende 2017 in einem Kreuzberger Umspannwerg geplant ist. Ein Bündnis linker Gruppen kündigte weitere Proteste gegen das Google-Lab an. Daran werden sich dann sicher auch mehr Menschen beteiligen, weil es gegen einen noch dazu US-amerikanischen Konzern geht. Da ist dann oft auch die verkürzte Kapitalismuskritik nicht weit. Der Pluspunkt der Demonstration am Samstag, deren Anlass der 20te Europäische Polizeikongress in Berlin war, lag daran, dass gerade nicht ein Konzern sondern ein Herrschaftskonzept im Fokus der Kritik lag, das als Smart Ökonomie und Internet der Dinge so harmlos und technizistisch daherkommt. Auch Linke nutzten es und machen sich wenige Gedanken über die Folgen. Im Kapitalismus steckt dahinter ein Herrschaftskonzept, das die menschliche Subjektivität und mögliche Resistenz elimieren soll. Das beste Beispiel sind die smarten Fabriken, wo es kaum noch Lohnabhängige gibt. Die Roboter und Maschinen streiken nicht und sind nicht widerständig. Es sei denn, Menschen streuen Salz ins Getriebe. Die Entwicklung dieser Produktionszonen ohne Menschen wurden vorangetrieben, um die Produktion unabhängig von Streiks etc. zu machen. Das ist nur ein Beispiel für das kapitalistische Interesse an dieser Entwicklung. Es ist zu hoffen, dass darüber in der außerparlamentarischen Linken auch unabhängig von Polizeikongressen weiter diskutiert wird.

Smart Communism

Dabei sollte allerdings die Kritik der Technik immer in eine Kapitalismuskritik eingebunden sein. Es geht um eine Ablehnung der technischen Entwicklungen, die unter dem Label Smart Ökonomie verhandelt werden, unter den gegenwärtigen kapitalistischen Vorzeichen. Und es sollte gefragt werden, ob wir Konzepte der Smart Ökonomie in einer nicht von der kapitalistischen Verwertungslogik bestimmten Gesellschaft nutzten können, Ich würde das erstmal bejahen. Dabei sollte allerdings erkannt werde, dass die aktuellen Tools der Smart Ökonomie vom Kapitalismus geprägt und unter nichtkapitalistischen Vorzeichen nicht einfach übernommen werden können. Es gilt erst zu erkunden, was davon auch für eine Smart Communism taugt. Eine ähnliche Debatte führt der Soziologe Simon Schaupp auch am Beispiel der Kybernetik. Unter kapitalistischen Bedingungen ist sie zu kritisieren, unter nichtkapitalistischen Bedingungen könnten Elemente davon übernommen werden.

Doch bis dahin gilt die Parole. Smart Resistance statt Smart Citys.
Lesetipp:
Simon Schaupp, Anne Koppenburger, Paul Buckermann (Hg.)
Kybernetik, Kapitalismus, Revolutionen

Emanzipatorische Perspektiven im technologischen Wandel

ISBN 978-3-89771-225-6
Erscheinungsdatum: März 2017
Seiten: ca. 320

Peter Nowak

00:19 20.02.2017
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Peter Nowak

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