Der vergessene Tod eines Arbeitermilitanten

Abd Elsalam Ahmed Eldanf Am 15.September kam der in Ägypten geborene Mann ums Leben, als er als Streikposten für bessere Arbeitsbedingungen für sich und seine KollegInnen kämpfte.
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„Er ist mit einem Megaphon in der Hand gestorben. Er ist von SEAM und GLS getötet worden.“ Das sagten einige KollegInnen von Abd Elsalam Ahmed Eldanf, der in der Nacht vom 14. Auf den 14. September in Piacenza bei der Blockade eines bestreikten GLS-Warenlagers von einem Firmenwagen überfahren wurde. Der in Ägypten geborene Mann, der seit 2003 bei GLS gearbeitet hat, war sofort tot. . Mit dem Streik wollten die Beschäftigten die nbefristete Anstellung von 13 KollegInnen und die Wiedereinstellung von weiteren KollegInnen, die ihren Job verloren hatten weil sie Gewerkschaftsmitglieder geworden waren, durchzusetzen. Abd Elsalam hatte bereits einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Er beteiligte sich an dem Streik, um seine KollegInnen zu unterstützen. Dieses solidarische Agieren der Beschäftigten .ist ein Kennzeichen des seit 2008 andauernden Kampfzyklus in der norditalienischen Logistikbranche. Die meist migrantischen LogistikarbeiterInnen in Italien haben es in den letzten sechs Jahren geschafft, durch militante Streiks ihre menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen grundlegend zu verbessern. Während sie früher regelmäßig bei der Lohnabrechnung betrogen und von den VorarbeiterInnen mit gewalttätiger Arroganz behandelt wurden, haben sie jetzt in vielen Unternehmen normale Bedingungen für sich erkämpft. Wegen dieser Erfolge organisieren sich immer mehr ArbeiterInnen in der Basisgewerkschaft S.I.Cobas und setzen sich mit ihren KollegInnen zur Wehr“, schreibt Bärbel Schönafinger auf der Plattform Labournet.tv. Sie hat die 2004 beim europäischen Treffen der von BasisgewerkschafterInnen im Berlin einige der italienischen LogistikarbeiterInnen kennengelernt und sie in Norditalien besucht. Sie ist Regiessuerin des Films Die Angst wegschmeissen“, der den Arbeitskampf in Norditalien in Deutschland etwas bekannt gemacht.
Terror gegen Streikende
Für den Sozialwissenschaftler und Aktivisten der MigrantInnen-Koordination von Bologna und des Kollektivs »S-Connessioni precarie« (Prekäre Verbindungen) Giorgio Grappi ist der Tod von von Abd Elsalalm kein tragischer Unglücksfall, wie die italienische Justiz den Fall darstellt. Er sieht in den Tod des Streikpostens den Höhepunkt einer Gewalt von Seiten der Unternehmen und des Staates, die seit Beginn des Kampfzyklus gegen die Streikenden angewandt hat. „Wer die Arbeitskämpfe der migrantischen ArbeiterInnen in der Logistik verfolgt hat, kennt die Gewalt, die von Unternehmerseite bei den Blockaden ausgeübt wird, die Versuche, sie zu durchbrechen, und die Polizeieinsätze gegen Streikposten, sehr genau. t „Youtube ist voll von Videosequenzen, die zeigen, wie ArbeiterInnen mit schweren Verletzungen, , Verletzungen, die ihnen Polizei oder Streikbrecher zugefügt haben. von Blockaden abtransportiert werden“, berichtet Bärbel Schönafinger. Die Kampfbereitschaft und Entschlossenheit der Beschäftigten konnte damit nicht überwunden werden.
Sie haben es geschafft, sich italienweit zu organisieren und gegenseitig in ihren Kämpfen zu unterstützen, sodass auch Kämpfe in Warenhäusern gewonnen werden konnten, in denen zunächst nur ein kleiner Teil der Belegschaft in den Streik getreten war. Der Kampfzyklus hatte zudem eine integrative Kraft für die radikale Linke in Italien, die die LogistikarbeiterInnen tatkräftig unterstützt. Der Arbeitskampf wird sowohl von sozialen Zentren, autonomen Zusammenhängen als auch von verschiedenen sozialistischen Gruppierungen in Norditalien unterstützt. Die sehr unterschiedlichen Spektren der italienischen Linken kooperieren bei der Streikunterstützung
Kaum Unterstützung aus Deutschland
Obwohl einige der bestreikten Logistikunternehmen auch Filialen in vielen deutschen Städten haben, ist es nicht gelungen, eine Solidaritätsstruktur mit de Beschäfigten hierzulande aufzubauen Es gab im letzten Jahr den Versuch, mit Aktionstagen die Solidarität mit den Streikenden auszuweiten. Das Konzept sah vor, parallel zum Arbeitskampf in Italien auch vor den Filialen in Deutschland, mit Transparenten die Forderungen der Belegschaft zu unterstützen- In Berlin, Hamburg und dem Ruhrgebiet gab es kleinere Aktionen. Doch es gelang, die Aktionstage zu etablieren und auszuweiten. Auch der von Abd Elsalam Ahmed Eldanf wurde in Deutschland kaum registriert. Lediglich im Neuen Deutschland und der jungen Welt gab es Artikel dazu. In anderen Medien wurde der Tod eines Streikostens gar nicht erwähnt. Auch die außerparlamenainke hat den gewaltsamen Tod des Arbeitermilitanten weitgehend ignoriert.
Peter Nowak

Video zum Tod von Abd Elsalam Ahmed Eldanf:

http://de.labournet.tv/node/7064

Link zum Film "Die Angst wegschmeißen" von Bärbel Schönafinger zum norditalinischen Logistikstrei:

http://de.labournet.tv/die-angst-wegschmeissen

14:40 15.11.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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