"Die Reichen sollen zahlen"

Linke Coronaproteste Es gibt auch im Corona-Winter 2020 noch linke Proteste, die die Frage stellen, wer für die Krise zahlt. Zwei Beispiele aus Berlin in den nächsten Tagen.
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Manchmal schien es im Corona-Frühling 2020, die Linke, (wer meine Texte liest, weiß, dass damit außerparlamentarische Bewegung gemeint ist), sei vor allem mit der Einhaltung der Hygieneregeln beschäftigt. Dann gab es im Sommer und Herbst unter dem Motto "Wer hat, der gibt" (https://werhatdergibt.org) endlich wieder Aktion, die die Umverteilung forderten. Daran knüpfen in den nächsten Tagen in Berlin zwei linke Aktionen an.

„Für eine soziale und demokratische Lösung der Krise – Die Reichen sollen zahlen“ lautet das Motto einer Kundgebung und Demo, die heute, am Samstag, den 12.12. um 12 Uhr im Berliner Stadtteil Wedding beginnt. Nach einer einstündigen Kundgebung ist eine kurze Demonstration durch den Kiez geplant. Organisiert werden die Proteste von der Stadtteilgruppe "Hände weg vom Wedding. Hier ein Kurzinterview mit Marc Seiler von der Initiative:

1.) Wieso plant Ihr noch Mitten im Dezember im Corona-Winter 2020 eine Kundgebung?

Für uns ist nicht das Ende des Jahres wichtig, sondern, dass wir Mitten in einer Pandemie sind und am Anfang des Kampfes um die Frage, wer für die Kosten der Krise zahlen wird.
Wir organisieren diese Kundgebung um auch während des zweiten Lockdowns im Kiez präsent zu sein und unsere Forderungen aus dem aktualisierten Forderungskatalog unter die Leute zu bringen. Ziel dabei ist zum einen so viele Forderungskataloge wie möglich zu verteilen und darüber mit Leuten aus dem Kiez ins Gespräch zu kommen. Zum anderen sollen die Kundgebungen uns als Gruppe nach innen stärken und den Kontakt zu anderen Initiativen und Organisationen aufrechterhalten.

2.) Ihr hattet als Hände weg vom Wedding bereits im März 2020 einen Forderungskatalog "Für eine soziale und demokratische Lösung der Krise" verfasst. Knüpft Ihr daran an?


Ja genau, mit der Arbeitsgemeinschaft „Wedding solidarisch" waren wir bereits im Frühjahr aktiv und haben es geschafft Handlungsfähigkeit während des Lockdowns zu zeigen. Wir haben einen politischen Forderungskatalog für den Wedding veröffentlicht, den wir nun aktualisiert haben.Dadurch konnten wir linken, antikapitalistischen Krisenerzählungen und Analysen viel Raum und eine breite Wahrnehmung verschaffen, auf die wir weiterhin aufbauen.

3.) Wie sieht Eure alltägliche Arbeit mit dem Katalog aus?

Wir organisieren regelmäßig Aktionenan Orten, an denen viele Menschen zusammenkommen, wo wir versuchen mit den Menschen ins Gesprächkommen und unsere Forderungskataloge unter die Leute bringen können. Dabei haben wir festgestellt, dass diese Inhalte im alten Arbeiter*innenstadtteil Wedding auch vermittelbarer sind, da hier viele Menschen aufgrund von Armut, Arbeitslosigkeit und beengten Wohnverhältnissen von den kapitalistischen Ausbeutungsmechanismen betroffen sind.

4.) Was ist auf der Kundgebung am Samstag geplant, wer soll reden und wie lange dauert sie?

Wir werden eine Schweigeminute organisieren für die vielen Menschen die sich auf der Arbeit angesteckt haben und die nur durch SARS-Cov-2 gestorben sind, weil das Gesundheitssystem über Jahrzehnte kaputtgespart wurde.

Es sind verschiedene Redebeiträge aus unseren Arbeitsgruppen geplant, die sich mit den Kämpfen von Mieter*innen, Frauen und Arbeiter*innen während der Krise auseinandersetzen. Die Pandemie und der Lockdown, HomeOffice und Kontaktbeschränkungen haben z.B. patriarchale Verhältnisse wieder verstärkt, die durch den kapitalistischen Wohnungsmarkt begünstigt werden. Wir möchten die Zusammenhänge zwischen den Kämpfen aufzeigen

Healthcare not Warfare!

Am Mittwoch, den 16. Dezember gibt es eine weitere Kundgebung in Berlin, dieses Mal im Stadtteil Kreuzberg, am Kottbuser Damm, Ecke Kohlfurther Straße. Das Motto lautet "Healthcare not Warfare". Damit protestiert das antimilitaristische Bündnis No War Berlin gegen die Einbeziehung der Bundeswehr in den Kampf gegen Corona. Gefordert wird statt dessen der Ausbau des Gesundheitswesens. Ganz in der Nähe der Kundgebung befindet sich das Büro der Werbeagentur Crossmedia, die mehrere Onlinekampagnen der Bundeswehr realisierte.

Peter Nowak

Weitere Infos zur Kundgebung "Die Reichen sollen zahlen" am 12.12.2020, 12 Uhr, U-Bahnhof Pankstraße, Berlin -Wedding:

www.unverwertbar.org

Weitere Infos zur Kundgebung "Healthcare not Warfare" am 16.12, 18 Uhr, Kohlfurther Straße/Ecke Kottbuser Damm, Berlin-Kreuzberg:

http://nowar.blogsport.de

Peter Nowak

02:10 12.12.2020
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