Ein Film ohne deutsches Happy End

Paul Rotha Der britische Regisseur drehte 1961 einen Film über Hitler und die Deutschen, der in der BRD zensiert wurde und der immer noch zu kritisch war.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Firma Topf & Söhne baute die Krematorien für die NS-Konzentrationslager- Dass es in einer der ehemaligen Firmensitz in Erfurt heute einen Gedenkort für die Opfer gibt, ist vor allem den Besetzer_innen der Topf & Söhne-Fabrik zu verdanken. Sie haben in den fast 10 Jahren der Besetzung mit der Gedenkarbeit begonnen, die dann fortgesetzt wurde, nachdem das Haus geräumt worden war. Vor der Besetzung war über Topf & Söhne und ihre Rolle bei der Massenvernichtung wenig bekannt. Dabei hatte diese deutsche Todesfabrik einen prominenten Platz in dem Film „Das Leben des Adolf Hitler“ bekommen. Aus einem Brief der Topf & Söhne-Manager an die SS wurde in dem Film zitiert. Es ist allerdings nicht verwunderlich, dass die Mörderfirma durch den Film nicht bekannter wurde. Denn der 1961 von dem Regisseur Paul Rotha fertiggestellte Film war in der BRD ein Flop. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges wollte die kaum entnazifizierte westdeutsche Gesellschaft einen Film nicht sehen, der sich engagiert mit dem NS-System und seinen Grundlagen befasste. Es war dann die DDR, die den im Westen ignorierten Film beim Leipziger Dok-Festival aufführte. Eine Fassung dieses Films war kürzlich im Berliner Kino Arsenal zu sehen, einer der Topadressen, wenn man sonst nirgends gezeigte Filme sehen will. „Das Leben Adolf Hitlers“ gehört dazu. Dass er so gefloppt ist, lag sicher weniger an einigen politischen und künstlerischen Mängeln, auf die ich noch komme. Der Hauptgrund dürfte darin gelegen haben, dass in dem Film die deutsche Mär von den bösen Nazis, die über die Deutschen kommen und nach dem 8. Mai 1945 wieder verschwunden ist, gründlich wiederlegt wurde. Es wurden nur Originaldokumente gezeigt und auf denen ist immer wieder die deutsche Volksgemeinschaft in Aktion zu sehen, Massen, die besinnungslos Hitler feierten. Auch der mörderische Antisemitismus ist sehr genau dargestellt. Auch hier wieder werden Originaldokumente verwendet, die teilweise von der NS-Bürokratie und der SS erstellt wurden. Auch die Finanziers der Nazis - die Großindustrie und die Großgrundbesitzer - werden im Film benannt. Das war für eine westdeutsche Gesellschaft im Jahr 1961 zu viel.

Thälmann durfte nicht gezeigt werden

Wahrscheinlich wäre der Film noch kritischer geworden, wenn dem Regisseur beim Drehen nicht staatliche Vorschriften gemacht wurden. So wurden Rotha bei seiner Arbeit für den Film im Archiv ein Historiker beigeordnet, der die Dokumente interpretieren sollte. Zudem wurde auch inhaltlich Einfluss auf den Film genommen. So sollte bei den kurzen Einblendungen der ehemalige KPD-Vorsitzende nicht gezeigt werden. Dafür durfte Rotha immerhin ein Dokument zeigen, dass die Verantwortung von Adenauers rechter Hand Globke bei den NS-Verbrechen zeigt. Anhand des Filmes kann gezeigt werden, dass nicht nur in der DDR sondern auch in der BRD Zensur gegenüber kritischen Filmen ausgeübt wurde.

Weg mit Hitlers Geburtshaus

Leider legt der Regisseur doch zu stark den Fokus auf Hitler als angeblich meist fotografierter Mann. Hitler wird als Mann mit Charisma dargestellt. Wie weit dieser Hype um Hitler noch bis heute anhält, zeigt die Debatte um Hitlers Geburtshaus in Braunau. Auch im Freitag hat sich Dirk Alt mit einen Beitrag (https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/haus-der-geschichte) sich vehement dafür eingesetzt, dass das Haus erhalten wird und davon gesprochen, dass sonst Geschichte ausgelöscht wird. Warum ein Haus nur deshalb erhalten werden soll, weil dort für kurze Zeit Hitler mit seinen Eltern gewohnt hat, kann Alt aber nicht erklären. Statt dessen ergebt er sich in wolkigen Ergüssen über Hitlers historischer Größte und führt ausgerechnet den konservativen Historiker Joachim Fest als Referenz an, der die Person Hitler in den Mittelpunkt stellte, um sowohl die deutsche Volksgemeinschaft, die ich bejubelte und unterstützte als auch die Finanziers aus der Großindustrie, die ihn finanzierte, zu entschuldigen. Dafür bekam sein Buch hohe Auflagezahlen. Paul Rotha hingegen stellt in dem Film mit Originaldokumenten die Verantwortung der Unterstützer_innen und der Finanziers heraus. Deswegen ist der Film in Deutschland nie zum Publikumsmagneten geworden.

Peter Nowak

Filmportal:

ww.filmportal.de/film/das-leben-von-adolf-hitler_32369ffc7fc8477f9512b7a75d925825

Das Leben von Adolf Hitler im Kino Arsenal:

http://www.arsenal-berlin.de/kalender/wochenansicht.html

Heutiger Erinnerungsort der Mörderfabrik Topf & Söhne in Erfurt:

http://www.topfundsoehne.de/cms-www/index.php?id=75:

http://www.topf-holocaust.de/

Internetpräsenz des besetzten Haus, das mit der Gedenkarbeit begonnen hat:

http://topf.squat.net/

16:11 17.11.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Peter Nowak

lesender arbeiter
Schreiber 0 Leser 25
Avatar

Kommentare