Ein Streik steht,wenn mensch ihn selber macht

Arbeitskämpfe Heute wird um 19 Uhr im Museum des Kapitalisus in der Böhmischen Straße 11 ein Buch vorhrstellt, das sic wenig bekanntne Arbeitskämpfen widmet..
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Am Montagabend waren viele sich links verstehende Menschen am Rosa Luxemburg Platz zu finden. Sie wollten in der Volksbühne einen linken Popstar, den kurzzeitigen griechischen Finanzminister Varoufakis hören, der noch einmal darüber informierte, warum es auch in Griechenland nicht klappte mit der Transformation des Kapitalismus aus Regierungsverantwortung und dass auch Syrizia erkennen musste, sie war im kapitalistischen Staat an der Regierung, aber nicht an der Macht. Nun soll ein Plan B für Europa her, damit es beim nächsten Mal besser läuft. Allerdings soll der dann in der Volksbühne eher vage gewesen sein. In Sichtweise der Volksbühne hätten die vielen Linken einen Streikposten sehen können. Wie häufig seit Juli informierte dei ver.di-Gruppe des Kinos Babylon über ihren Streik um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen. Der Monttag hatte doch noch eine besonere Bedeutung. Denn die Babylon-Geshchäftsführung startete eine Gegenoffensive, mit dem sie den Streik in die antisemitische Ecke stellen will. Es war schon auffällig, dass kaum jemand von den vielen Linken, die 10 Euro zahlten, um Varoufakis zu hören, sich einmal beim Streikposten sehen ließ. Dabei warteten Hunderte teilweise mehr als eine halbe Stunde vor der Volksbühne und im Foyer auf den Beginn der Veranstaltung. An diesem wurde auf esgsten Raum deutlich, die vielen Menschen, die ernsthaft eine Alternative zu der Politik der Austerität und Verelendung suchen, wie sie von Deutsch-Europa ausgeht, nahmen den Kampf gegen die Austerität in der Nachbarschaft nicht wahr. Dabei sind solche Arbeitskämpfe die wichtige Voraussetzung, für eine Gesellschaftsveränderung. Wer den Kampf gegen die Austerität Ernst nimmt, sollte am Arbeitsplatz, im Jobcenter und im Stadtteil beginnen. Genau das ist das Thema des von mir herausgebenen und kürzlich beim Verlag Edition Assemblage erschienenen Buches "Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht".

Dieses Buch soll einen Kurzüberblick über Streiks und Arbeitskämpfe geben, die in der letzten Zeit in Branchen geführt wurden, die mensch oft nicht damit in Verbindung bringt. Mitarbeiter_innen von Spätkaufläden , Migrant_innen, Sexarbeiter_innen aber auch Gefängnisinsass_innen werden bis heute nicht mit Gewerkschaften in Verbindung gebracht. DGB-Gewerkschaften hatten sich für diese Sektoren lange gar nicht interessiert. Trotzdem hat im November und Dezember 2011 in Berlin ein Spätkaufbeschäftigter erfolgreich einen Arbeitskampf geführt. Die Gefangenengewerkschaft/bundesweite Organisation (GG/BO) konnte 2014 innerhalb weniger Monate mehrere Hundert Mitglieder gewinnen. Das sind nur zwei von vielen Beispielen aktueller Gewerkschafts- und Arbeitskämpfe, die medial oft gar nicht oder nur sehr begrenzt wahrgenommen werden.

Streiks sind noch immer aktuell

Das Buch will diese und ähnliche Arbeitskämpfe vorstellen und in einen gesellschaftlichen Kontext einordnen. Das Ende der fordistischen Fabrikgesellschaft hat Streiks und Arbeitskämpfe entgegen der auch in Teilen der Linken verbreiteten Meinung nicht obsolet gemacht, aber die Erscheinungsformen haben sich verändert. Wir sehen in Deutschland und den europäischen Nachbarstaaten nur noch selten, Arbeiter_innen Streikparolen rufend und Fäuste ballend die Fabrik verlassen. Wir sehen aber Kolleg_innen, die auch in kleinen Firmen und Läden teilweise über längere Zeiträume Arbeitskämpfe führen. Wir sehen solidarische Sexarbeiter_innen oder Geflüchtete, die für ein Recht auf Gewerkschaftsmitgliedschaft streiten. Dabei wird auch die gesellschaftliche Auseinandersetzung bei solchen Arbeitskämpfen wichtiger. In einem Großbetrieb oder Bergwerk konnten streikentschlossene gut organisierte Beschäftigte den Kapitalist_innen Zugeständnisse abtrotzen. Bei einem Spätkauf mit 5 Beschäftigten oder in einer Branche mit geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrad, wie dem Einzelhandel ist es kaum möglich, den Kampf ausschließlich im Betrieb zu einem Erfolg zu bringen. Da wird es wichtiger, dass der Arbeitskampf von Auseinandersetzungen in der Gesellschaft begleitet wird. Diesen solidarischen Aktionen im Bereich des Einzelhandels oder bei Amazon sind eigene Kapitel des Buches gewidmet. Dabei geht es um solidarische Kund_innen, die während des Einzelhandelsstreiks im Winter 2013/14 die Kolleg_innen unterstützt haben ebenso wie die historische Unterstützung des britischen Minerstreiks durch Lesben und Schwule. In diese Kategorie fallen auch Basistreffen Europäischer Gewerkschafter_innen auf die Wille Hajek eingeht oder die Labourstart-Konferenz im Mai 2014, die eine Solidarität mit Arbeitskämpfen auf transnationaler Ebene zum Ziel haben. Dankenswerter Weise hat Alexandra Wischnewski ihren in der Monatszeitschrift analyse und kritik zuerst abgedruckten Beitrag über Organisierungsansätze in der Carearbeit für das Buch zur Verfügung gestellt. Erfreulicherweise hat in den letzten Monaten die Diskussion um die oft von Frauen ausgeübte Carearbeit, einen größeren Stellenwert bekommen. Hier liegt auch ein großes Versäumnis der klassischen Arbeiter_innenbewegung, die diese Arbeit oft zu wenig beachtet hat. Mit dem hierzulande kaum beachteten Arbeitskämpfe im norditalienischen Logistikbereich, der schwierigen Organisierung in der Berliner Taxibranche und den Bericht über eine Intervention in einen Arbeitskampf im Berliner Ensemble befassen sich einzelne Kapitel des Buches. Die in Frankfurt/Main aktive Gruppe Antifa Kritik & Klassenkampf sorgt in ihren theoretischen Beitrag zu Krise-Klassenkampf – Organisierung sicher für eine fruchtbare Debatte.

Wann wen richtet sich das Buch?

An alle Menschen, die sich mit der Frage befassen, ob es heute noch Streiks gibt. Das Buch will aber vor allem Kolleg_innen Mut machen, die sich vielleicht mit schlechten Lohn und miesen Arbeitsverhältnissen abgefunden haben, weil sie der Meinung sind, Arbeitskämpfe wären nur in einer Großfabrik oder bei einer großen gewerkschaftlichen Organisierung möglich. Daher gibt es auf den letzten Seiten des Buches die Kontaktadressen einiger Projekte und Initiativen geben, die Streikende unterstützen.

HInweis zum Buch:

http://www.edition-assemblage.de/ein-streik-steht-wenn-mensch-ihn-selber-macht/

HInwweis auf die Buchvortellung heute abend:

http://www.museumdeskapitalismus.de/node/91

Peter Nowak

02:04 09.10.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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