Ein Theaterrevolutionär zu Besuch in Berlin

Boris Charmatz Eindrücke vom diesjährigen Festival Foreign Affairs in Berlin
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Ein Theaterrevolutionär zu Besuch in Berlin
Die Veranstaltung "20 Dancers for the XX Century" im Treptower Park

Foto: Clemens Bilan/AFP/Getty Images

In diesen Tagen ist es wahrlich nicht einfach, einen lange geplanten Termin auf kulturellen oder politischen Gebiet einzuhalten, wenn zeitgleich im Rahmen der WM ein Deutschlandspiel terminiert ist. So konnte dieser Tage eine Veranstaltung mit der US-Feministin Silvia Federici mit einstündiger Verspätung stattfinden, weil in dem Veraastaltungsraum während des WM-Spiels die Glotze aufgebaut war und eine Lesung der Peter Weiss Gesellschaft wurde gleich ganz verschoben, weil der anvisierte Termin mit einem WM-Deutschlandspiel kollidierte. Zumindest bei den Aufführungen des Theaterfestivals Foreign Affairs ist garantiert, dass sie dem Fußballwahn nicht zum Opfer fallen. Schon dafür verdient dieses alljährliche Kunstereignis freundliche Beachtung.

Der ganze Raum wird zur Bühne

Am Abend des 30.Juni waren die Straßen in Berlin menschenwert, schließlich stand ja wieder ein Spiel an, in de Deutschland mitmischte. Doch rund um die St.Agnes-Kirche in Berlin-Kreuzberg drängten sich viele Menschen unter einem Dach, weil gerade ein heftiger Platzregen eingesetzt hatte. Pünktlich um 22 Uhr ging die Tür der ehemaligen Kirche auf und die meisten Zuschauer_innen verteilten sich im Raum. In der Mitte stand ein dreistöckiges Gerüst, auf dem zwei Tänzer und eine Tänzerin Aufstellung bezogen haben. Der Raum wird in den nächsten 40 Minuten ihre Bühne sein, auf der sie ihre Performance darbieten. Die drei Plattformen, auf denen Künstler_innen agieren, sind von allen Seiten zu beobachten. Es gibt für die Zuschauer_innen keinen privilegierten Raum. Einige haben sich auf eine etwas erhöhte Fläche zum Sitzplatz gewählt. Andere stehen rechts und links von dem Gerüst.

In bestimmten Abständen verlöscht das Licht fast, Töne kommen aus den Lautsprechern, die in der Kirche aufgebaut sind. .Es ist das "Attention“, das der Performance den seltsamen Titel gab: "Aatt enen tionon".

Es ist allerdings nur eine der vielen Kunstdarbietungen, die im Rahmen des diesjährigen Foreign Affairs-Festivals an verschiedenen Orten in Berlin dargeboten werden.

Theaterfestival im Treptower Park

Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr der französische Choreograph Boris Charmatz. In der französischen Kunstszene wurde er bekannt, nachdem er Jahr 2009, die Leitung des Choreografischen Zentrums in Rennes übernommen dass er bald in "Musée de la danse“ umbenannte und zu einem Zentrum der avantgardistischen Theaterkultur machte. Schon am letzten Wochenende konnten Spaziergänger rund um das Sowjetische Ehrenmal am Treptower Park per Zufall einen Ausschnitt dieser Kultur erleben.

Unter den Titel "20 Dancers for the XX Century" gaben dort Künstler_innen Einblicke in die Arbeiten der aktuellen Tanzszene Diese Aufführung wird nicht widerholt. Aber noch eine Woche gibt es Gelegenheit, andere Arbeiten von Charmatz kennenzulernen. Bis zum 13.7. dauert das Festival Foreign Affairs noch an.

Am 7. Juli haben Interessierte die Gelegenheit die Aufführung von Aatt enen tionon ein weiteres und letztes Mal zu erleben

Peter Nowak

Zum Programm von Foreign Affairs geht es hier:

http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/foreign_affairs/ueber_festival_fa/aktuell_fa/start.php

Hier weitere Infos zu Aatt enen tionon;

http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/foreign_affairs/fa14_programm/fa14_programm_danse/fa14_veranstaltungsdetail_danse_98073.php

13:48 05.07.2014
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