Ein ukrainischer Nationalist und die Taz

Volodymyr Nebir Volodymyr Nebir ist in der rechten ukranischen Presse ein Held, weil er gegen die Russen kämpft. Am Wochenende wurdeer völlig unkritisch in der Taz gefeiert.
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Die Taz gehörte hierzulande zu den wenigen Medien, die in den letzten Wochen in der Flüchtlingsdebatte in der Regel klar Positon gegen rechte Thesen bezogen hat Auch in der aktuellen Wochenend-Taz begründet der Kollege Patrick Gensing noch einmal prägnant, warum jeder Heimat-Bezug mit Ausgrenzungen verbunden und daher abzulehnen ist. Der Begriff mag harmlos klingen, kann aber nicht positiv besetzt werden, so Gensings begrüssenswertes Fazit.

Nur wenige Seiten weiter kommt dann mit Volodymyr Nebir ein Mann zu Wort, der in seinen wenigen Sätzen immer wieder betont, wie stolz er doch ist ukraninischer Patriot zu sein.

Nebir wurde für den Themenschwerpunkt „Was von der Revolution bleibt“ (http://www.taz.de/!5248975/) interviewt. Dort werden Protagonist_innen der zu Revolutionen hochgejazzten Umbrüche in Tuneisen, der DDR und der Ukraine interviewt.

Der ukrainische Nationalist Volodymyr Nebir wird in der rechten ukrainischen Presse schon länger zum Helden stilisiert (http://www.kyivpost.com/content/kyiv-post-plus/ukraines-heroes-40-year-old-map-helps-cyborg-save-comrades-392341.html?flavour=mobile). In dem kurzen Interview betont er gleich mehrmals, wie wichtig der Patriotismus für ihn ist. Er vergisst auch nicht zu erwähnen, dass die Sowjetunion schon immer sein Feind war und bereits sein Großvater als Rebell gegen die Rote Armee gekämpft hat. Da hätte sich doch die Frage angeschließen müssen, ob der Opa gemeinsam mit den Bandera-Faschisten Juden gejagt hat. Schließlich war die antisemitsiche zeitweise mit NS-Deutschland liierte Bandera-Bande die größte antisowjetische Rebellengruppe in der Ukraine. Aber solch kritische Nachfragen ersparte man den ukranishcen Patrioten Nebir, der stolz auf die Heldentaten seines Opas ist und gerne in seine Fussstaffen treten will. So erfahren die Taz-Leser_innen auch nicht, ob Nebir gegen die feindlichen Russen im Rechten Sektor oder bei der Nazipartei Swoboda kämpft.

Der gesamte Themenschwerpunkt "Was bleibt von der Revolution?" (http://www.taz.de/Ausgabe-vom-7/8-November-2015/!161301/) ist insgesamt eine Würdigung verschiedener gesellschaftlicher Umbrüche, die als Revolutionen bezeichnet werden. Auf diese Weise wird selbst in der linksliberalen Taz mit Nebir ein Mann hochgelobt, dessen Positionen auf jede Pegida-Demo viel Applaus bekommen würden, wenn sie es nicht aus taktischen Gründen gerade eher mit Putin halten.

Diese unkritische Würdigung eines ukrainischen Ultrarechten in einen grünennahen Blatt ist nicht verwunderlich, seit ein Großteil dieses Spektrums die ukrainische nationale Revolution unkritisch bejubelt, die vielleicht doch noch fortsetzt, was die deutschen Urgroßeltern bis 1945 nicht schafften. Es ist bezeichnend, dass in einer Zeit, in der sich in Deutschland das Spektrum rechts von der Unon erstmals sowohl parteiförmig in der AFD als auch mittels zivilen Ungehorsam bis hin zu offener rechter Gewalt immer vernehmlicher organisiert, selbst in einen Medium das dem rechten Rummel widersteht, ein Nationalist unkritisch dargestellt wird, wenn er nur aus der Ukranie kommt.

Peter Nowak

11:53 08.11.2015
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