Peter Nowak
28.06.2010 | 14:12 14

Eine gelungene und eine gescheiterte Debatte

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Peter Nowak

Über eine Kritik an der israelischen Politik ohne antisemitische Zwischentöne wird in Deutschland ebenso heftig gestritten, wie über die Grenze zwischen einer notwendigen Islamkritik und dem antiislamischen Ressentiment. Zwei Veranstaltungen in den letzten Tagen in Berlin zeigten das Gelingen und das Scheitern eines solchen Unterfangens.

Am Donnerstagabend debattieren in der Werkstatt der Kulturen in Neukölln auf Einladung der linksliberalen Tageszeitung (taz) Stephan Kramer vom Zentralrat der Juden, der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik und die Taz-Chefredakteurin Ines Pohl über die Grenzen der Israelpolitik. Vorausgegangen war auch in dem Blatt eine polemisch geführte Debatte, die von einem Beitrag von Iris Hefets ausgelöst war. Die israelkritische Jüdin hatte von einem Missbrauch des Gedenkens an den Holocaust durch Israel geschrieben. Ihr hatten schon wenige Tage danach mit guten Argumenten der Züricher Wissenschaftler Alexander Hasgall und später auch Kramer widersprochen. Am Donnerstag wurden die Differenzen noch einmal benannt. Kramer machte deutlich, dass eine Israelkritik dann zum Ressentiment wird, wenn das Existenzrecht des Staates angezweifelt wird. Hat schon jemand das Existenzrecht Zimbabwes angezweifelt, wenn er das Mugabe-Regime diskutiert? Auch die Dämonisierung Israels oder den Vergleich Israels mit dem NS-Regime ist nicht weit vom Antisemitismus entfernt. Micha Brumlik lieferte dafür ein gutes Exempel, als er den Boykottaufruf einer Gruppe „Großmütter für den Frieden“ gegen eine israelische Kulturgruppe erwähnte, die dort von einen „globalen Pogrom“ schwadronieren, dass Israel angeblich plane. Da fragt man sich wirklich, ob die ihrer Schulzeit vor 1945 zugut aufgepasst haben. Auch ein Diskussionsteilnehmer, der hart an der Grenze zum Antisemitismus eine Schimpftirade gegen Israel losließ und damit eindeutig auch Kramer meinte, mit dem er ausdrücklich nicht in den Dialog treten wolle, zeigte, wie eine solche Veranstaltung hätte enden können. Doch diese Stimmen wurden ignoriert. Die Diskutanten und auch die im Publikum sitzende Iris Hefets vereinbarten einen weiteren Dialog über die unterschiedlichen Standpunkte zu Israel ohne wechselseitige Vorwürfe.

Na also, es geht doch, kann man am Ende anerkennend sagen. Vielleich lag es auch daran, dass sich niemand von jener Fraktion zu Wort gemeldet haben, die aus ihrer langen Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus den Schluss gezogen haben, diesen Vorwurf immer wieder auch gegen Juden zu richten, die Israel kritisieren. Brumlik bescheinigte ihnen eine „bemerkenswerte Selbstgerechtigkeit“.

Wenn Islamkritik in Hass umschlug

Am Samstagnachmittag konnte man sich davon im Berliner Initiativenzentrum Mehringhof ein Bild machen. Im Rahmen der Linken Buchtage war eine Buchvorstellung zum Thema „Sex, Djihad und Despotie“ angekündigt. Doch die im Begleittext annoncierte “kritische Analyse des klassisch-schariatischen Geschlechterverhältnisses“ wurde nicht geleistet. Stattdessen erfolgte von dem Autor ein Rundumschlag gegen alle, die er für Kollaborateure mit dem Islam hält, der alternative CSD und Judith Butler natürlich, die Berliner Genderstudies und selbst ein Teil der Antisemitismusforschung wurden abgewatscht, wobei ihm auch manche treffende Polemik über jenes Milieu der linken Islamversteher gelungen ist. Daraus hätte eine gute Debatte werden können. Doch vom Referenten wurde am Ende festgelegt,was nicht Gegenstand der Diskussion sein sollte, beispielsweise die Frage, ob es in Deutschland Islamophobie gibt. Der Autor hat sie kategorisch verneint und sieht schon in der Debatte darüber ein Sieg für die Islamfreunde. Als sich dann ein Zuhörer genau zu diesem nichtexistierenden Islamhass bekannte, gab es von Referent und dem größten Teil des Publikums keinen Widerspruch. Aus Erstaunen, das jemand so offen bekennt, was es doch gar nicht gibt? Oder war es vielleicht stilles Einverständnis? Jedenfalls war diese Nichtdebatte ein Exempel, wie es nicht geht.

Peter Nowak

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (14)

John Doe 29.06.2010 | 14:38

Lieber Herr Novak,

dass der CSD, Judith Butler, die Berliner Gender Studies und das Zentrum für Antisemitismusforschung "abgewatscht" wurden, hat gute Gründe, die Herr Maul auch dargelegt hat. Im Falle J. Butlers etwa, ihre Aussage, dass Hamas und Hezbollah progressive Bewegungen seien, Teil der globalen Linken. Bei der Kritik an den Gender Studies sind Sie auf der Veranstaltung sogar noch mitgegangen. Auch wurde der Zusammenhang zum klassisch schariatischen Islam durchaus herausgearbeitet. Das hat Ihnen jedoch mißfallen. Weil Sie Herrn Maul aber nicht widerlegen konnten, wollen Sie diesem "Kleinbürger" nun "ein paar richtige Arbeiter auf den Hals hetzen" und ihn nach erfolgter Revolution ins "Umerziehungslager" stecken, wie Sie nach der Veranstaltung und vor der Diskussion, während der Sie ob ihres unzivilisierten Redeverhaltens von den Veranstaltern hinauskomplimentiert wurden, jedem, der es nicht hören wollte, haben wissen lassen. Das lässt nur erahnen, welches autoritäre Vorschwein hier im Affekt zum Vorschein gekommen ist. Der Freitag scheint das linke Auffangbecken für Journalisten Ihres Schlages zu sein, bevor man dann wie Jürgen Elsässer ein Leben am lunatic fringe fristen muss.

p.s. Wer wie Sie die katholische Kommunion "genauso" schlimm findet wie islamisch begründete und legitimierte weibliche Genitalverstümmelung, hat ohnehin jedes sinnvolle Mass und damit politische Urteilskraft verloren.

Peter Nowak 29.06.2010 | 16:13

Lieber Joe Doe,
ich stimme ihnen in der Kritik an Gender Studies zu und zitiere mich ausdrücklich einmal selber:

de.indymedia.org/2010/06/285054.shtml

"Es ging um Beschneidungen und Genitialverstümmelungen und den Umgang damit auch in Teilen der Genderstudies – und postfeministischen Kreisen. Da lieferte Maul sicher einige polemische aber treffende Beobachtungen Das Hauptmanko des Buches: er führte diese Genitialverstümmelungen monokausal als Beweis für die islamische Menschenfeindlichkeit an und übersieht dabei mehreres....:"
Meine Kritik an diesem Punkt war nicht, dass Maul den Islam kritisiert, sondern wie. Ich bin für eine radikale aber emanzipatorische (!!!) Islamkritik und beziehe mich da auf folgende Quellen, wo eben diese Trennung herausgearbeitet wird:

www.glasnost.de/autoren/krauss/contrarechts.html

extrablatt-online.net/archiv/ausgabe-4/interview-mit-der-gruppe-theorie-organisation-praxis-top-berlin.html

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Wie notwendig diese Unterscheidung ist, zeigte sich ja bei der Veranstaltung, wo dann eben fast unwidersprochen zum Hass aufgerufen wurde. Ist dass nicht das eigentlich Unzivilisatorische und müssten wir nicht aus der antirassistischen und antifaschistischen Praxis wissen, dass ein zivilisatorisches Reden nicht möglich ist, wenn zu gruppen- und menschenbezogenen Hass aufgerufen wird.

Peter Nowak 29.06.2010 | 16:40

Noch eine Ergänzung:
Die Intervention von Doe hat mich veranlasst, noch einmal klarer zu machen, dass ich mich mit meiner Kritik an Maul nicht im Lager der Islamversteher befinde. Wer den ersten Absatz des Artikels über die Taz-Debatte gelesen hat, wird auch erkennen, dass mein Plädoyer für eine emanzipatorische Islamkritik nicht zu verwechseln ist, mit Relativierungen, Vergleichen beim Antisemitismus.

John Doe 29.06.2010 | 20:10

Lieber Herr Nowak,

gruppen- und menschenbezogener Hass ist zunächst einmal dummer Heitmeyersoziologenstuss und dann Gebot und Herzensanliegen eines jeden aufrichtigen Antifaschisten oder etwa nicht? Oder wollen Sie jetzt gar ein Plädoyer gegen militanten Antifaschismus halten? Ob Herr J. gesagt hat, dass er DIE Moslems hasst oder einfach nur Moslems hasst, macht zwar semantisch, logisch einen Unterschied - im ersten Fall sind ausnahmslos alle, im zweiten nur manche und sei es auch die überwiegende Mehrheit der Moslems gemeint - ich habe jedenfalls verstanden, dass er Moslems (ohne definiten Artikel) hasse. Das macht alles aber keinen Unterschied, weil der Islam keine Rasse ist, sondern eine Ideologie, die man im Gegensatz zur Rasse ablegen kann. Insofern ist Ihr Rassismusvorwurf hohles Geschwätz. Das wissen Sie zwar auch, aber wie in sovielen Punkten diese Veranstaltung betreffend, behaupten Sie es trotzdem. Das nennt man billige Propaganda in denunziatorischer Absicht. Den Kontext der Äußerung unterschlagen Sie auch; es ging um den klassisch-schariatischen Islam, der seit dem 12. - 13. Jahrh. die absolute Hegemonie errungen hat und alle Strömungen des islamischen Rationalismus, die ohnehin äußerst marginal waren, beseitigt hat.
Vor dieser Form des Islams, den man auf dem Abstraktionsgrad, auf dem Herr Maul ihn kritische betrachtet, von Kreuzberg bis Indonesien antreffen kann, Angst zu haben, ist keine pathologische Reaktionsform, wie es das Islamophobiegestottere nahelegt, sondern wohl begründet. Herr J. hatte an dieser Stelle nachgeschoben, Angst zu haben wäre zu defensiv, Hass zu haben durchaus angebracht. Und das ist zutreffend.

Peter Nowak 30.06.2010 | 05:11

Lieber John Doe,
sie haben auch gehört, dass J. von Hass auf Moslems gesprochen hat, aber genau wurde ja von mehreren Indymedia-Postings als dreiste Lüge bezeichnet, die ich nur in die Welt gesetzt hätte, um Antideutsche zu dissen.
Im Gegensatz zu ihnen sehe ich darin aber eine Form der gruppenbezogenen Diskriminierung. Dieser Begriff ist sicher angreifbar, ist aber präziser als der Rassismusbegriff, obwohl die Folgen für die betroffenen Personen, Ausgrenzung, Stigmaitiserung etc. ähnlich sind. Natürlich ist es richtig, dass Menschen die Religion verlassen können und ich wünsche mir viele Ex-Muslems, Ex-Christen etc. Ich streite für Verhältnisse, wo viele Menschen auf das Opiad Religion verzichten, aber doch dass kann doch keine Folge von Druck sein, nach dem Motto, wenn du die Religion nicht aufgibst, hasse und diskriminiere ich Dich.
Es gibt doch in der Geschichte viele Beispiele von religiös begründeter Diskriminierung, Verfolgung Ermordung. Natürlich steckten da noch immer andere Gründe dahinter, aber vordergründlich ging es dann um Religonen und selbst wenn die Religion verlassen wurde, wurden Menschen beschuldigt, das wäre nur Theater. Auch aktuell gibt es die Metapher vom christlichen Abendland, das sich sowohl gegen Atheisten als auch gegen nichtchristliche Religonen abschottet. Für die einzelne Person, die sich als Moslem versteht, ist diese Abschottung durchaus als Diskriminierung, Stigmatisierung, Verfolgung erfahrbar.
Es muss doch möglich sein, den Islam zu kritisieren und trotzdem gegen diese Form der Ausgrenzung aufzutreten.
Da gab es als positives Beispiel die Intervention der Emanzipatorisch-antifaschistischen Gruppe (EAG) gegen die Moscheegegner in Pankow-Heinersdorf. Der Aufruf hieß auch "Kommunismus statt Heinersdorf" und dort wurde gegen die dortigen Moscheegegner ganz klar Stellung genommen, ohne die Moslems aufzufordern, doch einfach auszutreten. Das sind doch zwei völlig verschiedene Baustellen: sie sollen nicht wegen der Moscheegegner austreten, vielmehr hat man gemeinsam verhindert, dass die sich durchsetzen. Trotzdem sollten sie perspektivisch Ex-Moslems werden.
Wer abe Moslems hasst, wird diese Dialektik nicht mitmachen und hätte sich bei den Moscheegegnern eingereiht

John Doe 02.07.2010 | 00:56

Lieber Herr Nowak,

stecken Sie sich ihre Dialektik sonst wohin und lernen Sie doch einfach zuzuhören und zvilisiert zu diskutieren. Sie sind von den Veranstaltern der linken Buchtage der Lüge überführt und das passt ja allzugut zu Ihrem stalinistischen, autoritären Gestottere; gut dass man gegen so Lügner wie Sie auf Tonbandaufnahmen zurückgreifen kann.
linkebuchtage.de/cms/program/detail.php?nr=1144=Veranstaltungen
Runterscrollen und sacken lassen.

Peter Nowak 02.07.2010 | 04:27

Nun wie es mit dem zivilisiatorischen Diskutieren so ist, kann die geneigte Leserin, der geneigte Leser ja hier gut verfolgen. Wo ist hier etwas Stalinistisches zu finden, vielleicht, wenn man es rückwärts liest? Sie sind eher bereit auf die Dialektik zu pfeiffen, als auch nur zuzugeben, dass es nötig sein könnte, auch mal Moslems gegen einen deutschen Mob zu verteidigen, wie es noch Gruppen wie die Emanzipatorisch-Antifaschistische Gruppe noch vor 4 Jahren machte.

Und wie kommen Sie zu der Behauptung, ich wäre der Lüge überführt worden, weil die Organisatoren der Buchmesse eine Erklärung verfaßt haben? Ich habe bei den Link keinen Mitschnitt der Veranstaltung entdeckt, der ja schon am Montag groß angekündigt war. In der Erklärung ist auch kein Wort über eine Tonbandaufnahme die Rede.
Zudem haben Sie ja vor einigen Tagen hier gepostet, was sie auf der Veranstaltung von dem von mir kritisierten Zuhörer aus dem Publikum gehört haben:

"Ob Herr J. gesagt hat, dass er DIE Moslems hasst oder einfach nur Moslems hasst, macht zwar semantisch, logisch einen Unterschied - im ersten Fall sind ausnahmslos alle, im zweiten nur manche und sei es auch die überwiegende Mehrheit der Moslems gemeint - ich habe jedenfalls verstanden, dass er Moslems (ohne definiten Artikel) hasse".

Also hatten wir hier keinen Dissens was gesagt wurde, sondern über die politische Bewertung.
Demnach hätte ja die Organisatoren der Buchmesse auch sie, wenn nicht der Lüge, sondern der falschen Wahrnehmung überführt? Oder ist das jetzt auch wieder Dialektik und damit zu kompliziert, wenn man es lieber schwarz-weiß haben will?
Dann bleibt nur der Appell, doch zivilisiert zu diskutieren, genau das alle sagen, die ihre verschiedenen Arten der Menschenfeindlichkeit zur Debatte stellen. Sollen wir auch ganz zivilisert darüber diskutieren, ob Afroamerikaner dümmer, die oder jene sogenannte Kultur oder Religion mehr oder weniger wert sind? Zivilisiert sind in meinen Augen hingegen jene, die den J. und Co. mindestens ins Wort fallen und ihr rechtspopulistisches Getue entlarven. Das ist Zivilcourage und wahrhaft zivilisatorisch und auch ganz bestimmt in der antifaschistischen Tradition.

Peter Nowak 02.07.2010 | 04:48

Da die Erklärung der OrganisatorInnen der Linken Buchtage hier verlinkt wurde, stelle ich meine Erwiderung hier ins Netz.
Eine Reaktion ist bisher darauf nicht erfolgt.

An die Organisator_Innen der Linken Buchtage Berlin,

mir ist über Indymedia Eure Stellungnahme zu meinem Artikel über die Linke Buchmesse im Neuen Deutschland vom vergangenen Montag zugegangenen, in dem ich mich im letzten Abschnitt auch mit der Veranstaltung von Thomas Maul befasse.
Etwas verwundert bin ich, dass mir die Stellungnahme nicht persönlich zugeschickt wurde, oder, was eigentlich sinnvoll gewesen wäre, dass ich vor der Verabschiedung kontaktiert worden wäre, damit ich meine Beobachtungen noch einmal detailliert hätte beschreiben können. Ich habe Verständnis dafür, dass dafür in der Hektik der Buchtage weder Zeit noch Muse war. Aber bei der Aufarbeitung des Vorgefallenen wäre eigentlich eine Nachfrage bei mir zu erwarten gewesen. Zumal ich weder in dem ND-Artikel, noch im Freitag- oder Indymedia-Beitrag die Organisator_Innen der linken Buchtage wegen des Vorfalls kritisiert habe. Das habe ich weiterhin nicht vor, denn ich sehe Eure Rolle nicht als linke Hausmeister sondern als Menschen, die viel Zeit und Mühe aufwenden, um das sehr verdienstvolle Projekt der Linken Buchtage auf die Beine zu stellen. Dafür habt Ihr meinen vollen Respekt.
Daher bin ich auch Eure Erklärung doppelt verwundert. Ihr habt auch keine Hausmeisterrolle, in dem Sinne, dass Ihr Euch zu Interpreten von Publikumsäußerungen aufschwingt udn sie Euch nach Belieben zurechtstutzt.
Die Linken Buchtage sind von Euch auch nicht als Wohlfühlort einer Kuschellinken geplant, sondern als Ort des Streits und der Kontroverse. Die aber muss und soll auch ausgetragen werden. Diesem Ziel dienen auch meine Beitrage in ND, Freitag und auf Indymedia.
In der Sache muss ich Eurer Stellungnahme in drei Punkten widersprechen, weil meine Wahrnehmung vor Ort eine andere war.

1.) Es ist richtig, dass Maul in seinem Vortrag auch ausführlich auf den antisemitischen Vorfall auf einen Straßenfest in Hannover eingegangen ist. Die Debatte mit dem Publikum erfolgte nach einer mehr als 10minütigen Pause. Der Wortbeitrag war also keine unmittelbare Reaktion auf die Darstellung dieses Vorfalls. Es ging vielmehr vorher in der Debatte um die Frage, ob es Islamophobie in Deutschland gibt.

2.) Der Wortbeitrag führte nicht unmittelbar zu kritischen Reaktionen/Nachfragen bei Publikum und Referenten sondern wurde zunächst nicht kommentiert, auch nicht von mir.

3.) In dem Wortbeitrag des Zuhörers war nicht nur vom Hass auf dem Islam sondern auch auf Moslems die Rede.
Das wurde von einem Zuhörer bestätigt, der die Aussage politisch verteidigt, also nicht in Verdacht steht, mich verteidigen zu wollen. Er schrieb auf Freitagonline (www.freitag.de/community/blogs/peter-nowak/eine-gelungene-und-eine-gescheiterte-debatte?searchterm=Peter+Nowak) folgenden Blogbeitrag, den er auch auf Indymedia (de.indymedia.org/2010/06/285054.shtml?c=on#c661382) publizierte, sie ist nur im verdeckten Postingteil zu finden.
„Ob Herr J. gesagt hat, dass er DIE Moslems hasst oder einfach nur Moslems hasst, macht zwar semantisch, logisch einen Unterschied - im ersten Fall sind ausnahmslos alle, im zweiten nur manche und sei es auch die überwiegende Mehrheit der Moslems gemeint - ich habe jedenfalls verstanden, dass er Moslems (ohne definiten Artikel) hasse…“.

Dort findet sich auch eine weitere Stellungnahme eines Lesers, der selber nicht auf der Buchvorstellung war, aber bei einem Anwesenden nachgefragt hat, der ebenfalls bestätigt:
„Ja, es sei vom Hass auf Moslems die Rede gewesen und nicht nur abstrakt den Islam“ (ein Rechtschreibfehler im Originaltext wurde von mir geändert).
Da die menschliche Wahrnehmung natürlich nie frei von Fehlern ist, wäre ich über eine Veröffentlichung des via Indymedia angekündigten Veranstaltungsmitschnitts dankbar. Da aus datenrechtlichen Gründen eine Veröffentlichung auf Indymedia und anderen offenen Foren wahrscheinlich nicht möglich ist, wäre ein Zugänglichmachen der an der Kontroverse Beteiligten sinnvoll.
Darüberhinaus ist diese Kontroverse, Konsequenz einer politischen Differenz. , Die verdient es, ausgetragen zu werden, in öffentlichen Veranstaltungen, auf der Diskoseite der Jungle Word. etc. Es geht um die Frage, wo emanzipatorische Islamkritik endet und Ressentiment beginnt oder konkreter: Ist das Bekenntnis zum Hass auf Moslems noch von einer emanzipatorischen Islamkritik gedeckt? Wenn man sich eben nicht für Ausschlüsse von Verlagen stark macht, wie von mir kritisiert, bei der linken Buchmesse in Nürnberg geschehen, sollte aber auch die Kontroverse geführt werden.

John Doe 02.07.2010 | 11:05

Herr Nowak,

ich darf doch davon ausgehen, dass Nazis, die Homosexuelle, Frauen und Juden hassen, wiederum Ihren Hass auf sich ziehen, oder etwa nicht? Ist das dann kein menschen- oder gruppenbezogener Hass? Warum hassen Sie dann keine Moslems, die Homosexuelle, Frauen und Juden hassen? Moslems, gegen die man, wenn es eine vernünftige Linke geben würde, genauso vorgehen müsste wie gegen Nazis also. Für eine solche Folgerichtigkeit im Denken bedarf es keiner Dialektik, sondern lediglich der Ehrlichkeit und Konsistenz. Weil Sie aber rassistische Doppelstandards anlegen, kommen Sie nicht zu einer solchen trivialen Einsicht. Dass Denken und Argumentieren Ihre Sache nicht ist, erkennt man daran, dass Sie bedeutungsentscheidende Kontexte unterschlagen, das ist eine Form des Lügens, oder etwa nicht? Moslems zu hassen, ohne anzugeben warum, wäre natürlich widerwärtig, aber immer noch kein Rassismus. Ich hoffe auch, dass die Aufnahme des Tonbandgeräts frei zur Verfügung gestellt wird, nicht nur weil damit ein guter islamfeindlicher Vortrag der Öffentlichkeit präsentiert wird, sondern auch solcher Stuss, wie der von Ihnen in die Welt gesetzte, widerlegt ist.
Schade nur, dass von Ihren autoritären Stalino-Strafphantasien kein Tondokument vorhanden ist, dafür gibt es leider nur ein paar Zeugen.
Aber im Zweifelsfall reicht das ja auch schon für eine Strafanzeige.

Peter Nowak 02.07.2010 | 16:10

Herr John Doe,

genau das ist der Dissens: Nazis und Antisemiten müssen bekämpft werden, unabhängig (!) von ihrer Nationalität und ihrer Religion. Dass heißt, die Jugendlichen, die eine jüdische Tanzgruppe angegriffen haben, sind deshalb zu bekämpfen. Ihre Nationalität und ihre Religion spielen dabei keine Rolle. Das ist übrigens auch eine lange Diskussion in journalistischen Kreisen gewesen, dass bei Straftaten die Frage, ob die Täter_Innen den deutschen Pass haben oder nicht, keine Rolle zu spielen hat, gerade um Zuschreibungen und Ressentiments zu vermeiden.
Wenn in einer Kleinstadt irgendwo in Deutschland die jüdische Tanzkapelle vom biodeutschen Mob angegriffen worden wäre, hätten sie die auch als Nazis, Antisemiten und nicht als Christen angegriffen und niemand käme auf die Idee, an diesen Beispiel die lange Tradition des Antijudaismus im Christentum abzuhandeln.
Und mit recht, der Antisemitismus dieser Jungnazis speist sich genau sowenig aus Bibelzitaten, wie die der Hannoveraner Antisemiten aus alten Korantexten.

Genau so halte ich es generell, denn Nazi, Antisemit ist eine selbstgewählte, menschenfeindliche, politische Haltung und muss nicht nur von Linken als solche bekämpft werden. Der Islam ist wie alle anderen Religionen keine Rasse, wie sie richtig erklärt haben, aber ein Ensemble kultureller Praxen, die eben nicht einfach eine politische Weltanschauung ist. Er kann genauso wenig wie jede andere Religion als Begründung für antisemitsche ... etc. Handlungen dienen und es gibt auch genügend Moslems, die das genauso sehen.

Natürlich kann und soll ein Moslem aus der Religion austreten, aber das kann nur eine bewußte Entscheidung von politischen Menschen sein, die keiner Religion mehr angehören wollen, genau so wie ein Christ. Dass hat aber nichts mit einer menschenverachtenden politischen Einstellung zu tun, die übrigens auch bei Menschen ohne jegliche Religion anzutreffen ist. Es gibt auch einen ausgeprägten Antisemitismus bei manchen nichtreligiösen Menschen, was wiederum nicht zu dem fehlschluss verleiten soll, Atheisten wären Antisemiten.
Daher. es ist sehr wohl eine konsequente Entscheidung gegen Antisemit_Innen, Rechten vorzugehen, egal und unter Absehung ihres Glaubens.
P.S.: Die Darstellung in einer Zeitung muss notwendig immer verkürzt sein, einfach wegen des Platzes, den nicht der Autor sondern die Redaktion zur Vefügung stellt. Im ND-Artikel ging es um die Linke Buchtage insgesamt, und da spielte dieser Vorfall eben eine untergeordnete Rolle, anders als bei Indymedia, wo ich die Diskussion und den Vorlauf sehr ausführlich geschildert habe, auf die von Maul vorgetragenen Thesen und auch den antisemitischen Vorfall in Hannover erwähnt ( https://posting.de.indymedia.org/mir/servlet/OpenMir?do=opensession=comment=285054=de).
Von einem Verschweigen meinerseits kann also keine Rede sein.

John Doe 03.07.2010 | 21:39

Lieber Herr Nowak,

auf Ihr nettes Sonntagsredengelaber einzugehen erspare ich mir. Das wurde in ideologiekritischen Texten antideutscher Provenienz (u.a. Maul, Scheit, aber auch Hartmut Krauss) längst alles in extenso widerlegt. Sie wiederholen nur die falschen, linken Glaubenssätze, die auch nicht wahrer werden, wenn man sie sich immer wieder einredet. Dorfatheistisch zu glauben, dass alle Religionen gleich (falsch) sind, ist das proton pseudo dieses Mantras. Machen Sie ruhig Ihre Veranstaltung, intellektuell theoretisch sind sie ohnehin am Ende, da kommt nichts mehr, psychisch (Stichwort: "richtige Arbeiter" - "Umerziehungslager") erst recht. Suchen Sie sich mal einen "shrink" wie es so schön auf Englisch heißt, der kann ihnen vielleicht noch helfen.
Sie wiederholen nur die dummen

John Doe 03.07.2010 | 21:44

Lieber Herr Nowak,

auf Ihr nettes Sonntagsredengelaber einzugehen erspare ich mir. Das wurde in ideologiekritischen Texten antideutscher Provenienz (u.a. Maul, Scheit, aber auch Hartmut Krauss) längst alles in extenso widerlegt. Sie wiederholen nur die falschen, linken Glaubenssätze, die auch nicht wahrer werden, wenn man sie sich immer wieder einredet. Dorfatheistisch zu glauben, dass alle Religionen gleich (falsch) sind, ist das proton pseudo dieses Mantras. Machen Sie ruhig Ihre Veranstaltung, intellektuell theoretisch sind sie ohnehin am Ende, da kommt nichts mehr, psychisch (Stichwort: "richtige Arbeiter" - "Umerziehungslager") erst recht. Suchen Sie sich mal einen "shrink" wie es so schön auf Englisch heißt, der kann ihnen vielleicht noch helfen.

Peter Nowak 04.07.2010 | 15:44

Lieber John Doe,

den Sonntagsreden, in den alle Religionen verurteilt werden, möchte ich gerne lauschen. Auch denen, in denen ganz klar betont wird, dass Nazis als Nazis und Antisemiten als Antisemiten völlig unabhängig von Geschlecht, Pass und Religion zu bekämpfen sind. In den deutschen Sonntagsreden wird dagegen in der Regel beschworen, dass sich doch alle Kulturen, Religonen etc .vertragen sollen.
Ich kenne und schätze auch einige der von Ihnen empfohlenen "ideologiekritischen Texten antideutscher Provenienz" , habe sogar Hartmut Krausa als Beispiel für emanzipatorische Islamkritik in meinen Indymedia-Beitrag (de.indymedia.org/2010/06/285054.shtml) verlinkt. Dann würde ich Ihnen empfehlen, auch die Kapitel zu lesen, wo Krauss den Unterschied zu rechtspopulistischen Antiislamismus ganz klar heraushebt, der bei der kritisierten Veranstaltung überhaupt keine Rolle spielte.
Was mich aber ehrlich verwundert, ist die Aversion auch ideologiekritischer Menschen gegenüber der guten alten Reeducation (deutsch Umerziehung). Dass da sofort Stalin und Lager und nicht Adorno und Frankfurter Schule einfallen, finde ich deshalb bedauerlich, weil es neben den Morgenthauplan und Ilja Ehrenburg die Reducation auf die Hitliste des deutschen Ressentiments geschafft hat, die viele Deutsche den Alliierten noch immer nicht verziehen haben. Eine verschwörungstheoretische Ausstellung zum Thema Re-education, die zurzeit ausgerechnet in Bundestagsgebäuden am Berliner Spreeufer zu sehen ist, zeigt nur die Wirkungsmächtigkeit des Ressentiment. Ich bin hngegen der Meinung, dass die Reeducation ein probates Mittel nach 1945 in Deutschland war und vielleicht etwas Zivilisation bewirkt hat, und halte sie auch nach gesellschaftlichen Umwälzungen für probat (ganz ohne Lager aber bitte!!!).