Wie morsch war die "deutsche Eiche" Gerhard Schröder schon 2001?

Futuristen bei der SPD Diese Gruppierung ist schon längst aus der SPD ausgetreten. Doch eine ihrer Forderung von 2001 wurde nach über 20 Jahren noch mal ganz aktuell.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

"Die Futuristen in der SPD fordern den Parteiausschluß von Bundeskanzler Schröder. Ein verspäteter Aprilscherz?"

Diese Frage stellte ich Sylvia Zeller in einem Interview, das am 16.11.2002 in der jungen Welt abgedruckt war. Die Antwort der damaligen Sozialdemokratin Zeller kann sogar noch vor der Bezahlschranke der jW gelesen werden:


"Nein, denn im April (2001) war noch nicht abzusehen, zu welch rechtsradikalen Äußerungen sich Herr Schröder hinreißen läßt. Daß wir uns an die Öffentlichkeit wenden, ist sicherlich ein Akt der Verzweiflung, weil die innerparteiliche Meinungsbildung durch den Verweis, die Regierungsfähigkeit könne gefährdet werden, völlig blockiert ist. Es ist in der SPD eine Bunkermentalität eingekehrt, die in Schröders Forderung nach Enttabuisierung des Militärischen gipfelt."

Sylvia Zeller, Futuristen in der SPD, junge Welt vom 16.11.2001

Der Hintergrund für die Forderung der Futuristen in der SPD, die sich auf den postmordernen Philosophen Michel Foucault und den Theoretiker des "Recht auf Fraulheit" Paul Lafargue beriefen, war Schröders permanente Hetze gegen angeblich Faule, die nicht arbeiten wollen. In Wirklichkeit waren die von Zeller als "rechtsradikalen Äußerungen" qualifizierten Sprüche des damals im Zenit seiner Macht stehende Kanzler die Begleitmusik zu der Agenda 2010, die dann zum Sanktionsregime von Hartz IV führte. Schröders Stimmungsmache gegen angeblich Faule, die eben nicht Lohnarbeit zu jeden Preis annehmen wollen, leitete die Repressionsmaßnahmen ein, mit denen die Menschen dann eben gezwungen werden sollten, sich für fast jeden Preis ausbeuten zu lassen. Es ehrt die Futuristen in der SPD, dass sie darin einen Ausschlussgrund sahen. Es war klar, dass die damals damit in der absoluten Minderheit geblieben. Erwähnenswert ist die Reaktion des SPD-Rechtsaußen Johannes Kahr. "Was stört die deutsche Eiche, wenn sich die Wildsau daran stört", übte er sich in deutschnationaler Polemik gegen die Schröder-Kritiker*innen. Daraus resultiert der Titel des jW-Interviews: "Kanzler-Rausschmiss: Wie morsch ist die deutsche Eiche?" Über 20 Jahre haben sich Schröder und Kahrs längst aus der aktuvien Politk zurückgezogen. Das Kapital, egal ob russisches oder deutsches, zahlt mehr. Aber auch die Futuristen haben sich schon längst aus der SPD zurückgezogen. Denn haben gesehen, dass diese SPD keien Zukunft hat, jedenfalls nicht für Menschen, deren Ziel eine emanzipatorische Gesellschaft ist.

Peter Nowak

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden