Eine linke Soziologin aus Berlin

Gabi Althaus Die linke Berliner Soziologin wird jetzt durch einen Film von Matthias Coers wieder dem Vergessen entrissen.

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Gabriele „Gabi“ Althaus (geb. 25. April 1938, gest. 8. August 2018) war Professorin am Institut für Soziologie. Urs Jaeggi hatte seine Stelle eigens teilen lassen, damit die hoch qualifizierte Oberassistentin endlich zu einer Professur käme, aber es wurde nichts daraus. Die Vertreter*innen der damaligen Alternative Liste verhinderten es: Sie bemängelten, dass Gabi Althaus sich nicht mit feministischen Themen beschäftige. Später bekam sie dann doch noch eine Stelle als wissenschaftliche Oberrätin mit allen Aufgaben einer Professorin. Das schrieben Elisabeth-Meyer Renschhausen und Antje Ansorge in einem Nachruf auf ihre Kollegin, die Berliner Soziologieprofessorin Gabi Althaus. 2018 gestorben, ist sie heute weitgehend vergessen. Das Schicksal teilt sie mit ihrer Freundin Margherita von Brentano

Beide spielten schon vor der Apo-Zeit eine wichtige Rolle in der Westberliner Linken, engagierten sich gegen alte und neue Nazis und unterstützten Hausbesetzungen wie Gabi Althaus.

Zu den Frühvergessenen gehört übrigens auch die Politologin Gerburg Treusch-Dieter, die einstige Mitherausgeberin des Freitag ist bei vielen Studierenden unvergessen. Aber sonst kommt sie nicht vor, auch nicht in dieser Zeitung, in der es auch keinen Platz für einen Artikel über Gabi Althaus in Printausgabe gab, ein Angebot wurde nicht einmal beantwortet. Wie in linksliberalen Medien übrig, hält man sich die Seite Feministin. Aber für einen Film, das Gabi Althaus jetzt wieder bekannter machen könnte, fehlt dann der Platz. Die Wiederentdeckung kommt von dem Soziologen und Regisseur Matthias Coers, der die Soziologin über ihren Sohn Boris Althaus kennenlernte.

Im Jahr 2011 hat er mit Gabi Althaus über mehrere Tage ausführliche Interviews geführt, die sich mit ihrer Autobiographie, ihrer Rolle in der 1968er-Bewegung von Westberlin sowie den Auseinandersetzungen der verschiedenen linken Strömungen am Soziologischen Institut der FUB befassen. Die 10 Stunden Gesprächsmaterial geben nicht nur einen guten Einblick in das Leben von Gabi Althaus, auch Menschen einen guten Einblick in das Leben von Althaus geben, sondern auch in die Zeitläufe, als ein Celan-Gedicht im Unterricht zu einer Hetzkampagne ausgelöst durch einen Artikel im Tagesspiegel führte. Das konnte Gabi Althaus Ende der 1960er Jahre erfahren, als die alleinerziehende Mutter als Lehrerin arbeitete. Sei beschreibt das reaktionäre Klima jener Jahre, aber auch die solidarische Haltung der Schulklasse, die in Briefen an den Tagesspiegel ihre Lehrerin verteidigten. Im Anschuss studiere Althaus im zweiten Bildungsweg Soziologie und wurde schließlich doch Professorin am Soziologieinstutit der FUB.

Der knapp 100minütige Film „Hier stimmt was nicht! – Gabi Althaus – eine Berliner Soziologin“ hat am 24.6. um 20 Uhr im Kino Moviemento am Kottbusser Damm 22 Premiere.

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Peter Nowak

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