Gegenwind für Lüneburger Sarrazin

Ulrich Mädge Während die SPD in Ostdeutschland zivilgesellschaftliche Kräfte umarmt, bekämpft der SPD-Oberbürgermeister in Lüneburg das linke Wohnprojekt Unfug
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Nie wieder Mädge“, skandierten Demonstrant*innen vor wenigen Tagen in der Lüneburger Innenstadt. Der Oberbürgermeister der Stadt hat sich mit seinen Privatkrieg gegen das linke Wohnprojekt Unfug den Titel „Sarrazin von Lüneburg“ redlich erworben. Es ist eben der Politiker*innentypus, der mit Law and Order-Parolen auf Stimmenfang geht. Da muss ein Wohnprojekt, dessen Grundsätze „unabhängig – frei und gemeinsam wohnen" (Unfug) lauten, als linkes Feindbild weg. Ulrich Mädge ganz offen erklärt, als er offen erklärte, dass er das Wohnprojekt bekämpfen will. Dafür nutzte er das Instrumentarium des Baurechts. Zunächst erwirkte er einen Baustopp für die festen Häuser auf dem Gelände, dann verbot er die Wagen, in denen Menschen auf den Gelände wohnten. Weil hohe Geldstrafen drohten, sind zum 1. Juli die Wagenbewohner*innen umgezogen. Ein Etappensieg für den Lüneburger Sarrazin. Doch die Unfug-Bewohner*innen geben sich kämpferisch. „Wir sind noch immer in Lüneburg und wir werden weiter laut sein“, betonte ein Unfug-Bewohner. Er gehört zu den 10 Menschen, die 2017 das Grundstück und das Wohnhaus in Lüneburg gekauft und wurden dafür vom Mietshäusersyndikat beraten wurden. „Unser Ziel war und ist es, Wohnraum zu bezahlbaren Preisen zu schaffen“. Da wussten sie noch nicht, dass sie ins Visier von Mägde geraten waren. Vielleicht ist es noch erwähnenswert, dass der Lüneburger OB das SPD-Parteibuch hat. Schließlich ist es die Partei, die in manchen ostdeutschen Städten zivilgesellschaftliche Initiative im Zuge der Kampagne gegen rechts politisch umarmt. In Lüneburg macht hingegen ein SPD-Oberbürgermeister die Arbeit der AfD, wenn er linke Projekte vorgeht. Ist es da verwunderlich, wenn manche mehr als 2 Meter Abstand auch im öffentlichen Raum zu einer Partei suchen, die noch immer Bluthund Noske zu ihren Parteiinventar zählt, die ein Jahrzehnt brauchte, um sich von einen Sarrazin zu trennen und die seinen Bruder im Geiste Ulrich Mädge in Lüneburg die Stange hält?

Peter Nowak

Hier der Link zur Internetpräsenz des Lüneburger Wohnprojekt Unfug mit Beispielen von kreativen Widerstand:

https://unfug-lg.de

16:44 01.07.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare