Musizieren statt betonieren

Lebenslaute Die Gruppe widmet sich seit 1986 der Widerstandskultur. Morgen wird sie in der Saarstraße in der Nähe des Berliner S-Bahnhofes Friedenau ein Autobahnkonzert geben.

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Die Taborkirche in Berlin-Kreuzberg war am Dienstagabend gut gefüllt. Doch dort wurde nicht gebetet. Vielmehr gab die Gruppe Lebenslaute dort eine Kostprobe ihres musikalischen Repertoires. Von Franz Schubert über Joseph Haydn bis zu Felix Medelsohn-Bartholdy war alles dabei, was Klassikfreund*innen erfreut, zu denen ich mich nicht rechne. Doch immer wieder waren auch Lieder für den Widerstand zu hören. "Die freie Republik" hieß eines der Stücke, dass Ella gewidmet war, einer Klimaaktivistin, die eigentlich anders heißt. Bei der Räumung des Camps im Dannenröder Wald soll sie einen Polizisten getreten haben. Da sie ihren richtigen Namen nicht nennen wollte, sass sie monatelang in Untersuchungshaft. Auch einen Rio-Reiser-Song gab es auf den Konzert. Die Stimmung stieg deutlich, als der Song Verhärtung intoniert wurde, es die Hymne einer Protestbewegung, die schon immer Pflanzen aus dem Beton wachsen lassen wollen. Ich gebe zu, dass es nicht meine Musik ist. Trotzdem war für mich das Konzert keine Minute langweilig. Denn es handelte sich um das Warmup für das erse Berliner Autobahnkonzerte, das sie am 4.8. auf derBetonpiste geben Das ist ganz im Sinne von ebenslaute, die seit 1986 an Brennpunkten de sozialen Bewegung auftreten. sie haben vor Flüchtlingsunterkünften wie in Horst in Mecklenburg Vorpommern ebenso gespielt, wie an Orten wo Raketen gelagert sind. Widerständige Musik an unmöglichen Orten heißt denn auch ein im Graswurzelverlag erschienes Buch über die Geschichte der Protestcombo.

Ganz Berlin hasst die A100

Sie singen aber auch an Plätzen, wo sich Menschen gegen die Umweltzerstörung wehren wie in Garzweiler und am 4.8. auf der Berliner Autobahn. Dort plant der der FDP, der Auslagerung der Konzerne im Parlament, angehörende Verkehrsmininister die Erweiterung der A100 gegen den Willen der Mehrheit der Berliner Bevölkerung. Deshalb haben sich Lebenslaute für dieses Jahr auch den Kampf dagegen gewidmet. Eigentlich wollten sie direkt auf der A100 bei der S-Bahnhof Tempelhof ihr erstes Autobahnkonzert geben. Da hatte die Polizei was dagegen. Doch Lebenslaute reagierte selbstbewusst nach ihrem Motto: „Wir singen und spielen, wo immer wir wollen“, lautet der Grundsatz bei den Lebenslaute-Auftritten. Jetzt wird das erste Autobahnkonzert am Donnerstag, den 4. August um 16.30 Uhr auf der A103 in der Nähe des S-Bahnhofs Friedenau in Berlin stattfinden. Auch Menschen, die wie ich nicht auf Klassik stehen, sollten es sich nicht entgegen lassen. Es ist eine musikalische Protestaktion und soll deutlich machen, dass eben auch Autobahnen keine demokratiefreie Zonen mehr sein dürfen. Es kann nicht sein, dass dort weiterhin die Autos unsere Lebensgrundlagen zerstören und die Gegner*innen dort nicht mal dagegen protestieren sollen. Daher kommt alle am 4.8. auf die Saarstaße in der Nähe der Autobahnauffahrt Friedenau. Zwei zentrale Parolen fallen mir spontan an: „Ganz Berlin hasst die A100“ und „Wenn wir ein schönes Leben wagen, müssen wir die FDP zerschlagen“.

Peter Nowak

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